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Dritter Jahrgang.

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M'''A2. Kassel, Sonnabend den 2. März ISSO,

3« spät und doch zu früh!

Herr Hassenpflug kommt einige Monate zu früh. Wir unterfangen uns nicht, zu sagen, seine Berufung sei eine allzu vor­eilige Plumpheit; uns lüstet nicht nach neuen Preßprozessen von wegen Majestätsbeleidigung u. dgl.; aber daß sein eignes Kommen unter diese Kategorie gehört, und nicht unter die der Klug­heit, von dieser Behauptung sollen uns keine zwanzig Jnjurienprozeffe oder Anklagen auf Verletzung der hohen Aintsehre des Renegaten von Kurhessen abhalten. Er kam zu früh! Wer daran zweifeln möchte, beobachte nur den lähmendenüberwältigenden" Schrecken, der nicht blos unsere kurhessischen Konstitutionellen zittern und beben macht, der wie ein elektrischer Schlag die ganze Partei Gotha durch­zuckt von Stadt zu Stadt, von Blatt zu Blatt. Die Weserzeitung ruft kläglich:Hoffentlich ist der so plötzlich gefallene und sicher lange und wohlbedachte Streich nicht im Einverständnisse mit der preu­ßischen Regierung erfolgt; das wolle Gott nicht .... dann wahrlich möchte und müßte gar Mancher irre werden!" Und mit ihr winseln die armen Heulerblätter in die Wette. Ja, meine jam­mervollen Wassermänner, hier hilft kein Heulen und Zähneklappen, keine Leichenprozession, kein kaum hörbares Hoch aus dem Mund halb indifferenter, halb allzu an ständig er" festlich gekleideter Leichenbitter er ist da und bleibt da, und daß er mit Einwilligung, auf Ge­heiß seines Herrn und Meisters da ist, seines Bruders in Christo, der da wohnet und thronet im alten Schlöffe zu Berlin, dafür bürgt seine schwarzweiße Staatödienerseele und seine innige Freundschaft mit dem gottgesalbten Oberhaupt der Borussen, den unsere Konstitutionellen unS zum Schirmvogt von Erfurt gestempelt haben. Nicht die preußische Regierung, sondern der königl. souveräne Schirmvogt Kleindeutschlands hat unS seinen liebsten Bruder gesendet, um uns vorzubereiten auf sein russisches Reich des Standrechts, der Oktroyirung, der Belage- rung, der Ausnahmsgesetze und der ewigen Shrapnellö. Eben darum aber beginnt gar Mancher irre zu werden an demErfurter Himmel" und tritt heran zum Lager der Demokratie.

So kommt der Messias des Absolutismus als unfreiwilliger, ge­waltsamer Propagandist für die Republik, der Verblendete. Warum schickte er nicht seinen Johannes voraus, der unS vorbereitete auf sein Reich der Zukunft, warum ließ er nicht zuvor durch einen aalglatten Manteuffel unsere Konstitutionellen einschläfern, bis sie hinlänglich cingclullt waren, damit im Schlafe sein famoseS Regiment über sie kommen konnte? Nur drei Monate lang einen Manteuffel vor­her ! aber die Freunde des Lichts waren stets mit Blindheit geschlagen und darum kam er zu früh. Die Lehre ist zu plump, zu töl­pelhaft, die er seinen konstitutionellen Feinden gibt, als daß sie die­selbe verschmerzen könnten. ES mag ihn freuen, sie tödtlich verwundet zu haben, aber er mag zittern. Der Demokratie und der Lehre der Republik hat er eine neue furchtbare Lebenskraft im alten Lande der Kattcn, ja in ganz Deutschland verliehen. Er mag zittern! Die Demokratie wächst durch die Thorheit ihrer Feinde! Und darum kam er zu früh! Aber er kam dennoch zu spät, zu spät, um die gewaltigen Ideen durch seine jesuitischen Staatekünste auö dem Herzen deS Volks reißen zu können, die dereinst sein Urtheil sprechen werden. Dieses Urtheil wird nicht in effigie vollzogen werden, nicht an seinem Bilde, wie in jenen unschuldigen Märztagen, wo man seine hinterlassenen Kreaturen und seinem Andenken einen einfachen Fluch nachrief, dieses Urtheil wird diesmal an ihm selbst vollstreckt werden, wenn das rächende Schicksal ihn noch unter den Lebenden treffen sollte beim neuen Gericht der Zukunft. Er kvmmt zu spät, um die glühende Sehnsucht der Geister nach dem neuen blutigen Morgen­roth durch seine Kerker und Ketten dämpfen und ersticke» zu können.

Eitler Formalist! Deine Vergangenheit sind vergebene Versuche, deine Gegenwart ist Empörung. All' deine formellen Kunststücke, atT der Geist, den du an deinen kleinen Intriguen verschwendest, um das Recht zu beugen und zu brechen, all' deine Kniffe kommen zu spät! zu spät! Denn es lebt die Revolntion, und wenn nicht in der Faust, doch in den Herzen, und die lodernden Flammen werden bald genug emporschlagen, um dich und die ganze Brut deiner Gönner und Trabanten zu vernichten.

In den Tagen der ersten Schulen des Jesuitismus wäre Deine Zeit gewesen! Für das neunzehnte Jahrhundert kommst du zu spät!

Deutschland.

Kassel, 1. März. DieNeue Preußische Zeitung" bringt unter'm 28. v. M. einen Artikel aus Kaffel, der den Sturz des Mi­nisteriums Eberhard auf folgende Ursachen zurückführt:

1) Der Kurfürst hat dieses Ministerium all' sein Lebtag nicht leiden können.

2) Die Demokraten haben ihm alle Zeit das Prognostikon seines unvermeidlichen Untergangs gestellt. (Sehr wahr! Die De­mokraten haben Herrn Eberhard stets zugerufen:Vorwärts, marsch! die Kosacken kommen!")

3) Die konstitutionelle Kammermajorität hat bei wichtigen Ge­setzen Opposition gemacht.

4) Das Ministerium war unfähig!

5) Die Staatsdiener fanden keine Sicherheit gegen den Kom­munismus (d. h. für ihre St. - Gallen - Revenuen).

6) Das Volk wollte die Eberhard'schen Gesetze nicht, sintemalen dieselben dem Glauben, den Sitte» und Gewohnheiten deö Volkes widersprachen.

7) Schließlich erhob sich auch dieDeutsche Zeitung", das Ga- gcrn'sche Evangelium, für Hassenpflug.

8) Allerschließlichst erinnerte sich der Kurfürst (und einige andere- Personen generis maseulini et feminin!) der Verdienste deS Herrn Hassenpflug umThrun und Vaterland."

DieKreuzzeitung" versichert übrigens, das kurhessische Volk werde die Entwickelung der Dinge mit Ruhe abwarten. Darin hat daö Gerlach'sche Konstablerblatt Recht. Das Volk wird abwarten! Wenn aber die Zeit kommt, wird wahrscheinlich nicht Hr. Hassenpflug der Mann sein, dem eS einVivat" zuruft.

O Berlin, 28. Febr. Etwas ungeheuer Wichtiges soll passirt sein! Der österreichische Verfas sungsvorschlag soll hier angelangt sein. Oesterreich hätte den Rubikon überschritten! O Himmel, aber noch nicht offiziell, daö ist das Glück! Wirklich, die Jämmerlichkeit der deutschen Diplomaten offenbart sich mit jedem Tage deutlicher, es thut noth, daß ein tüchtiger Sturmwind dieses Pack davonwehe, das rath- und thatloS in der Irre umherläuft! Da laborirt man nun schon seit mehr als einem Jahre an einem soge­nannten Bundesstaate, macht Bündnisse, die vier Wochen nachher sich auflösen, VerwaltungSräthe, die nichts hören, als Proteste, schreibt Noten, entwirft Pläne, setzt sich auf3 hohe Pferd und thut, alö ob die deutsche Einheit nur noch präsentirt werden dürfe, fertig sei sie lange schon und während dieser Zeit unterhandelt Oesterreich auf eigene Faust, sucht das zu realisiren, was ihm schon im November 1-848 vorschwebte, lockt Baiern, Sachsen, Hannover und Würtemberg in die Falle und tritt nun endlich mit einem Vorschläge auf, der an Monstrosität Alles übertrifft, was jemals daS Gehirn eines deutsch. u Professors ausgebrütet. Wollte Dahlmann zum Barbaropa zur» ren, so scheinen die Oesterreichs an der lieblichen Eintracht der. r are , Hunnen, Gothen, Friesen, Alemannen it. s. w. einen aip ; .