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Deutschland.

^Hcröfcld, 18. Febr. — Nach Allem, waö man über die Wahlen ber Landgemeinden zum Erfurter Faseltag in dem untern Ver­waltungsbezirk HerSfeld erfährt, sind dieselben spärlich genug ausge­fallen. Von t 90 Urwähleru in Friedewald hat nur einer aus der dritten, sechs auö der zweiten und keiner aus der ersten Klasse gewählt, lauter Angestellte und ein Apotheker. Herfa, Lauterhausen, Cathus, Unterhaun, Asbach, Kohlhausen, Beiershausen, Kerspenhausen, fast lau­ter bedeutende Gemeinden, rührten sich nicht. In Raboldshausen er­schien blos der Pfarrer als Wähler und ernannte zwei Wahlmänner, die aber bei der Abgcordnctenwahl auSblieben. Einer davon, Färber Freund, ist Mitglied deö BezirksrathS; auch ein anderes Mitglied deS BezirksrathS, Ockonom Schwarz auS Unterhaun, verzichtete auf die Ehre, sich an der Abgeordnctcnwahl zu betheiligen, und ein Mit­glied des Bezirksausschusses, Advokat Victor dahier, erklärte dem Bezirksdirektor schriftlich, daß er sich aller und jeder Mitwirkung beim Wahlgeschäft enthalten werde, da es gegen sein Gewissen sei, sich bei einer Sache zu beteiligen, die er in ihrem Ursprung für verfassungs­widrig halte. — Viele Gemeinden, die ihr Wahlrecht auögcübt haben, würden dies unterlassen haben, wenn sie nicht gefürchtet hätten, in Strafe zu verfallen, gewisse Leute hatten dafür gesorgt, daß ihnen die Eberhardt'sche Wahlpflicht gebührend in alle Glieder fuhr.

O Berlin, 18. Febr. — Eine prächtige Komödie steht uns wieder bevor! Was ich Ihnen über die protestirende russische Note schrieb, ist nicht ganz unrichtig. Es ist so ein Machwerk wirk­lich angekommen. Zu welchem Zwecke aber und von wem es geschrie­ben ist, — das ist eben der Hauptwitz bei der Sache. ES ist auf den innigen Wunsch Manteuffels geschrieben worden, der um jeden Preis den Schein des Liberalismus retten möchte! Damit aber auch alle Welt erfahre, daß Preußens Minister wirklich auf dem Wege zur deut­schen Einheit sind, und daß nur der russische Czar ihnen Hindernisse in den Weg legt, — damit daS sonnenklar und unumstößlich bewie­sen werde, soll ein Mitglied der Rechten die Minister wegen dieser Note interpelliern !! Alsdann wird sich Herr von Manteuffel sehr gravitätisch erheben, wird erklären, es sei allerdings ein dergleichen Aktenstück eingelaufen, Preußen werde sich aber durch solche Drohungen nicht beirren lassen, unverrückt auf seinem Wege vorwärts zu schrei­ten! Die Kammer wird einstimmig Bravo schreien, und Herr von Manteuffel ist wieder liberal, ist wahrhaft konstitutionell!! Ist daS

nicht eine köstliche Kammer, die sich zu solchen Komödien gebrau­chen läßt? — Herr von Manteuffel ist aber nicht blos liberal, Hr. von Manteuffel ist auch allwissend. Er weiß ganz genau, daß am 6. April dieses JahreS, Abends 7 Uhr, in Breslau und Magdeburg zu gleicher Zeit der Aufruhr ausbrechen, und daß man vor allen ihn selbst beseitigen wird! So haben die Spione Herrn V. Manteuffel unterrichtet und so hat er selbst in der Abendsitzung der Kammer am 16. Febr. erklärt, bei Berathung deS Vereinsgesetzes nämlich, wo er die Bildung von geheimen Verschwörungen für sehr nützlich erklärte, weil dadurch eben die gefährlichen Leute bekannt würden! O, Herr v. Mantcffel ist klug und weise!

Das Vereinsgesetz ist übrigens mit wenigen Abänderungen so angenommen worden, wie die Kommission beantragt hatte. Ob'eâ mit dem Preßgesetz eben so rasch gehen wird, ist noch die Frage, und man spricht sogar davon, eS solle in der jetzigen Periode gar nicht mehr auf die Tagesordnung kommen. Bekanntlich geht die Kammer am Schluß dieser Woche auseinander. Möge der Dank des Landes, den sie sich erworben, nicht zu schwer auf den Schultern der Mino­rennen lasten! — An der Börse herrscht hier eine sehr gedrückte Stim­mung. Man ahnt, daß die Luft nicht rein ist, und daß die Dinge in Frankreich eine sehr, sehr bedenkliche Wendung nehmen. ES sind be­reits Zimmer im königlichen Schlosse für LouiS Napoleon eingerichtet, so erzählt der Berliner Witz. Möglich!

, ' erlin, 18. Febr. — Der SleuerverweigerungSprozeß schrei- tct seinen monotonen Gang weiter; der Anwalt Dorn, bekannt als ^enhndlger Waldecks, plädirt wiederholt mit ausgezeichnetem Er-

Geknifft unseres Hofs ersehen mir fortwährend aus den osterre.chksyen Blättern ganz nette Anekdoten. So filtert

. Master Manteuffel und sein Verhältniß zu Friedrich Wilhelm dem Schönredner auf die erbaulichste Weise Der Korre­spondent des Lloyd nennt den Minister einen gedankenarmen unrro duktiven, halsstarrigen Menschen, dessen Religion in der Politik Un­verschämtheit sei und der mit entsetzlicher Gier sich auf einen darac- botenen Gedanken werfe, um ihn „wie ein bissiger Köter" rein abru- nagen, ehe er ihn losläßt; so hat er jetzt den Knochen des Schein- konstitutionalismus und den Knochen Erfurt in der Arbeit. Dabei ist er von unvermeidlicher Zudringlichkeit bei dem König. „Gar oft springt der König von seinem Sitze auf und sagt im höchsten Zorn: „„Herr,

mißbrauchen Sie Ihre Unentbehrlichkeit nicht!"" — Aber der Unent­behrliche deduzirt zum furchtbaren Ingrimm aller Gerlachs, bis er den König für den Augenblick bearbeitet hat. Nur von den sogenannten „ I n c rp r e ssib l e S " *), d. h. von den preußischen PairS — konnte er Se. Majestät nicht abbringen; der König war ihm den Tag vor der Schönrede nach Potsdam zu einem Konzerte entflohen; nur Bran­denburg wußte vom Inhalte der Schwurrede. Manteuffel habe sich wüthend auf die Lippen gebissen, als der Schönredner am 6. Fe­bruar wohlgefällig sein jöttlicheS Machwerk aus der Tasche zog.

Verkitt, 18- Febr. — Die Oesterreicher haben Recht, Preußen ist kein Boden für die Diplomatie. Die Angelegenheiten mit Dänemark sind auf demselben Punkt, wie anno dazumal, und die Verhältnisse mit Frankreich oder Hrn. v. Persigny sind kühl, äußerst kühl. Nicht übel ist die Geschichte, welche in österreichischen Blättern die Runde macht: Persigny, behaupten sie, behandle den preußischen Diplomaten, Hrn. v. Schleinitz en Bagatelle, und als ihm dieser mit der Gefahr einer neuen Revolution in Frankreich imponiren wollte, imponirte ihm Per­signy wie folgt: „Fürchten Sie nicht für Frankreich, daS wAß Revolu- tionen zu begegnen; auf chcvalereöke Weise (a la Eavaignac) kann man Frankreich stets beruhigen. Eine Revolution in ihrem Magde­burg (durch Uhlich) kann gefährlicher für Sie werden, als für und ein Pariser Sturm."

W Leipzig, 18. Febr. — Die vorgestrige Sitzung der zweiten Kammer gab wieder ein halb trauriges, halb komisches Bild unseres konstitutionellen Lebens. Es handelte sich um die nachträgliche Sanktion eines völlig unkonstitutivnellen und eigenmächtigen Verfahrens der Re­gierung Am 25. Mai vorigen Jahres erließ das Ministerium eine Verordnung, in welcher es die Forterhebung der Steuern auf eigne Faust verfügte, gestützt auf den § 103 der Berfassungöurkunde. Dieser § erkennt freilich der Regierung das Recht zu, bei Auflösung oder Vertagung deS Landtags die Steuern biè zum nächsten Zusammentritt der Kammern fortzucrhcben, ihre Zusammenberufung muß aber ver­

fassungsmäßig spätestens nach 4 Wochen geschehen.' Die Kammern, welche im April ausgelöst wurden, hatten der Regierung die Sr£®iT bcr Steuern bis Anfang Juni bewilligt, als daS Ministerium jene Verfügung erließ, war die gesetzmäßige Frist zur Einberufung neuer Kammern bereits verstrichen. Der §. 103 ist also gegen alles Recht vktroyirt. DaS Ministerium verlangte von der Kammer die Guthei­ßung einer Verfassungsverletzung, und diese Kammer, - nun, Sie fennen diese saubere s. g. demokratische Steuermaschine , __ sie gab ihre Genehmigung, sie sanktivnirte den Verfassungöbruch. Ah! Das Ministerium hatte ja einen Paragraphen der Verfassungsurkunde zitirt; diesem konstitutionellen Gebühren gegenüber kann man nicht hart- herzig sein; man erklärt, der Buchstaben dèr^Bërfassung sei zwar nicht gewahrt, aber man wolle nachsichtig sein re. Vergebens stellte der Abgeordnete Zicsler den Antrag, die Genehmigung zu verweigern.

■ Nächstens wird das Ministerium sagen: Verzeihen Sie, meine Herren Kämmerlinge, aber nach §. 1009 der VerfassungsUrkunde müssen Sie schleunigst nach Hause marschiren! — Und die Weichherzigen werden antworten: der Buchstaben ist zwar verletzt, aber wir werden aller- unterthänigst darüber hinweg und nach Hause gehen. Adieu! — Die Debatten über die deutsche Frage werden noch schimpflicher aus- fallen. Die weniger entschiedenen charakterfesten Männer der Volks­partei, die das Schicksal unter diese Heerde gesinnungS- und charakter- loser VolkSverräther verschlagen hat, sind wirklich zu bedauern. (Wie überall! Die Red.)

Aus Würtembcrg, 17. Febr. - DaS evangelische Konsisto- rium macht in Politik. Es schickt den Predigern eine Ansprache, welche sie am Sonntag Invocavit von allen Kanzlen hcrabwcrfen sollen, wie man zu sagen pflegt. In dieser Ansprache wird auf die Wichtig- seit eines Wahlakts aufmerksam gemacht zum Landtag; Dieser habe in diesen stürmischen Zeitläufen ein besonders schwieriges Geschäft —• „ unb bei der trostlosen Aussicht, welche sich vor unS öffnet, wenn abermals zwischen der Regierung und den Volköabgeordncten kein bil­liges Einvernehmen statlsinbet und kein zufriedenstellendes Ergebniß herauskommen sollte". Also solle ein Jeder wählen, er versündige fit sonst an Golt und seiner Familie und solle dabei Gott, den Kö­nig und das Vaterland im Herzen haben, und er soll einen Solchen trällert , der es gerab so mache. — Heißt mit andern Worten: wählt einen, der mit der Regierung ein b i l l i g e S Abkommen trifft, d. h. kernen ^missraten. Allerdings, cS ist mild gegeben, aber doch mit ™ Zu greisin. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn die Kirche politisch wird, das kann ihr neue Lebenckiaft geben, d. h. sie auS dem Himmel aus tie Erde versetzen, aber sobald sie Partei nimmt im £ W K« Ä R^-Ü-Aä ^*-