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zu unterhalten, und zwar so, daß zwischen je zwei Posten die schles­wig-holsteinische Armee bequem durchmarschiren kann! Ist das nicht zum Todllachen?!

Frankfurt, 30. Jan. — Wozu noch Rücksichten? Seit der Annahme der königlichen Botschaft in Berlin ist Rücksicht Albernheit, Offenheit kein Verdienst mehr, sondern Pflicht. Hr. v. BlitterS- dorf erklärt deshalb jetzt ganz unumwunden, ein engerer Bund unter dem Vorsitze Preußens sei allerdings nothwendig, — warum? „da- mit die „populären Staatsmänner der kleineren Staa­ten" auf gute Manier beseitigt würden, und endlich einmal wieder „im wahren Geiste der Bundesgesetz, gcbung" vorgeschritten würde." „ES wäre unverantwortlich," heißt cs wörtlich, — „wenn jetzt, wo, nachdem die beiden deutschen Großmächte ihren früheren Halt wieder gewonnen und die vier mitt­leren Königreiche deS SteuerS noch mächtig sind, wenn jetzt, wo an den Wiederaufbau der Gesammtverfassung Deutschlands gegangen wer­den soll, man daS so deutlich zu Tage geförderte Uebel fortbestehen lassen und eS aufs Reue sanctioniren wollte." Sehr richtig ; und zur Ausrottung dieses Uebels ist der engere Bund, mit dem König von Preußen an der Spitze, bestimmt. DaS unterliegt keinem Zweifel. Es handelt sich nur noch um die Mittel der Ausrottung. Der große Diplomat fährt in dieser Hinsicht also fort: „Da aber die Mittel dem Zwecke entsprechen müssen, so folgt daraus, daß daö Drei- königSbündniß und der Erfurter Reichstag aufgegeben und durch eine andere Organisation ersetzt werden müssen." Ebenfalls sehr richtig. Ein Volkshaus rc. ist unter allen Umständen kein sehr erfolgreiches Mittel gegen „populäre Minister" und „daS Verhalten der kleineren deutschen Staaten", d. h. gegen die verbrieften Rechte der kleineren Staat» n. Statt des VolkohauseS be­darf eS lediglich der „Erccutivordnung des alten deutschen Bundes, übertragen auf den engeren Bund" und der Zuversicht, „daß Preußen diese Erccutivordnung (will heißen diese Säbelherrschaft) ohne hem­menden Dualismus zur Ausführung bringe." „So ist", — heißt eö im Stolze eines alten Diplomaten, — „mehr gethan, als die Weis­heit der Professoren, der Apostel der Paulskirche, zu erkennen vermochte. Daö Ergebniß! der Revolution ist die bessere Anwendung der Execu- tivorduuug des alten Bundes. Herrlich!!

„Einstweilen" — hebt Hr. v. Blittersdorf wieder an — „heben wir noch einen Umstand hervor, den nämlich, daß selbst wenn Preußen auf dem Erfurter Princip beharren wollte, ein Systemswechsel der kleineren Staaten mit Sicherheit vorherzusehen i st. Gerade weil daS DrcikönigSbündniß über den nothwendigen Zweck der Reorganisation Deutschlands hinausgeht und der Trieb der Selbsterhaltung auch in dem kleinsten Staate in dem Grade mächtiger wirkt, als der äußere Druck nachläßt, werden die letztere» sich unter diesem oder jenem Vorwande lvözumachen und an ein System anzu­schließen suchen, das ihnen weniger drückende Opfer auferlegt. Bis auf diesen Punkt darf es Preußen, nach unserer Ueber­zeugung, nicht kommen lassen." Das Wort ist gesprochen! „Wenn" — jubelt der große Diplomat — „wenn, was nicht anders zu erwarten ist, in der Kürze die kleineren Staaten merken sollten, daß sie überlistet, übertölpelt, verrathen worden sind, so — — so — so sind sie gebunden, geknebelt, ihre Lossagung wäre Rebellion!" Der Teufel hält, waS er hat. — Arme Gothaer! dem Teufel auf ewig, unwiderruflich verschrieben, — — daö ist wieder einmal sehr hart. Aber jammert nicht, — dcnn der König von Preußen handhabt die Erccutivordnung ohne Dualismus. Der Absolutismus hat sich reine Bahn gemacht.

Darmstadt, 27. Jan. (N. D. Z.) Die vergangene Nacht geht ein hiesiger Bürgerssohn kurz nach Mitternacht durch die Rhein- straße , um sich nach Hause zu begeben. ES begegnen ihm ein Mili­tärschüler (s. g. Kadett), ein Bube zwischen 18 und 19 Jahren, und zwei Gewerbschuler desselben Alters. Der Kadett fragt den Bürger, indem er ihn anhält, nach der Uhr. Als dieser in höflichem Tone bemerkt, er könne nicht dienen, und weiter gehen will, zieht der Ka­dett den Säbel und spaltet dem Bürger mit den Worten: „Wie, Sie können mir nicht sagen, wieviel Uhr eö ist!" den Schädel in einer Ausdehnung von 5 Zollen, worauf die drei Buben davonlaufen. Der Geschlagene ist daS einzige Kind und die Stütze seiner bejahrten El- tern. („Pereinzelte Vorfälle!" würde der kurhessische Kriegsminister sagen, „daö Heer ist gut".)

D e st e r r e i ch.

Wien, 24. Jan. — Wir haben, sagt die „österr. Correspon- einiger Zeit der nach den Bocche di Cattaro entsendeten mrlitarrschen Expedition Erwähnung gethan. Auü verläßlicher Quelle vernehmen wir, daß der Belagerungszustand nicht nothwendig über den ganzen Kreis von Cattarv verhängt werden muß, sondern daß cS

dem Ermessen des Chefs der Expedition, Obersten Mamula, über­lassen ward, bei sich ergebender Nothwendigkeit den Belagerungszustand über einen größeren oder geringeren Theil der Landschaft zu verhängen, daß daher in solchem Falle der AuSnahmszustand allerdings auch üler den gesammten KreiS verhängt werden könnte. Anlaß zu dieser Maß­regel bietet daS gesetzlose Treiben eines Theiles der Bevölkerung jeneS Kreises, daS in jüngster Zeit in sehr bedenklicher Weise zugenommen. Namentlich haben sich die verbrecherischen Angriffe auf Leben und Eigen­thum, und die Verweigerung dcö Gehorsams gegen jedwede Anord­nung der Behörden gemehrt. Es dürfte daher nöthigenfallS auch das Standrecht gegen thätliche Widersetzung wider die Behörde oder daS Militär, gegen Raub, Mord und Brandlegung, unbefugtes Waff»n- tragen so wie auch gegen jene Personen eintreten, welche die Errich­tung eines sogenannten Natio nal-G erichtS h ofe S, in welchen über den Schadenersatz für vergossenes Blut richterliche Entscheidungen gefällt werden sollen, betrieben, oder etwa gar als Richter an diesem der Barbarei angehörigen und zur Verwilderung beitragenden, die Blutrache gewissermaßen in ein System bringenden Gerichte Theil nähmen. Ueber die wirklich an Ort und Stelle getroffenen Verfü­gungen dürften wir bald in der Lage sein, zu berichten.

Dalmatien. (Obscrvatore Triestino.) — Ein Reisender, dec heute auS Dalmatien angekommen ist, spricht sich in sehr bedenklicher Weise über die Zustände in Cattaro, namentlich bezüglich deö Suppa- nen-Distrikteö aus. Laut seinen Mittheilungen scheint eS fast unver­meidlich, daß eS dort nächstens zu einem ernsten Ausbruche kommen werde. Die Suppaner, das sind die Bewohner und die Bauern in den Umgegenden von Cattaro, welche hauptsächlich ihren Sitz in Budua haben, weigern sich seit einiger Zeit hartnäckig, die Steuern zu be­zahlen. Weder die Civil- noch die Militärbehörden konnten bis jetzt in diesem Bezug etwas auSrichten. „Der Kaiser braucht unser Geld nicht", sagen die Suppaner öffentlich, „und wir haben auch kein Geld. Wenn eö Noth thut, |o werden wir mit unserm Leben dicnen; unser Blut geben wir her — Geld aber nicht, wir haben keinS." — Diese ist ungefähr die Antwort, die sie gewöhnlich geben. — Wer diesen rüstigen Stamm der Suppaner, ihre Hartnäckigkeit, ihr fast kriegeri­sches Leben kennt, der wird sicher einsehen, daß durch diese Angelegen­heit, Falls nicht beide Theile gewissermaßen ein wenig nachgeben, eS zu ernsten Auftritten kommen kann. Und dies um so mehr, da die Suppaner, wie bekannt, mit den benachbarten Montenegrinern in aus­gedehnter Verwandtschaft stehen. — Letzthin begaben sich der Kreiska­pitän und der griechische Vikar nach Budua (die Suppaner gehören alle zur neugriechisch.» Religion), um die angesehensten jener Einwoh­ner doch zu vermögen, ihrer Pflicht nachzukommen, jedoch erzielten sie kein erfreuliches Resultat. Nächstens wird der griechische Bischof selbst sich dahin begeben, wahrscheinlich aber auch ohne einen bessern Erfolg zu erzielen. Die Stadt Cattaro hat ein ganz militärisches Ansehen; alle Straßen wimmeln von Soldaten und auf dem Platze sieht man zehn Feldkanonen und die nöthigen MunitionSwagen. Alles schlagfertig. Es scheint fast sicher, daß nächstens dort und in den Umgebungen der Belagerungszustand proklamirt werde. — Derselbe Reisende erzählt auch, daß in Montenegro letzthin mehrere unruhige Auftritte sich ereignet haben, und daß eine Verschwörung gegen den Vlabika selbst entveckt worden sei. Unter dem Pallafte des Vladika wurde eine Pulvermine vorgefunden; den dabei betheiligten ist man aber bis jetzt nicht auf die Spur gekommen. Es scheint, daß die Hauptursache der Unzufriedenheit der Montenegriner gegen ihr Ober­haupt, das strenge Verbot desselben sei, daß sie den Suppanen in den gegenwärtigen Streitigkeiten keine Hülfe leisten sollen.

Italien.

Rom. — LouiS Napoleon ist wieder Feuer und Flamme. Durch die Zeitungen lauft das komische Gerücht, der Cravaller von Straßburg habe Seiner Heiligkeit sagen lassen, entweder solle er zurückkommen, oder es setze Scandal. Der logische Esel, der entweder Kaiser aller Franzosen oder der Washington aller Europäer werden will, droht Seiner Heiligkeit mit — einer provisorischen Regierung. Hört es, ihr Völker!

Rom, den 16. Jan. (Mainz. Z.) — Der Schlag vom 24. ®ej., durch welchen 96 Armee - Angehörige und VerwaltungSbeamte getroffen wurden, schien Jedermann, selbst den fanatischsten „ Schu ar- zen" das Ende der Verfolgungen. In der That war aber Alles so sehr beendigt, daß seit acht Tagen zweihundert neue Absetzungen in den verschiedenen Verwaltungszwcigen und 300 neue Verbannungs- Dekrete erfolgt sind. Unglücklicherweise mischen sich Privathaß unb, Kabale hinein, und mag Jemand eine noch so unbedeutende Rolle ge-/ spielt haben, so kann er sich doch eines schönen Morgens auf der Proskriptionsliste sehen, weil irgend ein Monsignore, der neben ihm wohnt, Gründe hat, seine Abwesenheit zu wünschen; Hr. L., früher