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Mann von Geist und Eleganz, wie Hassenpflug, vertreten wird, ist nun auch ein wirklicher, warmer und lebendiger Kampf aller gesunden Kräfte möglich. Mit dem Aufhören der Herrschaft des konstitutionell- doktrinären Liberalismus mit all' seinem guten Willen und wenig Können, seinen Listen und seinen Tücken, ist nun für den absolu­ten Willen der Freiheit und Gleichheit Aller ein klarer Gegensatz gegeben in dem nun neu hervortretenden absoluten Willen der Freiheit und des Rechts blos für den Einen und seine Knechte. Und die religiöse Oberflächlichkeit deS gewöhnlichen Llbe- raliSmuS ist nun genöthigt, dem ganz respektablen System dessen, waS man Mystizismus nennt, aber die wirkliche alt-kirchliche Recht- gl ä u b i g k e i t und nur die K o n s e q u e n; d e r g e w öh n l i ch e n Gläu­bigkeit ist, gegenüber sich zu vertiefen uud völlig klar zu machen.

Kurz, durch den Eintritt eines recht reinen Kreuzministeriums ist die Bahn zu einem freudigen und erfolgreichen, und eben so wohl hoffentlich daS ganze Volk ergreifenden als endlich auch bis zur Wurzel durchdringenden d. h. radikalem Kampf gegeben. Darum sei eS willkommen, dies Ministerium, — als ein offner, scharf markirter, herausfordernder Feind, der allerdings sehr gefährlich werden kann, wenn wir träge oder feig sind, wenn wir thatenlos träumerisch „auf die Macht der Idee vertrauen", die auch erdrückt werden kann, wie einst die Reformation in Süddeutschland, die Volköfreiheit in Böhmen u. s. f., der aber um so sicherer und schneller vernichtet werden wird, je mehr Jeder seine Schuldigkeit thut.

„Zwischen unS sei Wahrheit!" und wird Wahrheit sein können. Wir wissen, waâ ihr wollt: die möglichste Wiederherstellung der reinen Monarchie; und ihr wißt, was wir wollen: nichts mehr aber fortan auch keinen Augenblick weniger als die ungebrochene und durch keine Halbheit mehr zu ruinirende Durchführung der vollen Freiheit deâ Christen-Menschen — die sozial - demokratische Republik. Ihr wollt absolut sein: wir wollen, wir werden es fortan auch sein; wir wollen den Absolutismus der Freiheit und Gleichheit BUcr. Ja, ja, so soll cs sein; so wahr Gott helfe! G.

O Berlin, 24. Febr. — Heute ist der Jahrestag der franzö­sischen Revolution — und an keinem Tage war Berlin armer an jeg- licher politischen Neuigkeit, alö heute; denn darum, daß die erste Kam­mer daS neue E in k o mm e n st e u er g e se tz verworfen hat, weshalb es fürs Erste bei den bisherigen Besteuerungssätzen bleibt, kümmert sich, außer den speziell dabei Betheiligtcn, Niemand. Diod; bildet dagegen der Ausgang des Steuerverweigerungsprozesses das Hauptsächlichste Tagesgespräch, namentlich, da eS nun feststeht, daß nach den jüngsten Urtheilen der Geschworenen der Untergang d e r S ch w u r g e ri ch t e überhaupt beschlossen worden ist. Man wird alle politischen Verbrechen an den großen Sch Würger ichtöhvf überweisen, den man im Stillen mit großem Eifer vorbereitet, und bei dem man vor Freisprechungen sicher ist. Wie sehr übrigens die Aussprüche der Geschworenen rein von der Stimmung deS Publikums um sie herum, von der Gesinnung der Bevölkerung abhängig sind, zeigt der Fall, daß der Prediger Hil­denhagen hier in Berlin am Freitag Abend wegen „versuchten Auf­ruhrs" freigesprochen, und an demselben Tage ein Gehülfe an seiner Erziehungsanstalt bei Halle, der Dr. Uhle, wegen eines Preß- vergehenS, das heute noch täglich von allen demokratischen Zeitungen begangen wird, zu dreimonatlichem Gefängniß verurtheilt worden ist. Für die Reaktion natürlich ein Grund mehr, solche Inkonsequenz zu vertilgen. Immerzu! So kurz die Dauer der Geschworengerichle ge­wesen, so hat sie doch hingereicht, das Volk von der Wichtigkeit des öffentlichen Verfahrens zu überzeugen. — In Bezug auf die Schweiz kann man eâ jetzt als bestimmt ansehen, daß zum Frühjahr die Be­setzung NeufchatelS erfolgen wird, wenn die Schweiz nicht nach- giebt. Der „Neffe seines Onkels" soll zwar noch keine rechte Lust bezeigen, in dem Augenblicke, wo er einen Staatsstreich versuchen möchte, auch noch die Sympathien Frankreichs in dieser Angelegenheit zu verscherzen; allein die Potentaten von Oesterreich, Rußland u. f. w. meinen, gerade wenn die Schweiz zu Kreuz hätte kriechen muffen, wurde auch Frankreich gefügiger werden. Wir wollen sehen!

WLeipzig, 24. Febr. — Heute beginnt daS Jahr III der Revolution. Ziv öl' Jahre sind vorübergebraust, seit sich daS revolu­tionäre Frankreich erhob und mit dem Rufe: „Eö lebe die Republik!" den morschen Königsthron zertrümmerte und den Götzen der konstitu­tionellen Bourgeoisie in den Staub warf, zwei Jahre, seit das Volk, das arbeitende und hungernde Proletariat, zuerst seine Fahne erhob, und hinzog vor das Stadthaus zu der neugewählten Regierung, um sie zu erinnern, daß die Kämpfer der Revolution, die Sieger auf den Barrikaden, auch ihren Theil an de» Früchten des Sieges haben woll­ten. Drei Monate, riefen sie, wollen wir hungern, der Republik zu Liebe, aber dann, dann denkt auch an unS, Burger! dann thut auch etwas für uns und unser Elend. Sv sprachen jene „Räuber- und Mörderbanden", die ihren Edelmuth jetzt auf den Galeeren büßen,

und die gutgesinnten Bürger schrieen ihr vive la republique! aus vollen Kehlen und drückten dem Lumpengesindel die schwieligen Hände. Die Armen! drei Monate wollten sie noch hungern und darben, und nun sind zwei ganze Jahre vorüber, und sie darben und hungern noch, und leiden tausendmal mehr, alö sie vorher litten. Todt sind ihre Brüder, mit Kartätschen hat man ihrer Noth ein Ende gemacht, die Andern sind fern den Ihrigen, um unter dem glühenden Himmel Afri- ka'ö zu sterben und verderben. DaS sind die Früchte der Revolution in Frankreich, sie sind es auch bei uns. Die gutherzige Schonung ist dem Volke schlecht gelohnt worden: es wollte drei Monate hungern, seinen Unterdrückern und Blutsaugern zu Liebe, aber diesen fällt es nicht ein, auch nur einen kleinen Theil ihres Ueberflusses denen zu opfern, die ihnen diesen Ueberfluß im Schweiße ihres Angesichts, in Noth und Kummer erarbeitet haben. Doch Geduld! die Revolution deS Jahres 1848 ist abgeschlossen, aber die Rechnung deö Volkes mit seinen Peinigern ist damit nicht ausgeglichen; wir sind Euch viel schuldig, Ihr Herren mit und ohne Kronen, und wir werden eö nicht schuldig bleiben. Das Feuer glimmt nicht unter der Asche, es flammt und glüht und prasselt unter der glühenden Lavadecke des rauchenden Vulkans, auf dem Ihr steht; ein Stoß von unten, und die Decke birst und Eure Herrlichkeit versinkt in Rauch und Trümmer. Ob dies heute geschieht, oder morgen, darauf kommt wenig an, aber daß es geschehen wird, daö fühlt Ihr selbst am besten, und die Geschichte zählt jetzt nicht mehr nach Jahren, sie zählt nach Tagen und nach Stunden: und Eure Stunde wird kommen, so sehr Ihr Euch sträubt und wehrt. Amen I — — —

Ich wollte Ihnen das Neueste aus unserm nüchternen, ruhigen Leipzig schreiben, und verliere mich dabei in revolntionäre Betrach­tungen und Träume. Nun, Leipzig trägt nicht die Schuld daran. Leipzig hat sich wiedergefunden, Leipzig ist still und gemüthlich, es ißt Pfannkuchen und begeistert sich an der Oper eines Leipziger Landraths- aktuarluü, die heute zum zweitenmale über die Bühne geht. Leipzig denkt nicht an Revolution: der heutige Jahrestag, der bei Ihnen durch ein Bankett gefeiert wird, hat hier nichts Derartiges hervorge­rufen. Ich will nicht sagen, daß er spurlos vorübergehe, denn man­chem guten Burger mag ein kalter Schauer über die Haut rieseln, wenn er daran denkt, daß heute, wie die Zeitungen prophezeien, eine neue Revolution in ganz Frankreich loöbrechen soll. Leipzig macht gern von sich reden, eö hat viel mit dem Muude revvluüonirt, aber es war nie eine revolutionäre Position und wird nie eine solche Be­deutung bekommen. Anderswo täuscht man sich leicht darüber und legt unserm Kleinparis, wie es sich gern nennt, eine politische Bedeutung bei, die eö nicht hat. Ja im November 1848, als die Berliner pas­siven Widerstand machten, hat man daselbst, wie versichert worden ist, auf einen Schlag in Leipzig gehofft, um in aktiven Widerstand über­zugehen. Armes Leipzig! wie Unrecht thut man Dir! Du hast eine einzige und untheilbare Barrikade besessen, und eine ganze Nacht unter der Schreckensherrschaft von 30 Mann Insurgenten mit 0 Gewehren gestanden, daö war Deine Revolution und waren Deine Revolutionäre!

OW Dresden, 24. Febr. — Nachdem sich die erste Kammer blamirt hat in der deutschen Frage, wird sich die zweite Kammer auch blamiren, aber auf andere Weise. Wenigstens scheinen unsere Drei­königsnarren zu erwarten, daß sich eine Majorität für sie herausstel­len werde. Nun Gott segne ihre Narrheit, und gebe ihnen ein gutes Fell, damit sie die Fußtritte der Regierung nicht so fühlen. — Wie verlautet, soll daS noch nicht besetzte Kultusministerium einem vor- märzlichen Minister zu Theil werden. Warum auch nicht? DaS Volk ist nach- und vormärzlich geprügelt worden, auf die Person kommt es nicht an. Die Prügel bleiben dieselben —

S t ä n d e s i tz u n g (Vom 26. Februar.)

Wir theilen für heute nur den Antrag Bayrhoffers und daâ Programm deö Hrn. Hassenpflug mit. — Der Antrag lautet: In Be- tracht, daß Se. König!. Hoheit der Kurfürst in der landesherrlichen Verkündigung vom H. März 1848 vor aller Welt erklärt hat: „bei der Besetzung aller Ministerien, soweit dies nicht neuerdings geschehen, werden Wir darauf Bedacht nehmen, Männer, welche das Vertrauen deö Volks genießen, dazu zu berufen"; — in Erwägung, daß der gegenwärtig zum Ministerpräsidenten berufene Gehelincrath Haffenpflug nach dem von ihm früher in Kurhessen befolgten Systeme der poun- schen und religiösen Reaktion daö Vertrauen des kurhessijchen nicht genießt; — in Erwägung, daß die Landstände nach-— Verfassungöurkunde berufen sind, die verfassungsmäßigen Landes geltend zu machen und daö unzertrennliche Wohl t Herrn und deö Vaterlandes mit treuer Anhang! ichke't an , sätze der Verfassung zu befördern: - erklärt d.e Standtv-csammlung,