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gen, sondern daß er auch zuweilen (im Auftrag Metternichs?) etwas provozirend zu Werke geht. Ein Entwurf einer Verfassung ist da, die Einigkeit darüber mag wohl Hr. Blittersdorf dazuge — d ich t e t haben! — Wenn Sie dieser zuverlässigen Quelle Ihr gewöhnliches Mißtrauen entgegensetzen, so werde ich mich mit Verachtung von Ihnen wenden.
Aus Baden, 2. Februar. — Während die Gefangenen aus Rastatt entlassen werden, so kürzlich die Franzosen, die man bis nach Blittersdorf am Rhein brachte, werden auS den überfüllten Gefängnissen in Karlsruhe die Armen nach den Kasematten der Festung geschleppt. So fällt Opfer auf Opfer! — Auch eine Strafe ompag- nie bat uns daö preuß. Reglement mitgebracht, eine Pflanzschule des Unglücks und der Arbeitsunfähigkeit. — Außerdem haben wir auch einen Spaß erlebt, Welker, der Traumdeuter, ist in Ruhstand versetzt von der Reaktion, und ihm zugleich in der Karlsruher Zeitung vorgcrcchnet, daß er in 4 Jahren 14000 fl. für feine krebsartigen Bewegungen erhalten habe. — Diese Geschichte kann den alten konstitutionellen Bramarbas noch einmal fuchswild machen! „Zittere Lyzantium!" Tie neueste Kleiderjagd geht im Schwarzwald los gegen die rothen Westen und rothen Röcke der Bauern. Dieses „blutrothe Republikaner- gesindel" hat, glaub' ich, noch vom Bauernkrieg diese Mordfarbe am Leibe". Rrrrunter! kvminandirt der „Preiß" aus Berlin — und die Brandfarbe muß 'runter! — In Offenburg sind zur Veränderung 'mal die Schuhe verboten, nämlich die Holzschuhe, weil sie so rebellisch klappern. — Die Karlöruhcrin hat endlich eine Gemeinde entdeckt, auâ der nicht eine Person sich an der Revolution betheiligt hat. , Dieser weiße Rabe heißt S 0 l lin g en. Und wer hat dieses Wunder gethan! Das hat der fromme Pastor von Sollingen gethan. Gehet hin und thut desgleichen! Außerdem bringt die Standrechtsgrisette nichts als Foliobogen voll Erkenntnisse wegen Hochverraths, voll Steckbriefe und Vermögensconfiöcationen, woraus zu ersehn ist, daß daS „ republikanische Gesindel " doch manch' schönes HauS • und Hofgut besessen hat. Wer da hat, dem wird genommen! — Jetzt bekommen auch die reaktionären Damen preuß. Orden. Die Königin schickt dem Fraucnverein preuß. Medaillen zum Andenken.
* EHlitt^en , 31. Jan. — Heute ist hier Lithograph Krauß durch die Geschworenen freigespr 0 ch en worden von der Anklage, in einem Zeitungsartikel (Nr. 109 der Sonne) die Ehre der Regierung angetastet zu haben. Die betreffende Stelle deS inkriminirten Artikels lautete: „ Das Verbrechen triumphirt, daö Laster führt den Scepter und der Verrath schreitet über die Trümmer unserer Hoffnungen. Aber die höchste Ruchlosigkeit, die je in Deutschland verübt wurde, war den württembergischen Ministern Vorbehalten zu verüben. Den letzten Hort des geschändeten Volkes hat mau wie Landstreicher auö den Gränzen zu weisen versucht, — die beste Stadt im Lande (Heilbronn) hat man überfallen und entwaffnet, und als ihre edeln Bürger freiwillig die Verbannung wählten, statt der höchsten Schmach des Mannes sich zu unterwerfen, so eiklärt man die Stadt in Belagerungszustand und den Bezirk in Auftuhr. — Wer da Blut säet, der wird Blut ernten. — Minister dieses Landes, die ihr eine Heulerrotte für das V olk haltet, wir rufen euch waincnd zu, traget Sorge, daß ihr vor dem zweiten Hahnerschrei nicht zur Salzsäule werdet, denn säen heute kann cr ertönin, und ehe der dritte über Europa erschallen wird, wird auch selbst eure Spur verweht sein von der Erde, auf der ihr in feigem Uebermuth durch den Mord und die Lüge herrschen zu können vermeint. — Er wird ertönen, dieser dritte, ersihnte Hahnen- ichrei, und dann wirst tu, Deutschland, ein Diadcm in der Perlenreihe freier Völker erstrahlen in ungesehenem Glanze, und dein Emblem wird der Medusenschild der Freiheit sein." Der bekannte Schoder vertheidigte den Angeklagten.
Ebenso wurde darauf freigesprochen: Ludwig Weisser, Redak- teur deö Witzblattes „Eulenspiegel", von der Anklage auf „Herabwürdigung der Religion", den ebenfalls Schoder vertheidigte. Bravo der Menge. Der heulerische Präsident weiß darauf Nichts vorzubiingen, alS: Ich schäme mich für Sie, daß Sie in 10 langen Tagen nicht gelernt haben, die Würde eiueâ GerichtâsaalS aufrecht zu erhalten. Der Aktenwurm hat in so und so viel langen Jahren verlernt, waâ überströmendes Gefühl und anständige Aeußerungen desselben heißt. — Schoder erhielt AbendS ein Ständchen.
F r a n k r e i ch.
* Paris , 31. Jan. — Der Artikel, weswegen die „Reform" verurthriit wurde, während Emil Girardin, der Redakteur der „Presse", der ihn abgedruckt, freigesprochcn wurde, ist ein Brief an daS Landvolk. Darin beißt eö unter Anderem: „Ihr, die ihr fern auf dem Lande, fern von den Centren seid, wo die Wahrheit sich leichter Bahn bricht, seid deshalb auch den geschickt kombinirtcn Influenzen, welche euch auf Irrwege bringen sollen, leichter anSgesetzt.
Inzwischen habt ihr ein Mittel, um die Schlingen zu vermeiden, welche man euch mit Rechnung auf eure Treuherzigkeit legte, ein Mittel, durch welches ihr leicht eure Freunde von euren Feinden unterscheiden könnt. Laßt euch nicht auf Reden ein, sondern urtheilt nach den Handlungen. Während einiger Monate waren die Republikaner die Herren; sie konnten Alles, was sie wollten. Haben sie nur eine einzige Rache ausgeübt, einen einzigen von denen in'S Gefängniß geworfen, welche sie seit so langer Zeit dort massenweise cingrsperrt hielten? Haben sie einen einzigen Blutstropfen vergossen? Nein! Sie haben im Gegentheil daö politische Schaffet umgestürzt und die Todesstrafe abgeschafft. Was haben nun ihrerseits die Royalisten gethan, als sie wieder Herren wurden, diese Menschen, welche euch Schrecken vor den Republikanern einjagten? Sie provozirken die schrecklichsten Kämpfe, brudermörderische Schlachten, in Folge deren, weil die Kerker zu enge wurden, um die Menge der Opfer in Empfang zu nehmen, sie in Masse proscribirtcn, ohne Urtheil dcportirtcn, transportir- ten und Frankreich mit Verzweiflung und Trauer erfüllte». Wem verdankt ihr die allgemeine Wahl, welche euch auS politischen Leibeignen, die ihr wäret, zu Bürgern machte, euch Rechte zuertheilte, die man euch stets verweigert hatte, in eure Hände eure Zukunft legte, die von nun an so sein wird, wie ihr sie gestalten werdet, weil sie einzig von der Wahl eurer Mandatare abhängt? Wem, so fragen wir, verdankt ihr die allgemeine Wahl, wenn nicht den Republikanern, den Rothen, wie diejenigen sie nennen, welche schon daran denken, euch dieses souveräne Recht zu rauben? Die Republikaner haben alle Freiheiten eingeführt, die Freiheit der Presse und der Cirkulation der Schriften, die Versammlungs- und AffoziativnSfreiheit. Die Royalisten haben euch alles Das genommen, und wenn ihr ein wenig wartet, so werden sie euch noch etwas ganz anderes nehmen. Bereitet euch darauf vor, wieder steuerpflichtige, fruchtbare Unterthanen zu werden. — Die Republikaner hatten bewaffnet, weil jeder Bürger eS fein muß, um den innern Frieden aufrecht zu erhalten, und daS Vaterland gegen die Gefahren von Außen zu schützen. Die Royalisten aber trachten überall nach Auflösung der Nationalgarden. —> Die Republikaner wollten, daß der Kredit euch vom Wucher befreien, und daß man der durch das Kapital erdrückten Arbeit zu Hülfe käme, um ihr die Thätigkeit wieder zu geben, und gleichzeitig eine billigere Vertheilung ihrer Früchte zu erzielen. Sie wollten, daß die StaatSlasten nach Maßgabe deS Vermögens auf einem Jeden lasteten. Die Roya liste» erklärten, daß das abscheuliche Ausschweifungen, der Umsturz der Gesellschaft, daS Verbrechen der Verbrechen sei, welches sie allgemein unter dem Namen Sozialismus verfluchen. Die Republikaner hatten die eben so chikanenhaftc wie unbillige Getränkesteuer abgeschafft. Die Royalisten aber im Einklang mit den Ministern des ElisëeS verlangen die Wiedereinführung und noch außerdem eine Erhöhung der Briefportotave, welche fast einzig die Bevölkerung des Landes zu tragen hat. Die Republikaner hatten versprochen, die Freiheit anderer Völker zu achten, und ihnen sogar zu ihrer Vertheidigung brüderlichen Beistand zu leisten. Die Royalisten haben sich überall gegen sie auf Seite der Könige gestellt. Mit der feigsten und infamsten Heuchelei haben sie die römische Republik zum Nutzen deS päpstlichen Despotismus erwürgt. „Das lind die Handlungen! Nun urtheilt! Urtheilt über die Republikaner, die Rothen und Die, welche sie so sehr bei euch verläumdet haben."
AlS Girardin den Justizsaal verließ, wurde er mit „Hoch" auf die Republik empfangen und begleitet.---Die Demonstrationen gegen die Staatsgewalt häufen sich auffallend. — Hin und wieder werden Freiheilsbäume errichtet. Das Volk widersetzte sich einigemal bereits dem AuSrcißen derselben durch die Polizeiagenten. Die einschreitenden Truppen wurden mit dem Ruf begrüßt: ES lebe die demokratisch-soziale Republik! — Außerdem wird von Belle-Jöle en Mer gemeldet, daß dort, ein Aufstand der Dcportirtcn ausgebrochen sei. — Der Februar kommt heran. Sehen wir, was er unS bringt!
Der Ministerrath soll sich mit der Berathung eines Ultimatum an die Schweiz beschäftigen, das auf energische Maßregeln gegen die Umtriebe der Flüchtlinge dringe. Es ist entsetzlich. Diese paar Flüchtlinge lassen den Diplomaten keine Minute Ruhe. Diese Helden sind im Stand und fürchten sich hinter ihrem Waèd vor einer Million Bajonetten. — In Lyon hat man nun gar Viktor Hugo's ParlamcntS- rede über den Unterricht conflScirt.
Trauungru, Melinits - und Todesfälle in Kostet.
(Vom 25. biè zum 31. Januar IN50.)
Verehelichte: Georae Weitzel, Scbloßknechr im kurfürstl. Pala:--, Mit Karoline Louise Hagedorn. — Joh. Wild. Ullrich, Posamenneer, mit enttarnn r cane Umbach. — Joh. Jul. Heim. Werter, Spediteur, mit Margarethe «uMte berike Wilhelmine Lohmann. — Georg Wilhelm Opfermann, »«rennemrr, Anne Catherine Koch. — Jean Charles Brün, Schaffner bet der xncdr.ch.Wilhelmtz.