Einzelbild herunterladen
 

Dritter Jahrgang.

Erscheint täglich, Montags ausgenom­men. Vierteljährlicher Abonnementspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex­pedition (obere Entengaffe Nr. 132) zu ü HIr.

Durch alle Postämter zu beziehen. Inse­rate die dreispaltige Petitzeile 8Hlr., bei wiederholter Einrückung 6 Hlr. Abonnen­ten erhalten 25 pCt. Rabatt.

M^ â2.

Kassel, Dienstag den 19. Februar

1850.

Offener Dries an Herrn Professor Defeler, Mitglied der Zweiten Kammer in Dertin.

(S ch l u ß.)

Die demokratische Partei erkennt Hr. v. Manteuffel an er thut uns und unsern Gesinnungsgenossen wenigstens die Ehre an, sie setzt, nach ihrer offenen Niederlage zu verfolgen und durch Kerker und Exil sich vor Gegnern zu schützen, die binnen Kurzem aufs Neue be­reit sein werden, gegen ihn in die Schranken zu treten. Aber Sie Herr Beseler, Sie und Ihre Partei kennt Manteuffel nicht; er weiß nichts von Ihrer früheren Unterstützung, er weiß nichts von Ihrer jetzigen Opposition. Manteuffel, dieser letzte Hort des konstitutionel­len Systems in Preußen, den Sie gehalten haben mit aller Anstren­gung, deren Sie fähig sind, Manteuffel wendet sich mit Geringschätzung von Ihnen und Ihrer Partei. Er hat mit Ihrer bereitwilligen Hülfe die absolute Krone blank gescheuert von dem demokratischen Roste, der sich tief in sie eingefressen hatte nun wirft er den Lappen weg, dessen er sich bei seiner Putzarbeit bediente und wäscht seine Hände in Unschuld. Glauben Sie mir, Herr Beseler, dieser Waschlappen wird nie wieder ein Staatsmantel werden! Sie klagen über Unmenschlich­keit, Herr Beseler, und Sie haben Recht. Aber bevor Sie ferner noch mit Ihren Klagen dieDeutsche Zeitung,, und die Ohren der nach Erfurt wählenden Beamtenwelt von Gottes Gnaden erfüllen, wer­fen Sie gefälligst einen Blick zurück auf Ihre und Ihrer Partei Tha­ten in der deutschen RevolutionSpcriode, auf Ihr Verfahren gegen die demokratische Partei. Sind Sie menschlich gewesen, als Sie Deutsch­lands Ehre in dem Waffenstillstand an Preußen verkauften und den Gegnern der Demokratie den Mordstahl in die Hand drückten, den sie nur zu gut zu gebrauchen wußten? Sind Sie menschlich gegen die Demokraten verfahren, alö Sie in den Straßen von Frankfurt dieje­nigen zusammenkartätschen ließen, welche ein Parlament machen woll­ten, das Ehre im Leihe hätte? War eS menschlich von Ihnen, daß Sie drei volle Wochen lang dem Hülfernf der tapferen Wiener Ihr Ohr verschlossen, daß Sie unö, die wir mit blutendem Herzen das Entsetzlichste herankommen sahen, den Mund schlossen, bis zu spät war, während Sie sich mit kalter Grausamkeit an unserer, an der Verzweiflung des ganzen deutschen ValkeS weideten? Waren Sie mensch­lich, als Sie den deutschen Boden unmenschlichen Panduren und Sereö- zanerhorden Prefs gaben? Waren Sie menschlich, als Sie die Volks­vertretung in Berlin vernichteten und demjenigen, der sie selbst jetzt unter die Füße tritt, in blinder Vertrauenswuth die Burg bauten, auâ

erJCinC ^erstörungsmaschinen richten konnte? Waren Sie mensch­lich, alS Sie, ohne Widerstand zu versuchen, Dresden erobern, Elber­feld einnehmen, in Jscilohn morden ließen? War es menschlich von ^hnen , alle wackern Männer in Deutschland aufznrufcn zum Kampfe für die ihnen gemachte Reichöverfassung und sie dann feige im Stiche zu lassen? ----Italien ist zertreten, es seufzt unter der Klinge siegreicher Barbaren daâ ist Ihr unmenschliches Werk es war ja ein halber Hochverrath, Radetzky'S Niederlage zu wünschen. Wien ist gefallen, der deutsche Sinn in Oesterreich erstickt, eine herrliche Ju­gend vertilgt oder in alle Winde zersprengt daS ist Ihr unmensch­liches Werk cS war ja keine deutsche, sondern eine halb ungarische, halb demokratische Bewegung, die Ihre Hülfe in Anspruch nahm. Hol­stein ist verrathen, mit gebundenen Händen der Perfidie niedrigdenken- der Diplomaten überliefert daâ ist Ihr unmenschliches Werk. Die ^salz ist nicdcrgeworfen, Baden verwüstet und unter der eisernen Herr­schaft des SäbclrcgimentS daS ist Ihr unmenschliches Werk -r Sie picltcn ja so lange die Kraft der Nation nieder, bis der Widerstand fruchtlos sein mußte. Ungarn ist zermalmt, über seinen blutbedüng- teu Ebenen wüthet der Geist der Rache daS ist Ihr unmenschliches

Werk Sie haben in Oesterreich, in Deutschland die Partei nieder­schmettern helfen, welche ihm Beistand bringen konnte. Ueber ganz Deutschland dehnt sich das Leichentuch der Freiheit; mit bangem Vor­gefühle sieht der Bürger in der Schmiede des Absolutismus Kobolds­gestalten an unheimlicher Arbeit daS ist Ihr unmenschliches Werk Sie haben jene Partei gekräftigt, die jetzt Deutschlands Geschicke in unverantwortlichen Händen hält! Herr Beseler! Sie klagen über Un- menschlichkeit. Und doch war es gerade Ihre Partei, die mit kalter Grausamkeit, mit höhnender Unmenschlichkeit die Schläge zählte, welche die demokratische Partei, Glied für Glied zerschmetterten, welche die Finger in die blutenden Wunden legte, um sich ja recht von ihrer Tiefe zu überzeugen, welche in ein betäubendes Jubelgeschrei auSbrach, als daS demokratische Princip in Baden den Todesstoß erlitt, welche mit pomphaften Reden den Siegern den Dank des Vaterlandes votirte. Herr Beseler! Eine jede Schuld rächt sich auf Erde«. Herr v. Man­teuffel ist für den Augenblick der Bankier der Demokratie. Er ist ein prompter Zahler. Das Capital von Unmenschlichkeit, welches Sie in der deutschen Revolution ausgeliehen haben, beginnt er Ihnen zurück­zuerstatten freilich nur in kleinen Abschlagszahlungen, aber dennoch mit besseren Zinsen, als die Demokratie jemals gethan haben würde. Hören Sie, Herr Beseler mit besseren Zinsen, als die Demokratie jemals gethan haben würde. Mit aufrichtigen Glückwünschen für Ihr Wohlergehen in Erfurt und mit der Ihrer Partei gebührenden Achtung verbleibe ich C. Vogt. Bern, den 3. Febr. 1850.

Deutschland.

Ans dem Bezirk Hofgeismar, 16 Febr. Heute haben die Wahlmänner ihre Reise nach Rinteln angetreten, daS Späßchen kostet einen schönen Heller Geld: 6 Wahlmänncr aus dem Amte Veckerha­gen è> 10 Thlr. 114 Thlr., 8 Wahlmänner aus dem Amte Hof­geismar, davon erhalten 4 Stück a 12 Thlr. 48 Thlr., 4 Stück â 13 Thlr. 52 Thlr., und 8 Wahlmänncr auâ dem Amte KarlS- Hafen, davon erhalten 4 Stück a 9 Thlr. = 36 Thlr., 4 Stück a 10 Thlr. 40 Thlr. Summa 290 Thlr.

Wie viel kosten die Wahlen im ganzen Lande?

Frankenberg, 17. Febr. Am verflossenen Donnerstag wurde der Karneval der hiesigen Metzgergilde mit einem glänzenden Zug durch unsere stille Stadt eröffnet. Voran schritten zwei der schönsten Junggesellen aus der Gilde, diese trugen einen mit Bändern geschmück­ten Ochsenkopf (derselbe empfiehlt sich zur Wahl in die Ständekammer als Nicker), hiernach die Musik, dann folgten zwei Meister, welche einen Unbekannten mit einer Sammelbüchse zwischen sich führten (man vermuthet, daß dieser Unbekannte für unsere dürftigen deutschen Brü­der in der Schweiz gesammelt hat), hiernach kamen sämmtliche Jung­gesellen, welche roth gekleidet mit rothen Beitzen und schneeweißen Schürzen elf mit Bändern geschmückte Kälber führten, welche an an­gesehene Bürger und etliche Staatsbeamte als Ehrenbezeugung ver­schenkt wurden, daS erste bekam Herr Landrath Loßbcrg, und so folgt jeden Tag Musik und Tanz, bis die Geburtstage der Pariser Revolution vorüber sind. Vivat die demokratische Mctzgergilde! In mehreren Gemeinden deS hiesigen Amtes ist die Wahl "nach Erfurt wiederholt versucht worden, jedesmal vergebens!

O Berlin, 16. Febr. Außer dem Entwurf über das Ver­ein Sge setz, dessen Kritik allein in der Erwähnung seines Inhalts liegt, hat die Kommission der Minorennen auch noch ihre WeiSyn über die Presse zu Tage gefordert. Ohne Zweifel wird der Ent­wurf, vielleicht noch mit einigen LiSmark^Schönhausenichen « mcntâ angenommen werden, und wir befinden »nS dem glücklichen Zustande, den und König Friedrich ^helm^l Mittage des 18. März oktroyiren wollte, worauf daS indessen