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ruhig und objektiv zuzuschauen, muß doch wohl nicht so ganz unrichtig sein, wenn man an Fürst Metternichs Wahlspruch denkt:man muß sie durch vergebliche Erwartungen abspannen und abmatten!" und wenn man diese dürren Gothaer Hoffnungsskelette ohnmächtig und wim­mernd von einem verlöschenden Talglicht zum andern taumeln sieht, von einer vertrockneten Zisterne zur andern! Wir bleiben hübsch am großen Strom sitzen und nähren uns röthlich!

Oesterreich.

* Wien, 1. Febr. Die rührende Ansprache an die Gränzer vom Buhlen Jellachich, angestellt bei der modernen Messalina, ist alter Speck, mit dem man keine Mäuse mehr fangen kann. Er tröstet sie mit den Worten:bald werden Verfügungen inö Leben treten, die unsere Wohlfahrt begründen und sicher stellen werden."Habt Ver­trauen!"Gott erhalte unsern gnädigen Kaiser Franz Joseph!" Datirt: Wien am 14. Januar. Man meint, daß der gute Freund Sophiens keine große Lust habe, diesem seinem Sendschreiben in Person nachzureisen von wegen deS Mißtrauens in jenen schönen Ge- genden. General Schönhals hat eine Denkschrift eingeschickt über die Vertheidigung Westdeutschlands (gegen wen?) und die Reorgani­sation der Bundesarmee (in den Festungen von Preußen und Oesterreich!) In der Kürze wird von hier aus eine Denkschrift über posilive Vorschläge einer allgemeinen Handels- und Zolleinigung an alle Staaten gehen; ein deutscher Zollcongreß ist in Aus­sicht gestellt, den natürlich niemand anders berufen wird, als das In­terim in Frankfurt. Und Erfurt?

* Dalmatien. Truppen auf Truppen ziehen nach Dalma­tien, man rechnet 30,000 Mann ; nach Cattaro allein 7000 Mann, trotz Schnee und Eis und den Winterstürmen des Meeces. ES gilt um mehr als um die Steuerverweigerung, es gilt die Nichtunterwerfung unter die Verfassung vom 4. März Aber noch mehr. Nicht blos unter den Slaven in Dalmatien, der Militärgränze, österreichisch Croa- tien gährt es unter den türkischen Slaven ist diese Bewegung wo möglich noch stärker. In Bosnien, Albanien, türkisch Croatien, in der Hcrzozcwina wie in Montenegro geht die Volksbewegung auf Grün­dung eines selbstständigen Fürstenthums und nach Vereinigung der Süd­slaven in einen Staat, der mindestens seine 3 Millionen Einwohner haben wird, nach Abschüttelung deS türkischen und deS österreichischen Jochs. Die Tapferkeit dieser Stämme, die lange Zeit den Türken ihre besten Kerncruppen lieferten, ist bekannt, und das Land mit seinen steilen Gebirgen ist eine surchibare Festung, Alles ist bewaffnet, vor Allcm die wilden Morlaken, die Bewohner der Gränzgebirge Dalma­tiens (Morlacher Gebirge) und die räuberischen Montenegriner. Unter dem schlauen Vladika von Montenegro, der bereits seit langer Zeit schon unter russischem Schutz steht, kann plötzlich hier ein neues Neich zusammenschießen, und zwar ein slavisches unter dem Pro- te ktorat Rußlands. Und damit wäre Rußland an der Küste des mittelländischen Meeres, und Oesterreich wird sein Dalmatien rc. wohl als Zahlung für die Schlachterei in Ungarn nicht verweigern können. Die Dardanellen wären umgangen! Doch lassen wir ruhig den Czaaren Revolutionen erregen und befördern, um sie nachher ausbeuten zu können; Revolutionen sind nicht gut zu berechnen und bleiben nie­mals ohne Wiederholung, wenn sie sich vom Ziele verirrten. Diese Ansicht ist in St. Petersburg nicht anerkannt. Selbst die Wiener Blätter sprechen jetzt von diesenUnruhen". Der Lloyd erzählt nach einem südslavischen Blatte: Der Czaar habe an den Vladika von Montenegro einen Brief geschickt und ihn um Aufrechthaltung des Landfriedens gebeten. Deswegen habe sich Montenegro gegen seinen Fürsten auf^elehnt. Der gute Fürst wird sich schon zwingen lassen, wenn der Czaar den richtigen Augenblick bezeichnet.

England.

London, 31. Jan. Heute Nachmittag 2 Uhr ist das Par­lament eröffnet worden durch die königlichen Kommissare. In der Rede, die im Namen der Königen vorgelesen wurde, ist natürlich eben so we- nig enthalten, wie in allen Thronreden. Ihre Majestät be­klagt es sehr, daß die Folgen fr ü h er er Mangeljahre noch schmerzlich gefühlt werden, doch mildern diesen Umstand der Ucbcifluß (ihr glück- sichen Arbeiter) und die Ruhe des Landes (die Ruhe des Todes in Irland!). Freilich soll Irlands Lage verbessert werden; man kennt das schon! - Außerdem ist eine Rcformmöglichkeit angedeutet mit den Wor-

V?^ abnehmende Zahl der Wähler für Parlamentsmitglieder werde ben Inhalt von Maßregeln bilden, die Ihrer Erwägung unter- breitet werden sollen!" Schließlich preis'» Ihrer Majestät Regierung den Himmel, der sie vor Krieg und Convulsionen (Rcvolutionskrämpfen) bewahrt habe, ,, die in den letzten 2 Jahren so manche Staaten er­schüttert haben ". Sie hofft auf Fortsetzung dieses idyllischen Zustan­

des durch Erhaltung des Werthvollen und Verbesserung des Mangel­haften". Wenn's Ernst wäre, würde allerdings die Sache zumachensein.

Dänemark.

* Kopenhagen, 1. Febr. (Eröffnung des Reichstags. Der König hat den'Reichstag mit einer Thronrede eröffnet, der wir folgende Stelle entnehmen:

Noch ist der Krieg nicht zu Ende, sondern nur unterbrochen. Doch hoffe ich, daß die begonnenen Unterhandlungen zum gewünschten Ziele führen werden, wenn nur nicht die irregeleiteten Unterthanen bei einer großen Macht Unterstützung finden."

Deutschland, daS idielle Deutschland, die einzige Macht, die noch Schleswig unterstützt, ist keine Macht in den Augen des Jnsel- königS. Tölpel, merk'S!

Griechenland.

Wien, 1. Febr. Der Lloyd vom heutigen meldet über Triest folgende wichtige Nachrichten aus Griechenland. Am 11 Jan. an­kerte das englische Kriegsgeschwader, 7 Segelschiffe und 6 Dampf­schiffe in der Bai von Salamis. Der briitische Gesandte Wyse und der Viceadmiral des Geschwaders Parker erklärten am 16. dem grie­chischen Minister des Auswärtigen, Londos, die schon früher mehr­mals gestellten Forderungen müßten ungesäumt erfüllt werden. Die Forderungen lauteten: 1) Entschädigung von 800,000 Drachmen für die Zerstörung des Wohnhauses eines englischen Unterthanen (Israeli­ten) David Pazifico, in der Nähe Athens am Ostertag vor einigen Jahren (das Volk verbrennt an diesem Tag eine Puppe die den Ju­das vorstellt, diese Puppe war abhanden gekommen und wurde iin Hause des Pazifiks vermuthet); 2) eine Entschädigung an Pazifico wegen verletzter Ehre; 3) Entschädigung an einen in Athen ansässigen als griechischer Bürger aufgenommenen Engländer, Finlay, wegen ei­nes ihm beim k. Schloßbau genommenen Grundstücks; 4) eine Ent­schädigung an verschiedene vor einigen Jahren von Piraten (welche mißbräuchlich k. Kronen an ihren Mützen trugen) in der Nähe von Acarnanien ausgeplünderte jonische Barken; 5) eine Entschädigung an einige Ionier, welche vor mehreren Jahren in Elis, angeklagt der Theilnahme an einer aufständischen Bewegung, verhaftet und ein­gekerkert worden waren; 6) eine Entschädigung an einen in Patras vvn der Gensd'armerie verhafteten und gemißhandelten englischen Un­terthan. Der Betrag sämmtlicher verlangten Entschädigungssummen ist mit den Interessen zu I2H ungefähr 1£ Mill. Drachmen.

Binnen 24 Stunden verlangten die Engländer eine befriedigende Antwort. Vergebens vermittelten die Gesandten Frankreichs und Ruß­lands. Der griechische Minisierrath erklärte, daß die Forderungen jedes Rechtsgrundes entbehrten. Der en gl i sche Gesandte ging nun, nach wiederholter Mahnung, zu dem Geschwader, und der brittische Consul forderte alle jonischen und englischen Unterthanen auf, sich zur Ein­schiffung bereit zu halten. Darauf wurden der griechische Dampfer Otto" und einige andere Schiffe durch die Engländer gekapert und in den Hafen von Salamis geführt, und weitere Maßregeln ange­droht, wenn die Forderungen unerfüllt blieben. Die griechische Regie­rung leistet nur passiven Widerstand und mahnt auch dazu das Volk, das in Verzweiflung in Athen Demonstrationen für den König und die Gesandten von Rußland und Frankreich macht. Die engli sehe Demonstration sieht aus, als bedeute sie mehr, als gehe sie weiter als gegen das kleine Griechenland! Britannien zeigt ein­mal, daß eS dieKönigin der Meere ist!"

Ständesitzung

(Vom 6. Februar.)

Verlesung deS Protokolls und der Eingaben.

Hr. Pfarrer Wiegand, dem wegen seiner Versetzung schon biâ Ende deS vorigen Monats Urlaub ertheilt war, will in einem weitern Schreiben an die St. Vers, wegen dringender Amtsgeschäfte einen wei­teren Urlaub bis zum 7. April (warum nicht gleich auf drei Jahre?), dessen Bewilligung er übrigens anheimftellt, sonst müsse er sein Man­dat als Abgeordneter niederlegen. (Furchtbarer Verlust! Der Herr Pfarrer hat noch kein Wörtchen von sich hören lassen, und gestimmt, wie'S einem Namensvetter des Landtagskommissars zukommt!) Hr. Cöster beantragt, von demselben «ine bestimmte Erklärung zu ver­langen, ob er für sich einen weitern Urlaub beantrage, oder ob er >em Mandat niederlegen wolle. Die HH. Schneider und Oetker dito. Hr. MalkmuS: Er bitte, vor der Abstimmung die Zahl der anwe- senden Ständemitglieder zu zählen. Geschieht, und siehe da, >e