Dritter Jahrgang.
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Kassel, Donnerstag den 14. Februar
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Die Schweiz.
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Die Schweiz wird ihre große Bestimmung erfüllen. Dafür bürgt die Feste, hinter welcher sich ihre Freiheit verschanzt, — dafür bürgt jene Alpenkette von Savoyen bis Istrien — „jene himmelhohe weiße Mauer mit unersteigbaren Zinnen, dritthalbtausend Klafter hoch über dem Mittelmeer." So beginnt Iohannes von Müller seine Geschichte der Schweiz; — hier liegt ihr Ursprung und damit der ihrer Freiheit. Drei Nationalitäten sind aus den Ebenen Italiens, Frankreichs und Deutschlands in die Schluchten dieser Gebirge gedrungen, bis sie auf den höchsten Kuppen ihre nachbarlichen Gränzsteine setzten. Von drei Seiten stieg aus dem Flachland die gewappnete Macht der freien Männer nach, um sie ebenso in schmachvolle Knechtschaft zu stürzen, wie die Völker der Ebenen. Doch an jenen weißen Zinnen zerbrach das Schwert der Eroberung in der Hand der Dynastien Habsburg, Burgund und Savoyen, — und der Entwickelung deS freien Volks- thumS blieb im Herzen Europa's ein unangreifbarer Boden gewonnen, der Felsenheerd der VolkShoheit, ein Berg-Asyl für die Vertriebenen aus aller Herren Länder, eine ewige Burg der Freiheit. Freilich hat es Jahrhunderte gedauert hier, wie überall, bis die Idee der Freiheit die alten Formen durchdrungen und umgeschmolzen. Hier wie überall gab eS ein Volk der Heloten, der Unberechtigten, und über ihnen die herrschenden Vollbürger der Städte, mit ihren regierenden dünkelhaften Patriziergeschlechtern. Erst die französische Revolution hat diesen alten Bau für ewig erschüttert, als auS der alten Kantonalrepublik daS eine und untheilbare Helvetien wurde. Aber die französische Revolution selbst verdankt der Schweiz ihren Rousseau, die Idee der republikanischen Republik, und diese Idee ist jung im Schweizer- gebiet geworden, in den uralten Kämpfen zwischen den herrschenden Städten und den unterdrückten Landschaften, zwischen den freien und den zugewandten Kantons. Der reine frische Luftstrom der Demokratie wehte ans den Hochgebirgen Europas über die verdumpften Niederungen; neue Kraft strömte durch die Seelen der Unterdrückten und begeisterte sie zur Idee des Sozialismus. So entstand die Beherrscherin Europa's, die soziale Demokratie.
Nach der Restauration von 1815, wo daS Commando der Großmächte eine jede Zentralisation zertrümmert hatte, bis zum Jahre 1830 schmachtete die Schweiz von Neuem unter dem Druck der abermals installirten Aristokratie; alle Freiheit, alle Rechte verwandelten sich abermals zu Vorrechten einzelner Städte und Geschlechter. Aber mit der Erschütterung der Julirevolution, die von Paris auö ein elektrisches Fluidum nach allen Seiten ausströmte, brach in verschiedenen Kantonen daö aufgeschminktc Scheinleben der Restauration zusammen und wahrhaft demokratische Verfassungen traten au ihre Stelle;. der Geist der ganzen Schweiz, wurde demokratisch.
Von dieser Zeit beginnt ein allgemeinerer praktischer Einfluß der Schweiz auf die benachbarten Reiche. War zuvor von diesem Berg- land nur die Idee der Demokratie durch einzelne Apostel in die weiten Lande getragen worden, war hier die Zufluchtsstätte einzelner Ver- folgtcn gewesen seit Beginn der Reformation, so wurde sie jetzt ein Asyl für die Massen und damit der Heerd einer furchtbaren direkten Propaganda. In Frankreich hatte Louiö Philipp die junge Freiheit schnell zu Grabe getragen; in Italien wurde daS junge Italien unter
zum Märtyrerthuni oder zur Flucht gezwungen; in Deutschland war die Erregung deS Volkes eben so schnell in den alten TodeS- schlaf zurückgcsnnken, und das Attentat von Frankfurt und die Zentral- untersuchungSkommission in Mainz trieben Schaaren von Flüchtlingen über die Gränzen.
Der neutrale Boden der Schweiz wurde ihr Asyl. Dorthin zo
gen sie sich zurück, wo die Stammgenossen der drei Nationen in gemeinsamem Bund sich eine Freiheit gerettet, für deren Eroberung die dreißiger Jahre vergebens im übrigen Europa gekämpft und gelitten.
Man empfing diese ersten Flüchtlinge in der Schweiz als Märtyrer der Freiheit, man begünstigte sie auf alle Weise, die Deutsche» namentlich sielen der Schweiz nicht im Geringsten zur Last, da sie vo» ihrer Arbeit lebten und unter sich Unterstützungsvereine in allen größeren Städten der Schweiz gegründet hatten. Und dennoch beeilte sich die alte Schweizer Aristokratie im Bunde mit den Gesandten der fremden Mächte, mit Spionen und agents provocateurs sich dieses Flüchtlingsgesindel vom Hals zu schaffen, durch Ausweisung re. Kann es verwundern, daß jetzt bei einer doppelten Last sich diese Umtriebe wiederholen? Damals blieben sie ebenso vergebens, wie jetzt. Von diesem Zentralpunkt begann nun die Propaganda durch die Presse nach Deutschland, Frankreich und Italien, — von ihm auS begannen die Versuche, diese Länder zu revolutioniren durch Verschwörungen, Emissäre und bewaffnete Einfälle, Und dieser demokratischen Propaganda ist eö zum größten Theil zuzuschreiben, daß im Jahr 1848 plötzlich jene Tausende von unbekannten Kräften und Intelligenzen gleichsam auS der Erde emporschosse», um den erstaunten Altliberalen und de» erschrockenen Absolutisten gegenüber Front zu machen und daS führerlose Volk unter dem Banner der Demokratie zu schaaren und zusam- menzuhalten. — Die Fürsten und ihre Diplomaten hatten wohl Ursache , mit besorgte» Blicken jenes kleine Land in Mitten Europas zu belauern, von welchem auS der Quell der Revolutionen stets von Neuem hervorsprang; sie hatten Recht im Jahr 1848, als sie im Be- griff waren, jenen Quell zu verstopfen, von welchem Geschäft sic nur die überall hervorstürzenden Wogen zurückschleuderten. — Aber dies hochgehende Meer der allgemeinen Revolution sollte sie überzeugt Habendaß diesen Fluthen kein Einhalt gethan werden kann, wenn man eins einzige Quelle derselben vernichtet. Selbst wenn cS ihnen gelänge, sie würden nichts weiter gethan haben, als jener Wiener, der mit seinem Fuß die Quelle der Donau abdämmte,. damit sie in Wie» kein Wasser haben sollten. Die doktrinäre Propaganda der Schweiz iss mit dem Jahr 1848 vollendet. — Die Blindheit der Absolutie kann vor der Zeit eine neue Propaganda heraufbeschwören , die Propa.ganda der Waffen, — nicht mehr durch Einfälle der Flüchtlinge, sondern durch, den Volkskampf der Schweizer selbst, der sich herabwälzt zur Befreiung der Welt. Das wird und muß früher oder später das Ziel der freien Schweiz werden. Damit dekretirt sie selbst» ihre wahre organische Auflösung in die Nationalitäten, aus denen heraus sie die Volksfreiheit gerettet; damit dekretirt sie die Rückkehr der Freiheit aus ihrem Asyl, in. das ganze Europa. (Und thut sie es nicht selbst, so müssen wir sie dort holen!) Damit dekretirt sie zugleich den eidgenössischen. Bund der Völker Italiens, Frankreichs und Deutschlands.
Jeder Angriff der Absolutie deshalb, der sie näher nach diesem nothwendigen Entwickelungsgang hindrängt, kann uns nur willkom, men sein.
Deutschland..
Fulda, 12'. Febr. — Alles schon dagewrsen!' Der Bezirkö- direktor von Fulda, welcher die Anforderungen deS „Preßvcreins" einst mit so schnöder Bravour zurückwieS, hat sich endlich bekehren lassen und fordert kurz vor dem Thorschluß (— wie pfiffig! —). seine Unter« tHanen- auf, sich an der Kasemattenwahl, recht zahlreich zu becheiligem Sollte der Manu selber gewählt sein wollen?. Armer Selbstmörder- der sich in Erfurt empören, will! Wählt, tölpelt recht neuhes- fiisch nach Erfurt hin! E.ö ist am Ende daö Beste, was ihr zm eurer Bekehrung thun könnt. _ ,
Kirrhhnm, 10. Febr. — Von 303 Urwählern 3t Klasse wahr-