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zu haben. Denken Sie sich in einem „deutschen" Staatenhause — von einem Volkshause ist natürlich nicht die Rede! — Deutsche, Böhmen, Slovaken, Serben, Ungarn, Polen, Wallachen und Italiener im schönsten Verein — riecht daS nicht so etwas nach einer allgemeinen Völkerföderation ? Gebe nur der Himmel, daß die Nachwelt erfahre, wer diesen Plan auSgebrütet; der rothe Adlerorden ist diesem Genie sicher. Dieser Plan soll nun also wirklich wie die große Seeschlange, nachdem er sich aller Orten in Deutschland gezeigt, heimlich in daS Ka- binct veS Hrn. v. Schleinitz gedrungen sein und dort eine ungeheure Bestürzung erregt haben. Die ganze diplomatische Welt ist auf den Beinen, um sich das Wunderthier anzuschauen, das behaglich seine ungelenken Glieder im Febrnarsonncnschcin streckt. Man schreit um Hülfe nach dem neuen Ritter Georg, dem eisenfesten Radowitz; er soll dem Ungethüm, daS seine Kreise immer enger um die beklommenen Erfurter zUht, den Kopf zertreten. Samiel, Samiel! Hilf! Aber Samicl scheint bereits das Ungleiche des Kampfes eingeschen haben, und wie ich Ihnen früher geschrieben, eine Menge Schwarzweißer, unter ihnen Hr. v. Arnim, bezeigen wenig Lust, den Weg nach Erfurt zu wandeln, den die Sceschlange versperrt — genug, cö ist eine wahre Freude, das ängstliche Durchcinandcrlaufcn der „höheren" Diplomaten mit anzusehen, denn die „niederen" gehen natürlich immer noch mit ihrer undurchsichtigen Hornbrille auf der Nase die gerade Straße nach Erfurt. Und doch ist die Angst ganz grundlos. Ist daö Erfurter „Parlament" an seiner Lächerlichkeit gestorben, so verreckt die österreichische Meerkrake an seiner Unfläthigkeit. Die Vernunft wird und muß trotz aller Hexengebräue siegen! — Die Ernennung Ihres sehr ehrenwcrthcn Herrn Hassenpflug zum Premier hält unsere Zeitungen immer noch in Athem ! Die „Neue Preußische" schmettert natürlich Frühlingölerchcn- lieter, aber es scheint ihr doch nicht recht wohl zu Muthe zu sein, sie scheint zu fühlen, daß ihr der Strick um den Hals immer fester zugezogen wird, und in der Todesangst macht sie Bockssprünge. Eine herllose Furcht ist unter die Philister gefahren, so daß selbst die „Tante" sich genöthigt sieht, eines Briefes zu erwähnen, der sehr große Befürchtungen für die Ruhe in Frankreich ausspricht. Wahrscheinlich hat ihr Friund Veron vom „Konstitutionel" Mittheilungen gemacht und sie um Rath gefragt, wo sie Beide ihre silbernen Armleuchter in Sicherheit bringen sollen. Strotha ist übrigens, trotz aller Gegenbctheuerungcn der „Deutschen Reform", dennoch aus dem Ministerium gemaßregelt worden; er ist nicht energisch genug für mögliche Eventualitäten. Hr. V. Stockhausen übernimmt das Generalscharfrichteramt, eine ziemlich unbekannte Persönlichkeit, doch soll er stockreaktionär und ein Freund von Stockprügeln sein, und daS sind von Alters her die beiden einzigen Erfordernisse für preußische Kriegsminister. — Hassen pflug hat, so wird bestimmt versichert, als er auf seiner Reise von Greifswalde nach Kassel hier durchpassirte, eine Audienz beim Könige gehabt, und gemeint, er werde in Hessen schon aufräumen. Aufräumen, das wissen Sie doch, ist feine bekannte Liebhaberei! - Die Berliner Volkspartei hat zu ihrem Vorstände die Bürger Berends, Dr. Meyen, Paalzow, 93 e r - genroth und Dr. Waldeck gewählt. Unter diesen ist nur der Dr. Meyen radikal, dessen Zeitung setzt den Kampf der individuellen Freiheit gegen die Beschränktheit der „sittlichen" „National-" und „Urwählerzcitung" durchführt und nach einem kleinen Familienzwist der „Westdeutschen Zeitung" die Hand gereicht hat zum Kampfe gegen die einzelnen Bornirtheiten in der demokratischen Bourgeoisie.
— Altona, 2G. Febr. — Die Aufschlüsse, welche Hr. v. Usedom als Regierungskommissär am 25. in der Commissionssitzung der ersten Kammer in Betreff des Standes der F rie d e n ö u n t e rh an d- lungen mit Dänemark gegeben hat, sind zwar an und für sich ziemlich bedeutungslos, da die Herzogthümer bereits einen solchen Grad von Setbstthäligkeit und Selbstgefühl gewonnen haben, daß sie sich nie und nimmer einen Frieden von der königl. preußischen Diplomatie ein cutten lassen werden; — aber alö Ausdruck der Prinzipien, nach cuen srcußt.n den deutschen „Ordnerberuf" zu erfüllen trachtet, immer- nnlgem Interesse. Die einzige Differenz, welche nach den r.oßnt.ngiu tir.tr Exzellenz , noch zwischen Dänemark und Preußen N ^ 1 f ° *Cnt6 "st inkorporiern und dann admini-
^rucu, letz eres dagegen erst admivistriren und dann inkorporiren lassen wrü. Nach bekanntem Enphem'smuS nennt nun das preuß. Uab.net das letztere Manöver eine „rcrne Personalunion" und das erstere eine „re,ne ^nkvrPvraUon". Doch zur Beruhigung aller derer die durch derlei revolutionäre Phrasen ihr konservatives Gewissen' beumuhrat fühlen könnten, wird gleich daneben erklärt, daß „ein Mittleres zwischen diesen beiden Extremen gefunden werden müsse". „Denn man hat es in unseren Zeiten nicht allein mit den Tièpositionen der Ua- bini tte zu thun", — sondern — sondern auch mit denen des Hrn. v. Usedom, der erst einem Kabinette der Zukunft angehören wird. "Dieser täuscht sich nun nicht darüber, „daß die Popnlarmacht Ereignisse her-
vorrufen kann, welche einem Friedensabschlusse hemmend in den Weg treten dürften", und daß der Widerstand in Schleswig gegen die dekrctirte L an d e öv er waltu n g „so tiefgehender moralischer Art ist, daß die vorhandenen Mittel sich unwirksam dagegen erwiesen haben", aber er tröstet sich zugleich damit, daß „die Revolution, das blinde Auslehnen gegen die monarchische Autorität in den Herzogthümer» sich noch nicht finde". Es verlohnt sich wohl kaum der Mühe, den weiteren Expositionen des Hrn. Gesandten zu folgen. So viel ist gewiß, daß man in Preußen für den definitiven Friedensschluß bis jetzt noch nichts gethan hat, jedoch die Hoffnung hegt, daß bald etwas geschehen werde. Was geschehen wird, kann und vollkommen gleichgültig sein, und man wird den kleinen Umstand übersehen, daß Schleswig-Holstein, — Dank sei cS der preuß. Unentschiedenheit und Feigheit --im Laufe der zwei diplomatisch vergeudeten Jahre durch und durch republikauisirc ist und sich an eine reine Volksregierung gewöhnt hat, daß es bereits eine Armee besitzt, welche cs ruhig erwarten wird, inwiefern „die preußische Politik wie die preußische Armee die gemeine, staatenverwüstende Demokratie nicdcrzuschlagen " vermag. — Die Schleswig- Holsteinische Frage ist gerade durch die diplomatische Verschleppung ülcr den beschränkten Horizont deö nationalen Spicßbürgerthumö erhoben worden, es handelt sich jetzt nicht mehr um „stammverwandt" oder „dänisch", — es handelt sich um Selbstregierung oder gotteS- gnädige Bevormundung, möge diese nun von Preußen oder Dänemark ausgehen. Wir in Schleswig-Holstein täuschen uns hierüber weht mehr, aber wir hoffen und wünschen, daß sich die Herren in Berlin und Kopenhagen hierüber täuschen werden!
^il.C München, 26. Febr. — Nach dreitägiger Unterbrechung hat heute die Kammer der Abgeordneten wieder eine Sitzung gehalten. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung verlas der Referent Paur das Preßgesetz, wie es aus der sechstägigen Debatte der letzten Woche hervorgegangen, und weckte so aufs Neue all' das bittere Gefühl, welches die Berathung der einzelnen Artikel in so reichem Maße hervorgerufen halte. In einiger Verbindung mit diesem Gesetzentwürfe steht der auf „ Organisirung einer Anklage-Mr y bei Mißbrauch der Presse" gerichtete Antrag des Abgeordneten Heine. Der Antrag, wie ihn Hr. Heine gestellt hat, ist durchaus unpraktisch und in dieser Hinsicht erscheint der auf Verwerfung lautende Antrag des Ausschusses vollkommcu gerechtfertigt. Der Ausschuß ist jedoch weiter gegangen und hat sich nicht nur gegen den speziellen Antrag Heine's ausgesprochen, sondern auch gegen das Prinzip einer Anklage- Jury überhaupt.
Zu den Beispielen aus älterer Zeit sind in den jüngsten Monaten leider häufige neue Erscheinungen getreten, die nur allzu eindringlich daS geringe Maaß der Bürgschaft, welche die persönliche Freiheit in Bayern genießt, und die dringende Nothwendigkeit beweisen, Schutzmittel wider willkürliche und unbegründete Untersuchungshaft zu schaffen. Ein Antrag in diesem Sinne ist gestern von den Abgeordneten Kolb und Genossen eingebracht worden, welche erstenâ die Fortdauer einer Untersuchungshaft von dem AuSspruche einer längstens binnen acht Tagen nach der Verhaftung zusammen tretenden Anklage-Jury abhängig machen wollen; zweitens die für die Aburtheilung eingeführte Oeffentlichkeit auch für die Voruntersuchung beanspruchen und drittens auf Verweisung auch der politischen Vergehen vor die Schwurgerichte dringen. DaS Schicksal deö Antrags wird unzweifelhaft kein anderes sein, alö jenes, welches heute den Heinesschen Antrag betroffen hat: Verwerfung.
Türkei.
Don der bosnische« Gränze, 12. Febr. — In türkisch Kroatien bereitet sich abermals ein Kampf vor. Von Bania- luka bis an die österreichische Grenze ist Alles im Aufstande. In Ba- nialuka ist die türkische Besatzung, in Pridor und Novi die Muselime (Capitani) nicht verjagt, die Krainaer Türken, die Matadore der Revolution, aber bleiben gegen die Kaiserlichen, oder wie man zu sagen pflegt, gegen die vczirlichen Anordnungen in vollkommenster Renitenz. Ihre erste Operation wird sein, sobald die Witterung halbwegs günstig, vor Bihacz zu ziehen, den Pascha zu vertreiben und sich der Festung zu bemächtigen, um dann den kaiserlichen Truppen einen mehr ausgiebigen Widerstand entgegenzusetzen. Die Insurgenten ve» weigern durchaus die Stellung des Nizamâ und Entrichtung der Tan- simaisteuer. Der Pascha von Bihacz ist fest entschlossen, den Insurgenten wie im vorigen Jahre einen hartnäckigen Widerstand zu leisten. Die Besatzung von Bihacz kann er leicht bis 1000 Mann verstärken , mit Munition und Proviant ist er auch mehr als hinlänglich versehen und hofft, da in Bosnien eine bedeutende Macht regulärer Truppen versammelt ist, auch nicht lange auf Entsatz und eine günstige Wendung der Dinge warten zu müssen.
— 16 Febr. — Die Insurgenten haben noch einen vermitteln-