Einzelbild herunterladen
 

- 138 -

die Bewegung fort. Truppen halten den Carousselplatz, daS Arsenal und andere Punkte besetzt. General gamortcim, der über den Bou­levard ging, wurde erkannt und verfolgt, und rettete sich durch ein Haus, über das Dach in ein anderes Haus, dort erhielt er ein Pferd und sprengte in Galopp in die Nationalversammlung. Dort interpel« lirte Legrange das Ministerium unter tiefem Stillschweigen der Ver­sammlung wegen der Provokationen der Regierung zur Revolte. Der Zustizminister erwiederte: es sei Alles vorüber.

Schweiz.

Bern, 2. Febr. Radetzky hat in Zürich 2 Kanonenböte und 1 Dampfschiff für den Lago Maggiore bestellt. Dieser See ge- hört znm Theil der Lombardei, zum Theil dem Kauton Tessin, an ihm liegt die Tessiner Festung Locarno, der Schlüssel zum Einmarsch in die Schweiz von der Lombardei aus. Mit einigen Schiffen läßt sich dieser Punkt umgehen. Am Besten ist nun, daß die Böte in der Schweiz gebaut werden, wo man sie zn gelegener Zeit mit Beschlag belegen könnte ^B. aber niemals dazu die Courage haben wird.

Täglich langen hier Deserteure aus der Lombardei an. Vorgestern kam ein bedeutender Trupp Ungarn, darunter auch Kaiserjäger und Infanterie. Neue vierhundert Mann sollen dem Bundesrathe ange­kündigt sein, meistens ungarische Husaren und Grenadiere, die mit Sack und Pack von den Gränzposten desertiren. Die hiesigen Deserteure erzählen von bedeutsamen Zeichen der Auflösung in der italienischen Armee. Raufereien unter den Soldaten der verschiedenen Nationali­täten sind etwas Alltägliches.

S t ä n d e s i tz u n g.

(Vom 8. Februar.)

Verlesung des Protokolls.

Tagesordnung:

1) Fortsetzung der Berathung deS Anwaltgesetzes.

Ein Antrag Pfeiffers II., diesen Gegenstund für die heutige Sitzung auszusetzen, um den verschiedenen Antragstellern Gelegenheit zu geben, zur Abkürzung der Debatte sich vorher zu verständigen, wird abgelehnt.

Der in voriger Sitzung dem Prinzip nach angenommene Antrag Pfeiffers II. wird sodann vorbehaltlich der Redaction, nach den An­trägen von Pfeiffer II. und Cöster, in folgender Fassung angenom­men: 8. 2.Der Bewerbung um die Zulassung zum Anwaltöberufe muß eine praktische Vorbereitung von einem Jahre bei einem Gerichte und von einem Jahre bei einem Anwälte vorangehen. Bewerber, welche bereits in einem Staatsdienste gestanden haben, sind von die­ser Vorschrift frei. Dasselbe gilt von denjenigen Vorbereitungsdienern, deren Oualisication zum Richteramte oder zur Advocatur schon fcstge- stellt ist.

Die Vorbereitung bei einem Anwälte sinket unter Aufsicht und Mitwirkung desselben Statt.

Die Befähigung zum Anwaltöberufe wird durch die Obergerichte

unter Hinzutritt eines von der Anwaltkammer zu bestimmeuden An­walts, nach Maßgabe der für die Befähigung zum Richteramte be­stehenden Bestimmungen, festgestellt. Bei denjenigen Bewerbern, welche früher bereits Anwälte waren, oder im Richteramte gestanden haben, fällt die nochmalige Feststellung ihrer Befähigung hinweg".

Die folgenden Paragraphen werden in folgender Fassung zum Theil vorbehaltlich der Redaktion, angenommen:

§ 3. Staatsdiener, welche durch gerichtliches Erkenntniß ihres Dienstes verlustig erklärt, oder in Folge der Verurtheilung zu einer andern Strafe gemäß $ 57 des StaatödienstgesetzeS vom 8. März 183t entlassen worden sind, können nur mit Zustimmung der Anwaltkammer als Anwälte angestellt werden. (Regierungsproposition und Antrag Cöster'S.)

8 4.Die Zahl der bei jedem Gerichte zuzulassenden Anwälte wird von den Obergerichten nach Anhörung der Anwaltkammern fest­gestellt und wenigstens alle 3 Jahre öffentlich bekannt gemacht.

Bei der Feststellung der Zahl der Anwälte ist besonders darauf Rücksicht zu nehmen, daß den Rechtssuchenden eine genügende Auswahl tüchtiger Anwälte gewährt werde." (Antrag von Pfeiffer II.)

Die Zulassung zum Anwaltberufe geschieht durch Eintrag in die bei jedem Obergerichte zu führende Liste der Anwälte des Bezirks derselben.

DaS Obergericht kann einem Bewerber um eine erledigte Anwalt­stelle, welcher den gesetzlichen Erfordernissen genügt hat, den Eintrag in die Liste der Anwälte nur im Einverständnisse mit der Anwalt­kammer auS Gründen, welche die Würdigkeit desselben zum Eintritt in den Anwaltstand betreffen, versagen.

Unter mehreren befähigten Bewerbern entscheidet das Dienstalter " (Antrag Pfeiffer'S 1L). (Die Frage, von welchem Zeitpunkte an daS Dienstalter zu rechnen sei, wird au den Ausschuß zurückverwiesenZ

Ein Antrag Cöster'S, betreffend die Aufhebung des Unterschieds zwischen Ober- und Untergerichtsanwälten, wird in Erwägung gezogen und an den Ausschuß verwiesen.

8 5 der Proposition wird gestrichen. Er lautet:Bei Besetzung von Staatsdienststellen sind die als Bewerber auftretenden Anwälte in gleicher Weise, wie eigentliche Staatsdiener, mit angemessener Beach­tung ihres Dienstalterö und ihrer Befähigung zu berücksichtigen".

Das Finanzministerium überreicht eine Eingabe der Forstschutzdiener der Provinz Fulda, in welcher dieselben ihre hülfsbedürftige Lage dar. stellen. An den Budgetausschuß.

Cöster trägt darauf an, den Verfassungsausschuß zu beauftragen, in der nächsten Sitzung über seinen Antrag wegen Vorlage der Listen der Wähler zum sog. Erfurter Reichstage Bericht zu erstatten. L e- derer, alö Mitglied dieses Ausschusses, erklärt, daß bei der Einfach­heit der Sache der Ausschuß den Antrag an die Regierung schon ab­gegeben habe.

Correspondenz. Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß Zusendungen ohne Namensangabe des Zusenders nicht die geringste Berücksichtigung finden können. Die Ncdaklion.

D e k a n » t m a ch u n g e n.

Zu erstaunlich billigen Preisen

n empfiehlt eine Parthie zurückgesetzter Mode-Waaren, sowie die berühmten w ^'nen (das Stück von 72 Ellen) aus der großen Seehandlung

£ breiten ausgezeichnet feinen

die billige Mode-Waaren- und Leinen-Handlung

von J. Schön seid'« Wittwe, Graben Nr. 770. k

_____ ) werden: (149) Ein mit nuten Beunnifsen «ersehenes Mädw-N. Msf bxm 12. Heft wird ein großes schö- neS Prämienblatt gratis geliefert.

Virginie», physiko-geographische und sta­tistische Beschreibung desselben, mit beson­derer Rücksicht auf deutsche Auswanderung, von C. Geyer. Nebst einer kolorirten Spezialkarte von Virginien, gr. 8. geh. 15 Sgr.

0-^l Ein Dienstmädchen, welches alle tannen v betten versteht und kochen kann auf

sagt die Erpedit. d. Bl. ' -

(123) Ein als Friseur.Lehrlinq, nebst Kost und Schlaf­stelle. Das Nähere in der Expedit, b. Bl.

(142) In eine Bierschenke wird ein mit guten Zeug­nissen versehenes Mädchen von angenehmem Aeußern zur Aufwartung gesucht. Wo? erfährt man in der Ex­pedition d. Bl.

(143) Bei einem hiesigen Buchbinder kann ein Lehr­ling eintreten. Näheres in der Expedition d. Bl.

1148) Ein Lausbursch ; bei wem? sagt die Expedition d. Bl.

(149) Ein mit guten Zeugnissen versehenes Mädchen, welches mit Kindern umzugeben versteht, mit allen häuslichen Arbeiten Bescheid weiß und nähen kann, finde» sogleich oder auf Ostern eine Stelle. Wo? sagt die Expedition d. Bl.

®° oben ist erschienen (Leipzig und Gielgen bei Goedsche) und ist in Kassel bei H Compso wie in allen Buchhandlungen zu haben:

'HV^^ kür Stadt und Land.

Folge 2. Band in 12 Heften, c mit zwei elegant auSgeführten Bil- dern. Preis pr. Baud 1 Thlr. 18 Sgr.

Theater- Ncpertoire.

Sonnabend, den 9. Febr : Peter und Paul. Lust­spiel in 3 Auszügen von Eastelli. Hierauf: Der ver­wunschene Prinz. Lustspiel in 2 Aufzügen von Polz.

Kassel. Verantwortliche Herausgeber: H. Hesse » n.. © * / TT- ~T -----------

0 u. Kellner. Druck der Estlenne'schen Vuchd'uckcrei.