Dritter Jahrgang.
Erscheint täglich, Montags ausgenommen Vierteljährlicher Abonnemenlèpreiè 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Er- pedition (obere Entengaffe Nr. 132) zu 6 Hlr.
W' 33.
Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Pe rzeile 8 Hlr., bei wiederholter Einrückung i Hlr. Abonncn« en erhalten 25 pCt. Rabatt.
Die großdeutschen Projekte.
1.
Seit einer Woche mehren sich die Gerüchte über die Art und Weise, wie Oesterreich mit den Königen eine politische und materielle Einheit Deutschlands herzustellen gedenke. Die Kleindeutschen sind natürlich über solche Projekte in tiefster Seele entrüstet. Die Neuhessische macht den mißlungenen Versuch, sie durch einige fade Witze zu beseitigen. Sie bietet ihre ganze politische Trivialität/ ihre ganze ökonomische Unkenntniß auf, um die Erfurter Tölpel an der Stange des preußischen Halâgerichts-Konstitutionalismus, wie er jetzt verbrieft und versiegelt ist, festzuhalten. Das gute Kind!
Unsere Leser sind hoffentlich überzeugt, daß wir unsererseits, gegenüber solchen Projekten, sehr unbefangen und unparteiisch sind. ES ist unsere feststehende Ueberzeugung, daß alle fürstlichen Projekte, seien eS preußische Verfassungen oder österreichische HandelSeinigungen, nichts Anderes sind, als fürstlicher Lug und Trug, als Fallthüren und Fang- stricke für das gutmüthige Volk, als durchlauchtige Versuche, die Revolution in ihren letzten Athemzügen zu ersticken. Aber gerade, weil wir hiervon und zugleich von der Erbärmlichkeit und Ehrlosigkeit der konstitutionellen Partei überzeugt sind, weil wir wissen, daß eben diese Partei trotz allen Lärmens und Sträubens schließlich auf alle und jede diplomatische Schurkerei einzugehen keinen Anstand nimmt, daß sie bei ihrer grenzenlosen Gesinnungslosigkeit und Feigheit am Ende im pursten Absolutismus noch eine „rettende That", einen Strahl der Hoffnung erblickt; — gerade aus diesen Gründen halten wir es für unsere Pflicht, an die fürstlichen Projekte mit allem Ernste und aller Gründlichkeit zu gehen, und zu beweisen, inwieweit sie „Nebelbilder" oder keine sind.
Die großdeutschen Projekte beabsichtigen die politische und materielle Einigung des ganzen Deutschlands. „DaS ganze Deutschland !" — mit den Worten spekulirt Oesterreich und seine Genossenschaft auf die Anhänger eines großen, mächtigen Vaterlandes, auf die Verfechter eines einigen Deutschlands, auf alle jene Männer, die lieber alle Freiheit opfern wollen, ehe sie dulden, daß auch nur ein Stück deS Vaterlandes von dem großen Körper getrennt werde, um auf ewig verloren zu gehen.
„DaS ganze Deutschland um jeden Preis!" Wir wüßten nicht, woher die Kleindeutschen ihren Spott über eine Spekulation unter dieser Firma nehmen wollen. DaS Feldgeschrei der Preußenfreunde ist, wie unS dünkt, kein anderes, als: „Einheit um jeden Preis, Einheit selbst um den Preis der Freiheit!" Die Preußenfreunde sind es, welche die Begeisterung für Freiheit, für Volksrechte durch Phrasen und Verträge mit dem Meuchelmorde der Freiheit bis auf einen Punkt herabgeschraubt haben, wo ein weiterer Verzicht auf die Freiheit kein Verrath, sondern einfache Konsequenz ist. Die Anhänger des Drei- königSbündnisses haben der Demokratie auf ihren Ruf nach Erhaltung ' der Errungenschaften unserer Revolution niemals eine andere Antwort gegeben, als die: „Trachtet zuerst nach der Einheit, so wird euch alles Andere schon zufallen!"
Wohlan denn: Der Kaiser von Oesterreich und die vier Könige bieten die E i n h e t t, sie bieten sie auf einem großen, unermeßlichen Boden, sie bieten sie für alle Staaten, in denen die deutsche Zunge klingt, sie bieten sie selbst über die Marken deS Vaterlandes hinaus, der Kaiser von Oesterreich wirst sogar seine Slaven, seine Italiener mit in die Gemeinschaft. Welchen Grund habt ihr zum Protest? Habt ihr ein so schlechtes Gedächtniß, daß ihr auf einmal von einer Gefahr für die Freiheit sprecht, daß ihr auf einmal die Freiheit der Einheit vorziehen wollt? Und wenn daS Projekt der ganzen Einheit auch Nicht ein Titelchen von Freiheit garantirt, — „ trachtet zuerst nach der
Einheit, so wird euch alles Andere schon zufallen." — Ihr werdet antworten, daß ihr die Slaven, die Italiener in der Gemeinschaft nicht mögt. Aber ihr seid wahnsinnig. Bei der Freiheit, die euch dermalen geblieben ist, bei der lügnerischen Freiheit der preußische» Verfassung könnt ihr alle Russen, könnt ihr die Bulgaren und Wallachen in euren Bund aufnehmen, — die Gemeinschaft schadet eurer Freiheit nicht, sie erhöht aber die Vortheile der Einheit. Oesterreich offerirt euch ein Handelsgebiet von 70,000,000 Seelen, eine Fläche, auf der die materiellen Verhältnisse zu einer nie geahnten Blüthe aufschießen werden, auf der ihr ein „mächtiges, starkes, imponirendeS " Reich zu bilden vermögt. Was wollt ihr mehr?
Obendrein: — wollt ihr vielleicht auch kein einiges Deutschland mit Böhmen? Wollt ihr Böhmen nicht wegen seiner Tschechen? So trennt von Preußen auch Posen, so schließt von eurer Einheit auch die Polen aus! Bis nach Kronstadt sind alle österreichisch-slavischen Länder von deutschen Kolonien übersäet, — welchen Grund habt ihr, diese Deutschen ihrer kroatischen Beigabe wegen auszuschließen? In jenen Ländern hat Deutschland die Mission der Bildung; warum wollt ihr diese Mission den österreichischen Deutschen allein überlassen?
Aber ihr wollt nach gewonnener Einheit überschnell die verlorene Freiheit wieder erobern. Die Einheit war eine falsche Parole, — nicht wahr? Kleindeutschland leistet nach eurer Ansicht Bürgschaften für die baldige Erlangung der Freiheit; der schwerfällige, 70,000 000 Seelen umfassende Einheitskörper, den Oesterreich euch bietet, leistet jene Bürgschaften nicht. Wir leugnen daS. Die preußische Einheit, daS preußische Deutschland bietet keine andere Bürgschaft, als die österreichische Einheit, beide garantiren euch den Absolutismus. Oder seid ihr noch immer nicht bekehrt, hofft ihr noch immer auf jenen Konstitutionali'S- muS, der grau leibhaftig am 7. Januar vor euch gestellt wurde?
Ob ihr in Kleindcutschland oder in Großdeutschland sitzt, Freiheit werdet ihr nirgends mehr und nirgends weniger haben, die Freiheit, die euch der König von Preußen offerirt, ist dieselbe, die der Kaiser von Rußland für Oesterreich bestimmt hat.
Bei gleicher Freiheit muß die Waagschaake zu Gunsten der Einheit sinken. Fragt eure Philister, fragt eure Spießbürger, fragt die einzigen Anhänger, die ihr noch habt, die Männer der Ruhe und Ordnung, die Männer, die sich nach der „Blüthe deS Handelâ und der Gewerbe" sehnen! Sie Alle werden euch antworten, daß sie selbst noch einige Prozent Freiheit mehr,. als bereits geschehen, hergeben wollen, wenn Oesterreich mit seinem Handelâprojckte, mit seiner 70,000,000-Seelen-Einheit Ernst mache. Ihr habt diesen Elenden ja gelehrt, dass an der Freiheit nichts gelegen sei, daß eS vor allen Dingen die Einheit gelte. Und sie brauchen nicht einmal einige Prozent Freiheit mehr zu opfern. Wir haben schon gesagt: „daS Maaß der Freiheit ist zugemessen, eS ist in Preußen und Oesterreich gleich."
Die österreichischen Projekte bieten genau dasselbe, wie der Erfurter Reichstag , sie bieten mehr, sie bieten ein ganzes, ungetrenm- teâ Deutschland, sie bieten noch mehr, sie bieten einen Markt vom Aachen bis Kronstadt, von Hamburg bis Cattaro.
Wir wollen die einzelnen Punkte besprechen.
D e u t s ch k cr n d.
△ Kassel, 7. Febr. — „Der preußische Staat hat jetzt eine Verfassung!" jubelt die Neuhessische. Allerdings Mplady! Rußland hat auch eine! — Die konstitutionelle Zeitung im Berlin jubelt in derselben ekelhaften Hundedemuth : „,e 9 i st. d i es. e ine fro h e V e r - heißung, welche mit sonnigem Strahl die letzten Nebel unserer Besorgnisse z,erstreut,. un v welcher daS einstimmige Echo der Freude vom Rhein bis zum Niemen, vom Niesengebirg bis gum baltischen W.eere autwortem