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des Großen Zeit ist mit dem Graf Reichenbachschen Hochverrathspro- zesse aus der Blüthezeit der Konstitution gar nicht zu vergleichen. Dort der Machtspruch eines absoluten Herrschers zu Gunsten eines in seinem Recht gekränkten Bauern, hier Preußens höchster Gerichtshof im fortgesetzten Konflikt mit dem geschriebenen Rechte! (N. O. Z.)
Bunzlau, 13. Febr. — sDaS Ministerium der retten- den That rettet immer fort] Sämmtlichen Magisträten und anderen öffentlichen Aemtern und Gerichten ist in diesen Tagen die Weisung zugegangen, Bekanntmachungen u. s. w. nicht mehr den demokratischen Zeitschriften zukommcn zu lassen. (Fortschritt.)
Trieft, 12. Febr. — sCarneval. VolkSstimmungZ Der Carneval hat uns Veranlassung zu ernsten Betrachtungen gegeben. Ein Spaziergang in dem Maskengewühl überzeugte uns durch die Ausrufungen und die Lieder der verschiedenen Gruppen, denen wir begegneten, daß die Agenten der geheimen italienischen Gesellschaften thätiger sind, als nie zuvor. Die tricoloren Maskenaufzüge ließen überall ihr Morte ai Tedeschi! E Viva l’Italia! (Tod den Deutschen! Es lebe Italien!) selbst vor der Hauptwache deS Militärs und der Na- tionalgarde ertönen. Wenn sie österreichisch gesinnten Bürgern begegneten, so wurden letztere gezwungen, revolutionäre Ewivas auSzu- stoßen und tricolore Kokarden zu küssen. Solche Symtome der mah- nenden FrühlingSluft überraschen und verstimmen unsere Conservativen und verbittern ihnen die letzten Tropsen, die sie aus dem Becher der Faschingsfreuden schlürfen.
Aus Konstantinopel berichtet man: Achmed Effendi sei am 30. Jan. nach Schumla abgegangen. Von der Wiederaufnahme der diplomatischen Verbindungen mit Oesterreich verlautet aber noch immer nichts. (N. O. Z.)
F r a N k r e i ch.
ssParis, 18. Febr. — Die Regierung wüthet gegen die Konstitution , und es ist ein Unsinn, noch mit Aufstand zu drohen „im Fall einer Konstitutionöverletzung". Sie ist schon seit 1 ] Jahren an dreißig Male von den Tyrannen Frankreichs verletzt worden. Jetzt wollen sie in ihren 4 Militärkreisen oder Zonen mit ihren gut bona- partisch-kaiserlichen konstitutionöseindlich gesinnten Obergencralcn die gefürchtete allgemeine Steuerverweigerung in allen Provinzen unterdrücken, sobald der Narr auf dem Präsidentenstuhl sich^verkaisern wollte, und ebenso die leise aber riesig um sich fressende L>ozialistcn- propaganda auf den Dörfern. Sie hoffen in jedem Falle mit Kartatscheu und maschinenmäßigen Kriegsknechten den Sieg zu erobern. Der elende LouiS Bonaparte, der es sich Jahre lang in der Schweiz wohl sein ließ, der dort das thurgauische Bürgerrecht und eine Oberstelle in der Artillerie bekam, der wie ein Hund vor den schweizer Behörden wedelte und Brochüren zu ihren Gunsten schmierte, und um dcffentwillcn die Schweiz fast mit Louis Philipp in Krieg gerathen wäre, wird die Schufterei so weit treiben gegen sie, wie er sie schon gegen 9t om trieb: er hat vorgestern Abends in geheimer N a th si tz u^n g be sch l o ssen, im Bund mit Oesterreich, Preußen, Baiern und Sardinien, durch französische Truppen Genf zu besetzen. Danach hofft der verräterische Laffe, würde das Heer aus Dankbarkeit ob der in der Schweiz und Rom erworbenen Lorbeeren ihm die Kaiserkrone aufsetzen; der russische und preußische Gesandte stacheln ihn fortwährend dazu. In der Kammer ward gestern viel wegen der Einteilung deö Landes in vier Militärzonen inter- pellirt, doch die Minister logen wie gewöhnlich im Anfänge der Diskussion, und erst am Schluß sprach der Kriegsminister, General Be- deau, ein offenherziges Wort: „Wir haben das Land und die Konstitution zu schützen gelobt; jetzt kommt einmal, Ihr da! wir wollen Euch grüßen!" und so sprechend wies er auf die Linke und die Bergpartei Natürlich schrie diese über Herausforderung, und der Tagesvorsitzende mußte den Minister zur Ordnung rufen.
Waö heute in acht Tagen, am Jahrestage der 48er Revolution, geschehen wird, weiß kein Mensch vorher: doch ahnt uns nichts Gutes, die Beleidigungen der Bürger durch die Polizei sind im Steigen. Seit 2 Tagen ist eö z. B. der Wahlkommission des 12. Stadtbezirks rein unmöglich, Sitzung zu halten, weil die Polizei den Eigenthümern der paar daselbst belegenen größeren Privatlokale förmlich das Ver- miethen derselben an die Demokratenversammlung untersagte. AlS die Eigenthümer über diese Verletzung des Eigenthumsrechts durch die s. g. offiziellen Beschützer des Eigentums, der Moralität und Familie, sich beklagten, ließ ihnen der Polizeichef des Bezirks sagen, sie könnten immerhin das Lokal vermiethen, aber sich darauf gefaßt halten, plötzlich eine Rotte P o l iz e i a g e n t en (bekanntlich lauter riesige Bursche mit blciauSgegossenen Knitteln und versteckten Waffen) im Saal zu erblicken, wodurch eine blutige Schlägerei entstehen und das Lokal selbst beschädigt werden würde. Auf diese offizielle Drohung
hin hat also der Eigenthümer sein Lokal leer stehen lassen. Diese Geschichte ist mehr als russisch, aber sie ist buchstäblich wahr. Die Rache wird einst viel zu rächen haben.
Eng land.
* London, 16. Febr. — Die englische Presse scheint nicht sehr mit Lord Palmerstons Planen vertraut zu sein und mit den Wirren im Orient. Der Geldpunkt ist alles, waö sie als Grund für die griechische Angelegenheit anzugeben weiß. Es ist das eine höchst auffallende Erscheinung. Keine Presse Europas ist im Durchschnitt sonst so eingeweiht in die Plane und Umtriebe der Diplomatie, und namentlich in die Beweggründe ihrer eigenen Staatsmänner zu Krieg und Frieden. Jetzt gesteht das liberalste Blatt Londons, die Daily News, selbst, daß man doch eigentlich die Motive Palmerstons noch nicht kenne. Also ein Beweis dafür, daß Palmerston doch seinen Landsleuten, die ihn so gern zum Besten haben, noch nicht ganz enthüllt ist.— Der Lloyd hatte neulich posaunt: Oesterreich rüstet seine Flotte! (soll heißen 2 oder 3 Nußschalen!) Ein schallendes Gelächter deS John Bull antwortet ihm; die Times tituli'rt die Strohrensmisterei österreichische Unverschämtheit. —
Von den Parlamentsverhandlungen der letzten Zeit war nur die Sitzung des Unterhauses vom 7. von Interesse. Hume kündete auf den 21. die Einbringung einer Bill an zur Ausdehnung des Wahlrechts und zur Feststellung eines dreijährigen Parlamentszyklus. — Die Bill Scropes: „die Wohnhäuser der Armen, unter einem gewissen Werth, von der Lokalbesieuerung zu befreien", wurde verworfen. Lord Dudlei Stuart beantragte die Vorlegung der Papiere in Betreff des ungarischen Kriegs. Er zeigte, daß Ungarn de jure und de facto Selbständigkeit beanspruche. Jellachich und seine Genossen seien die Auflöser der Union zwischen Ungarn und Oesterreich gewesen, nicht Ungarn. Ueber die Greuel des Krieges liest Stuart furchtbare Schandthaten aus einem Buche vor, daS kürzlich in London von einer ungarischen Flüchtlingin herauSgegeben wurde. Rußland dürfe man nichts nachsehen, um so mehr als Rußland gehorsame, wenn England ein ernstes Wort spreche. „Possenhaft ists, davon zu schwatzen, daß Rußland der Macht Englands auch nur einen Tag widerstehen könne." Er erwartet starke Maßregeln gegen den Moskowiter, der seine Schlangenwege verlasse, wenn eS gelte, Völkerfreiheiten zu vernichten und mit der angeborenen Brutalität deS MongolenthumS alle edlere Menschheit, alle Reform und alles Bürgerthum zu ersticken. Jetzt sei eS noch schwach, aber wenn es jene fruchtbaren Länder in Besitz genommen, werde eS furchtbar stark — dann werde eS nicht mehr England gehorchen, sondern die Weltherrschaft haben, Indien beunruhigen, den englischen Handel lähmen, kurz England zum Kriege zwingen, dec jetzt noch nicht nöthig sei. — Palmerston umging die Sache und versprach Vorlage eines Theils der Papiere; seine Rede war voll Rücksicht gegen Rußland — nicht aber so gegen Oesterreich — Lord Hamilton sprach gegen Stuart, ebenso Disraeli. Der erstere namentlich gegen Stuarts Erzählung vom Mordversuch gegen K o s su l h.
Italien.
Man meldet aus Palermo vom 30. Jan.: „Unsere väterliche Regierung hat neue Opfer gebraucht, sie hat gemordet, wie man in Galizien gemordet hat. Folgendes sind die Thatsachen : Den 27. Abends gegen 9 Uhr entwaffneten ungefähr 20—30 Personen eine Patrouille und waren im Begriff, eine zweite zu entwaffnen, als sic genöthigt wurden, sich zu zerstreuen, da eine große Anzahl Soldaten auf dem Kampfplatz sich einfanb. — In derselben Nacht wurden 6 Personen auf 'bloßen Verdacht hin verhaftet, sie waren ohne Waffen. Ein einziger hatte schwarze Hände, seine Lippen und Taschen waren etwas geschwärzt. Drei herbeigerufene Erperten erklärten, daß diese Zeichen sowohl durch Pulver, als durch Cigarrenasche hervorgebracht fein könnten. Den folgenden Tag wurden alle sechs auf diese Anzeige hin zum Tode verurtheilt und erschossen. Der Präsident des Kriegsgerichts gestattete keine Vertheidigung, indem er, wie er vorgab, zu viel zu thun hätte. Geistliche wurden zwar den Verur- theillen bewilligt, ihnen jedoch nicht die Zeit gelassen, das Abendmahl zu empfangen. Unter diesen neuen Opfern des Bourbons von Neapel befand sich ein junger Student, hoffnungsvoller Sohn einer Wittwe, die vor Schmerz über den Tod ihres einzigen Kindes wahnsinnig geworden ist. Sechs neue Opfer sind zu den Tausenden gekommen, Cicilien der Freiheit gebracht hat. — Zweihunderttausend Herzen ha- ben die Kugeln gefühlt, die jene sechs Unglücklichen trafen.
ein armes Weib aus dem Volke die Bitte ausrufen: „HerrS" ' dir ist es, diesen Kugeln den Rückweg in die Herzen unserer auzuweisen."