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D i c H o r n i s s c.

nr- KO. Kassel, Sonnabend den 16. Februar lS5Oe

Italien, der Papst und die katholische Kirche.

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In keinem Land Europas hat btr barbarische Despotismus und die Fremdherrschaft auf so furchtbar unmenschliche Weise eine jede Nationalerhebung niedergeschmettert, als in Italien. In keinem Land der Welt hat die Revolution so viele blutige Opfer vergebens auf dem Altare des Vaterlands geopfert, als in Italien. Dank Oester­reich , zu dessen Statthaltern und Satrapen die italienischen Fürsten zu ihrer eigenen Selbstrettung sich schon lange herâbgewürdigt. Dank dem Papstthum, dessen einziger Lebensquell der Absolutismus und die ewige Knechtschaft der Völker ist. Dank Frankreich, dem entarteten Kind der Freiheit, daS im Dienst der Tiara und der Contrerevolution das Rom von 1849 und damit Italiens nationale Erhebung zerbro­chen, nnr um den Bayonetten Oesterreichs zuvorzukommen. Selbst Deutschland, das unglückliche, verrathene, hat das Glück, von seinen eigenen Tyrannen verrathen und um seine Nationalhoheit betrogen zu sein, ein schmachvolles Glück aber verbunden mit der un­gebeugten Hoffnung, aus eigener Kraft der Nation diese Schmach rächen und vernichten zu können.

Aber Italien ist verfallen der fremden Gewaltmacht, ist ver- fallen dem österreichischen Doppeladler, der in seinen Eingeweiden seine teuflische Blutgier stillt, der aus seinen Lebenssäften die Kraft saugt, die ihm die Revolutionen und die krampfhaften Zuckungen seiner Völ­ker jeden Augenblick erschütteru. Ja selbst daö französische Säbel­regiment in Nom ist gegenüber dem Henkerarm, den Habsburg über dieses Volk der Dulder ausstreckt, ein tröstender Schutzengel. Italien ist verfallen der Inkarnation deö Absolutismus, nicht der Willkür ein- zelner Tyrannen, sondern dem System selbst der Tyrannei, die in der weltlichen Herrschaft des Papstthums zu Fleisch und Blut ge- worden, die einst den ganzen Weltkreis unterjochte, um nun, nachdem die gebildete Welt dieses Joch zerbrochen, seine ganze Schwere auf Rom allein und auf Italien zu wälzen. Als die Welt zu den Füßen der Statthalter Christi lag, führten ihre Tezels ihnen und ihrem Lande daS Mark der Völker zu jetzt wo selbst die katholische Christen­heit der Unfehlbarkeit des Papstes ihr Veto zuruft soll das er­schöpfte Rom der Hierarchie die Kraft liefern, die Welt zurückzuer­obern. Aber der alte Kirchenstaat bleibt verloren und das alte Papstthum mit ihm.

Italien weiß jetzt, daß das Papstthum seine nationale Einheit unmöglich macht. Rom hat erfahren, daß das Papstthum und die Absolutie unzertrennlich verbunden sind, Mazzini, der be­rühmte italienische Republikaner, schreibt an die Minister Frankreichs: Man kann alle Throne für einige Zeit mit Hülfe der Bayonctte wieder errichten, alle, mit Ausnahme jenes deS Oberhaupts der Kirche; und die einfachste Logik lehrt Euch, daß der Papst nur absoluter Mo­narch sein kann."

Diese einfache Logik ergibt sich aus dem Wesen des Papst­thums und aus der Geschichte der italienischen Revolution, die seit dem Jahre 1789 unermüdlich, wie nirgends, mit verzweifelten Kraft- anstrengungen Versuch auf Versuch gehäuft hat, die italienische Tri­colore über dem ganzen zerrissenen, geknechteten Vaterlande zu ent­falten. Die italienischen Revolutionäre suchen mit Stolz den Ur» Iprung der Volkspartei Italiens in den Zeiten der alten Republik Rom. In Mazzini'S Schrift:Italien, Oesterreich und der Papst" (aus dem Jahre 1845), heißt eS: die Völkerwanderung nur habe dies Werk der Nationalverschmelzung unterbrochen, aber nach einigen Jahrhunderten sei mit neuer Energie ausgenommen. ES heißt dann wörtlich:Die bisher ohne Bewußtsein verfolgten Natio- naltendenzen wurden von unsern großen Männern der Gedanken und

der That in bestimmterer Form aufgefaßt. Vom Consul Erescentiuö bis auf Julius II., oder bis zu unsern Agitatoren des 16. Jahrhun­derts von Dante bis Machiavel werden Sie, Sir *j, nichc Einen finden, der nicht die Einheit dieser Nation, der nicht dieses von uns angebetete Italien, für das ipt letzten Jahre die Söhne eines österreichischen Admirals (Bandiera) starben, aufrichtig verehrt hätten." Aber Oesterreich und die Päpste haben diese Be­strebungen in eiserner Sclaverei dreihundert Jahre lang erwürgt und erdrückt, bis ihr die französische Revolution die Ketten zerbrach, und die Volköpartei von Neuem auf dem politischen Kampfplatz erschien. Trotz der Abhängigkeit von Frankreich stärkte sich das Nationalgefühl im Königreich Italien unter Eugen Beauharnaiö, und als es galt, Napoleon zu stürzen, mußten diesverbündeten Großmächte diesem Gefühl in Italien ebenso schmeicheln, wie in Deutschland. Man ver- sprach ein unabhängiges Italien, um eben so schnell dieses Versprechen zu vergessen; England, daS für Sizilien eine konstitutionelle Ver­fassung durchsetzte und ganz Italien mit dem Ruf:Freiheit und Unabhängigkeit des italienischen VolkeS" in Flammen setzte, ging voran im perfiden Verrath dieses unglücklichen Landes. Von dieser Zeit an begannen die Verschwörungen und die revolutio­nären Bewegungen in ganz Italien; der CarbonariSmus, die Freimau­rer, daS junge Italien führten vergebens daS Volk zu einzelnen In­surrektionen. Oesterreich erstickte unter dem Schutze seiner 100000 Bayonette durch seine Bureaukratie, durch seine scheinbare Beförderung deS Wohlstands, durch Unterdrückung der Presse und dcü öffentlichen Gerichtsverfahrens, durch Vernichtung der Bildung und deS freien Unterrichts alle Bewegungen in Oberitalien. Die Revolutionäre Piemonts und Neapels blieben vereinzelt und fielen dem Henkerschwert oder der Verbannung zum Opfer, Oesterreich wurde der unumschränkte Gebieter Italiens, daS für Metternich nur ein geographischer Begriff war. Ja eS konnte im Bewußtsein seiner Macht denklei­nen italienischen fürstlichen Tyrannen und Schlächtern Milde und Schonung anbefehlen, eben so wie Rußland in Ungarn, konnte den Papst damals zu materiellen Erleichterungen und Reformen drängen.

Doch hier im Kirchenstaat gab es, wie immer, nur die einfache, nackte Contrerevolution, und als die Julirevolntion 1830 in der Ro­magna einen allgemeinen Aufstand hervorrief, ließ Gregor XVI. die Aufständigen mit Feuer und Schwert vernichten, wobei ihm die Oe- sterreicher getreulich beistanden. Aber hier am Sitz der grausamsten Despotie blieb der Heerd der italienischen Demokratie, die sofort zu neuen Flammen emporloderte, als der unglückliche Pius IX. den Stuhl Petri bestieg, und als aufgeklärter Despot Freiheiten gewährte, die das Volk als Freiheit verstand, Zugeständnisse machte,. die seinen Thron erschütterten, ohne für die Menge mehr als der An­fang der Reformen zu sein. Mit der Revolution von 1848, welche die letzten Konsequenzen dieser Zugeständnisse verlangte, mit der Flucht deS Papstes wurde der unwiderlegliche Beweis geführt, daß ein frei­sinniger Papst ein Unding ist, und daß eine jede Konzession der Kirche an den Staat nur der erste Schritt zur Trennung beider ist, oder zur Rückkehr des alten Despotismus. Aber nicht blos für die Freiheit Roms, auch für die nationale Einheit Italiens ist das Papstthum ein ewiges Hinderniß. Es hat genug Päpste gegeben, die von einer Ver- einigung Italiens geträumt, aber unter dem-Krummstab; auch Plus IX schwärmte für einen italienischen Bundesstaat, jedoch mit dem Papste als Oberhaupt. Daß weder die Völker noch die FürPn sich jemals zu einer solchen Einheit verstehen werden, versteht sich von sellgr,. das Papstthum aber kann keiner anderen beitreten, Auch die ent-

) Sir James Graham,. engüscherMmist^ mAm

nchte:e, als jener bie ^rufe beß itaUcni]d)en V« schnüre

den hatte erbrechen lassen