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berufen. An bi’e verschiedenen Kommandos der Observationstruppen ist der Befehl ergangen, die Einübung der Rekruten auf daS Schleunigste zu bewerkstelligen.

Oesterreich.

Wien, It. Febr. — (N. O. Z.) Das Kriegsministerium ver- anstaltet in Böhmen große Remonteankäufe für die leichte Kavallerie, zu welchem Zwecke zwei ambulante Remontekommissionen gebildet wor­den sind. An eine Verminderung deS Heeres ist vor der Hand nicht zu denken. Auch die Honved-Assentirungen nehmen ihren ungestörten Fortgang. Am 27. v. M. ist von der Assentirungkommission in Ka- schau der gewesene Honvedkapitän Stephan Görgey eingereiht worden. ES ist dies nun schon der zweite Bruder Arthur Görgey's, der daS Loos seiner LeidenSgenossen theilt, von denen nun schon an 100,000 der österreichischen Armeee einverleibt sind.

Frankreich.

(Westd. Ztg.) - Im „Demokrate du Var" läßt sich ein Unter- vffizier der Garnison von Toulon in Erwiderung deS von einem andern Blatte aufgestellten Grundsatzes: „Der Soldat darf in Betreff auf Politik nicht nachdenken" wie folgt auS: „Wer wagt eS, diese Gotteslästerung zu schreiben, die der nordische Ezaar selbst vor seinen Kosaken kaum auszusprechen wagt! Ihr vergesset, Gottlose! daß die Zeiten vorbei sind, wo französische Bajonette sich im Blute deS Volkes roth färbten. Sie sind nicht mehr, die Zeiten, wo diese Ba­jonette einem Ehrgeizigen halfen, den Tempel der Freiheit zu zerstören und die Vertreter deâ Volkes davon zu jagen (18. Brumaire). Es gibt keine besoldete brudermörderische Bajonette der Rue Transnonain mehr, welche Frauen, Greise und Kinder hinschlachteten, ohne nach ihrer Schuld zu fragen. Sie sind nicht mehr zu finden, die Soldaten der Tyrannen, welche nur daS Gewölbe deS monarchischen Gebäudes stütz­ten, welches unsere glorreichen Revolutionen zertrümmert haben. Wir, Soldaten der Freiheit, konstatiren es, die Armee hat eine ehrenvollere Aufgabe; sie ist auS dem Volke für daS Volk hervorgegangen. Dank der Civilisation und dem unaufhörlichen Fortschritte, der Soldat ist aufgeklärt, er sicht und begreift. Von nun an wird Frankreich stolz darauf, der erste Vertreter deS demokratischen, den Menschen im Men­schen achtenden Grundsatzes zu sein, der Welt ein Heer von den­kenden und menschlich fühlenden Soldaten zu zeigen. — Blinde! die Ihr nicht sehet, daß mit Euren Begriffen vom Soldaten­stande Ihr den Soldaten beschimpft, ihn zum Heloten, zu einer Ma­schine macht und ihn Euch für immer entfremdet. Die Armee gehört ihrem Gefühle und ihren materiellen Kräften nach der Republik; für sie wird sie immer bereit sein, ihr Blut zu vergießen. Lasset die Wahlen herankommen, das Resultat der Abstimmungen in der Armee wird Euch zeigen, daß der Soldat denkt und daß er der Demokratie zugethan ist."

Italien.

Mailand — Halb soviel Kroaten als Menschen, und doch noch nicht genug, um die Besorgnisse deS österreichischen Gouvernements zu verscheuchen Die Grabesstille fängt den Junkern selbst an, un­heimlich zu werden. Man fürchtet, der Karneval könnte zu ruhig vor- übergeben und gefährliche Erinnerungen an ehemals erwecken. Deshalb wird man dem Volke nun doch vielleicht erlauben, sich zu maskiren, obgleich man es früher verboten hatte, man scheint die kleinen Zer­streuungen erlauben zu wollen, um die großen Leiden einen Augenblick vergessen zu lassen. O, der gute Vater Radetzki!

Wie über Mailands, so steht auch über VenedigS Thoren: per me si va nePa citta doJente. Wenn nur die Trikolore nicht wäre; die verwünschten Lappen lassen unsere kroatischen Beglücker nicht ruhig schlafen. Wo sich eine zeigt, da setzt eS gleich Erckutionstruppen und Belagerungszustand für ganze Gegenden.

Oesterreich sucht sich jetzt für die preußischen Mediatisirungsver- suche in Italien durch gleiche Bestrebungen zu entschädigen. Toskana bietet keine Garantien mehr gegen die Reaktion dar, deshalb wird man die Aufhebung seiner Selbstständigkeit durch einen OccupationS- Vertrag anbahnen. Schach Frankreich!

Der Papst ist noch nicht nach Rom zurückgekehrt. Die offizielle Zeitung der triumviri reipnblicae Constituante erklärt alle auf die Rückkehr des Papstes bezüglichen Gerüchte für falsch. Freilich muß­ten erst die Häupter der Patrioten fallen, ehe Antonius, OctaviuS rc. ic, nach Rom kamen. Cernuschi ist zwar frcigosrochen , man wird aber neue Versuche machen. Die Schlüsselwirthschaft fängt an, sich zu reorganisiren. DaS heilige Kr llegium wird einem neuen Plane zu­folge daS in vier Legationen getheilte Erbtheil St. Petri durch Kar­dinäle verwalten lassen und den Vorsitz im Ministerium übernehmen.

Griechenland.

(Lloyd.) — Das am 9. in Triest eingetroffene Dampfboot „Erz­herzog Ludwig" brachte Nachrichten aus Griechenland, die nicht viel neuer sind, als die bereits von uns mitgcthcilten. Sie bestätigen nur, daß sämmtliche griechische Häfen von den englischen Schiffen streng blokirt werden. Vor Patras kreuzten eine Brigantine und ein Dam­pfer. Der Verkehr liegt in Folge der letzten Ereignisse völlig darnie­der, und der Schaden, welchen der Handel wie die Marine von Grie­chenland schon erlitten haben, wird als bedeutend dargestellt.

(Was die französische Vermittelung in der griechischen Sache an­langt, so erklärte am 11. Lord Landsdowne im Londoner Oberhaus, es sei hier von keiner Vermittelung, sondern von „gefälligen Diensten" Frankreichs die Rede Wir haben uns gestern schon dar­über ausgesprochen. Die Red.)

Osseurr Dries an Herrn Professor Deseler, Mitglied der zweiten Kammer in Berlin.

Herr Professor!

Sie sind bei Gelegenheit der Debatte über die königliche Bot­schaft ganz gegen Ihre Gewohnheit leidenschaftlich geworden. Aus der Tiefe Ihrer innersten Ueberzeugung haben Sie ausgerufen, daß die Forderungen, welche diese Botschaft an Sie und Ihre Partei stelle, unmenschlich seien.

Zum ersten Male vielleicht hat Ihr Mund eine große politische Wahrheit ausgesprochen. Sie sind unmenschlich, diese Forderungen, unmenschlich gegenüber der Partei, welcher Sie angehören, uumensch- lich von Seiten des Ministeriums, welches sie gestellt — ihre Unmensch­lichkeit ist noch erhöht worden durch die Gefügigkeit, womit die Kam­mern sie angenommen haben.

Einer Partei, die alle ihre Grundsätze aus sogenannter Loyalität mit Füßen getreten, ihre Vergangenheit verläumdet, ihre Zukunft ver­nichtet, ihre Eyre um den Preis einer noch so beschränkten Tribüne verschachert hat; einer Partei, die völlig ihr eigenes Werk dem Feinde zur Beute hinwarf, ja ihm auf halbem Wege entgegen kam, um es selbst mit frelheitsmörderislyen Zähnen zu zerfleischen; einer Partei, die ohne Murren mit tragischem Selbstbewußtsein auf dem Boden kroch und jeden Fußtritt, wenn auch mit schmerzlichem Gefühl, doch freudig hinnahm, welchen man ihr von Oben versetzte; einer Partei, die ein Recht deS Volkes nach dem andern hingab zum Opfer, die allgemei­nes Stimmrecht, VersammlungSrecht , Preßfreiheit, alle, alle so theuer erkämflen Rechte deS Volkes vernichten ließ, um der Monarchie des­potische Kraft und sich selbst ein elendes, verachtetes Dasein zu fristen; einer solchen Partei noch am Rande des Abgrundes, dem sie zurollt, einen gründlichen Fußtritt zu versetzen, damit sie um so sicherer zer­schelle — das war mehr als unmenschlich, eö war teuflisch!

Empfangen Se auch meine Beileidsbezeugung. Die Behandlung welche S»e und Ihre Partei von Seilen eines preußischen Ministeriums ertelven, wird noch lange als Gedenkstein vor den Augen der Nation, vor den Augen derjenigen stehen, welche Ihrem Beispiele zu folge» die Lust verspüren sollten. Sie haben bereitwillig dieü Ministerium unterstützt, dessen Tod Sie früher geschworeu hatten; Sie haben um Minontätöwahlen sich bemüht und sie angenommen, um ihm dienstbar sein zu können; Sie haben mit Resignation jedem leisen Wink desselben gehorcht ober sind selbst mit Begeisterung seinen Wünschen zuvorge?om- men; Sie haben mit wissenschaftlichem Stolze den zähen Kleister Ihrer Doktrin über jeden Riß ergossen, den eS in Ihr konstitutionelles Sy­stem machte. Sie thaten dies Alles nicht etwa, weil Ihre Ueberzeu­gung eine andere geworden war — nein! Sie thaten eS mit dem voll- pen Bewußtsein Ihrer Resignation, Ihrer eigenen Erbärmlichkeit — die Klagen, welche Sie, welche Ihre Genossen Dahlmann und Beck ­rath ertönen ließen, zeugen dafür. Sie wußten, daß Sie Verrath an dem Volke, Verrath an der Freiheit, Verrath an der eigenen Ehre be­gingen, als Sie so handelten; Sie haben diese Opfer, die keinem Manne möglich sind, dennoch gebracht, weil Sie an dem Grundsätze festhielten, die Pflicht ginge nicht weiter als die Möglichkeit.

Hat sich nun daS prophetische Wort meines Freundes L. Simon von Trier erfüllt, daS er Ihnen tu der Paulskirche zurief, Sie wur­den einst über schwarzen Undank zn klagen habend Im Bewußtsein Ihrer unfehlbaren Staatsweiöheit warfen Sie damals den Kopf mir ö"lngschätzigem Lächeln zurück und schauten umher auf den Bänken Jyrer Genossen, die Ihnen mit selbstgefälligem Vertrauen znmck ea. Ihr Vorkämpfer im Schmiegen und Ducken vor Fursteugewatt, Heic Heinrich von Gagern, derselbe, der Ihnen jetzt den Rath erther c, in Allem nachzngeben und auS der Feuersbrunst stückweise zu ret e«, was noch zu retten sei — derselbe Gagern zog bei jener . euperung Slmon's die Augenbraunen halb zornig zusammen un ein scy c z