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Die Hornissc.
M''. KA. Kassel, Mittwoch den 27. Februar lS5Oe
Der oktroyirte Minister Haffenpfing und die Märzverheißttngen des Kurfürsten.
„Gewalt geht vor Recht."
Heute, am 26. Febr., Nachmittags 1 Uhr, erschien der Ministerpräsident Hans Hassenpflug, Minister der Justiz und des Innern, in Begleitung der Herren Haynau, Baumbach und Lo Nietsch, in der Ständesitzung. — Allerdings, dieser Mann ist alt geworden, sein Schei- tcl ist kahl, seine Hand zitterte, als er sein „f. g." Programm vorlas, daS nur in Verheißung neuer Jesuitenstreiche, wie in den 30ger Jahren enthielt. Aber in den welken Zügen dieses feinen Kopfs liegt versteinert all' der alte Hochmuth, der alte Dünkel und der ganze alte Egoismus eines Herzens, das nur in sich das Maaß sucht und gefunden hat, nach dem die Welt zu messen ist, — eines Herzens, das kalt und grausam über die zuckenden Herzen seiner Brüder und über daS Todesröcheln der Freiheit seinen willkürlichen einsamen Gang geht, — eines Herzens, daö nur mit dem Tod lassen wird von dem grausamen lieblosen Weg, den ein verirrter Verstand ihm angewiesen, im Dienste der Unwahrheit, des Blindglaubens und der menschenmordenden Despotie. — Ein scharfer Verstand blitzt aus diesem kühnen Auge, scharf in Aufsuchung aller Schleichwege, um den Feind, den Mann der Freiheit, zu umschleichen, um ihn mit keckem Tigersprung und mit gewandter Faust zu erdrosseln, — scharf in dem Abschneiden aller Auswege, durch welchen der gehaßte Gegner den zum Griff auSgestreckten Krallen entrinnen kann, — scharf in Interpretationen, Suggestionen und juristischen Subtilitäten, — aber umschleiert mit der ewigen Nacht, welche der Geist der Finsterniß selbst über diese Verblendeten auöge- gossen, die im 19. Jahrhundert den Geist Loyolas, des Völker-Banditen, zum Herrscher der Staaten und zum Regenten der Menschheit erheben wollen. —
Was der Minister bereits in Privatunterhaltungen geäußert, wiederholte er mit staatsmännischen Floskeln. In jenem Privatgespräche hatte er bereits sich dahin ausgesprochen, er wolle durchaus keine Re- aktion, aber in drei Beziehungen werde erenergisch ein sch reiten, gegen den Unglauben, gegen die Volkösvuveränetät und gegen die Straßen- deniokratie. In letzter Beziehung braucht sich Hr. Hans Hassenpflug nicht zu bemühen; er hat von dahinten ans dem preußischen Greifs - walde einige falsche Begriffe über die Zustände in Mittel- u. Süd- deutschland mitgebracht, was nicht sehr zu verwundern ist. Eine Stra- ßendemvkratie gibt es nicht mehr; — Die Demokratie weiß jetzt sehr wohl, daß ihre Zeit noch nicht gekommen ist, — aber wenn sie ge- kommen ist, wird sie die Welt erfüllen mit ihrem Kampfruf und nicht blos die Straßen vor dem Miuisterhotcl des Herrn Hassenpflug. — Einstweilen wird der Herr Ministerpräsident vielleicht Gelegenheit sin- den, den Straßen ko n stitu t iv na liö mu s kennen zu lernen; daran kann er sein Miithchcn kühlen, wenn es ihm nicht zu unbedeutend erscheint. — Etwas Andereö ist es mit dem Unglauben und mit der Bolkshoheit.
Wir waren schon im Voraus durchdrungen von der Ansicht, daß Hr. Hassenpflug, der selbst seinen absolutistischen Kollegen in Berlin und Greiföwalde zu absolutistisch war, Nichts gelernt habe, ob- glnch er 13 ganze Jahre älter geworden, seitdem er den kurhessischen Ministersessel verlassen hat, obgleich ihm der Haß und der Fluch nicht blos seiner Landsleute in Hessen, sondern auch die Verwünschungen Luxemburgs und Sigmaringens in seinen preußischen Staatsdienst gefolgt sind. Ja, und er wußte, welche Flüche ganze unterdiückte Völker seinem Namen nachfluchten, — in die Ferne folgten ihm daS ^ttenrasseln der Gefangenen, mit denen er die Kerker gefüllt, solg- cn ihm die Thränen und der Jammer der Unglücklichen. Und den- ue ) kehrt er Zurück, kehrt er zurück; dahin, wo noch in allen Herzett
die Wunden kaum vernarbt sind, die seine Geisel geschlagen, die seine Helfershelfer noch weiter gerissen; — kehrt er zurück dahin, wo er keinen Freund hat, keinen als eine kleine Schaar verlassener, versumpfter Seelen, die ihn als ihren Messias bewillkommnen. — Aber er ist der Mann der Gewalt; — er hat entsagt dem Dank und dem Jubel derer, die er beherrschen und vernichten will — von Fluchjund Thränen nährt sich die Gewalt, — und wenn sich hier keine Schergen finden, die seinem Machtgebot die feile Hülfe leihen, — ha! bei dem finstern Gott der Knechtschaft, zu dem er betet, — so gibt eS anderwärts Bajonette genug und Kanonen. — Dieser Mann kann nur gestützt auf seine Bajonette regieren. DaS weiß er, das will er und das wird er. Aber der Geist des kurhessisches Militärs scheint mir Bürge zu sein, daß er fremde Truppen dafür herbeiholen muß. — Hat er dies gewußt, mit welchen Plänen mag er dann in sei« Vaterland zurückgekehrt sein?
Und in der Ständekammer hörten wir dieselben schönen Verheißungen auö demselben Munde. Da hieß eS: „Kurhessen hat eine monarchische Verfassung, und nebenbei eine landständische, — von VolkSso uveränetät kann keine Rede seiu; über die Presse, das VereinSrecht re. behält sich der Hr. Minister noch ordnende Gesetze vor. Wir kannten ihn gut! Hassenpflug wußte, daß die jetzige Ständekammer einstimmig (mit Ausnahme des Pfaffen Lieberknecht) ihm ihr Mißtrauen auSdrücken würde; er wußte, daß er nichts Anderes thun könne, als sie auflösen, dennoch kam er! Hassenpflug weiß, daß niemals, so lange Kurhessen ein noch einigermaßen selbstständiger Staat sein wird, daß selbst unter preußischer Knute und bei „revi- dirtem" Wahlgesetze niemals eine Ständekammer zusammenkomme» wird, deren Majorität ihm ein Vertrauensvotum gibt. Dennoch bleibt er! Das ist daS erhabene System in seiner ganzen Nacktheit, wie man mit Minoritäten regiert, was die Neuhessische so unklug gepriesen, als es in ihren Kram paßte. An diesem Hassenpflug geht Kurhessen zu Grund, und vielleicht ist eS so die Absicht im Rathe der Götter! Der verhaßte Mann reißt den letzten Funken der Liebe und Treue aus dem Herzen deS VolkSstammcs gegen seinen Fürsten. Auch daö muß er wissen! Aber vor seinen Augen steht nur Gewglt und aber Gewalt! — Am 1. März 1848 hat der Kurfürst folgende Verheißung gegeben: „Bei der Besetzung aller Ministerien, soweit diese nicht neuerdings bereits geschehen, werden Wir Bedacht nehmen, Männer, welche daS Vertrauen des Volks genießen, zu berufen." Und nun beruft er den verhaßtesten Mann unter der Sonne, zu dem Keiner im Volke Vertrauen haben würde, auch wenn er die besten Versprechungen machen wollte. Er beruft unsern Quäler und Peiniger, der unS schon einmal 5 Jahre lang bis aufs Blut gezüchtigt, und dem eS der Fürst allein zu verdanken hat, daß man in Kurhessen, wie nirgends, die Schwächen und Mängel des konstitutionellen Systems durch Erfahrung kennen gelernt, dem eö der Fürst allein zu danken hat, daß im März 1848 beinahe sein Thron spurlos von der deutschen Erde verscywunoen wäre. WaS damals nicht erfüllt ist, scheint der Zukunft von Neuem übertragen! Von Neuem geht eine PrüfungSzeit an, wie sie kein Volk zum drittenmal erduldet, von Neuem wühlt der alte Maulwurf nicht etwa am Throne der Freiheit, denn der ist unsterblich, wie die Entwickelung der Menschheit selbst, sondern am kurhessischen Fürstenthron. — Von Neuem nahen die Iden deö Mârz, — aber auch die preußischen Bajonette!
Unseliger Mann! Dabin bringst du dein Geburtsland! — er dient dem Gott seiner Väter und sein Heiland wohnt in Berlin. — Mag Kurhessen verderben! Ehre sei Gott in der -pöhe un^ Königthum und der ewigen Finsterniß von GotteS Gnaden ! ging doch durch Fremde verloren; Kurhessen wird durch feine eigenen Söhne geliefert!