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MM"Karin und Darfs" hatte man beinah über dem März- spektakel, über dem Leichenzug und über dergleichen Kleinigkeiten ver- geffen, _ ja selbst mit dem Belagerungszustand und der Okroyirung kehrte die Erinnerung daran noch nicht zurück! Se. Majestät sah sich deshalb genöthigt, allerhöchsteigcnhändig und zungig seiner Zeit das Gedächtniß aufzufrischen und sie redeten schön am 6 Februar 1850, aber cs schmeckte wie Wermuth und ging bitter hinab und errcgete Bauchgrimmen denen Männern, welche da benamset werden die M än- ner von Gotha. Se. Majestät begann:

Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit!" (Höflicher kann kein König beginnen.)Was Ich sagen werde, ] ino Meine eigensten Worte (eigenthümliche Lersicherung!) denn ich er­scheine heute vor Ihnen, wie nie zuvor und nie her­nach. (Ueber ein Kleines werdet ihr mich sehen und über ein Kleines werdet ihr mich nicht mehr sehen!) Nun folgen Schlag auf Schlag die bekannten Phrasen mit der Einleitung: Darum Einiges zu­vor! Phrasen wie:Dennoch will ich es, weil ich eS kann." Ich darf das Werk bestätigen, weil ich es in Hoff­nung kaun!" Die Hauptsache aber ist, daß er diese russische Ler­fassung nur beschwört unter der Bedingung:daß Mir mit die­sem Gesetz das Regieren nipßltd) gemacht werde!" Wie aber wird daS möglich gemacht? Folgendermaßen:denn in Preußen muß der König regieren (s. Rede vom 11. April 1847) und Ich regiere nicht, weil es also Mein Wohl­gefallen ist, Gott weiß es! sondern weil es Gottes Ordnung ist (eine konstitutionelle Regierung ist Gottes Unordnung! eine Republik ist des Teufels Ordnung!) darum aber will ich auch regieren." Also er will regieren! WaS ist da zu machen? Er hat die Kraft (d. h. nicht immer), denn er hat die Herrlichkeit (b. h. mein herrliches Kriegs he er) doch nicht bis in Ewigkeit! Amen! Damit aber auch nicht der geringste Zweifel bleibe an seinen aufrichtigen Gesinnungen, wiederholt er ausdrücklicherneu­ert, wiederholt und bestätigt (feierlicher Curralsiyl!) die alten Gelöbnisse von Königsberg und Berlin,Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen! Ja! Ja! daS willich, so Gott mir helfe!" Außerdem meint er, daß Gottes Walten handgreiflich in der Geschichte Preußens zu erkennen sei. Schluß: Also sei es!

So ein Fürst ist ein gar handgreiflicher Mensch was ihm nicht oktroyirt und aufgedrungen wird, ist für ihn nicht vorhan­den, und so schwebt er in einem taumelnden Zustand zwischen Be­wußtsein und Bewußtlosigkeit, zwischen Wachen und Schlafen, und so webt er seine Phantasiegebilde aus Dichtung und Wahrheit zusam­men, Wahrheit wird Lüge, und Luge wird Wahrheit, und das Volk antwortet ihm mit schlichten, einfältigen Worten:Diesem Herrn will ich nicht dienen! Ja! Ja! das will ich nicht, so wahr mir Gott helfe!" Also sei es!"

Deutschland.

Kassel, 11. Februar. Nachdem der Hanauer Meister rasch und entschlossen, über unsere Verfassung und seine Gelübde hin­sichtlich des Frankfurter Reiches hinweg, iu die preußische Jesuiten- und Banditenwirlhschaft geschritten ist, könnte es passiren, daß Hoch- derselbe zu guter letzt noch einmal inü Stolpern käme. Es ist nämlich nunmehr die Zeit vor der Thüre, in der zum Erfurter Staatenhaus gewählt werden niuß. Bekanntlich hat die Kammer dabei ein Wört­chen mitzusprechen. Bekanntlich ist die Kammer nur unter gewissen Bedingungen beschlußfähig.^Bekanntlich haben 17 Mitglieder der Kam- mer den Anschluß an den Fasellag für Hochverrath erklärt und können vnsequenterweise zur Durchführung dieses Hvchverrathö unmöglich ihre besann ^?önnen das wenigstens jetzt nicht mehr, wo sich trotz nahebei ; der Wahlberechtigten gegen daS müssen sie jeden weitern si e könnet ^che zu verhindern suchen - und

Herr Eberhard werden in 6ns ? ticken sowohl alS Deputieren, weil sie nach der Erklärer?? ' ' "^ H"ren dem Herrn Minister die Gewalt? «'sammt schon längst dem Herrn Eberhard er auf s. e fernerhin, und namentlich die Wahl? ??

Haus betreffend, nicht rechnen, vielmehr rasch ? entschloß offene Oktrepirung recurrrren, also lieber die Stände?? / lösen, als 1 < ^epütirte im letzten Augenblick zur Niederleaun?l?s Mandats zwingen möge; - der Hr. Eberhard, nun' «eilT^h hard Hr. Eberhard und eigentlich immerfort mit sichn Zweifel? ob er auch wirklich noch Hr. Eberhard ist. Hr. Eberhard wird endl * einmal zum offenen Spiele forcirt werden. Gewisse Herren, wir meinen

die Herren, welche unsern guten Hanauer bis auf diesen Punkt stimu- lirt haben, werden sich die Hände reiben und Angesichts der drohenden Volksrache lächeln:Muß ich zum Teufel fahre«, sollst du mit!"

p Frankenberg, 10. Febr.O neige, du Schmerzensreiche, dein Antlitz gnädig ihrer Noth!" Denken Sie, unsere Stadt ist so ehrlos und gottvergessen, daß von 415 Urwählern 3ter Klasse netto 9, von 131 zweiter Klasse ein Paar DoctorS, ein Posthalter, ein Förster und der Bruder des Erministers Schmidt, von 20 Urwählern der 1. Klasse aber nur Hr. v. Loßberg, der Bürgermeister und zwei Stadträthe, darunter der ehemalige Vorstand des Wehr- auöschusses, Hr. Prinz, gewählt haben. Wir sind unverbesserlich. Wenn der Herr nicht bald Pech und Schwefel, oDir ein halb Schock Prinzen regnen läßt, welche sich zu Vorständen von Wehrausschüssen erkiesen lassen und nachher gen Erfurt blasen, so sind wir zu einer exemplarischen Strafe aufgehoben. Gott schütze uns!

0 Berlin, 9. Febr. O seliger Rausch deS Patriotismus, wie grausam bist du gestört worden! Wie schön erschloß sich die Blume echter Königs- und Vaterlandsliebe, welch' duftender Wnhrauch stieg empor aus dem Opferkelche derKonstitutionellen Zeitung", siehe, da kömmt von Westen her ein übermüthiger Windstoß, und die Blume fällt, wie von Todeswehen angehaucht, dahin, der blaue Opferdunst verfliegt in alle fünf Welttheile ! ES war ein herzerhebender Anblick für alle Vaterlandsfreunde, wie auch die störrischen Theoretiker und Doktrinärs überwältigt waren von der siegenden Allmacht der könig­lichen Worte, wie die biedere Aelpnerin Keller im Namen derDeut­schen Reform", und die Blüthe der Konstitutionellen, Herr Carl Weill, der Intimus deS letzten gekrönten Orleaniden, sich die Hände reiften und schwuren, in Ruh' und Frieden unter dem breiten Baume zu wohnen, der auS dem Senfkorn der Konstitution hervorwachsen werde, wie dieKonstitutionelle" sogar in nie geahnter Stallknechts-Gesin­nungstüchtigkeit verlangte, daß die Verfassung auf gesetzmäßigem Wege noch konservativer revibirt werde, damit eS Sr. Majestät möglich ge­macht würde, mit diesem Gesetze zu regieren, und wie endlich bad be­rüchtigte Trifolium der drei Weisen auS dem Preußenlande, Gerlach, Leo und Stahl, hinter ihnen stand und seinen Unmuts über die Be­schwörung ob der tiefen Hoffnung, die in den königlichen Worten liegt, zu vergessen gedachte. Ja, es war ein hcrzerhebenber Anblick und die Englein im Himmel freuten sich über ihn! Schon bot man auch den sündigen Böcken auf der Linken und ben gottvergessenen Demo­kraten die Hand zur Versöhnung, dieDeutsche Reform" gab sich der Hoffnung hin, in nicht zu ferner Zeit bad ganze Volk, mit Ausnahme weniger exallirter Verführer, um bad Banner der Konstitution ge- schaart zu sehen, und wer weiß, was geschehen wäre, ja wer weiß! da kommt Paris, bad böse ParrS, und fort sind die Hoff­nungen, fort die Versöhnung, fort der Patriotismus, mit gesträubtem Haar springt dieDeutsche Reform" auf die Wächterzinne und schreit inS Land hinaus:Zu Hülfe! zu Hülfe! Revolulivn!" Ein entsetz­licher Blitzschlag ist in die konstitutionelle Glückseligkeit hineingefahren, zitternd sitzen die Herren der jüngsten Tage wieder in ihren Höhlen, Hunderttausende möchten sie zu ihrem Schutze herbeirufen und einne zehnfachen Belagerungszustand über das ganze Land verhängen, nun der Löwe in Paris wieder einmal die Tatze ausgestreckl hat und ein übermüthiger Bursche sich vor ihm über bad Dach hat retten müssen. DaS böse Gewissen ist ein gräßlicher Peiniger ! So unbedeutend der erste Zusammenstoß in Paris gewesen, so entsetzt klingt dennoch das Geheul der Ruheprediger. Schon sehen sie die rothe Fahne bed So­zialismus über ihren Häuptern wehen. Und sie haben Recht! Nie­mand dachte mehr daran, daß Preußen ein konstitutionelles Land sei, als die Nachricht von den Unruhen in Paris hier anlangte. Das ist die felsenfeste Stärke des preußischen Königthums, gestützt auf eine freisinnige Konstitution! Bei dem leisesten Windhauch erzittert bad Kartenhaus bis in bad Fundament! Und es werden Stürme nachfol­gen, bad ahnt man, und man wird sich darauf vorbereiten. Gegen die Schweiz wird sich zuerst der golteSgriädige Grimm richten Man entwirft schon ganz gemüthlich den Plan zur Theilung und dieTante Voß" gibt bereits die Orte an, wo die verschiedenen Pazifikatoren ein­rücken werden. Nur immer vorwärts, es hat ja niemals ein Sempach und ein Murten gegeben! Noch bin ich Ihnen einige Worte über die Rede des Königs schuldig, über dieses merkwür­dige Aktenstück zur Geschichte der letzten Tage. Selten ist die Idee deS erleuchteten Absolutismus mit all ihrem patriarchalisch - mystisch- romantischen Unsinn in einem Menschen mehr persomfizirt gewesen, alS in Friedrich Wilhelm IV. Schon Herr David Strauß, dem jetzt wieder die Schellen bed Liberalismus an die Fersen schlagen und ihn wie jenes Thier auf dürrer Haide umherjagen, hatte das seiner Zeit tingesehen und ihn mit Julian dem Apostaten verglichen. Wie dieser, blickt auch Preußens sogenannter konstitutioneller Furst sehnsüchtig nach den alten Götzen zurück, die er trotz aller VerfassungSformeln wieder