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Deutschland grenzenden Departements, und freiließ ist rühmend an- zuerkenncn, daß fast alle Volksvertreter des Elsasses seit Juni im Kerker liegen. Ich mache aufmerksam auf daS in Kolmar erscheinende wackere Blättchen „Die Volksrepublik"; wohl verdiente es, in Deutschland mehr Eingang zu haben, zumal es eins der wenigen deutsch geschriebenen Journale in Frankreich ist. So schauderhaft die Zeiten üouid Philipps waren, so gestatteten sie doch ein Jahr lang das Bestehen des deutschen „Vorwärts", seiner Zeit (anno 1846} baö allerrevolutionärste Blatt Europas, woran die Dr. Dr. Marx, Ruge, Ewerbeck, Bernayö, Weber u. s. w. schrieben; sie erlaubten die Existenz des „deutschen Steuermanns" hierselbst, während mehrerer Jahre von Krell redigirt. Aber heute wird eine Nachahmung dieser Leistungen total verunmöglicht, man würde sofort wegen Preßvergehen ins Gefängniß geworfen und durch Geldbußen arm gemacht werden. Die Wuth der Regierer gegen die Sozialpartei ist fürchterlich anzuschauen; aber nur nicht ängstlich. Herr Carlier, der Polizeiminister *), erließ gestern ein Manifest an alle Polizeikommissäre Frankreichs, worin er sagt: „Sie haben setzt, meine Herren, die Ersatzwahlversammlungen „zu überwachen, und ich rathe Ihnen, darin selbst daö Wort zu er- „greifen, wenn Sie offenbare Jrrthümeleien im Munde unserer Gegner „hören: unsere ewigen Gegner sind die sogenannl^n Sozialisten, So- „zialdemvkraten. Ich erkläre den Sozialismus für eine vie- „hische Barbarei" u. s. w. Also Herr Carlier ist so gütig, unS Europäer zu belehren, waS Sozialismus sei; wir dagegen werden, möge er sich darauf verlassen, Europa zeigen, wer Herr Carlier ist. Die Projeklchen des Louis Bonaparte werden immer tollkühner: setzt sagt sein Hofblatt „Napoleon" geradezu, „man solle ihn nur flugs zum Kaiser erheben, denn weder unter den Orleans noch unter der ältern Linie würde Frankreich jemals glücklich sein. Ungemein spaßhaft ist'S, die giftigen Fratzen zu sehen, die hierauf die anderen volksfeindlichen, aber nicht bonapartistischen Blätter, die karlistischen und orleanistischen, schneiden. — Der General Cavaignac, der 1848 im Juni daö Volk niederkartätschte, ist merkwürdig freisinnig geworden, oder thut so, als sei er'S: er scheint ernstlich gelobt zu haben (in einem Kreise von Generalen), daö Schwert gegen Bonaparte, Louis Philipp und Heinrich V. ziehen zu wollen.
i PariS, 15. Febr. — Die Proklamation M Polizcipräfekten Carlier, worin er sagt: „Sozialismus ist die Rückkehr zum Barbarenthum und zur Unsittlichkeit", erregt viel Grimm und kostet ihm einst sicher den Hals. Die Verfolgungen gegen die Presse nehmen neuen Aufschwung, im Ganzen wird jetzt an jedem Tage ein demokratisches Blatt mit Beschlag belegt, zuweilen sechs, sieben, acht mit einem Male. Der berüchtigte Oberprokurator Baroche will sich einen Namen erwerben, scheint es. Das Proudhon'sche Blatt „Voix du Peuple " ist j$on gestern wieder konsiszirt worden, offenbar nur, weil eS den Präpden- ten Bonaparte wegen seiner Absichten auf einen Kaiserthron verhöhnte. Dieser schaamlose Wicht (anders kann ich ihn nicht nennen, wenn ich die Wahrheit aussprechen soll) macht, dünkt mir, wahrhaftig Anstalten, sich zu „verkaisern"; er hat durch den Kriegsminister ganz Frankreich in vier Militärstriche theilen lassen, in deren sedem ein General alö Diktator herrscht: also steht heute schon ganz Frankreich unter Kriegörecht. Diese vier Obergenerale sind sämmtlich s. g. Elpsäer, d. h. eifrige Bonapartisten, und würden gern mit dem Säbel das Kaiserthum Herstellen helfen. Deutschlands Demokraten müssen über dieses Alles im Klaren sein, daher bin ich etwas weitläufig darüber ; c>st wenn der Donner deS Volks wieder in Paris gerollt hat, kann das Gewitter auch wieder in Deutschland lvöbrechen. Aber früher nicht, möge daö sa nicht außer Acht bleiben. — Der General Cavaignac, dieser Junimörder, ist gleichwohl ein Republikaner, und trachtet nach Mitteln, die Republik wider Angriffe seiner unrepublikanischen Herren Kollegen zu schirmen. *) So zieht er, heißt eS, öfters Offiziere zu sich und diSkutirt diese Frage. Gewiß im Laufe weniger Monate kommt die Sache zum Bruch (Einige glauben, schon am 24. Febr., waS nicht annehmbar scheint), und zwar in der Manier, daß die Minister sich hinter die volksfeindliche Kammermajoritat stecken, und durch diese dem Bonaparte die Präsidentur auf 1t) Jahre entweder geradehin übertragen, oder diese Frage: „soll sie ihm gegeben werbend" den stimmenden Bürgern zur Abstimmung im ganzen Lande vorlegen; wodurch natürlich eine entsetzliche Spaltung entstände. Die Frage allein schon ist verwerflich, und wenn über ]o Verwerfliches gestimmt wird, kaun nur Verwerfliches herauökvmmen. Wenn dem Bonaparte gelingt, die Kammermajorität an sich zu knüpfen, so ist ihm Alles gelungen: nur sind noch tägliche Reibereien zwischen ihm und der Reaktion der KöMg-
Heißt allgemein le bourrcau de Paris, der Henkermeister von Paris; ein Jesuitenschüler.
") Resp. um sich 1852 auf den Prasidentenstuhl zu bringen. Die Red.
lichen, denen die Kaiserlichen ein Greuel sind. Es wäre aber doch möglich, und da zugleich mit großem Geldaufwand Hunderttausende von Brochüren zu Gunsten des Kaisers Napoleon 11, (so will der Narr und Verbrecher sich nennen) seit 3 Wochen auf die Dörfer geschickt werden, so kann man weder für ja noch nein weissagen. Nur würde sich ein sehr wüthender Straßenkampf in Paris, und in den Provinzen eine sehr hartnäckige Steuerverweigerung voraussagen lassen, im Fall ein Kaiserthron die Konstitution verdrängen sollte. Um dem Fortschritt deS Provinzvvlkö einen Zaum anzulegen, ist daS Unterrichtsgesetz, das dem Pfaffen und dem GenSdarmkapitän der Gemeinde die grenzenlose Macht über den Gemeindeschullehrer ertheilt, gestern votirt worden; die Erklärung Frankreichs in den Kriegszustand hat denselben Zweck. Auf das stehende Heer dürfen wir Demokraten niemals rechnen, eS ist immer despotisch, und nur in den Jahren 1794 und 95 war es mit großer Mühe, durch die Klubs und Guillotine, demokratisirt worden. Der Abscheu gegen daS jetzige europäische Militärsystem oder Mord, wesen wird daher jetzt bereits bei manchen Demokraten so lebhaft, daß sie im Ernst an eine totale Auflösung desselben durch Verabschieden und Entwaffnen aller Krieger auf einmal zu denken anfangen, und sofortiges Verschicken der Verabschiedeten in ihre resp. Heimathen. Was wohl in Frankreich noch nicht ginge.
*PariS, 14. Febr. — Drei Havnaus sind bereits ernannt, drei napoleonische Generale. Der Div. General de Castel lane für die 12te Militairdivision (Bordeaux) und Oberkommandant der 14ten (Nantes) und der löten Division (Reimes). Der Div. General Rostolan als Kommandant für die 8te (Montpellier), als Oberkommandant von der 9ten (Perpignan) lOten (Toulouse). — Der General G ë neau als Kommandeur von der 6ten (Lyon), und Ober- kommandant der Sten, (Besaneon). — Die 4te Division, die des Nvidens, ist noch nicht besetzt. Das Ernennungèdckrct hat natürlich Nichts von den Befugnissen der französischen JellachichS. Dafür sorgt der Art. 5 des Gesetzes vom 11. August 1849, der jedem Kommandanten die Befugniß ertheilt, provisorisch, bis zur Entscheidung der Regierung, den Belagerungszustand erklären zu können. — Also ist mit dieser Eintheilung Frankreichs in 4 Militairgebiete faktisch die Konstitution ohne Kraft, alle Munizipal- und Generalräthe und die Nationalversammlung sind provisorisch suspendirt. — Prou d- h o n ist nun in ein anderes Gefängniß geschleppt, Niemand darf zu ihm. Der Artikel seiner „Voix du Peuple", weshalb ihn dieses Schicksal traf, ist voll giftigen Hohns auf den Präsidenten und seinen Staatsstreich. Es heißt darin: „Es lebe der Kaiser und Tod den Tyrannen!" und am Schluß: „Bor zwei Jahren noch, als wir am Ruder waren, verlangten wir blos zwei Dinge, die Niemand selbst dem Bösewicht vorenthalten darf: Arbeit und Brod — man hat uns Blut und Blei gegeben! Nichts von Borstellung, Nichts von Dank! Machen Sie Ihren Staatsstreich, die Arbeiter werden Sie unterstützen. Sie brauchen gar nicht die Freiheitsbäume vor ihren Augen fallen zu lassen, um sie zu reizen. Die Freiheit wohnt in den Herzen des Proletariers, sie hängt nicht an Ihren Kletterbäumen. Erscheinen Sie nur im Kaisermantel auf dem Balkon der Tuillerien, und die Gesellschaft, die aus der regelmäßigen Entwickelung ihrer Institutionen neu entstehen sollte, wird zermalmt von unsern fiebernden Händen, ihre Wiedergeburt wird mit dem Chaos beginnen!"
Gegen ProudhonS Haft in der Concicrgerie ist vergebens von der Pariser Journalistik gekämpft worden. Jetzt gebt das Gerücht, er solle nach Do ullenö gebracht werden, wo die Mai- und Juni-Jnsur- genten sich befinden. — Paris wird trotz Carlier und trotz Napoleon dem Kleinen den 24. Februar illuminirt sein. — Ueber Lyon erneuert sich jeden Tag daS Gerücht des Aufruhrs, immer aber ohne Grund; die Stadt ist furchtbar bewacht und namentlich die berühmte Vorstadt Croix- Rousse ist mit stark armirten Fortö umgeben.
Rußland.
(Eine neue Deutung des E ng li sch- Grie chischen C o n- flictSZ über dessen eigentliche Ursachen bisher selbst in den bestun- terrichleien politischen Kreise» nur Vermuthungen vorhanden sind, gibt Evenement, dem zufolge die Russische Regierung schon seit längerer Zeit mit König Otto unterhandle, um ihn zur Abdankung uud Abtretung^ der Griechischen Krone an den Herzog v. Leuchtenberg, Gemahl der 9iu||"t^en Kaiserötochter Olga, zu bewegen. Diesem Plane, der Griechenland zu einer Provinz Rußlands machen und die Existenz der Türkei aufS Gefährlichste bedrohen würde, soll nun England kräftig bulgegtntreten wollen und die hierzu nöthigen günstigen Seeposttionei, zu erlangen, soll der eigentliche Zweck der Operationen der ng Flotte sein.