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den Hr. v. Bruck die Güte hat, dermalen als den feint gen vor- zulegen. Die Spießbürger können antworten, daß eö ihnen niemals darauf angekommen ist, Geschäfte in der Politik, sondern gewöhnliche, ordinäre Handelsgeschäfte zu machen. Sie können antworten, daß eine Vertretung, eine Verfassung, wie sie jetzt Preußen beliebt hat, doch keine andere Garantie biete, alö den inspirirten Willen der gekrönten „Menschenfreunde". Sie können schließlich antworten, daß unter solchen Umständen altliberale Kammerreden nicht allein keine Motive zum Fortschritt, sondern ein offenbares Hinderniß für densel- ben bilden.
Das österreichische Projekt hat aus Hrn. v. Blittersdorf einen „erschütternden" Eindruck gemacht. DaS ist bei uns nicht der Fall. Gleichwohl gestehen wir, daß eS gar nicht so leicht ist, alle Folgen und Absichten dieses Planes im Augenblick zu übersehen.
So viel ist deutlich. Wenn der österreichische Plan Seitens deS Interims wirklich ausgenommen wird, so fallen alle gesetzgebenden Gewalten der Einzelstaaten zu puren Nullen herab. „ Im Kleinen fängt man an, im Großen hört man auf." An die materiellen Interessen knüpfen sich heut zu Tage alle andern an, das Interim wird mit unwiderstehlicher Gewalt alle Aufmerksamleit, alle Sympathien auf sich lensen *). Dieselben Resultate, die Preußen durch seinen Zollverein gewonnen hat, wird das Interim durch den seinigen gewinnen. Der österreichische Plan mag eine finanzielle Nothwendigkeit gewesen sein, er ist zugleich das schlaueste, versteckteste, diplomatischste Manöver deS Kaiserstaates zur Wiedergewinnung seiner Macht, zur Vernichtung der schulmeisterlichen „ Schwindeleien" in Deutschland. Hier sind Realitäten — ruft Hr. v. Bruck.
Am wichtigsten ist der Einfluß, den das österreichische Projekt auf den deutschen Zollverein ausüben muß. Oesterreich verlangt nämlich zur Berathung seines Planes Kommissare auS den drei Zollvercini- gungen, der preußischen, hannoverschen und österreichischen. Was bedeutet daâ? Ist daS politische Projekt, daS wir im vorigen Kapitel behandelt haben, etwa doch nur ein Plan der 4 Könige, ohne daß Oesterreich im Mindesten daran betheiligt wär, oder hat Oesterreich die Absicht, die politische Entwickelung der Zeit zu überlassen und neben diese Entwickelung seine Zollkonferenz zu stellen, deren Zusammensetzung 3 Königreichen ihre Selbstständigkeit am Bundestage raubt? In beiden Fällen müßten wir annehmen, daß Oesterreich entweder auf die völlige Trennung des preußischen SonderbundeS, ober auf die Verstärkung desselben durch die 4 Königreiche spekulire. DaS eine wie das andere ist unwahrscheinlich.
Wir haben die Ueberzeugung, daß Oesterreich die Unterwerfung der kleinen Staaten unter Preußen nicht allein gutheißt, sondern sogar bewerkstelligt hat, daß eö aber unter allen Umständen die Frage wegen der 4 Königreiche offen erhalten will. Wir haben ferner die Ueberzeugung, daß der Kaiserstaat in der Zollkonferenz das erste und letzte Zugeständnis an die Revolution findet, daß er lediglich diese Konferenz zu einem sogenannten Staatenhause zu entwickeln gedenkt. Wenn wir hierin nicht irren, so ist eS der Plan Oesterreichs, dem Königreich Preußen die Grundlage seiner dermaligen Uebermacht, den preußischen Zollverein nämlich selbst zu lockern. Der Kaiserstaat bewerkstelligt daâ einmal schon durch die Verlgung der höchsten Instanz über Zoll- und Handelssachen in die Bundeskommission, daS andere Mal, indem er, gestützt aus die politische Lage der Dinge, auf die unbänderlich geschehene Mediatisirung der demokratischen Staaten, die 3 Königreiche — Hannover steht schon isolirt! — von dem preußischen Zollverbande langsam zu trennen und ihnen in der Zollkonferenz noch nachträglich eine besondere Stimme zu verschaffen sucht. Auf dem Boden der getrennten, materiellen und politischen Verbindung zwischen Preußen und den Königreichen wird Oesterreich seine materiellen und politischen Projekte, welche beide , wie wir hoffentlich nicht âu^zuführen brauchen, auf eine unwiderrufliche Theilung Deutsch- &ur Ausführung zu bringen wissen. Die Spitz- unS daran^ ^" Diplomatie steht in voller Blüthe. Amüsiren wir
menttich einer protet^rischm Bewen'una ^* ^mm der nächsten Revolution, na: P -Bewegung, geben konnte, sprechen wir ein anderes Mal
Deutschland.
Kassel, 8. Febr. — (DaS jüdische Vork . Kassel.) Kürzlich machten einige Lehrer iöraeliti^er Konles^ * 8" Eingabe bet der Ständeversammlung, um Berücksichtigung thcilung der zur Verbesserung der Lehrer bewilligten 3^00 Tbl?- Das jüdische Lorsteheramt dahier soll damit keineswegs einverstanden sein, namentlich nicht Hr. Pinhas, dessen Secretär, der bei allen Landständen vergebens umherläuft, um für die orthodoxe Richtung
Kämpfer anzuwerben. Man muß bedenken, daß dieses Vorsteheramt der jüdischen Gemeinde nicht von der Gemeinde gewählt, sondern von der Regierung und dem Ministerium der Gemeinde oktroyirt ist, und daß der Sekretär PinhaS eine Besoldung von 350 Thlrn. (!) erhält. — Jede Steuerung ist diesen Herr n ein wahres Vomitiv, und namentlich bestehn sie auf israelitischen Konfessionsschulen, Krankenhäusern und Seminaren. Wenn eine Reform dieser Zustände auf sich warten läßp, wird die jüdische Gemeinde zerfallen. Wir kommen darauf zurück.
Kassel, 9. Febr. — Wir müssen noch einer feinen Episode erwähnen, die gestern in der Ständekainmer bei Berathung deö Anwalt- gesetzes vorkam. Hr. Rauh beschuldigte Hrn. Henkel, daß er ihm die Worte im Munde verdrehe. Dieser replizirte: Die Sache werde sich wohl gleich im Kopse des geehrten Herrn verdreht haben. Hr. Rauh dagegen: Er verbitte sich diese Angriffe, eö sei das eben die Manier des Hrn. Henkel. Hr. Henkel: Hr. Rauh solle doch daS „Maul" nicht so voll nehmen, das sei freilich seine Manier. — Die weitern Expektorationen gingen für die Zuhörer verloren, da beide Herren zugleich expektorirten, bis der Hr. Präsident die Schelle rührte und Hrn. Rauh erklärte, eS sei gar kein Grund vorhanden, sich so zu echaufsiren. — Die Geschichte hatte fast den Anschein, alâ könnte es nächstens Prügel setzen in diesen heiligen Hallen, die Rechte saß zitternd auf dem Sprunge, die Linke lachte. Und doch war gar kein Grund vorhanden, hat der Präsident erklärt; denn an die Henkel'schen ordinären „Wurscht "-Manieren sind die alten Herren so gewöhnt, daß sie gar nichts mehr darin finden. Nur denen, die noch nicht seit Jahr und Tag an diese eigenthümliche Parlamentarik von der Gasse gewöhnt sind, kocht manchmal die Galle. Diese sitzen aber auf der Linken. Folg- lich ist eigentlich kein Grund vorhanden, sich zu ereifern. Quod erat demonstrandum.
Marburg, 8. Febr. — „Wem Gott ein Prorectorat gibt, dem gibt er auch Verstand." Nach der Ansicht deS Prorektors der ahna Philippina, genannt Wetzell, hat noch kein vernünftiger Jurist daran gezweifelt, daß die deutschen Grundrechte in Kurhessen keine Geltung hätten. Wir überlassen eö dem geehrten Mann, dieses absurdum 'ja vertreten; jedenfalls aber ist soviel sicher und unzweifelhaft, daß schon mancher Unvernünftige, z. B. Mucker nebst Sippschaft, bescheidene Bedenken dagegen erhoben hat. Besagter Herr ist auch einer von jenen „wackern Allhessen rechter Art", der, als die Märzstürme durch vaö Land brausten, abhanden gekommen war, oder, wie Einige sagen, sich im Stillen rüstete zum heiligen Kampf gegen das revolutionäre Gesindel mit Gott für Kurfürst und Muck! Muck! Muck! — auch sichern Anzeichen nach drein geschlagen hätte, hätte ihm nicht sein Col- lege Schimmelpfeng zu Hcröseld beinahe (der arme Mann war damals krank. Ach!) das Prävenire gespielt. — Am 21. Januar wollten die zahlreichen Verehrer des Professors Zeller diesem einen Fackelzug bringen. Ehren-Wetzell, d. h. Seine Magnificenz, hörten davon und geruhten — ob auj höhern Sainaen, oder weil den 2 3sten desselben Monatö der eigene Geburtö.ag siel — wer weiß das? — die Feier zu verbieten. Dieselbe hätte doch Statt gefunden trotz Prorektor und Wetzell und alledem, wenn nicht die eingetretene furchtbare Kälte deren Suöpenvirung räthlich gemacht hätte. Es erinnern derartige Ueber- griffe, wie sie heut zu Tage wieder hier und da practizirt werde» (s. Nr. 31 d. Bl.: Marburg, 4. Febr.) an den bei uns Marburgern noch in freundlichem Andenken stehenden „Eisenschmidt", Wangemanns Busenfreund, der sich >m März 1848 hoch uno theuer vermaß, „er wolle dem Volk die Pariser Streiche schon austreiben". Schließlich einen Spruch zur Beherzigung: „ Was nicht deines Amts ist, da laß deinen Fürwitz!" Prorector von Gottes Gnaden und von — verstehst du mich?
Wächtersbach, 7. Febr. — (Wahlen zur Festung.) III. Klasse. Von 121 Urwählern zu Wächtersbach 35 (gräfl. Lakaien u. dgl.) — von 32 zu Hesseldorf 9 __ von 52 zu Schlierbach 5 — von 36 zu Heitz 34 — von 89 zu Breitenborn haben 56 protestirt, 33 kamen gar nicht. Der Wahlmann hatte 42 Stimmen.
II. Klaffe im Amt Wächtersbach. Von 239 Urwählern GL L Klasse. Von 70 Urwählern 2 t. —
Soden, 7. Febr. - Urwähler IN. Klasse 47 ; II Klasse 7; I Klasse 1 — Summa 55. Davon erschienen nicht 39 — kamen und protestieren 16 — Summa 55. — Wählte demnach Keiner.
! Berlin, 7. Febr.— Die Formel des Verfassungüeideö war: „so wahr mir Gott helfe". Zugleich aber war jedem Schwörende» freigcstcllt, noch die Zusätze zu machen, die sein Glaubenöbekenntniß ihm gebiete. Die katholischen Mitglieder der Kammer schwuren: „so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium ", die evangelischen (pietistischen) Mitglieder der äußersten Rechten: „so wahr mir Gott helfe durch Jesum Christum zur ewigen Seligkeit". Die Beamten und die Minister schwuren ihn ohne Zusatz. Nach dem Beschwörungsakt war große Tafel im weißen Saale, wobei der König den Toast aus-