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scharfen Schwert dcâ Prinzips und mit dem Muth eines offenen, red­lichen Kämpfers und Feindes. DaS aber ist ihre wohlbekannte Manier! Mit Verdächtigungen und Klatschereien glauben sie ihre Feinde besiegen zu können. Prinzip fällt nur durch Prinzip, prinziplose Genossen! Haffenpflug, der Sohn des Absolutismus, fällt nur durch die Demo­kratie! Hiermit beginne die Fehde!

Deutschland.

o Berlin, 21. Febr. — Als ich Ihnen gestern schrieb, daß man für die Steuerverweigerer Besorgnisse hege, konnte ich noch nicht wissen, daß meine Worte während derselben Zeit schon durch die That gerechtfertigt wurden. Eâ sind Scenen in der gestrigen Sitzung vor- gekommcn, wie sie vielleicht noch kaum in der neueren Zeit auf diesem Felde erlebt wurden. Caprivi's höhnisch lächelnder Mund hatte recht gewcissagt, gestern erst ließ der Staatöanwalt den Hagel und den Blitz los, den er bis dahin in seinem Gehirn und in seiner Aktenmappe mit sich herumgetragen. Gestern erst formirte der jugendliche Vertre­ter des Staates, Hr. Assessor Riehm, die eigentliche Anklage; gestern erst wälzte er mit Emphase und Persidie zugleich den schweren Stein der Ausiuhrbeschuldigung auf die Angeklagten. So tief ließ sich der Herr Staatöanwalt in daö Gebiet der Definition ein, daß er sogar in die Psychologie hinabstieg, und statt eines physischen einen psy­chischen Antheil der Steuerverweigerer am Aufruhr desiniren wollte!! DaS wäre aber noch daS Wenigste gewesen. Man war von Seiten der Angeklagten auf diesen Kunstgriff schon gefaßt; außer Bucher, Berg und Schultze (Delitsch), die von den „Delinquenten" dazu erwählt waren, hätten auch die geschickten Vertheidiger aufâ Neue in die Nothwälic der Anklage Bresche geschaffen und daS ganze lecke Ge­bäude im Sturm genommen. Aber Hr. v. Caprivi hatte eS anders bestimmt! Als die Angeklagten, nachdem der Staatsanwalt ein ganz neues System der Belastung zu Tage gefördert, verlangten, daß man dann ihnen auch gestatten möge, auf die neuen Beschuldigungen zu antworten, erklärte der Gerichtshof mit der größten Ruhe: das ginge nicht an, nur die Vertheidigung habe noch das Wort. Vergebens Protest gegen diesen unerhörten Akt der Willkür, der dem Verfahren gegen die vertheidigungöloscn 32 Mitglieder der französi­schen Nationalversammlung im Prozesse zu BourgeS würdig zur Seite steht! Vergebens die Erklärung, daß die Angeklagten dann ungehört verurtheilt würden — es bleibt dabei, denn so will eS Hr. V. Caprivi! Selbst dem Verlangen der Geschwornen, die drei Er­wählten der Angeklagten noch einmal sprechen zu lassen, wurde nicht Folge gegeben! Das nennt man unbestechliche, unabhängige preußische Justiz! Noch ein anderes Kunststückchen ver­suchte der Staatöanwalt. Er machte den Vorschlag, daß Jedem der Geschworenen ein Exemplar der Anklage als Leitfaden mit in daS Beralhungszimmer gegeben werde! Dieser von allen Seiten mit dem größten Unwillen aufgenommene Vorschlag scheiterte indessen an der Hartnäckigkeit der Angeklagten. Schulze (Wanzleben) ver­langte, daß, wenn diesem Anträge Folge geleistet würde, den Geschwo­renen auch seine VertheidigungSrede mitgegeben werden müsse. Der Gerichtshof erklärte, daS sei nicht gnt auszuführen; mit der Anklage­schrift sei eS ganz waS Anderes; eS ließe sich gegen den Vorschlag des StaatSanwaltS gar nichts einwenden, auS Gründen der Unthun- lichkeit indessen weise er auch diesen Antrag zurück. Und so fort! Genug, es ging ein Jeder, überzeugt von der „Unparteilichkeit" der preußischen Richter, von dannen! Daß man nach diesen Zwischen­fällen um so gespannter auf daS Resultat deS heutigen Tages ist, kön­nen Sie sich denken. Die Steuerverweigerer sind nun einmal daâ Produkt jener Novembertage. So unklug sie thaten, auf den passiven Widerstand und die moralische Kraft zu vertrauen, obschon sie die Macht zum aktiven Ausführen ihrer Beschlüsse in Händen halten, so handelten sie doch damals nach dem Impulse, der ihnen von Außen â b bekretirten den Kampf nicht, weil sie in der That hofften, ^^"stand ihren Zweck zu erreichen. Jetzt ist mau noch so allem1"' ^ ^°^' wichen zu hoffen, aber damals war man

traurigen Zeit, und haben die Rechte

sie damals es zu thun im Stand? waren. ^Deshalb ^ Nahme, die sich während des Prozesses fortwährend gestewert

Unser berühmter Aufloser, Kaiser, hat am vorgestrigen Abend bei è.ner Versammlung in der Krausenstraße wieder einige Pröbchen feiner manität zu Tage gefördert. Als die Mitglieder nach der Auklü^ sich entfernten, wurden sie gestoßen und geschlagen, und der Tumult der dadurch entstand, gab der Rotte KâiserS Veranlassung, mit dem blanken Säbel cinzuhauen, und die Fliehenden mehrere Strecken weit zu verfolgen. Der Klug geht so lange zu Wasser, bis er bricht! —

Eristirt bei Ihnen noch keine Maßregelung auf „ d iS c ipl in a r isch ein" Wege? Wenn nicht, so empfehle ich die folgende Nachricht Ihrer Neu- Hessischen zur gefälligen Benutzung. Ein Schullehrer in der Nähe von Berlin hatte sich, wie sehr natürlich, einige spöttische Aeußerun­gen über die schwarz-weiße Kokarde erlaubt. Er wurde benun. ziirt, und gegen ihn auf „disziplinarischem" Wege eingeschritten. DaS Resultat dieser „disziplinarischen" Untersuchung war, daß er wegen jener spöttischen Aeußerungen über die Treu­bundkokarde seiner Stelle entsetzt wurde! Ist das nicht eine herrliche Manier, spöttische Beamte loS zu werden? Sie ver­dient, überall wohl berücksichtigt und eingesührt zu werden.

PS. Der Steuerverweigerungsprozeß hat dieselbe Wendung ge­nommen , wie jener erwähnte zu Versailles: d i e Angeklagten sind heut nicht erschienen und haben nur durch den Verthei­diger Dorn gegen das Verfahren des Gerichtshofes protestirt, da ihnen die Vertheidigung abgeschnittcn worden. Um 2} Uhr haben sich die Geschworenen zurückgezogen. Jetzt, 6 Uhr, ist Nichts über daS Urtheil bekannt.

In diesem Augenblick, 11^ Uhr, wird daS Verdikt der Geschwo­renen verkündet. — E â lautet nur gegen Bücher auf Schul­dig — alle klebrigen sind freigesprochen.

W Leipzig , 23. Febr. — Endlich haben unsere Kammer» wieder etwaS gut gemacht, und eS freut mich um so mehr, Ihnen daS schreiben zu können, da ich bisher immer nur das Gegentheil berichten mußte. Der Antrag deö Abgeordneten Joseph auf Abschaffung der Todesstrafe ist gestern von der ersten Kammer gegen 9 Stimmen an­genommen worden. Die Minorität machte bedeutende Anstrengun­gen, diesen Beschluß zu verhindern, und der Berichterstatter, Herr Biedermann, rief sogar die deutsche Einheit zu Hülfe, um die Nothwendigkeit deâ Hängens, Köpfens und Erschießens zu beweisen. Er machte nämlich den allerliebsten Schluß: da die übrigen deutschen Staaten die Todesstrafe noch nicht abgeschafft hätten, so könne daS Sachsen auch nicht, ohne die deutsche Einheit zu gefährden. Also da in Baden und Oesterreich acprügelt wird, so muß zum Beweis der deutschen Einheit in ganz Deutschland geprügelt werven. Eine vor­treffliche Logik! Nur Schade, daß die Kammer in ihrer konstitutionel­len Entwickelung noch nicht so weit vorgeschritten ist, um diese erha­bene Idee von Deutschlands Einheit zu fassen. Prinz Johann kämpfte gleichfalls ritterlich für das Privilegium deS gesetzlichen Kopfabschnei­dens, waâ freilich eins der schönsten Rechte der Krone ist, ohne wel­ches eine starke Regierung nicht bestehen kann. Er schloß seine Rede mit der Prophezeiung, in einem Jahre werde man die Todesstrafe schon wieder einsuhren, da Sachsen bald das Asyl aller Mörder und Verbrecher werden würde. Wohl möglich, Herr Prinz, daß über'â Jahr geköpft werden wird, es kommt nur darauf an, wer geköpft wird. — —

In Dresden sind dieser Tage wieder mehrere wegen angeblicher Betheiligung an den Maiereignissen in Arrest befindliche Personen, zum Theil Ausländer, nach mehr alS neunmonatlicher Haft durch Niederschlagung der Untersuchung entlassen worden. Auch die Unter­suchung gegen den Dr. Hirschel ist auf Antrag deS AppellationS» gerichls vom Justizministerium niedergeschlagen werden.

Die zweite Kammer hat in ihrer gestrigen Sitzung auf Antrag deS Abgeordneten Kalb einen außerordentlichen Ausschuß von neun Personen für Kirchen- und Schulsachen niedergesetzt.

In Rochlitz ist an HeisterbergkS Stelle Re witzer aus Chemnitz in die zweite Kammer gewählt worden. — Hier tagt seit mehreren Tagen ein allgemeiner Arbeiterkongreß, der ziemlich zahlreich beschickt ist. Die Sitzungen sind öffentlich und ich hoffe, Ihnen nächstens daâ BemerkenSwertheste davon mittheilen zu können.

i Der Sozialismus, der in Sachsen bisher weniger Eingang gefun­den hat, als in andern Ländern, da bei uns daö Kleinbürgerthum vorherrscht, macht unter dem Arbeiterstand erfreuliche Fortschritte, und eS sind schon an mehreren Orten Versuche gemacht worden, daS Prin­zip der Assoziation inS Leben einzufüyren. Hier in Leipzig haben wir eine Verelnodruckerei, VereinSschneiderei und Vereinscigarrenfabrik, auch hat per Arbeiterverein für seine Mitglieder eine Speiscanstalt errichtet. Diese ersten Versuche erfreuen sich des besten Gedeihens und man beabsichtigt daher von Seiten anderer Gewerbe ein Gleiches zu thun. X In Chemnitz besteht seit Ende vorigen Jahreâ ebenfalls ein Verein, "dessen Hauptzweck es ist, Unbemittelten Gelegenheit zu geben, ihre Bedürfnisse auf dem billigsten Wege sich zu verschaffen. JedcS Mitglied zahlt wöchentlich 5 Pfennige in die Kasse und der Verein wird dadurch in den Stand gesetzt, ein umfassendes Handelsgeschäft zu errichten, und seinen Mitgliedern nicht nur alle ihre Lebensbedürf­nisse zu den niedrigsten Preisen zu liefern, sondern ihnen auch mäßige Zinsen von den eingezahlten Summen zu gewähren. 1 Möge der Ar- beiterstand sich überall vereinigen, um viribus unitis dem alles ver-