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genommen. — Das neue Ministerium, oder vielmehr das alte, ist zusammengesetzt auS zwei Verwandten deS Kurfürsten, einem Hofdiener und einem Kammerherrn, sämmtliche mehr oder weniger stark zur pietistischen Richtung gehörend. Das StaatSruder ist al|o in den besten Händen. Die beiden Verwandten sind Hassenpflug und Hayn au. Hassenpflug, der noch im lieblichsten Andenken bei uns steht, hat eine Schwägerin des Stiefsohns vom Kurfürsten (österr. Lieut. ron Scholley), eine geb. Münchhausen, zur Frau. Hayn au, Major bei der Artillerie, ist der Vetter des Kurfürsten und der Neffe des großen Schlacht-HaynauS in Ungarn — der Enkel Kurfürst Wilhelm 1. — Hr. v. Lometsch war früher Hofrath beim verstorbenen Koburger Landgrafen, daun nach Uebergang der Ouart Geheimerhof- rath und Mitglied der Domänenkammer in Kassel, dann Finanzkam- merdirektor. Er spielt die traurigste Figur bei der Partie — ihm erwartet kein anderes Loos, als darin fortzufahrcn, womit Wippermann aufhörte, Lometscherchen zu machen, anstatt Wippermännei- chen. A. v. Baumbach ist Kammerherr und war noch eben in München als Legationsrath. — Jeden Tag schon seit einiger Zeit treffen die Einbeorderten zum Militär hier ein. — Da Hr. Hassenpflug wohl so klug sein wird, daß er keinen Krawall allhier vorauüsetzt, wenn er ihm auch nicht Gram wäre, so glaubt man, daß die Truppen nach Erfurt ziehen werden, um den Deputirten daS Geleit zu geben. — Die Konstitutionellen haben gänzlich den Kopf verloren, die Demokraten tragen natürlich alle Schuld in ihren Augen, obgleich diese schon im Jahr 1849 das Schicksal der Minister als unausbleiblich vorausgesagt, und sie ermahnt, mit Ehren zu fallen, und nicht nachzugeben. Daß dieses Nachgeben, Hofiren und Schwänzeln Nichts, gar Nichts geholfen, ist nun klar! — Damals als man euch im Mai 1849 von der Reichöverfassung lvSnß und euch nach Erfurt schleuderte, mußtet ihr abtreten, und ihr wäret mit Ehren gefallen, würdig eures Ursprungs, würdig eurer Eibe. Damals war der Wendepunkt; ihr fielet und mit schnellen Schritten ging eS bergab. Aber selbst da noch, als Herr v. Schenk, der einzige Tapfere unter der Schaar, vom Kurfürsten fortgeschickt wurde, selbst da war eS noch Zeit, mit Anstand zu fallen! — Sie blieben! Sie blieben, um erst ganz das Land in die Krallen des preußischen Adlers zu liefern. Ihr Werk ist vollbracht. — Sie sind überflüssig. Hassenpflug kann ohne Weiteres folgen; so haben sie das Land vorbereitet. Nicht einmal ein Uebergangsministerium braucht er, einen kurhessischen Manteuffel. Der hessische Gerlach folgt sofort den Fußtapfen Eberhards — d. h. in der Reaktion. Ob aber nicht etwas mit österreichische» Sympathien, zur Abwechselung — ist kein Ding der Unmöglichkeit. Äous venons!
Staffel, den 23. Febr. — Der ehemalige Kriegsminister Schmidt ist Stadtkommandant.
* Berlin, 22. Febr. — Eine Korrespondenz in der Kreuzzei- tung meldete aus Kassel, was in Kassel selbst nur Wenige wußten. Folgendes: Der jetzige Präsident deö kön. preuß. AppellationsgerichtS zu Greifswald, der Freund und Feind wohlbekannte frühere Minister deâ I euern und der Justiz, Hassenpflug, ist von Sr. königl. Hoheit dem Kurfürsten wiederum in die von ihm bekleidet gewesenen Stellen berufen unv hat diesen Ruf angenommen.
L Elberfeld, 20. Febr. — So eben erhalte ich auS sicherer Ouelle die Rachncht, daß die Liste der Angeklagten endlich zum Druck befördert ist. Die Zahl der Maiangcklagten beträgt 242. Davon fl^en seit 10 Monaten 28 — ein Theil ist flüchtig; — der Rest von 197 (darunter auch 2 Frauenzimmer) wird Anfangs anderer Woche kiugezogen. Es wird ein Riesenprozeß werden. Die Kartätschcn-Re- gicrung will sich human zeigen, zieht Viele ein, die kein Wässerchen getrübt haben, um recht viel freisprechen zu können. Ueber den AuS- gang sind die Meinungen verschieden. Die Spießer meinen, die rein politischen Berbre chcr werden freigesprochen, die Sozialisten aber kamen in des Teufels Garküche, d. h. in die Einzelhaft. Da die Ver- Haslung 4<) Tage vor Eröffnung der Assisen vor sich gehen soll, wird
-^il der Angeklagten einige Wochen „a u f 's L a n d gehen", daß man "die ^.^ an erforderlichen Gefängnissen fehlt,
p ereilter tn die Gasthäuser einquartieren muß.
Z 2 ^ furchtbar, wie in allen Fabritstädte»;
und sein Vetter 'von' Sibckcku. - ^ne' Ä L ^ig von Preußen morgen hat der Arbeiter fein Brod mehr Meinungsäußerung und Sie machen sich keinen Begriff davon, wie arg der Arbeiter hier geschunden wird, und — schmachvoll! — wie sehr der Arbeiter sich schinden laßt. ES gab eine.Zeck - und hoffentlich wird sic nochmals wicderkehren - , wo die Arbeiter die Macht in Händen hatten d » Geldsäcken zu zeigen, daß sie auS demselben Teige geknetet seien wie sie, eS gab eine Zeit (die Maitage 1849), wo der Fabrikant froh war, wenn er einem Arbeiter auf der Straße die Hand geben konnte wo sich der Fabrikant nicht schämte, mit alten Spulwcibcrn auf öffcnt'
lieber Straße Schnapâ zu trinken und sich dutzen zu lassen. Daß das Herz bei dieser Gelegenheit eine Spanne tiefer saß, wie gewöhnlich, versteht sich von selbst. Doch daö ging dahin! Aber noch jetzt ist ein großer Theil der Arbeiter sehr sehr weit zurück; sie begreifen noch immer nicht, daß nur ein inniges Zusammenhalten der arbeitenden Klasse zu einem Resultat führen kann. Ein blos politischer Umschwung ist nicht mehr denkbar. Soziale Erhebung sei's Panier!
L Eibcrsetd, 21. Fedr. — Ich schrieb Ihnen gestern von der gezwungenen Gesinnungslosigkeit unserer Arbeiter. Hören sie auch ein Beispiel vom Gegentheil. Kürzlich hatte ein Fabrikant, der eben eine große Fabrik übernommen, seinen Arbeitern sofort die Hälfte ihres Lohnes genommen. Da traten viele Drucker der anderen Fabriken zusammen und sprachen: Ihr arbeitet nicht mehr, wir unterstützen euch, biS ihr denselben Lohn habt wie wir. Die Sache ist gelungen! — Die Kalmuckenwirlhschaft der Fabrikanten im Wupper- und Muckeethal geht in'ö Aschgraue. Hier muß der Arbeiter 1 Thlr. Strafe zahlen, wenn er einen Schnaps trinkt, — im Wiederholungsfall wird er entlaßen. Und wäre der Arbeiter noch dickfelliger wie daS Ministerium der rettenden That : Manteuffel, er muß zur Einsicht kommen, er wird sich nicht lange mehr schrecken lassen; wenn die Fabrikanten drohen: „wir ziehen fort, wenn ihr nicht thut, was wir wollen!" — Du lieber Gott! Wo ein Fabrikant hinkommt, braucht er auch Arbeiter. Und wo Einer wegzieht, kommt der Andere. Und Arbeiter oktroyirt man nicht so leicht, wie Lerfassungen mit Hinterthüren! —
W Leipzig, 21. Fedr. — „Blut ist ein ganz besondrer Saft", sagt Göthe in jeinem Faust, darum können ihn die Herren von Gottes Gnaden nicht entbehren, da sie stets etwas Besonderes haben müssen. — Auch unsere landeöväterliche Regierung muß Blut sehen, sie muß, — sonst wäre sie keine Regierung. Ein starkes Königthum muß seinen Purpur immer frisch färben; und waö färbt herrlicher und röther als — Blut? Wir hatten in unserm Ländchen noch keine Begnadigungen zu Pulver und Blei gehabt, dieses Eine fehlte uns zur voll- kommeneu konstitutionellen Glückseligkeit, aber nun soll eS nachgeholt und die Wiederherstellung der Ordnung mit dem Blute wenigstens einiger Hochverräther besiegelt werden.
Fünfundzwanzig TodeSurtheile sind gefällt gegen Kriegoreserviftcn und Soldaten, die sich an dem Maiaufstande bethei- ligt haben. Fünf und zwanzig auf ein Mal. Freilich sind sie noch nicht bestätigt, aber der menschenfreundliche Herr Kriegsminister besteht darauf, daß wenigstens Einige vollstreckt werderr-solleu. „Eâ müsse ein Erempel statuut werden." Der Mann spricht unS aus der Seele: ES muß ein Erempel statuirt werden, das meinen wir auch, und die Zeit dürfte nicht mehr fern sein, wo wir ein Erempel statui- ren werden. Mit dem Herrn Kriegsminister ist vollkommen einverstanden der Herr Iustizminister. Dieser hat zwar vor Zeiten daS Versprechen gegeben, vor dem Erlaß einer neuen Kriminalordnung solle kein Tovesurtheil gefällt werden, aber jene Zeiten sind vorbei und der Herr Minister meint, in die Wirksamkeit der Kriegsgerichte könne er nicht eingreifen. ES fehlt blos noch die Einwilligung der übrigen Minister, die nicht schwer zu erhalten sein wird, und die des Königs. Der kann aber kern Blut sehen, und da werden die armen Verurtheilten wohl noch etliche Monate zwischen Tod und Leben schweben müssen, ehe sich ihr Schicksal entscheidet.
DaS Todesurtheil gegen den Hauptmann von Nohrscheid ist in zweiter Instanz bestätigt worden. Dieser kommandirte bekanntlich in den Maitagen die Besatzung deü Zeughauses und unterhandelte mit dem Volke, als er sah, daß er sich nicht länger halten konnte, und übergab der Kommunalgarde mehrere Posten. Für dieses Verbrechen ist er, der keineswegs Demokrat ist, sondern eben nur von dem Drange der Umstände fortgerissen wurde und da er das Volk Sieger und die übrigen Truppen übergegangen glaubte, mit jenem halb und halb fraternisirte, vom Kriegsgerichte zum Tode verurtheilt wo.den. Ein Urtheil, daS eben so unpolitisch wie ungerecht genannt werden muß, daS aber das Gute haben wird, den Halben und Unentschiedenen eine heilsame Lektion zu geben. —
Unsere Kammern haben ihre Pflicht gethan, und ihre konstitutionelle Bestimmung erfüllt: sie haben die Steuern bewilligt, sie sind also nun überflüssig und sollen nächster Tage auf unbestimmte Zeit vertagt werden. Der Ehre einer Auflösung werden sie nie theilhaftig werden, sie sind der Regierung nicht gefährlich; sic werden aber nach Hause geschickt, weil sie überflüssig sind. Sie haben ihren Lohn dahin. Die Namen der Linken, die rechts gestimmt haben bei der Gutheißung des willkürlichen StcuerauSschreibcnS der Regierung, sind: Löwe, Eymann, Prüfer, Trenkmann, Haubold, Heister- bergk, Iakob auS Vielau und Schwerdtner. Bereits früher sind zum Eentrum übergegangen die Abgeordneten Kü mmel, Kret sch- mar und Raschig. Andere haben noch bei einzelnen Abstimmungen die Abtrünnigen gespielt, oder sich entfernt.