Dritter Jahrgang.
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M' 32.
Kassel, Donnerstag den 7. Februar
18SO.
Der Staatsstreich des französischen Präsidenten.
3.
Nach alledem bleibt dem kleinen Napoleon für seine gewaltigen Pläne nichts anderes übrig, als die Armee. Zwar leben noch Taufende jener Männer, denen einst die Sonne von Austerlitz in das jugendliche Antlitz schien, die wie der „todte Grenadier" erwarten, daß einst der große Kaiser über ihr Grab reiten und sie zur neuen Parade rufen werde, aber diese Handvoll Männer haben doch am Ende nichts als ihre Erinnerungen, ihre Erzählungen, ihre Anbetung. Louis Napoleon hat trotz allen Versuchen die Napoleoniden noch nicht zu organisiren, geschweige denn durch sie Propaganda zu machen gewußt.
Also die Armee. Wie in ganz Europa, so und vornemlich bedeutet in Frankreich im Augenblick die Armee Alles, Herrschaft oder Sturz, Leben oder Tod. Ohne die Armee ist Napoleon so gut verloren, als Friedrich Wilhelm IV., als der jugendliche Kaiser von Oesterreich, als der Kaiser von Rußland. Die europäischen Völker sind im Grunde sämmtlich so durchdrungen von der Ruchlosigkeit eines absolutistisch-dynastischen Regiments, d. h. von der Verwerflichkeit aller und jeder Erbmonarchie, sind im Grunde genommen sämmtlich so eifersüchtig auf die Usurpatoren der ihnen von Gott und Rechtswegen zukommenden Souveränetät, daß fortan keine Monarchie mehr existiren kann ohne eine Schaar verblendeter, Hintergangener, dem Volke vom Herzen gerissener, unter dem Schrecken der Folter und Kriegsgerichte zitternder Söldlinge. Daö weiß Napoleon, --- ater daö wissen auch alle europäischen Dynasten, das weiß die Bourgeoisie, der Sozialismus. Die Armee ist der Mittelpunkt, um den sich alle Parteien Frankreichs bewegen. Es fragt sich, ob die Agitationen Napoleons , oder die der andern Parteien Aussicht auf Erfolg haben. Wir behaupten das letztere.
Durch das Blutbad der Junitage ist die Armee in den Dienst der Bourgeoisie getreten. Der General der Bourgeoisie ist Cavaignac, ein eben so unerschütterlicher Freuud von der Verfassung, als ein Gegner der sozialen Revolution. Im Dienste der Bourgeoisie hat sich LouiS Napoleon dazu hcrgeben müssen, die von der Revolution geschaffenen Garden aufzulöscn, die Armee zur Vertheidigung der „ Ruhe und Ordnung " zu organisiren.
Um der Bourgeoisie daâ Heer wieder auS den Händen zu winden, hätte der Präsident an den Ehrgeiz der großen Armee, an ihre Ruhmbegierde, ihren Thatendurst appelliren müssen. Statt sie in ^talrcn die Freiheit niederwürgcn zu lassen, hätte er daS Heer der Freiheit zur Verfügung stellen, mindestens den contrerevolutionären Dynasten gegenüber eine drohende Haltung entnehmen müssen. Der eitle Thor verstand sein Interesse nicht. Desto besser verstanden die contrerevolutionären Dynasten das ihrige. Die Expedition nach Italien, die ganze Schmach, mit der sich die französische Armee beladen, durch die sie sich ihres NamenS unwürdig gemacht, sich für Jahre ge- brandmarkt hat, war von den Dynasten erpreß darauf berechnet, den kleinen Napoleon bei seinem Heere in Mißkredit zu bringen, der großen Armee den Unterschied zwischen Onkel und Neffen zu lehren. Nachdem die contrerevolutionären Tyrannen den eitlen Thoren zu jener schmachvollen Expedition verleitet hatten, hatten sie daS Kaiserthmn unmöglich, einen Staatsstreich zu einer Lächerlichkeit gemacht.
Die Diplomatie hatte mit dieser Ucberlistung Napoleons zwei Srege za gleicher Zeit gewonnen. DaS Heer war dadurch nicht blos dem Präsidenten, eS war zum Theil auch der Bourgeoisie aus den Händen gespielt. Zu jenen Ruchlosigkeiten in Italien, zu jenem Meuchelmorde an der Freiheit, von dem sich die Guten und die Bessren mit Abscheu abwandten, konnte der von den Dynasten umgarnte
Napoleon keine andern Werkzeuge finden, als die ewigen Werkzeuge zum Morde der Freiheit, zur Unterdrückung und Verknechtung der Völker, als die Anhänger der ewigen Dränger und Peiniger, der legitimen Dynasten Europas. Die Expedition nach Italien warf diese Werkzeuge auf die Oberfläche, eScamotirte sie an die Spitze der Armee. Von da an herrschten neben Cavaignac die Generäle der Con- trerevolution.
Mag nun Napoleon Paraden halten, wie er will, mag er den Kameraden spielen, soviel er Lust hat, mag er nun mit dem „Washington Europas " drohen und prahlen — nicht t h m gehört die Ar- mee, sondern der Bourgeoisie und der Contrerevolution. Die Stunde, sich ein Heer zu schaffen, sich die Begeisterung einer Armee zu erobern, hat der französische Präsident versäumt. Sie kehrt nicht wieder. Eine Armee, die zu so schmachvoller That entsandt ist, kann ihrem Führer im Kampfe anhängen, kann nach verzettelter Ehre selbst ruchloö und niederträchtig werden, aber mit Verachtung wird sie sich gleichwohl von dem abwenden, der sie als feiler Diener auf fremdes Kommando zu jenen Thaten benutzt hat.
Man kann dreist behaupten, daß der Prätendent der Kaiserkrone bei der französischen Armee weniger gilt, als irgend ein Oberst, der gegen daS republikanische Heer RomS zum Sturme kommandirt hat. Woher also der Staatsstreich?
Der Staatsstreich Napoleons aus eigner Kraft ist eine Unmöglichkeit. Aber wie wir gesagt haben: Napoleon wird seiner Zeit dazu forcirt werden. Wenn ihm die Armee ganz verloren, wenn sie fast ganz in die Hände der dynastischen Offiziere gespielt ist, — dann wird, aber nicht zu Gunsten Napoleons, sondern zu Gunsten der Legitimität der Napoleonische Staatsstreich arrangirt werden!
Nur eins ist dabei zu bedenken: die französische Armee wird mit jedem Tage sozialistischer! Bis zu dem Tage, wo die Dynasten Lust verspüren, einen Napoleonischen Staatsstreich ins Werk zu setzen, könnte es der Fall sein, daß weder eine Armee der Bourgeoisie, noch eine der Contrerevolution mehr existirte.
Wir werden schenk
Deutschland.
Fulda, 5. Febr. — Jubel in Israel k In etwa 14 Tagen haben die Herren von Oeynhausen, Wagner und Genossen die langersehnte Gelegenheit, durch die Wahlmänncrwahl ihrem versteckten Patriotismus Luft zu machen. Die rühmlichen Versuche, antipreußische Wühler zur Stadt hinauâzuwerfen, sind aber leider erfolglos geblieben und Habs» die bangen Herzen dieser Herren mit der Gewißheit erfüllt, daß der Häupter ihrer Getreuen sehr, sehr wenige sein werden. — Unterdessen soll der Reaktionspartei doch wenigstens eine Freude bereitet werden» Als im März 1848 die Gerichte so ziemlich abhanden gekommen waren, machten mehrere Fuldaer den Versuch, ihren lebenslänglichen Oberbürgermeister, wie Scheffer und Consorten, in Disponibilität zu vcr- setzen. Ihre Anklagen gegen denselben führten über sie einen schweren Jnjurienprozeß herbei. Während Tausende wegen gröberer Vergehe» straflos blieben, sollten doch wenigstens diese „Bösewichter" als warnende Beispiele hingestellt werden, wie die rcstaurirte „Gesetzlichkeit" ein Vergehen gegen Beamte exemplarisch zu ahnden wisse- Nachdem die unglücklichen Opfer dieser restaurirtcn Gesetzlichkeit eine kleine ^ Ewigkeit vor dem Landgerichte hin- und hergezogen waren, gelang eö endlich der StaatSprokuratur, ihnen von dem Obergcrichte eine wieer alles Erwarten unbedeutende Geldstrafe dekretiren zu lassen. Man glaubte,, die leidige Geschichte fei endlich auS. Plötzlich sehen sich die Angeklagten vor daS OberappellationSgericht citirt, um noch einmal der Strenge deS „Rechtes" überantwortet yi werden- — Wir werstu dabei nur