Einzelbild herunterladen
 

- 214 -

fenllichen Verhandlung des viel besprochenen Unterschlagungsprozesses durch einen Gerichtsboten in der Wohnung des Angeklagten abgeben zu lassen. Doch Niemand zeigte sich geneigt, dasselbe entgegen zu neh­men. Wie uns mitgetheilt wird, hätte sogar die Gattin des urplötz­lich abgcreisten und inzwischen, wie eine telegraphische Depesche be­richtete, zum hessischen Ctaatsminister beförderten Präsidenten sich bestimmt geweigert, die Ladung für ihren Mann entgegenzunehmen. In Folge dessen soll nun der Gerichtsbote angewiesen worden sein, die Ladung vor der Tbür des Angeklagten, sowie am schwarzen Breit des Gerichtes zu befestigen.

Also dieselbe Art und Weise dem preußischen Gericht wie der Kurhessischen Sländeversammlung gegenüber. Er nimmt's nicht an, dann ist's nicht wahr! — Wir warnen alle unsere geroerbtreibenden Mitbürger, für den neuen Großvezier zu arbeiten, es könnte sein, daß cr's mir den Rechnungen ebenso machen würde. — Uebrigens bedau­ern wir sehr, wenn Hr. Hassenpflug etwa wegen jener unangenehmen Greifswalder Affaire sofort wieder abreisen müßte, um dort beige« steckt zu werden, — oder wenn er bei den hiesigen Gerichten rcqui- rirt würde, — er fängt seine Sache so gescheidt hier an, seine HH. Kollegen würden in seiner Abwesenheit vergebens ihr bischen Gehirn anstrengen.

Staffel, 2. März. — Die Berliner Kosackenzeitung, nämlich die Neue Preußische, bemerkt in der gestrigen Nummer mit ihrer ge­wöhnlichen Polizistenironie: „Hr. Hassenpflug werde doch, trotz des Mißtrauensvotums, versuchen, sich das Vertrauen der hohen Sla'nde- versammlung zu erwerben." Das heißt zu deutsch: „ Die Ständever­sammlung wird nächstens zur Vernunft kommen und den Katzenjam- mer haben, sich nämlich mit Haut und Haaren dem f verschreiben (die konstitutionelle Partei mag diesen Vorwurf der Feilheit und Ge­sinnungslosigkeit beantworten!) oder — — die Standeversammlung wird schon zur Vernunft gebracht, nämlich gestandrechlet werden." (Das letztere ist wünschenswenh. Das hessische Volk wird Gleiches mit Gleichem vergelten!)

* Staffel, 2. März. — Hasseripslug und Motz sind nach Berlin, — H. vielleicht auch nach Greifswalde zum Verlust der Preuß. Nationalkokarde. — Vilmar ist hier, um für H. zu arbeiten tm Weinberg des Herrn; man spricht von der Gründung einer hessi- schen Kreuzzeitung.

** Staffel, 2. März. — Morgen ist Essen zu Ehren der alten Mi­nister; die meisten Staatsdiener haben erklärt, sie würden kommen, aber mau möge nicht verlangen, daß sie ihre Namen auf die Theilnehmerlisten setzten. Diese Sorte Retirade ist noch auS früheren Zeiten bekannt.

Tübingen, 26 Febr. — (Der „Beobachter" bringt folgende Bemerkung, die wir nicht umhin können, milzutheilen.) Vorgestern fanden einige Spaziergänger auf dem Wöith einen lebendigen Mai­käfer der sich schon im Hornung aus seinem Versteck hervorgewagt hatte. Gkwallmaßregcln her! Suspension der Verfassung! Tod allen Anarchisten Mit einem solchen Frühling kann man nicht regieren!

O e ft e r r e i cl'.

* Wien, 23. Febr. — Die Regierungszeitungen versuchen eS, den Bruch der Komorner Kapitulation gegen den bekannten Protest Klapka'S in Schutz zu nehmen. „Magyar Hirlap" rechtfertigt die Asseniirung der Komorner Honveds ebenso gründlich als loyal vom Standpunkte der Nützlichkeitstheorie aus. „Das Kriegoministerium bedarf Rekruten, und findet eS nicht für billig, die Komorner hierbei zu ver­schonen." Wer vermag solchen Gründen gegenüber noch aus den Sti­pulationen der Kapitulationsurkunde zu bestehen? — Der „ Oesterr. Cvrrcsp." behauptet, daß die Aufregung in der Bocche di Cat- tarv sich vollkommen gelegt und „beim Erscheinen der k. k. Truppen die Molcontenten eine sehr kleinlaute Miene" angenommen hätten. ®ine direkte Correspondenz des „Lloyd" aus Cattaro vom 11. berich­tet jedoch , daß der Steuerverweigerungskonflikt erst nahe daran friedlich zu lösen. Den wahren Stand der Sache werden wir wohl kaum eher erfahren, bis Oesterreich zu eristiren aufhört.

, ' 181 ^br-' schreibt der „Lloyd" : Untern Buchhänd-

"«brachte d'e gestrige Sonutagöftier einen unangenehmen Le,uch. Ein Pol.znkomm.ffar m Begleitung eines Offiziers und zweier Civilbeam- ten g.ng von Buchladen zu Buchladen, und fragte: ob verbotene Bücher auf dem Lager waren? Bekanntlich kennt die VerfasiunnSur- künde (VerfassungS urkunden werden nach der „ Kreuzzeiinna" nicht beschworen, sondern nur Verfassungen!) keine verboicnen Werke und auch der AuSnahmSzustand ist noch nicht der Art orgamsirt, daß er, wie im seligen Vormärz, seinen iudex librorum prohibitorum hätte. Dazu kommt noch, daß ein hoher Beamter jüngst die Aeuße- :ung fallen ließ: die Bucherrevision werde blos Werke von reinckom- munistischer Tendenz im Auge haben. Wie waren daher unsere Buch­händler überrascht, als man sie nach verbotenen Buchern fragte! Na­

türlich wollte und konnte Niemand deren kennen, bis der Commissär die Liste der SuspectS auS der Tasche zog, und sie nach der Reihe namhaft machte. Es befanden sich darunter „ Kampf und Verrath n von Kovacs, „Batthyani, ein politischer Märtyrer" und — die unter Milwissen der Behörden hierorts gedruckte, seit 8 bis 14 Tagen all­gemein feilgebotene ungarische Ucbersetzung von „ Kossuths Kata­strophe".

Ueber denselben Gegenstand schreibt daS angezogene Blatt auS Pestt) vom 10.: Die Dornenkrone unsrer Buchhändler erhält nun reichen Zuwachs; der Index librorum prohibitorum bürste halb ju einer Ausdehnung anschwellen, welche selbst der weiland römische nicht erreichte. Wurden doch sogar Erzeugnisse der Wiener Presse, die „ro­mantische Lesehalle" und GuizotS „Demokratie" als verpönt mitge­nommen. Gleichzeitig ergeht an sämmtliche Buchhändler die Weisung, ihre Kommissionäre in Leipzig dahin zu beauftragen, daß sie durchaus keine politischen Werke mehr nach Ungarn spedircn. (Hilft Alles nichts. Hängt die Geister!)

Ueber die Stimmung in Trieft berichtet der offizielle „Oester - reichische Korr.": Die Stimmung ist zu Triest seit ban Carneval, wo einige trikolore Exzesse vorfielen, etwas gedrückt; man fürchtet, die revolutionäre Propaganda werde hier, und zwar nicht erfolglos, An­hänger finden (d. h. die Revolution wird nicht lange mehr warten lassen!). Zwischen den Aufsichtsbehörden und der Nationalgarde herrscht einige Spannung; die Ursache derselben sollen Kompetenz- Kviiflikt- sein, die jedoch bei dem loyalen Geiste beider Theile sicher mit Leich­tigkeit werden ausgeglichen werden. — (Dergleichen k k. StandrechtSe Mittheilungen müssen nur vernunftgemäß interpretirt werden.

Italien.

Mailand — Während in Neapel während des Karnevals wieder die „vorschriftsmäßige, übliche" Zahl politischer Verbrecher in majorem diaboli gloriam arretirt worden, ist bei uns Alleö ruhig vorudergegangen. Geballte Fäuste sind schlechte Gesellschafter in Thea­tern und auf Maskeraden. Der Haß gegen die Oesterreicher duM? keine Freude. Möge ihnen der AuSbruch deS Vesuvö, der seit langer Zeit seine Feuersäule nicht so ernst und großartig zum Himmel getra­gen hat, alS vor einer Woche, ein Zeichen dessen sein, waS da kom­men wird und muß. Italien wird frei, trotz HonvedS und Kroaten, trotz Schwarzenberg und Radetzky.

Dem Turiner „Costitutionale" wird gemeldet, daß sich bei Soma, 5 Meilen vom Lago maggiore, ein Korps von 20,000 Mann und ein anderes bei Como kovzeutrire. Sowohl die Offiziere als selbst die Erzherzoge sprechen von einer für das Frühjahr bevorstehenden Be­setzung des Kantons Tessin.

Zn gleicher Weise wird auS Venedig, 15. Februar, berichtet, daß zwischen dem Jsonzo und der Etsch ein beträchtliches österreichisches Korps echellonirt, und in der Provinz Como bereits ein KorpS von 18,000 Mann tonyntrirt sei. Diese Truppen erhalten Kriegssold.

S t ä n d e s i tz u n g. (Vom 1. März.)

(Schluß.)

Hr. Hahndorf: Man sei eS dem Lande schuldig, wenn daS Ministerium den Beschluß nicht an den Kurfürsten gelangen lassen wolle, denselben selbst zu überreichen. — Hr. Cöster: Er finde in dem Verhalten deö Ministeriums ein Unternehmen, der Ständever­sammlung ihre rechtliche Befugniß zu schmälern. Der eingeschlagene Weg erinnere an die diplomatischen Ränke- und Knifftologien der alten Schule, er könne einem gewissermaßen Mitleiden abpressen, er erinnere an die feinen Unterschiede vom Officrosen und Officiellen, Verbalnote; Mittheilung der Instruktion ic., er bedauere Jeden, der sich auf dies Gebiet begebe. Da jedoch die Ständeversammlung in ihrer Zuständigkeit angegriffen werde, so trage er darauf an, daS Schreiben der Landtagötommission an den Ausschuß zu verweisen, und derselbe könne dann auch die Gegenstände, welche noch von früher her gegen den Hrn. Hassenpflug Vorlagen, sammeln und darüber Be­richt erstatten. Man könne ihn vielleicht auf diese Weise auf dem BZeqe Rechtens beseitigen, wenn nicht schon vorher ein Greifswalder Urtheil uns von ihm erlöse. — Hr. Schenk: WaS der LandtagSkommission mitgetheilt werde, sei auch der Regie­rung mitgetheilt, was diese später mit einer solchen Mittheilung an- fange, ser gleichgültig, ob man sie zu Makulatur machen, oder ob man sie hinter Glas und Rahmen zum ewigen Gedächtniß aufberoab* ren wolle. Der Beschluß sei lebendig geworben und werde im Volke fortleben. — Hr. Oetker: DaS ganze Manövre sei so kleinlich, daß man kein Wort mehr darüber verlieren sollte. Man könne beim Be­richt über daS Programm einen um so kräftigern Beschluß fassen. — Hr. Bay rho fser: DaS neue Ministerium fange an, Se. Königl.