Dritter Jahrgang.
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ar 22.
Kassel, Sonnabend den 26. Januar
1850.
Der Geldpn nkt.
„ Was liegt dir an den Pairs und Baronen, an den Granden und der Grandezza" — ruft der große Diplomat aus der Oberpost- amtSzeitung Seiner Majestät, dem König von Preußen zu — „die Tage des spanischen und preußischen Adels sind vorüber, unsere Zeit ist nüchterner und prosaischer geworden, die Säule und Stütze des Thrones ist pur und allein der — Geldsack!"
Geld regiert die Welt. Der große Diplomat hat vollkommen Recht, und der König von Preußen hat vollkommen Recht, wenn er seinen Kammern das Steuerbewilligungsrecht verweigert.
Steuerbewilligungsrecht und Herrschaft der Spießbürger sind direkte Widersprüche. Dem Adel kann man dieses Recht allenfalls zu- gestehen, da der Adel bekanntlich nur aus einer sehr geringen Menschenzahl besteht und keinen Anstand nehmen würde, auf die Säcke der großen Menschenzahl die nöthigen Gelder anzuweisen. Den Spießbürgern aber das Steuerbewilligungörecht einräumen, heißt ihnen zumuthen, sich se lbst auszubeuteln oder das sogenannte „ Gesindel" zu plündern.
Das Gesindel hat aber keinen Ueberfluß an Geld. Man kann zwar das tägliche Brod, das Salz, den Branntwein re. besteuern, aber am Ende hat doch Alles ein Ende. Eine noch kolossalere Auö- saugerei würde daö Gesindel in aller Eile wieder auf die Barrikaden treiben, — und Barrikaden sind natürlich keine Garantien der „Ruhe und Ordnung ".
Die einzige Menschenklasse, die noch in der Lage ist, zu bezahlen, sind eben die Spießbürger, dieselben Spießbürger, die sich neuerdings das Recht zugesprvchen haben, Mitregenten zu sein. Die Spießbürger müssen bezahlen und folglich — — dürfen sie nicht daS Recht haben, die Steuern, also die Zahlung zu verweigern. Sie könnten daS zuweilen für gut finden.
Der Umgang der Regierungen mit ihren Spießbürgerstände« ist nemlich zwar im Allgemeinen ein ganz angenehmer und freundschaftlicher, aber in einem Punkte hört die Freundschaft auf — im Geld- punkte. Regieren wollen die Herren, aber bezahlen wollen sie nicht. So lange die Spießbürger daS Steuerbewilligungörecht haben, werden also die Regierungen entweder fortwährend Barrikaden, oder immer größere Deficitü erwachsen sehen. Monsieur Deficit ist aber ebenfalls keine Garantie der „Ruhe und Ordnung".
Wenn der Absolutismus cö nun einmal noch für gut findet, überhaupt Kammern zu haben, so gibt eS nur zwei Wege, auf denen sich mit ihnen regieren läßt. Entweder die Kammern werden bloß aus der allerhöchsten Spicßbürgerschaft zusammengesetzt, — die allerhöchste Spießbürgerschaft wird sich nicht geniren, ihre kleineren Geschwister auözubeuteln! — oder die Kammern haben in Geldfragen, wo ohnehin die „Gemüthlichkeit aufhört", nichts mitzusprechen. Ein dritter Weg ist der, daß man die beiden genannten Wege combinirt. Man gibt ein Wahlgesetz, welches bloß 20000pfundige Spießbürger in den Kammern duldet und gibt diesen Kammern trotzdem das Steuerbcwil- ligungörecht nicht.
Der große Diplomat und der König von Preußen werden sich für den dritten Weg entscheiden. Der kleinere Mittelstand mag seine Taschen zuhalten.
Deutschland.
* Kassel, 24. Jan. — Daö muß man sagen. Gerechtigkeit gibt'ö noch hier zu Lande! Erscheint da ein Plakat deS „s. g." de- mokratisch-socialcu Vereins ohne Unterzeichnung des Druckers. So
fort der Drucker citirt, und nach §. 4 des Preßgesetzes (unter jeder Druckschrift muß der Namen deâ Druckers oder Verlegers stehen) um einen Thaler geweht. Versteht wohl, ihr lieben Leute, es war ein Plakat des demokratischen Vereins! Bei den Plakaten des Bnrgervereinö hat das nichts zu sagen. Kommt daher, daß kein Demokrat sich mit Angebereien befaßt, wohl aber mancher Konstitutionelle. Wonach sich zu achten!
△ Kassel, 25. Jan. — (Der Bürgerverein regene- rirt sich.) Der Bürgerverein wird durch Vorträge über alte Ritterburgen, Wüstungen und Rötungen, alte Archivfunde, und über die Belebung der hessischen Industrie im 16. und 1 7. Jahrhundert, welche Hr. Archivar Dr. Landau halten wird, neue Lebenskraft in seine blutleeren Adern zu pumpen suchen. Es ist ganz richtig. Im Augenblick, wo man sich seiner Stammeigenthümlichkeit entäußern will, muß man noch einmal in der Erinnerung daran schwelgen. Süßer Tod, im Schwelgen sterben!
Kassel, 25. Jan. — In Niederzwehren bei Kassel haben von circa 100 Urwählern 11 Mindestbesteuerte gewählt, darunter ein AuSzüger, der keinen Heller Steuern zahlt.
1/ Hersfeld , 24. Jan. — Aus der gestern dahier vorgenommenen Wahl der Wahlmänner zum Erfurter Festungsparlament haben sich von den 420 und einigen Wahlberechtigten dritter Klasse netto 36 Mann betheiligt. Von der zweiten Klasse wählten in HerSfeld von 220: 20; in der ersten unter 67: 40. Die Candidatenlisten sind am 20sten zwischen dem Morgen- und NachmittagS-GotteSdienst auf dem hiesigen Rathhause in vertraulicher Sitzung festgestellt worden, wozu der Abgeordnete C. Sunkel und der Färber B. Braun, der Stadtrath, der Bürgerausschuß und eine Portion Staatsdi'euer eingeladen hatten. Dieses Häuflein neuhessischer Preußen versandte noch denselben Abend die Liste nebst einem herzbrechenden Aufruf durch Erpresse in die Landgemeiuecn deS Bezirks, wohin der Aufruf des Preßvereins schon vorausgewandert war. Bei diesen unschuldigen, nicht schweißtreibenden Hausmitteln von Seiten unserer Gegner kann man den Erfolg ruhig abwarten;, schon verlautet so viel, daß in manchem Orten kein Einziger auö der dritten Klasse gewählt hat.
Meisnuezen, 24. Jan. — Die Nachricht in Nr. 2.9 von hier ist dahin zu berichtigen, daß am 2 tfh-it von 400 Urwählern zur dritten Klasse circa 20 abhängige Seelen wählten, den 22sten wählten rott' 150 Mittelbestruerten 2 Bürger und circa 10 Staatödiener, am 23sten von 27 Höchstbesteucrtcn 2 Bürger und circa 4 Staatödiener. Den. Tuchmachern haben Sie Unrecht gethan , eö sind gute Demokraten.
L Allendorf, 24. Ian. — Nachstehend daö Resultat einiger Wahlen:. 1) Gemeinde Sooden: von 108 Urwählern der dritten Klasse wählte 1 (Salzamtödiener Holzhauer); 2) Gemeinde Ahrenberg: keine Urwähler vorhanden; 3) Gemeinde Asbach : von 18 Urwählern wählten 14; 4) Gemeinde Dudenrode: von 47 Urwählern wählte keiner;. 5) Gemeinde Ellershausen-: von 27 wählte keiner; 6). Gemeinde Weidenbach mit Hennigrode: von 19 wählte keiner, mit der Erklärung, dass sämmtliche Urwähler erschienen seien, aber nicht gewählt hätten ; 7) Gemeinde Kleinvach: von 25 wählten 21; 8) Gemeinde Kammerbach: von 30 wählte keiner; 9) Gemeinde Hilgershausen-: von 53 wählten-41 den Demokraten Jähn; 10) Gemeinde Sickenberg: nur Einer, wählte.nicht;. 11) Gemeinde Vatterode: von 5 wählte 1; 12) Gemeinde Weiden: von 4 wählte keiner, mit der Erklärung wie bei 6. Summa ; von 337 Urwählern wählten 78 Mann — Also ein Demokrat als Wahlmann, der nicyt wählen wird, erhält die meisten. Stimmen. — Die Sache macht sich. I '
Gelnhausen, 23.Jan. — fR'e sultat der Wahlen.s Von> 250 Urwählern 3. Klasse haben gewählt fünf, darunter der Kirchendiener, der Kantor und ein Frömmler; von der 2. Klasse vier (2 StaatSdiener, 1 Schullehrer rc.); auö der L Klasse fünfzehn,—