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hat, das ist die Ueberzeugung, der Glauben. In den Augen deS Petersburgers sind die Wiener und Berliner Regenten nichts mehr und nichts weniger als ihre Völker, nämlich Heiden.

Preußen und Oesterreich mögen das bedenken!

Deutschland.

6 Kaffcl, 19. Febr. Allgemein ist der Zustand der hiesigen lutherischen Gemeinde bekannt; eS ist eine Gemeinde, deren Gemeinde- mitglieder nach einigen Lesarten 8000 sein solleu, die aber Niemand kennt, weil sie nicht, wie die reformirten Gemeinden, auf einen be­stimmten Stadtbezirk angewiesen sind, sondern in aller Welt zer­streut wohnen. Die Gemeinde hat übrigens ein schönes Vermögen, wovon die Herren Prediger, welche vom Vorsteheramt der Gemeinte vktroyirt wurden, reichlich dotirt werden konnten. Aber es ist doch immer schmerzlich, fast ohne eigentlich greifbare Gemeinde zu er-stiren, man hat gar keinen Einfluß. Dieser unheimliche Zustand drängte schon vor Jahr und Tag den Herrn Konsistorialrath Meyer, eine Gemeinde­versammlung zu berufen, um seine zerstreuten Schaafe wieder zu ver­sammeln. Es kamen etliche hundert Männer zusammen, die Stimmen, die laut wurden, gefielen aber dem schwach-rationalistischen Herrn und dem Vorsteheramt (darunter auch Hr. Wippermann) nicht im Mindesten, theils waren sie ihnen zu gläubig, theils zu ungläubig. Man ver­langte von dieser Versammlung nur den Beschluß, daß Listen auf­gelegt würden, in welche sich die Gemeindemitglieder einzeichnen sollten, damit man endlich einmal wüßte, wer eigentlich dabei wäre. Von dem Resultat dieser Listenauslegung hat man niemals etwas ver­nommen, weil keinen Erfolg hatte. Man hat nun einen andern Weg eingeschlagen, die zerstrente Gemeinde zu sammeln und ihr ein neues Interesse an den Angelegenheiten der Kirche einzuflößen. Dem Vorsteheramt, daS sich bis jetzt wie ein Polyp durch Ergänzung fort» zeugte, wurde es unheimlich in feiner Einsamkeit; er verband sich mit Männern,die sich lebhaft für die Kirche interessirten", wie es öffentlich erklärt, und stellte mir Nichts dir Nichts ein Statut fest für die Ge­meinde, d. h. cs vktroyirte eine neue Verfassung. Es nimmt unâ kein Wunder, da im Vorsteheramt (6 Mann) Hr. Wippermann sitzt und außerdem zwei Geheimeräthe Lometsch, Bromeiö) und ein Millionär (Jäckel); die beiden anderen heißen Meyer, Konsistorialrath und Go- lhaer, und Schäffer (Advokat?). Als sie diese Heldenthat vollbracht, beriefen sie 24 Gemeindemitglieder zu sich, meistens Mitglieder ihres lieben Bürgervereins, Hrn. Elvers, den Chinesen, nicht zu vergessen, und okroyirten nun mit ihnen auf dieses vktroyirte Statut eine Wahl­ordnung noch oben d'rauf. Zu diesen 24 gehören z. B. Böckel, Schlosser, Eggen«, Fabrikant, Grün, Schuhmacher, Scheuer- mann, Kaufmann, Schomburg, Dr. Clemen rc., alles Bürger- verein. In der oktroyirten Wahlordnung wird der 27. Februar als Wahltermin angegeben zur Wahl von 24 Ausschußmitgliedern, welche den alten Polyp künftighin ernennen sollen, also indirekte Wahl des Vorstandes re. Der löbliche Polyp wird bald sehen, daß er sich furcht­bar täuschte, wenn er glaubte, mit einer oktoyirten Kirchenverfas­sung eine Kirchengemeinde vom Tod erwecken zu können. Wir wollen auch dabei sein, direkt in voller Gemeindeversammlung, sonst wird auS der ganzen Geschichte Nichts. Die Wahl wird's zeigen. Oktroyirt nur die 24 gleich als Ausschuß. Das ist das Einfachste und Sicherste!

Kassel, 20. Febr. Die Kassel'sche brachte vor einiger Zeit die Ankündigung eines Ministerialbeschluffes:daß nach Eingehen der Kasseler Lotterie auch die Frankfurter verboten sei". So erfahren wir en passant, daß die Kasseler Lotterie wirklich eingegan­gen ist, eine bet. essende V e ro rd n un g darüber ist noch nicht publizirt worden. Jedenfalls hat man sich sehr lange besonnen, bis man diesen Schritt gethan hat; und eS bleibt eine nicht zu verantwortende Thatsache, daß man einigen Kollekteuren monatelang die geleistete Kan­nen zurückgehalten hat, Man hat die Absicht, die Kollekteure, denen " Wochen hat, zu entschädigen, und zwar, wie man . . . 'f ^T: Erne schöne Entschädigung für einen Mann, können! Warum ließ nian nicht f H U dwser Lotterie zu Ende spielcn, so war man diese ihrem guten Rechte? -^S^ ^nd soviel Staatsbürger in hört, daß ein Verbot der fremden Lotterie eine^kbrä ^"'^n - erten sönlichen Freiheit und gegen die Grundrechte sei^ der einâ"Staat ist hier in einem Nothzustand. Eine deutsche Gesamt X * mußte die Lotterien überall aufheben, - bis daâ nicht qS£^ muß jeder deutsche Staat für sich dieselben unterdrücken Dem E , wand, daß fremde Lotterien doch gespielt würden, ist zu entacanen daß durch das Verbot der offene Betrug und das Aussaugen der Land^ bewohner zum Mindesten wegfällt, und daâ ist schon viel. Das aber ist richtig, daß sämmliche Lotterieanleihen ebenso unmoralisch sind,

als die gewöhnlichen Lotterien; dieses zeigt nur, daß u isere ganzen gesellschaftlichen und staatlichen Zustände auf unmoralischem Wucher, auf Lug und Trug beruhen. Im Augenblick läßt sich nur auömerzen, waS geradezu dem offenen Betrug Tbor und Thür öffnet; den ganzen großen Augiasstall auSzumisten! bleibt der neuen Revolution und der sozialen Reform vorbehalten.

Marburg, 18. Febr. Hr. v. Sybel steigt herum, die flie­gende Hast bringt ihn noch um, und dennoch wird dem großen Mann die Ehre nach Erfurt nicht beschieden sein. DaS kleine Bürgcrmei- sterlein Ulloth ist im schönsten Begriff, ihn auszustechen, obgleich Hr. v. Sybel mit erhabener Verachtung auf ihn herabblickt. Hr. v. Ullothchen hat zwar einen ungeheuerlichen sty'um curiac ent­wickelt in seinen hochwohlweisen Erlassen, so daß alle Schulknaben Marburgs vor Verwunderung außer sich waren, aber die Tribüne wird er in Erfurt nicht groß belästigen. O Erfurt! O Erfurt! Daß du um deinen Sybel kommst und um die Vereins eilermeisterei. ES wird Nichts werden! Da Hr. v. Ullothchen von seiner Frau jeden Sonn­tag in die Kirche geführt wird, um sich würdig vorzubereiten aus seine FestungSzukunft, so wünscht er bald erpedirt zu werden.

l^ Hersfeld, 18. Febr. Gegen den Walkmüller J. H. Braun auf dem nahen Bingarfes ist jetzt eine Untersuchung wegen Beleidigung Sr. Majestät von Preußen eingeleitet. Leute vom 8. Landwchrregiement, welche vorigen Sommer bei ihm im Quar­tier lagen, haben ihn wegen Aeußerungen, wie die: der König sei immer in Champagner besoffen; es sei besser gewesen, wenn man ihn damals vom Balkon herabgeschossen hätte, u. s. w. denunciirt, und das preußische Ministerium des Auswärtigen hat bei dem diesseitigen Justizministerium auf Untersuchung angetragen, welches letztere dann auch die Sache an den General-Staatsprokurator abgab, der dann seinerseits das Gewünschte an den Staatsprokurator in Rotenburg verfügte. Dieser lehnte jedoch die Verfolgung ab, indem er ausführte, daß nach unseren Gesetzen weder von einer Majestälsbeleidiguug, noch von einem von Amtswegen zu verfolgenden Vergehen, sondern ledig­lich von einer Privatbeleidigung die Rede sein könne, zu deren Verfolgung es aber an den nöthigen Voraussetzungen (Klage des Be­leidigten in Person oder durch einen Bevollmächtigten) fehle. Im gleichen Siun sprach sich auch der Jnstruktionsrichter und die Raths- kammer aus. Indessen hat sich das O. A Gericht für die Untersu­chung von Amts wegen entschieden, da schon eine Belei'digmrg He­gen einen fremden Gesandten, wie viel mehr denn eine Beleidigung gegen das Oberhaupt eines befreundeten Staates von Amtswegen ver­folgt werden müsse. Erfurt deine Früchte reifen!

ff Melsungen, 18. Febr. Hier und in der Umgegend auf dem Lande wird seit einiger Zeit die kurhessische Kreuzzeitung, das Vilmarsche Volksblatt in vielen Exemplaren umsonst vertheilt. Man nennt unsern Bürgermeister, den Advokaten Baumann, als das Haupt dieser Propaganda. Baumann ist als ein eifriger Mucker bekannt und hat auch einen beträchtlichen Antheil an dem Beschluß des Hersfelder Bezirksraths, kraft dessen dieverwahrloste" Kinder­anstalt zu Rengshausen aus der Bezirkskaffe mit 300 Thir. unterstützt wird. Um nun dem Einfluß des Vilmarschen Blattes ein Gegenge­wicht zu geben, gehn die hiesigen Demokraten mit dem Plane um, einen Verein zur unentgeltlichen Verbreitung derHornisse" zu grün« den. Hoffentlich wird es nicht bei dem bloßen Plane bleiben.

Ziegenhain. Von 184 Wählern 3r Klasse (Geringstbe- steuerte) haben gewählt 32, von 172 Wählern 2r Klasse (Mittelbe- steuerte) haben gewählt 75, von 141 Wählern lr Klasse (Höchstbe- steuerte) wählten 85. Von den Landgemeinden haben circa £ der Stimmberechtigten gewählt.

* Merlin, 18. Febr. Neuester Volköwitz über die Beschwö­rung. Der König habe an den Prinzen von Preußen geschrieben, und ihm seine Verwunderung auâgedrückt, daß er nicht zum Schwur gekommen; der Prinz habe geantwortet:Hat nischt zu sagen, juter Bruder; du weeßt ja doch: Mein Eid ist Dein Eid, und Dein Eid ist Mein Eid."

Frankreich.

in ihrer Ehre ge-

Straßburg, 16. Febr. Könnte die große französische Nation durch dasjenige, waâ der blinde Abenteurer, den ein großer Name an ihre Spitze stellte, thut und unterlaßt, in ihrer Ehre ge­kränkt werden, ihr Ehrenkleid wäre mit einem unvertilgbaren Schmutz­flecken besudelt.

Dieser Tage besuchte der hiesige Präfekt die von der Bevölkerung Straßburgs mit wahrhaft rührender Lichtung behandelten parlamenta­rischen Kämpen für Deutschlands Freiheit und Einheit: die Herren Jtzstein nnd Raveaur und kündigte ihnen an, sie dürften nicht länger an der Grenze bleiben, sondern müßten sich ins Innere von Frank-