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Rußland von einem deutsche« Professor nasführen, Gesetze vorschreiben lasse? Was ihr gewonnen, errungen, durch euren moralischen Eindruck erobert zu haben glaubt, habt nicht ihr gewonnen, errungen, erobert, sondern die Diplomatie hat's euch gewinnen lassen.

Euer Kleindeutschland wird bleiben, wie es ist. Es wird euch weder die Freiheit, noch die Einheit bringen. Und nun frage ich euch, ob unter solchen Umständen die großdeutschen Projekte nicht einen Fort­schritt enthalten? Ich frage euch, ob ihr, die Männer „deS Mög­lichen", eure Schwindeleien nicht mit dem großdeutschen „ Fleisch und Blut" zu vertauschen verpflichtet seid, ob ihr aus Trotz und Eigensinn dieseSmal euren ewigen Wahlspruch vergessen dürft: „Es geht nicht anders!" Seid nicht thöricht. Nehmt, was euch geboten wird.

Durch die großdeutschen Projekte wird der äußerliche Bestand cureâ Sonderbundes nicht alterirt, im Gegentheil, er wird unwider­ruflich, er wird fester denn je gemacht. Freilich, ihr hattet gehofft, daß die Einheit Kleindeutschlands auch die Selbstständigkeit, die Un­abhängigkeit Kleindeutschlands enthalten werde, daß daS einige Preu­ßen sich frei und ungehincert entfalten, daß kein anderer Gott über ihm stehen werde, als Friedrich Wilhelm IV. und ihr, die Professoren. Wir wiederholen: Ihr wäret Thoren! Eine solche Einheit war eine völkerrechtliche Unmöglichkeit, begnügt euch also mit der äußerli­chen Einheit.

Betrachtet euch den politischen Organismus der großdeutschen Projekte genau. Aeußerlich genommen habt ihr die Einheit, nach der ihr gestrebt habt. Vielleicht wird euch später noch eins oder das andere Königreich zudictirt. Was den Inhalt dieser Einheit anlan^t, so müßt ihr euch allerdings bescheiden. Ihr habt aber das Recht, ihn soweit auSzudehnen, als ihr cs ohnedem gekonnt hättet, soweit nämlich, als es die dynastische Politik erlaubt. Ihr seid freilich aufS Neue an die Fersen des schwerfälligen Oesterreichs gefesselt, aber doch nicht so unbedingt als früher, denn ihr werdet in Frankfurt ein Staa- kenhaus erhalten. Eure Entwicklung wird freilich den Croaten und Slavonicrn einige Rechnung zu tragen haben, aber ihr stoßl dafür Deutsch -Oesterreich nicht unwiderruflich von euch, ihr macht daS „ganze Deutschland" nicht für alle Z u ku n ft unmöglich. Ooendrein Hat sich Oesterreich dazu verstanden, für gewisse Fälle einzelne seiner Kronländer (Italien, Ungarn, Galizien) vom deutschen Bunde zu separiren.

Der großdeutsche Organismus ist ein Meuchelmord, eine diplo­matische Schurkerei, die letzte Consequenz der verrathenen, von euch, von eurer Dummheit, eurer Gutmüthigkeit, eurem Vertrauen zu den Dynasten, verrathenen Revolution, aber er ist keine Schwindelei, er hat Berechnung, cs liegt Vernunft darin. Der großdeutsche Organiö- mus ist das Einzige, was dermalen möglich ist. Macht euch also nicht lächerlich, indem ihr gegen ihn operirt, um ihm nachher Weih­rauch zu streuen. „Es geht nicht anders."

ES bleibt uns noch übrig, von der durch den großdeutschen Bund beabsichtigten Handelseinigung zu sprechen. Wir behalten daö einem besondern Artikel vor.

Deutschland.

O Devlin, 6. Febr. — So ist denn der feierliche Tag da, der Preußen mit einer wirklich beschworenen Konstitution beglückt, mit einer Konstitution, wie sie kein Land je freisinniger gesehen, die dem eigenthümlichen Charakter Preußens Rechnung trägt und die Zu­kunft unseres schönen Vaterlandes dauernd bestcstigen wird! Halleluja! Am Morgen Glockenläuten von allen Thürmen, dann großes Korso­fahren nach dem Dome, wo man sich mit Gebet zum feierlichen Akte $** *e,'ter geschehen, ruht noch im Schooße deS dunklen 'Lchtvstes und ist noch nicht unter die zahlreich versammelte Menge baS Beiner Publikum ist neugierig, wie Sie wissen, blick durckbreck egey^ und Sturms, der nur selten einen hellen Sonnen- brucke 'st der Lustgarten, die Schloßfreiheik, die Schloß-

Meuschenmasse Z ^nannte Bildermuseum mit einer dichten N'chtü war-et. Denn Volke sein Gelübde ablegt^wie b^ber^ ""t und vor dem Sie pm Himmelowillen keinen Patrioâmus^bei

Menge. Die schwarz-weißen Kokarden sind sehr selten versammelten schwarz -roth- goldene sitzen an den Hüten unb werkerverems schcn Sie überall durchschimmern m Hand- Wort der Ergebenheit und des lo^n kern

sch über die gallonirten Kutscher, über ^J^W ZE Koustablcrwachtmeister, und frägt nach der Artillerie denn Ü wartet die 101 Kanonenschüsse, die aber noch nirgends dröhnen wollen Verschiedene Arbeitergruppen diskutrrcn sehr eifrig darüber, wer denn das 'große Fest von heute bezahlen wolle, und mehr noch bören Sie

Alles — nur keine patriotischen Phrasen! Die konservativen Zeitun­gen erscheinen heute nicht, wegen der hohen Feier, auch der Steuer- verweigerungâprozeß ist richtig heut ausgesetzt worden! Uebrigenö ist es leicht möglich, daß, wie die gestrige „Abend-Post" verkündete, von dem bewaffneten Junkerthum der Anlaß zu Scandal gegeben wird. ES ist lange nicht auf offener Straße eingehauen worden, und die Gelegenheit ist so günstig! — Die „Neue Preußische" gibt sich den Anschein, als schäume sie vor Wuth über die Beschwö- rung der Verfassung, die „D. Reform" dagegen ertheilt ihr wüthende Hiebe. Nur die Dummen lassen sich von dieser Spiegelfechterei blen­den; die „Neue Preußische" weiß so gut, daß durch die nagelneue Konstitution nichts an dem alten Absolutismus geändert ist, als die „D. R." einsieht, daß sie nur durch ihr jetziges Manöver der Heuti- gen „Feierlichkeit" einen ernsten Anstrich zu geben vermag. Uebrigenâ beginnt heut der offizielle Fasching mit einem großen Maskenball bei Kroll. Die Konstitutionellen sind abergläubisch, da haben sie gleich ein böseS Omen!

P. 8. Die Menge hat sich verlaufen und jetzt, Abends G Uhr, ist Alles ruhig und friedlich. Die weiß-kravattirten „Volksvertreter" rutschen in Droschken und Karossen nach Hause, kein Mensch merkt etwas davon, daß Preußen heut von einer Verfassung entbunden wor­den ist. Aus der Illumination wird wegen des schlechten Wetterâ nicht viel werden, und die „bewaffneten Junker" werden sich auch wohl vor dem Regen fürchten. So wird den ungeheuren Anstrengungen des heutigen Tages eine friedliche Nacht folgen. .Herzliches Lachen erregt wieder einmal unser hochweiser Magistrat, der seine Lokale zu einer Illumination vorbereitet hat, aber erst warten will, ob ihm Jemand mit gutem Beispiele vorangeht!! So werden Viele denken. — Lon den Vorgängen innerhalb des Schlosses erfährt man bis jetzt nur, daß der König eine Rede abgelesen hat, in der er betheuert, an den Ver­heißungen des Jahres 18 4 7 — so versichert man!! — festhalten

zu wollen. „Er und sein HauS werde dem Herrn dienen!" — Die Stadtverordnetenversammlung hat gestern in geheimer Sitzung be­schlossen, dem Grafen Brandenburg und Herrn v. Man­teuffel das Ehre n bürgerrc cht zu verleihen! Die Väter unserer Stadt haben den Wienern und Pesthern nichts mehr vorzu- werfen.

! Berlin, 7. Febr. — Abends sind auch einige Verhaftungen vorgekommen bei der kläglichen Illumination. Die „Konst. Ztg." gesteht, daß es keine allgemeine war, daß sie auch nicht besonders glänzend aussiel. Der Preuß. St a a t s a n z e ig er berichte: über die Feierlichkeit, die so ausfiel, wie das Program n sie verkündet Gottesdienst rc., nur die Kanonenschüsse fehlten, ebenso die Truppen- aufstellung — ebenso die Gegenwart des Prinzen von Preußen und seines Sohnes. Der König hielt darauf folgende Rede, aus der wir folgende Stellen hcrvorhcben:

„Meine Herren!

Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Wrö Ich sagen werde, sind Meine eigensten Worte, denn Ich erscheine heute vor Ihnen, wie nie zuvor und nie hernach. Ich bin hier, nicht um die angebornen und ererbten Pflichten deü königlichen Amtes zu üben (die hoch erhaben sind über dem Meinen und Wollen der Parteien) ; vor Allem nicht gedeckt durch die Verantwortlichkeit Meiner höchsten Räthe, sondern als Ich selbst allein, als ein Mann von Ehre, der sein Theuerstes, sein Wort (zum zehnten mal!) geben will, ein Ja, voll­kräftig und bedächtig. Darum Einiges zuvor. — Das Werk, dem Ich heute Meine Bestätigung aufdrücken will, ist entstanden in einem Jahre, welches die Treue werdender Geschlechter wohl mit Thränen, aber vergebens wünschen wird, aus unserer Geschichte Hin- auözuringen. In der Form, in der es Ihnen vorgelegt worden, ist es allerdings daâ Werk aufopfernder Treue von Männern, die dielen Thron gerettet haben, gegen die Meine Dankbarkeit nur mit Meinem Leben erlöschen wird; aber eö wurde so in den Tagen, in welchen, im buchstäblichen Sinne des Wortes, das Dasein deS Vaterlandes bedroht war. Es war das Werk deS Augenblicks, und eö trug den breiten Stempel seines Ursprungs. Die Frage ist gerecht­fertigt, wie Ich, bei solcher Betrachtung, diesem Werke die Sanction geben könne? Dennoch will Ich es, weil Ich eö kann, und daß Ich eö kann, verdanke Ich Ihnen allein, Meine Herren. Sie haben die bessernde Hand daran gelegt, Sie haben Bedenkliches daraus ent­fernt, Gutes hineingelragen und Mir durch Ihre treffliche Arbeit und durch die Aufnahme Meiner letzten Vorschläge ein Pfand gege­ben, daß Sie die vor der Sanction begonnene Arbeit der Vervoll­kommnung auch nachher nicht lassen wollen und daß eS unserem ver­einten redlichen Streben auf verfassungsmäßigem Wege gelingen wird, eö den LebcuSbedingungen Preußens immer entsprechender zu machen. Ich darf dieß Werk bestätigen, weil Ich es in Hoffnung kann. DaS erkenne Ich mit allerwärmsten Danke gegen Sie, Meine