- 193 -
schlingenden und unterdrückenden Kapitale entgegenzutreten, und möge vor allem die Presse, deren Pflicht eü ist, daS Volk zu belehren und anzufeuern, möge diese ihre Aufmerksamkeit mehr der sozialen Frage zuwenden, als dies bisher geschehen ist, damit daâ Prinzip der Assoziation überall zur vollen Geltung komme. Leider hat unsere sächsische Presse darin noch wenig, sehr wenig gethan, sie hat lange Zeit nur dem einseitig politischen Radikalismus gehuldigt und die soziale Frage ganz außer Acht gelassen oder wohl gar den Sozialismus angegriffen und mit der guten Presse gemeinsam verlästert. Die Dresdner Zeitung war daS erste Blatt, waS entschieden sozial-demokratisch auftrat, und seitdem folgt der größte Theil unserer Provinzial- und Lokalpresse ihrer Fahne, aber an gründlicher Verständniß und Erörterung der sozialen Ideen fehlt cS gar sehr. Ich werde bei passender Gelegen- Hett rS nicht unterlassen, auf diesen Gegenstand zurückzukommen und Ihnen dabei eine kurze Charakteristik der sächsischen Presse und demokratischen Organe zu geben. DieS dürfte in einer Zeit, wo nicht immer etwas Interessantes zu berichten ist, für Ihre Leser vielleicht nicht ohne Interesse sein. —
MLC München, den 21. Febr. — DaS Gerücht eines bevorstehenden Ministerwechsels erhält sich im lebhaftesten Gange, nur ist man von der Erwartung, diese Krisis in den allernächsten Tagen eintreten zu sehn , zurückgekomnien und glaubt dem gegenwärtigen Ministerium noch einige Lcbenöfrist zusprechen zu müssen. Ein geistreich geschriebener Artikel in der gestrigen Nummer der „Allgemeinen Zeitung" bezeichnet das LooS, welches bisher noch alle bayerischen Minister — gut oder schlecht — betroffen haben, als daS LooS der Zitronen. Diesem Geschicke glaubt mein nun auch allgemein jene M änner verfallen, die bei Hofe bereits nicht anders als les minist res professeurs genannt werden und die vor ihrer Wcgwerfnng nach- gänglich auSgepreßt werden sollen. Wichtige Gesetzentwürfe müssen theils noch bearbeitet, theils von den Kammern vertreten werden. Gelten auch die fetzigen Minister alle weder im Allgemeinen — die Zungenfertigkeit v. d. Pfordten'S ausgenommen — noch im Speziellen als besondere Kapazitäten, so sind sie den eben angeführten Arbeiten denn doch eher gewachsen, alö die neuen Ministerkandidaten, deren einziger AnspruchSlitel auf ein Portefeuille in ultramontaner Gesinnung b' steht und in dem wieder zur Geltung gelangten Satze: „daß der Mensch erst beim Baron an fängt", —
Briefe, die aus Berlin hier ei'ngetroffcn sind, schreiben die dort beabsichtigte Vermehrung deS Armeepräsenzstandeâ weniger den westlichen und nördlichen Verwickelungen oder der Rücksicht auf die an den Erfurter Reichstag sich allenfalls knüpfenden Eventualitäten zu, als vielmehr einer auS bem Kabinct der Dinierten eingetreffcncn Andeutung einer der Verfassung nicht ganz entsprechenden Maßregel, zu welcher der prinzlifle Präsident der französischen Republik bei den sichtbaren Schwind,n der von der Nation für ihn gehegten Sympathie vielleicht in kurzer Zeit sich entschließen möchte, und in deren Folge gewaltsame Erschütterungen nicht unmöglich seien. Die inzwischen ein- getretene Konzentration in der Oberleitung der französischen Truppen- corpS mag nicht ohne Verbindung mit dieser Nachricht sein. —
Die Berathung des Preßstrasgesetzco in der Kammer der Abgeordneten naht ihrem Ende und wahrscheinlich wird schcn in der morgenden Sitzung d.e Endabstimmung über das ganze Gesetz stattsinden. Das Resultat ist zweifellos Annahme. Die Koalition der unbt dingt Ministeriellen mit den Abgcordniten und dem Priesterstande und mit jener vormärz- lichen Liberalen, deren Protolypus der „liebenswürdige und ausge- zeichnete Staatsmann" Freiherr von Lerchenfeld ist, sichert diesem im vorigen Jahre selbst in sehr konservativen Kreisen mit Entrüstung aufgenommenen Gesetzentwürfe in diesem Jahre die Majorität. Der Zustimmenden werden aber trotzdeni nicht viel mehr sein, als der Verwerfenden, und jedenfalls wird eine Majorität von zwei Dritteln, wie sie zu Abänderungen von Verfassungsbestimmungen oder zur Annahme neuer Lerfassungsgesetze erforderlich ist, nicht erreicht werden. Nun ist aber durch einige bereite angenommene Artikel des vorliegenden Gesetzes eine Abänderung des alö Verfassungögcsetz verkündeten Prcß- edckies vom 4. Juni 1848 bereits ausgesprochen worden, wie dies bei Berathung der betreffenden Artikel von mehreren Rednern der Linken, namentlich dem Fürsten von Wallerstein, klar dargethan und von den Gegnern zwar widersprochen, aber nicht widerlegt worden ist. Sollte daher bei der morgenden Abstimmung, wie bestimmt vorauszusehen, nur ! > - einfache Majorität sich ergeben, so wird die Linke konsequent den ^urf als verworfen betrachten uud erklären müssen. Wenn die hohe ^'^lNkr, die in ihrer Majo ität so öfter und rühmender von ihrer Äkr'affungötreue spricht, je weniger dieselbe zu sehen ist, alsdann ohne Zweifel die verfassuugSgesetzliche Natur deS Entwurfes laugnet, so wird der in der baierischen Parlamentären Geschichte noch nicht dagewesene Fall eintreten, daß der Präsident der Rammer mit einer klei- ükn Majorität die Annahme eines Gesetzes proklamirt, gegen dessen
rechtsgültige Entstehung eine große Minorität feierlichen Protest einlegt.
Frankreich.
f Paris, 22. Febr. — Die Zerrüttung der Gemüther unter den Reaktionärs wird immer ärger; heute schreibt das Jesuitenjournal „ Univerâ " eine vier Seiten lange Rede ab, die in der spanischen Kammer zu Madrid von dem Marquis Donoso Cortes de Vildegama so eben gesprochen worden ist. Dieser Diplomat nnd Grande Spaniens bekleidet den Gesandtschaftöposten zu Berlin, und ist uicht wenig bewandert in der Kenntniß deS jetzigen Zustands von Deutschland. Er ist ein Abkömmling deS Ferdinand CorteS, der Mexiko eroberte, und ein wüthender Reaktionär, wie sich von selber versteht, aber doch auch ein Mensch von mehr Geist und Herz, alS die mehrstcu übrigen Granden Spaniens, unter welchen der Marquis Posa noch niept erstanden ist. Interessant ist, wie dieser CorteS in Madrid über unâ urtheilt : „Deutschland ist daS Land der Hohenpriester und Profes. soren, der Socialrevolution, Frankreich der Soldaten, Italien der Handlanger derselben. König Friedrich Wilhelm ist der deutsche Augustus, ich habe die Ehre, ihn näher zu kennen, aber auch er wird die Stürme der Zeit nicht abwenden können. Die Revolution wird auf das Furchtbarste wieder loSbrechen und der Patriotismus wird aufhören. Die stehenden Heere werden verabschiedet werden, daS ist daS Sprüchwort deS f. g. Socialismus. AlSdann aber wird daS russische Despotcnthuin über Deutschland und Frankreich herfallen und die slavischen Nationen, wie eS einst die Germanen thaten, werden Europa erobern, neu kolonisiren und regieren. Auch diese werden verfallen. WaS kommt dann? wer außer Gott könnte daS wissen" u. s. w. Der Redner prophezeit den Spaniern ein gleiches Geschick, wie den übrigen revolutionirten Ländern, und den Engländern den politischen Untergang: „Mit nichten, ruft er, sagt mir, meine Freunde , daß Spanien ruhig sei, eS ist die Ruhe des Meeres kurz vor einem Sturme. Nur Religiosität kann die Europäer retten." Das Jesuitenblatt erfreut sich an dieser Predigt, und schwört, auf'S Neue alle Kräfte an daS Werk zu setzen. ES ist richtig, die Bemühungen seiner Partei haben hier nicht vieles gethan, die berühmte Propaganda jesuitischer Broschüren ist z. B. zienrlich erfolglos geblieben, trotz der schrecklichen Summen, die sie kostete, während die demokratische Schrift- propaganda, trotz der Schwierigkeiten der Polizei und der eigenen Armuth, sehr reißend um sich greift. Allgemein gefühlt ist nun die Wahrheit, daß die Republik fest bestehen bleibt, wofern nicht daS allgemeine Stimmrecht eingeschränkt würbe, a la prussienne. In dem Falle freilich könnte man weiß Gott was auS den Wahlmännern her- anSquetschen, einen Thron, zwei Throne, drei sogar u. s. w. ES heißt wirklich, die Orleans, die Bonapartisten und die BourbonS hätten sich gelobt. mit Hülfe der deulschen fünf Könige und deS russischen Kaisers die Republik zu sprengen und Frankreich unter sich in drei Stücke zu »ertheilen: ein bonaparlischeS, ein orleamstischcö, ein bourbonistlscheS Königreich zu erschaffen. Zwar ist daS Ding nicht gut ausführbar, aber die Verrücktheil ter Tyrannen ist arg genug, um cö für möglich zu halten. Vorläufig ist noch nicht davon öffentliche Rede, man hat noch zu viel mit „ Bekämpfen des Scheusals Revolution, deS allge- meinsamen Feindes" zu thun; aber im Stillen wird schon daran gedacht. Die Tagvneulgkeit ist immer noch ein beabsichtigter Staatsstreich des Herrn Präsidenten; er hat sich mit Changarnier, dem Kommandanten von Paris, erzürnt und will ihn durch einen rein bonapar- tiststchen General ersetzen, allein der Kammerpräsident Dupin hat ihm erklärt, wofern er biejen Gewaltschritt thue, würde die Kammer einen Kommandanten ernennen. Was so ziemlich auf eine Gefangensetzung Bonaparle's hinauokäme. Ehe sich dieser bad anthun läßt, riskirt er freilich noch einen Straßenkampf. — Die Geschäfte gehen wegen all' dieser aufregenden Gerüchte sehr schläfrig, und nur die LuruSarbeiter verdienen einiges Geld; auch kommen wieder russische Große nebst Familie her, was von den größern Kaufläden gern gesehen ist. Aber nichts desto weniger fließen seit zwei Jahren täglich ungeheure Summen in Gold und Silbergeld aus die Bank von Frankreich und entschlüpfen dem Verkehr auS Furcht vor Umsturz. Daraus kann nichts Gutes auf die Länge entstehen. Endlich freilich wird doch Prvudhon'ö, Blanc'S und Cabet's alter Gedanke eine plötzliche thätliche Neuigkeit werden, diese Bank wird eines schönen Morgens als Nationalbank erklärt werden und zu 1 oder 2 Prozent nur Geld an Gewerb- und Markttreibende ausleihe»; d. h. wir werden den Sozialismus haben. Von der Frechheit der hiesigen Reaktionärs in sch" c und That hat man in Deutschland keine Vorstellung; ich zweifle, die Wiener, Warschauer, Mailänder und Petersburger Republik so heftigem und zugleich verschmitztem Tone die franzost,^ angreifen, als dieses von Assemblee, Courier, Conflr aesckieül fai in Paris, un» il,,en »'.„«.Hau.»« m °» p"""°i" °'""'''