Einzelbild herunterladen
 
  

- 109 --

Neuß, 3 Urwähler 2. Klasse Hrn. Kaufmann Jgn. Hahn, 2 1. Klasse Hrn. Stadtsecretär Fuchs. Im 18. Bezirk war von der 1. Klasse ein Wähler zugegen. Von der 2. urd 3. Klaffe wurde unter 13 Wählern Hr. Wahlkommissar Harprath und dessen Stellvertreter Mit. weg gewählt." _

Magdeburg, am 26. Jan. — Pfarrer Sachse und Gym- nasiallehrer Banse sind gestern von den Geschwornen freigesprochen worden. Sachse war wegen Majestätsbeleidigung, Banse wegen Auf­ruhrs angeklagt. Die freigesprocheneu „ Rädelsführer" wurden mit ungeheurem Jubel in ihre Wohnung begleitet, ein abermaliger Be­weis, daß Geschwornengerichte für politische Verbrechen „unhaltbar" sind. Man muß Staatögerichtshöfe einsetzen.

Gestern wurde Wislicenus aus Halberstadt, der auf der hie­sigen Citadelle eine mehrmonatliche Freiheitsstrafe in Folge der No­vember-Ereignisse abgebüßt hat, in Freiheit gesetzt und von einem großen Kreise von Freunden und Verehrern feierlich empfangen. —

Kiel , den 26. Jan. — Auf die „ wohlaffectionirte" Antwort deS Königs von Dänemark an seine getreuen Unterthanen , oder deren Vertrauensmänner, soll die Statthalterschaft beschlossen haben, Seiner Majestät zu erwidern, daß man sich auf eine direkte Unterhandlung nicht mehr einlassen könne. (Die Statthalterschaft wird Vernunft an- nehmen!)

Weimar, den 28. Jan. — „Mit uns ist Gott!" Unser Landtag hat es für einen Raub gehalten, seiner Weimarschen Maje­stät den Titel von „Gottes Gnaden" zu entziehen. Als Gegcnprä- sent erwartet er aber von Seiner Majestät, daß Allerhöchstderselbe bei Seinem „ Regierungsantritt vor dem versammelten Landtage mit Allerhöchstem fürstlichem Worte und Ehre gelobe, die Verfassung auf­recht zu erhalten und in ihrem Sinn zu regieren". Die Probe auf Seiner weimarschen Majestät „Wort und Ehre" wird glücklicher­weise in Bälde unmöglich sein.

Darmstadt, 25. Ian. — Der Hessische Zuschauer schreibt: „Unserm Jaup ist vorgestern ein „Späßchen" passirt. Als nämlich der „dunkle Alte", wie man unsern allverehrten Minister zu nennen pflegt, am genannten Tage ruhigen Gewissens und eilenden Schrittes auf der Bessunger Straße sich hinbewegte, wurde er in seinen tiefen politischen Betrachtungen über den Segen deâ Erfurter Reichstags plötzlich durch den Anruf eines schnauzbärtigen Gensdarmcn unterbro­chen. Halt! Wo wollen Sie hin? herrschte der Herr Gensdarm un­sern Jaup an, indem er einen durchbohrenden Blick auf ihn heftete. — Ich gehe nach Bessungcn, antwortete unser Jaup in seiner gutmüthi- cea Weise. „Haben Sie einen Paß?" — Einen Paß? Ich? Nein! „Wo kommen Sie her?" — Von Darmstadt. „Was für eine Re­ligion haben Sic?" — Ich bin ein Christ. „Wie? ein Christ? Wie heißen Sie denn eigentlich?" — Ich heiße Jaup. „Was für ein Geschäft haben Sie?" — Ich bin Minister. —Der Gcnodarm er­schrak natürlich fürchterlich und entschuldigte sich rechts und links; der Hr. Minister aber begnügte sich nicht damit, sondern fragte den Gens- darmen. wie er dazu komme, ihn am hellen Tage auf offener Land- stiaße nach dem Paß zu fragen? Sie entschuldigen, wir haben daS Signalement eines jüdischen Gauners in der Tasche, und da dasselbe mir sehr auf Sic zuzutreffen schien, so werden Sie entschuldigen it. s. w.

«^citclbctg , den 18. Jan. — Die Sache wird gründlich. In Berlin werden die Weiber gestockprügelt, bei unS werten sie als Demagoginnen verhaftet. Mehrere demokratische Frauen sitzen bereits, andere werden ihnen nachfolgen. ES ist auf den „demokratischen Frauenverein" abgesehen. Wenn die Contrerevolution anfängt, un- Qalant zu werden, so ist sie verloren.

Buchhändler Winter ist wegen Hochverraths angcklagt und inS Gefängniß gebracht. Die „Deutsche Zeitung" meint, er sei ver­muthlich devunciirt worden. Ja wohl!

D e st e r r e i ch.

Wien, 23. Jan. — Blut, Blut, Geld, Geld! Der zusam- mengcschacherte Repräsentant der Herrschaft von GotteS Gnaden, des mittelalterlichen DynastenthumS, erndtct, wie zu erwarten war, schnell, sehr schnell die Früchte seines Säbelregiments. Die Glieder deS ge­waltigen Kolosses regen sich abermals, die vktroyirte Charte, daS ein­zige, das letzte Mittel Oesterreichs., sich als Weltmacht geltend zu machen, wird von den gehätschelten Provinzen zunickgcwiesen, die Be­sieger der „Deutschen" fordern als Lohn ihrer Heldenthaten den Unter­gang Oesterreichs, das Ende deö Menschenschachers , der Völkerver- luppellWg. Oesterreich erbebt! Der jugendliche Kaiser zittert! Noch zuckt das besiegte Italien, noch hebt das blutende Ungarn drohend die Finger in die Höhe und — schon gilt es, einen neuen Kampf zu be­gehen, vielleicht den wildesten von allen, den Kampf mit den stolzen, ungebeugten Serben, mit der ganzen Masse der südlichen Slaven. Oesterreich möge sich vor den Iden deS März hüten. ES dünkt unS,

als würden alle seine stolzen Pläne, die feinen, listigen Pläne gegen die europäische Demokratie, über deren Absichten jetzt die wahnsinnig­sten Gerüchte verbreitet werden, um eine andere Bartholomäusnacht zu rechtfertigen, — es dünkt uns, als würden alle jene Blau» durch einen andern Plan durchkreuzt werden, durch jenes letzte Gericht, das da sprechen wird: „Wer Blut säet, soll Blut erndten!"

Die „Westdeutsche Ztg." berichtet: „Nach langem Stillschweigen ergreife ich endlich heute mit Freuden die Feder, um Ihnen über den Zustand in unserer Stadt Bericht abznstatten. Seit einigen Tagen ist eine große Veränderung in Wien vorgegangen; — die herrischen Gesichter der Ofsiziere, die bisher immer stolz und trotzig in den Straßen herumparadirten, sind höflicher geworden, die Saiten, die bis jetzt die reaktionäre Schandpresse anstimmte, wurden herabgestimmt und selbst in dem Benehmen des Herrn Gouverneurs gegen die Bürger soll eine bedeutende Umwandlung zu bemerken sein. Erstaunt sehen wir uns gegenseitig an, und wenn wir zuweilen ein unbelauschtes Wörtchen sprechen können, so fragen wir uns verwundert nach den Ursachen dieser gewaltigen Veränderung. Allein Einer weiß dem Andern nur Vermuthungen mitzutheilen und diejenigen Herren, die uns Gewißheit darüber verschaffen könnten, hüllen sich in ein undurch­dringliches Schweigen. Aber wenn wir auch die Details nicht ken­nen, das Faktum wissen wir doch: die Serben haben sich wider Oesterreich erhoben! — ES wird Ihnen wahrscheinlich schon in verschiedenen Variationen daS Gerücht zu Ohren gekommen sein, die slavischen Bewohner Ungarns seien unzufrieden über das vom Ministerium befolgte Centralisationssystem und in mehreren Gegenden sei es bereits zu ernstlichen Konflikten gekommen. — Die kaiserlichen Standrechtsblätter, welche diese Thatsachen, die überall durch Reisende erzählt wurden, nicht ganz in Abrede stellen konnten, suchten die Lüge zu verbreiten, die slavische Empörung sei nicht innerhalb der Grenzen Oesterreichs, sondern nur in Türkisch - Serbien loSgebrochen und haupt­sächlich gegen die Herrschaft der Dananen gerichtet.

Dem ist aber nicht so! Ich habe gestern Gelegenheit gehabt, mit mehreren auS den unteren Gegenden Ungarns zurückgekehrten Kaufleu­ten zu sprechen, und habe von denselben den wahren Sachverhalt er­fahren. Die Geschichte ist einfach: Sämmtliche südslavische Völkerstämme haben sich entschieden geweigert, die österreichische Verfassung auzucr- kennen, und widersetzten sich der Einführung derselben mit Waffengewalt.

Da câ vielen Ihrer Leser vielleicht unwahrscheinlich sein dürfte, daß bie- „slavischen Retter der österreichischen Monarchie" so urplötzlich ihre Waffen gegen dieselbe kehren, so ist es vielleicht nöthig, einen kurzen Blick auf die Gesinnung und Handlungswei e bet Slaven vor bei Beendigung des ungarischen Krieges zu werfen. Von demselben Momente an, wo die ungarische Nationalversammlung die Gleichstellung aller Nationalitäten aussprach, zog sich die slavische Bevölkerung fast gänzlich vom Kampfplatz zurück. Die serbischen Hulfskolonnen zogen in ihre Heimath zurück, die slovakischen Freikorps lief, n auseinander und zerstreuten sich, und Jellachich konnte trotz allen Bemühungen nach seinem schmachvollen Rückzug (Ende April 1849) keine zweite Armee in ganz Kroatien und Slavonien zusammenbringen; nur durch zufam- mengcwüifelte kaiserliche Regimenter und Bataillone bildete er jene Heersäule, mit der er später unter dem Namen der Südarmee int Banat operüte. — Dein TodeSkampfe der Magyaren blickten die Süd­slaven theilnamloS zu, und erst nach dem Falle Ungarns traten sie dem Nebermuth der grausamen Sieger entgegen. Als später von dem Ministerium wohl das Bestehen einer serbischen Wojwvdina dem Namen nach bewilligt, in der That aber daâ neu erriete Ländergebiet gänzlich dem Staatenromplexe der Monarchie cinverleibt wurde, loderte der bisher verhaltene Grimm der Südslaven in Hellen Flammen empor.

Schon seit längerer Zeit fielen Reibungen zwischen der slavischen Bevölkerung und dem kaiserlichen Militär vor, allein man wußte die­selben immer geschickt zu verheimlichen. Die Zusammenrottungen der Slaven suchte man durch auögesandte Trupvenkörper zu zerstreuen, was jedoch nicht immer gelang. So verunglückte eine Erpedition gegen die slavischen Bewohner der südlichsten Sätze Dalmatiens dermaßen, daß von 2 Bataillonen Infanterie und 1 Eskadron Kavallerie nur 800 Mann nach Ragusa zurückkamen; die G Kanonen waren in die Hände der Rebellen gefallen, die in der gebirgigen Gegend von Catarro ein verschanztes Lager ausgeschlagen hatten und von ben benachbarten Mon- tcnegrinern bedeutenden Zuzug erhielten. Eine zweite Erpedition, welche unter dem nicht untüchtigen Oberst Mamula ebendahin beordert wurde, “^ ^*e ">it allen nöthigen Kriegsmaterialien, mit Gebirgsgeschützen, Naketenbaltcrie rc. versehen war, soll sich ebenfalls in den mißlich­sten Umständen befinden.

Allein diese einzelnen Sonderbewegungen treten in den Hinter­grund gegen bie Erhebung sämmtlicher Grenzbewohner, welche offen und unumwunden erklärt haben, die vktroyirte Charte nicht aazuneh- men und sie nöthigenfallS mit Waffengewalt zurückzuweisen,