Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich , Montags ausgenom­men Vierteljährlicher Abonnemencspreiè 2-1 Sar. Einzelne Wummern in der Ex­pedition (obere Entengaffe Nr. 13'2) zu 6 Hlc.

Dritter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu beziehen. Jnfe» rate die dreispaltige PclUzeile 8 Hlr., bei wiederholter Einriiekung ü Hlr. Abonnen­ten erhalten 25 pCt. Rabatt.

tc

e.

W^ ^8.

Kassel, Dienstag den 26. Februar

1850.

Das Ministerium Haffenpflng.

Mein Vater hat euch nur mit Ruthen gezüchtigt, ich werde euch mit Scorpionen züchtigen.

Eberhard ist nicht mehr. Leicht sei ihm die Erde! Trau­ert ihr Armen, die ihr noch eben durch die Erfurter Todtenopfer die flüstern Mächte versöhnt glaubtet, die ihr noch eben, zwar nicht einen griechischen Hahn, aber den kurhcssischen Löwen geschlachtet, zur Ge- nesungSfeier durch eure rettende Gothaer Tölpelthat. Trauert, ihr Armen, und rüstet euch im Stillen zur neuen Entsagung, zu einer neuen Politik der Zweckmäßigkeit und der Nothwendigkeit. O die Zeit wird nicht mehr fern sein, und wir werden von diesen feilen Lippen neue Meineide, neue Selbstschmähungen vernehmen; wir werden diese krummen Rücken sich beugen sehn vor der neuen Gewalt mit unter« thänigem Gewinsel, wie sie sich gebeugt vor der alten. Die Zeit ist nicht mehr fern, wo wir auS demselben Munde, und in denselben Blät­tern, die Fluch und Wehe über daö Interim und über Oesterreich ge­zetert, weil sie hinter den preußischen Festungöwällen von Erfurt sich sicher wähnten daß wir von denselben antibassermannischen Gestal­ten das klägliche Gewimmer hören werden: Herr, züchtige unS nicht nach unserer Missethat, sondern verfahre mit unS nach deiner Lang- muth und Gnade! ES wird die Zeit kommen, wo das Geheul der Gothaer Helden ertönen wird: auf, nach Frankfurt! Heilssei dem Interim und der schützenden Krone von Habsburg Heil Has­senpflug, dem Manne der rettenden That. Eberhard ist nicht mehr! unS ist wohl; doch ihm ist wohler! Diese schwachen Schul­tern waren nicht gemacht, um die lastende Wucht eines Staatögebäu- dcö zu tragen, während der Boden bebt und schüttert vom Donner der unterirdischen Gewalten, während die Gluthen ringsum züngelnd emporprasseln; diese Arme waren zu matt, um mit fester Kraft das lecke, sinkende StaatSschiff durch die Brandung zu steuern zwischen Scylla und CharybdiS nach dem sichern Borde; dieses Herz war zu gutmüthig schwach, diese Willenskraft war zu willenlos, um fest zu wollen und energisch zu vollbringen. Dieser Geist war kein Hel­dengeist, kein Geist eifünt von dem starken Bewußtsein seiner Be­stimmung und eines leitenden Prinzips. Der grobe, rücksichtslose Aus­ruf Scheffers über diesen Mann in einer Sitzung der vormärzlichen Stände: o sancta shnplicitas! ist nicht ohne treffende Wahrheit, nur daß die Heiligkeit nicht buchstäblich zu nehmen ist und die Einfalt nicht im Sinne der Bibel. Er war, mit einem Worte, cinMärz- """sb^r schwach wie die ganze Märzpartei ein Zwitter- gkschopf, halb revolutionär, halb reaktionär, ohne die Kraft für Bei- des. Diese Gothaer zählen keinen einzigen Helden, keinen ein­zigen Mann im vollen Sinne des Worts, unter ihren Schaaren ihr Scheinmuth, ihre erlogene Lebenskraft schwand dahin, als die Märzluft verwehte, als die Gluth des Sommers herankam, sie zerbrach in Nichts vor den Stürmen des Winters.

Daß der Kurfürst schon längst dieser seiner Hanauer Märzerrun- genschaft herzlich gern loS und ledig geworden wäre, ist allgemein bekannt. Nicht so bekannt aber ist, welche vielfache vergebliche Be­mühungen vorangegangen sind, bis nur jene erste Entlassung zu Stande kam, bis nur eine Hoffnung da war, ein geeignetes Subjekt auftrei­ben zu können. All' diese Männer deS alten Regiments, die ein und ausgingen bei Hofe heimlich und öffentlich, waren nur subalterne Größen, Namen zweiten oder dritten Rangö; sie waren bescheiden genug, dies sich selbst und andern einzugestchcn. Sie kannten die Kampfe, die selbst ein Haffenpflug in jener unschuldigen vormärzlichen Kinderzeit konstitutioneller Thorheiten gekämpft nach Oben und Unten, unb denen er unterlegen nicht auö Schwäche, sondern aus Entschie­denheit. Es war nur ein Mann, auf den sich aller Blicke wende­ten. Und selbst durch die matten Seelen der Konstitutionellen ging

damals der Gedanke: eS ist nicht unmöglich, daß Hassenpflug zurückkehrt ein Gedanke, den sie schon im November 1849 in ihrem Hauptorgan, in der deutschen Klatsche zu Frankfurt, ausgespro­chen. Das Volk glaubte damals an die Zurückkunft Scheffers; er lag der Erinnerung am nächsten. Aber selbst in den höhern Regionen mag man einsehen, daß dieser unmanierliche Staatsmann wohl zum Sturmbock und Widder gegen die Phalanx der Opposition zu gebrau­chen sei, zum Mauerbrecher, aber nicht zum organisirenden, gewandten Steuermann. Kurhesse» ist immer arm an großen Kapazitäten und Charakteren gewesen. Alleâ ist in diesem UebergangSland zwischen Nord- und Süddeutschland Dilettantismus: Religion, Kunst, Wissen­schaft und Politik. Der deutsche Michel ist hier indifferenter und schwerfälliger als irgendwo, aber ist er einmal aus feiner Gemüths­ruhe aufgestört, so gibt er sich nicht so bald zufrieden und zäh und nachhaltig hält er an seinen Errungenschaften. ES gab nur einen Mann, der diesen Michel wieder zur Ordnung bringen konnte, wie er eS schon einmal gekonnt; dieser Mann war Hans Daniel Lud­wig Friedrich Hassenpslug, damals Präsident deö Oberappellations- gerichtS in Greifswald.

Aber dieser Mann ist nicht blos ein entschiedener Reaktionär, ec ist zugleich ein entschiedener selbständiger Charakter, der sich wohl als Hofmann zu benehmen wußte, aber durchaus nicht immer zu diesem Schwänzeln Lust und Laune zeigte. Der Fürst und dieser Minister waren aber nicht als beste Freunde von einander geschieden, und nun sollte man ihm den Triumph gönnen, ihn zurückzurufen? Ueber diese und ähnliche Schwierigkeiten blieb das Land damals tagelang ohne Regierung, biö endlich dieser Zustand nochmals Herrn Eberhard in seine Stelle zurückhalf. Damals ließ Eberhard die beste Stütze fallen, die er dem Kurfürsten gegenüber hatte eS war Hr. v. Schenk; er ließ zugleich seinen Erzfeind (Witkenâ v. Hohenau) in der Nähe dcö Fürsten und als Gesandten in Wien. Diese beiden Umstände, die daö Gegentheil von staatsmännischer Befähigung bekunden, haben ihm sein Grab einige Monate früher gegraben. Die Unterhandlungen sind inzwischen durch die Sterne dritter und zweiter Größe zu Ende geführt worden, und der Fürst hat, sich der Nothwendigkeit fügend, jeneneinzigen" Mann herangezogen, dessen eiserne Hand gegen das Volk ihm längst bekannt ist, dessen NegierungSweise als unerreichbares Ideal alle vormärzlichen Scheffers und Consorten ebenso erfüllte, wie das Herz des Fürsten selbst; er hat einen Mann berufen, der, obgleich noch eben preußischer Staatsdiener, weniger preußisch ist, als daö ehemalige Ministerium Eberhard. Eben so wenig wie der König von Preußen ein Freund der Erfurter Verfassung ist und sein Busen­freund Gerlach, kann es sein Freund Hassenpflug sein. In Kurhessen spielt daö Vorspiel, wie im Erfurter Sonderbund daö In­terim an Boden gewinnt, und wie man den Vasallenstaaten Minister oktroyirt, die vielleicht den Fürsten länger zur Seite bleiben, alö diesen selbst lieb und angenehm sein möchte. Und dennoch hat dieses ok- tropirte Ministerium seine Berechtigung. DaS oktroyirende ist vom Lande durch die Nichtwahl nach Erfurt verlassen worden, und die Demokratie ist zu besseren Dingen in der Welt, alâ um Ministe- rien zu schaffen für s. g. konstitutionelle Staaten. Nichts aber ist läp­pischer, atü Hrn. Hassenpslug nach seinem Programm zu frag.«, wie die Neuhessischc. Ich denke, diesen Mann kennen wir! Over er- wartet die zitternde Grisette einige konstitutionelle Phrasen, unter deren Schutz sie den Mantel abermals drehen kann? Erbärmlich zugleich daö Verfahren dieser nunmehr vom klatschenden StaatSmoniteur zur einfachen Klatsche herabgesunkenen Armen, den Feind m t Klat über seinen sittlichen Lebenswandel *) zu empfangen, anstatt mi

*) Sie fragt, wer Auskunft geben kenne Uber eine ©taatS

Haffenpflug in Greifswalde schwebe, wegen angclffub »nrcch Summe gelber. Die ganze Affaire besteht darin, daß .^ffcnpstu^ verbaut hat in seiner Dienstwohnung, ohne um bie Ct °