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Deutschland.

Kassel, 26. Febr. — „Aber wo war Henkel hin?

Henkel war nach Frankreich „nin".

Wäre er nicht futsch gewesen,

Würde man vom Putsch was lesen."

in

Der Putsch ist ausgeblieben. Aber Hr. Hassenpflug ist heute der Ständekammer erschienen und — — hat dieselbe natürlich en canaille behandelt. Sein Programm — siehe die ständischen Ver­

Handlungen — ist zwar so übel nicht, der Herr Minister, Excellenz, beabsichtigen nur, die politischen, sozialen und religiösen Errungen­schaften zu vernichten (weiter nichts!), aber schlimmer als sein Pro­gramm war die klassische Haltung und freie (???) Stirn keS Hrn. Minister, zumal in dem Augenblick, wo der Präsident, Hr. Schwarzenberg, die flüchtige Excellenz auf der Schwelle des Hauses, wie man so sagt, stellte und ihr eröffnete, es läge ein Mißtrauensvotum gegen ihn parat, er möge es erst mit anhören. Hr. Hassenpflug erwiderte: darin sehe er keinen Grund, hier zu bleiben. (Wir auch nicht!) Und in die­sen Worten, in dem sie begleitenden Blick, ■— — — —

Es ist ein lieber charmanter Mann, Ein Mann in seinen besten Jahren,

Verbiudlich, höflich und welterfahren, und — die Landstände werden schon zur Besinnung kommen. Herr Hassenpflug kennt seine Pappenheimer. Der Mitregent Lederer meinte in seiner Einfalt, daS Weggehen Hassenpflug'S bedeute Furcht. O sancta simplicitas!

Frankenberg auf d-'n Antrag des Hrn. GarnisonS-Auditcurs Bernstein zum Tode verurtheilt. DaS Verbrechen soll die Theilnahme Mantel'S am Hanauer Turnerzuge nach Baden fein. „ Wer mit dem Gewehr in der Hand gegen unsere oder unserer Alliirten Truppen betroffen wird, soll mit dem Tode bestraft werden" — heißt es in den Kriegs­artikeln. Der Vertheidiger, Heise, wurde von dem Vorsitzenden des Gerichts, Hrn. v. Loßberg, mehrmals mit wüthender Stimme und dito Ausdrücken unterbrochen, schließlich mit einer Anklage auf — Gott weiß waS! — angebrüllt.

Daß von einer eigentlichen Vertheidigung bei einem Militär­gericht keine Rede ist, zeigte sich hier auf'S Neue. Hr. v. Loßberg fuhr z. B., als Heise auf die Beschlüsse der Nationalversammlung rekurrirte, mit fürchterlicher Stimme auf: „Schwätzen Sie hier nicht von der Nationalversammlung, die geht uns hier nichts an!" Und das soll eine verfassungsmäßige Vertheidigung sein!

Uebrigens war das Kasseler Gericht nur durch einen abermaligen Verfassungsbruch und durch etwas Anderes kompetent geworden. Mus­ketier Mantel stand nämlich im 3. Regiment und das General-Audi- toriat ließ ihn in Kassel verurtheilen, weil der Hanauer Auditeur zu viel zu thun habe. Die Sache ist gar nicht komisch, sie ist zum Verzweifeln!

Die Aeußerung Hcise's, weßhalb Hr. v. Loßberg ihn mit einer An­klage anfiel, ist folgende und gehörte absolut in die Vertheidigung :

„Die Fürsten haben den Landesverrath nie gescheut, wohl aber die Völker!"

Der Verurteilte wurde von einer großen Menschenmasse mit Hurrah's in's Kastell begleitet. Sofort natürlich große militärische Schauspiele!

^SjSsL) 26. Febr. — Am 24. Abends wurde das vom de- mokratisch soz. Verein angekündigte Bankett zur Feier des französischen RevolutionütagS ungestört im Hanusch'schen Saale von 800 bis 900 Theilnehmern begangen. Der Saal war festlich mit den Fahnen deS Vereins und der Klubs dekorirt, schwarze Schilde mit rother Inschrift trugen die Namen von Raspail, Louis Blanc, Ledru Rollin, Proudhon, * Kossuth, Mazzini, Bem und die Namen der revo-

1>ei — Die Linke der Ständekammer wohnte dem Feste

den wc^i.o" Theilnehmern auch mancher Neubekehrte. Ne- " Ä 2 sm ÄÄ^ M ^ firatio"ufürH^

eben nicht sehr afsiziren werben •

Non der Fulda, 24. Febr — Â n Hassenpflug und die Demokrati'e.) - So Ähnen, und wie mir es geht, so wird es gewiß noch Mâb£n en, die gegen daS Ministerium Eberhard geradezu Front w macken' tch möchte sagen, gemüthlich gehindert waren, ohne doch die Täulckun gen deS konstitutionellen Systems, dem es einmal hingegeben war aut heißen, geschweige denn sich daran betheiligen zu können. Eö' war ein peinliches, deprimirendes, halb einlullendeö, halb ängstigendes

Etwas, dieses Ministerium Eberhard mit seiner Halbheit, den hal­ben Erfolgen und der schließlichen ganzen Ohnmacht gegen oben, mit seinem „guten Willen" und seinem kläglichen System, weder Freund noch Feind. — Waâ für die traurigen Figuren deS vormärzlichen Li­beralismus, die OetkerS, Henkels u. s. f. ein Hochgenuß war, wenn einmal der Kurfürst „nachgeben" mußte, das war für Jeden, der etwas weiter sehn konnte oder wollte, nur ein widriges Moment mehr in der großen Lüge, mit der man einmal einen Halbgott über sich haben will, mit eignem Recht und eignem Willen, und der dann hinterher weiter nichts als eine bloße Unterschreib-Maschine sein, auf jeden Willen verzichten soll, — den man (obendrein unter lauter das Gegentheil sagenden Redensarten von Devotion, Anhänglichkeit, Vertrauen) bei jeder Gelegenheit zwingen muß. Es ist eine Un­menschlichkeit, einen Fürsten bestehen zu lassen und ihn willenlos haben zu wollen, d. h. irgend einen Menschen dazu zu verurtheilen oder gegen eine noch so hohe Summe dafür anstelle» zu wollen, seel- und geistlos, ein bloßer Popanz, eine Null zu sein, deren Erfüllung blos darin bestehen solle, eine bestimmte, ungeheuere Summe zu verzehren. ES ist außer der Lüge eine unwürdige Quälerei, einen Fürsten beste­hen zu lassen, also ihm daö Recht zu geben, ein Ministerium frei zu wählen, und ihm in demselben Augenblick dies Recht wieder faktisch zu nehmen, d. h. ein ihm widerhaariges, absolut kein Vertrauen ein­flößendes Ministerium aufzudringen, — kurz ihn als Regenten anzu­erkennen und zugleich mit der Faust in oder außer der Tasche zu ver­langen, daß er Alles, nur kein Regent sei.

Daß diese Lüge und Widernatürlichkeit auf die Dauer nicht be­stehen kann, liegt auf der Hand. Das konstitutionelle Wesen treibt selbst und mit innerer Nothwendigkeit überall darauf hin, daß der Regent endlich wirklich nach seinem Willen seine Räthe und Exe- kutanten wählt; und wenn daS geschieht, ohne Lüge geschieht, so wird er eben nur Männer treffen können, die gleich ihm von Haus aus ein absolutes Regiment für das allein wahre und von Gott einge­setzte, jede konstitutionelle Form aber nur für eine irdische, wesentlich sündhafte Schlacke an dem göttlichen Kern ansehen, die wenn auch natürlich mit aller Klugheit und Allmählichkeit, aber doch möglichst vollkommen „ausgemärzt" werden muß. Mit einem Wort, wenn der Fürst rein und wahrhaft nach dem für ihn allein natürlichen Wil­len seine „Diener", die Minister wählt, so wird er nur — waS man freilich allgemein so gehässig nennt — „Mystiker und Absolutisten" treffen können. Das sind die Männer nach dem Herzen Gottes und seiner Söhne, der „Gotterzeugten" oder „Gottbegnadigten", und so lange eè Fürsten gibt, werden diese- mystischen voer avsvturlstljchclr Diener des fürstlichen Willens wohl zeitweilig reprimirt werden kön­nen, aber immer zuletzt die Herrschaft haben. Dauernd unschädlich, vernichtet werden kann das jesuitisch-pietistische Geschmeiß der Volkö- unterdrückung nur von einem geistig, beziehungsweise religiös völlig frei gewordenen Volke, das keinen Götzen mehr bedarf noch erträgt.

Wenn dies aber bei unS die Trägheit und Feigheit noch nicht hat zu Wege kommen lassen, sondern bei uns noch die liberal-rationali­stische Halbheit herrscht, die ihren entsprechenden Ausdruck in dem Lügensystem deS Konstitutionalismus hat, und wenn nur ganz folge­richtig jenes nothwendige Stadium in dem konstitutionellen Prozeß: — die Rückkehr der Herrschaft deS Absolutismus und der Orthodoxie — bei uns eingetreten ist, so kann darüber nur ein unendlicher Blödsinn stutzen, oder wüthend und desperat werden. Freilich ist eS eutsetzlich betrübend für alle Pack- und Sackträger der konstitutionellen Illusion, daß mit einem Fußtritt eines schönen Morgens der ganze „BolkSiville" „von GotteS Gnaden" zurückgewiesen, daß ein so warm gehegtes Mi­nisterium so über Nacht heim geschickt werden konnte. Ls ist ein ent­setzlicher Hohn, daß gerade den 23. oder 24. Februar die ganze Herr­lichkeit dieser Volkshoheit, wie sie vor zwei Jahren „gemäßigt" auf­trat, so blaöphemirt werden konnte. ES war grausam. Aber was könnte für diese Halben und Feigen gerechter sein, als dieser Schmerz. Wer nicht hören will, der muß fühlen, — fühlen die Ruthe, die er sich selbst gebunden hat mit dem prinzipiellen Slebenlassen der Lüge, — die Ruthe , die nun ganz konsequent in die Hände eines Ministe­riums Hassenpflug gelegt ist, und von diesem auch schon gehörig ap- plizirt werden wird.

Der konstitutionelle Betrug muß auSgepeitscht werden, sonst hört er nicht auf, und der Wiedereintritt eines Mucker - Ministeriums vom reinsten Wasser trotz aller liberalen „Fortschritte" der letzten Jahre ist daher weit entfernt, ein Rückschritt zu sein, vielmehr ein wahrer Fortschritr, — daS unentbehrliche Moment, um den gewöhnlichen poli­tischen Leichtsinn aufzuheben und die letzte Phantasie völlig zu stürzen, auf der die heidnisch - jüdische Abgötterei der Monarchisten beruht.

Dieser sich neu etablirenden Abgötterei gegenüber, zumal sie doch nicht von der rein ekelhaften Brutalität eines Scheffer, oder dem jämmerlichen Feig- und Blödsinn eines Vilmar, sondern von einem