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von den Kammern „ehrenhafte Aufrechterhaltung des konstitutionellen Princips", die Kammern seufzten unter der Gewalt der beiden quetschenden Gegensätze. Als endlich alle Welt den Kammern Phrasen von Ehrenhaftigkeit und wahrem Constitutio- naliSmuS Juries, da glaubte sie selbst daran, sie formulirte ihren Antrag, Camphausen legte ein Ei, man wollte volleSS teuer bcwilli- gungSrecht, sonst würden die Vorlagen en Olne verworfen werden. Nun bekam Manteuffel Angst; die Vorlagen mußten durchzesetzt werden, aber er fürchtete, sein Wort halten und im Falle deS AblehnenS abtreten zu müssen. Er versuchte, die Vorlagen durchzusetzen und doch zu bleiben. Zu dem Zweck ließ er sich auf die „Transaktion" ein, d. h er fing an, auf der breiten Grundlage des nichtssagenden Camphausen'schen Vorschlags mit den Kammern zu unterhandeln; wie die „N. P." ganz richtig sagte, das Feilschen und Markten begann. Die Kammern waren natürlich entzückt von ihrem liberalen Minister, auf „konstitutionelle" Manier dachten sie eines Theils der lästigen Vorlagen ledig zu werden. Unterdessen aber hatten Gerlach und Konsorten im Einverständniß mit Mannteuffel wacker gewühlt, die Mine war gut angelegt, und als Camphausen zum König kam, platzte sie. Der König selbst wollte nichts von Unterhandlungen wissen; er bestand fest auf seinen Vorlagen. Nun wird die Sache freilich eine ganz andere, daS sieht alle Welt ein. Manteuffel ist nicht mehr Schuld an dem Konflikte , er hat die Hand zur Versöhnung geboten, sondern höhere, mächtigere Gewalten wollen ihn zu Grunde richten. ES gilt ihn zu retten, und dazu bleibt kein anderer Ausweg, als die Vorlagen, wie sie da sind, anzu nehmen. Nun ist eS kein entscheidender Schritt mehr für die Kammern, sie retten dadurch daS Vaterland!! Sehen Sie, so macht man hier in Berlin Politik! Um aber alle Gefahr vor der Ablehnung zu besciti- gen hat man sich den Radowitz, den Unentbehrlichen, verschrieben; was keine Macht der Minister vermag, das wird seine siegende Ve- rcdtsamkeit zu Stande bringen! — Eins wenigstens hat jedoch diese Komödie bewirkt, das Ministerium Manteuffel ist durch sie vollständig diskreditirt. Die Minister der rettenden That sind nun zu vollständigen Handlangern der Gerlachischen Clique herabgesunken, und der Schein deS Liberalismus, den sie durch dieses Manöver bewahren wollten, ist als der feigste Servilismus entlarvt. Sie haben sich in der That mit den Kreuzrittern identifizirt, mögen sie auf dieselben und ihre Organe schimpfen, so viel sie wollen! — Am Donnerstag werden die höchst wichtigen Berathungen in den Kammern beginnen — Gott gebe seinen Segen und führe Alles zu einem glücklichen Ende!! — Gestern ward „Kladderadatsch" — zum ersten Male — cvnsiöcirt, ein Omen von der Nähe Gerlachs! Von 10 bis 12000 Eremplaren wurden glücklich — 32 erwischt. Uebrigens sehen wir in nächster Zeit dem neuen Preßgesetze mit Cautionen u. s. w. entgegen. — Freundliches Willkommen! — Mit der nächsten Woche wird bie radikale Partei Berlins, die der Nationalzeitungösalbaderei — Ihre „Neuhessische" wird von ihr als Quelle benutzt! — längst überdrüssig ist, ein würdiges Organ erhalten. Die bisherige „demokratische Ztg.", redigirt von Dr. M ey en, der 1848 auch die „Reform" leitete, wird in großem Folioformat unter Mitwirkung der besten radicalen Kräfte weiter erscheinen. Namentlich wird in ihr die sociale Frage starke Berücksichtigung sinden. Auch soll sie zu gleicher Zeit der tief gesunkenen Journalistik einen neuen Aufschwung geben, und die unstät irrenden Publicisten unter ihrem Banner versammeln. Mag die Zeitung, die unter dem Titel „Abendpost, demokratische Ztg." weiter erscheinen wird, auch über die Grenzen Preußens hinaus Anklang und Unterstützung finden, damit endlich die große radicale Partei der Hauptstadt Preußens genügend vertreten ist. —
Berlin, 21. Jan. — Als Grund der Berufung deS Hrn. von Radowitz wird angegeben, die Hinausschiebung des Termins zur Einberufung des Erfurter Reichstages.
(N. Pr. Ztg.)
* Darmstadt, 21. Jan. — (Auslösung der Kammern.) Die Tribünen sind gefüllt. Man sieht an der Gegenwart eigenthümlicher Personen, daß waS Besonderes vorgehn wird, srohblickende Aristokraten und grimmig schauende Gensdarmen. — Man konnte bereits ahnen, was kommen würde. Hr. Lehne, der Präsident des Ausschusses für die deutsche Frage, dem Hr. Reh und Consorten schon öfter den Vorwurf der Verschleppung gemacht, benutzte die voraussichtlich kurze Lebensdauer und rheilte ein Schreiben deS Ministers Daup mit, worin ihm die Mittheilung der wichtigsten Aktenstücke in dieser Sache verweigert worden unter neuen Vorwürfen der Verschleppung und Verzögerung. Er frage, ob der Kammer oder dem Ministerium daS Recht der Entscheidung zustehe, auf welche Aktenstücke eS hier ankommt. Ob es die Landstände Nichts angehe, wenn
Ärwählern auf eine eigenthümliche Weise oktroyirt worden sind. — jPcr nun "vH an Korruption zweifelt, der wird niemals überzeugt werden. Es sei denn, daß er ein neuhessischeS Gewissen hätte.
Veckerhagen, 23. Jan. — An der am 17. ftattgefundenen Wahl nach Erfurt beteiligten sich:
Hiesigen Orts. . . 90*) von 250 mindcstbesteuerten Wahlberechtigten.
In Vaake, . ... 36 „ 80 - —
„ Oedelsheim. . 54 „ 125 — _ —
Die Wahlresultate aus den übrigen Gemeinden werde ich nach- lief-rn. — Am 18. wählten die Mittelbesteuerten des ganzen Amtes; von 150 Wahlberechtigten gaben 53 die Stimmen ab. Aus den Ge- meinden Gieselwerder, Oedelsheim, Arenborn, Heisebeck, Wahlshausen und Holzhausen hat Niemand gewählt, obwohl Wahlberechtigte hier anwesend waren; von Wilhelmshausen war ein Protest einge- gangen.
Die Neuhessische läßt sich von hier (am 20.) berichten, daß ungeachtet einer hier abgehaltenen „ hornissenartigen " Volksversammlung die Wahl „allgemein" stattgefunden habe. Für diese „allgemeine" Betheiligung stehen oben einige Zahlenbelege. Was die Volksversammlung anbetrifft, welche trotz aller Intriguen zahlreich besucht war, so muß das „Horniffenartl'ge" derselben wohl darin bestanden haben, daß den Anwesenden durch eine wahrheitsgetreue Darstellung der Zeitereignisse seit dem März 1848 die Anhaltspunkte zu einer freien Entscheidung der obschwebenden Wahlfrage gegeben wurden. Freilich konnte es nicht „hintertrieben" werden, daß — wie der Hr. Korrespondent d. N. H am besten weiß — etwa 60 Hüttenarbeiter zur Wahl kom- mandirt wurden!
Der in demselben Artikel wieder aufgewärmte Hr. Bürgermeister Euler zu Gottsbüren möge in Frieden ruhen; wissen die Gottsbürer doch selbst am besten, was sie an ihm haben, seitdem er ihnen vor- gewiudbeutelt hat: „Wer heute nicht mitwählt, darf niemals wieder wählen!" Uebrigens versicherten hier anwesende Gottsbürer, daß ihnen Hr. E. auch nicht ein Wort über den Zweck der Wahl imtgctheilt habe; — die guten Leute hatten auf Kommando ihres Bürgermeisters gewählt, — viele lchämten sich der Wahl und noch mehr — ihres blinden Vertrauens.
Was an den persönlichen Verdächtigungen des hiesigen Korrespondenten d N. H. übrigens besonders auffällt, ist der Mangel an Routine im — Denuncüren. Mehr Kourage, lieber Mann! Nicht so verblümt, — die Preußen werden ja doch einmal kommen!
0 Berlin, 21. Jan. — Die komische Verzweiflung der Konstitutionellen dauert zum Ergötzen des Publikums fort, sie ist in einem neuen Stadium und hat sich bis zum Raptus gesteigert. Ja es ist gräßlich! denken Sie sich, die Krone will von einer Vereinbarung nichts wissen, Camphausen ist mit seinen Vermittelungsvorschlägen rundweg abgewiesen; Gerlach hat in den letzten Tagen oftmals Audienz gehabt. So glücklich hatte man eingelcnkt, so reizende Aussichten hatten sich für das Vaterland eröffnet — und mit einem Male ist eS „jenen finstern Männern" wieder gelungen, daS Herz der Krone so unerbittlich für die vereinten Wehklagen der Kammern und der Minister zu machen. Annehmen oder Ablehnen heißt wieder die Losung, die Camphausen so vortrefflich in die Vereinbarung hinüberzuschmuggeln gewußt hatte. Am Freitag Nachmittag war in den Kammern das Gerücht von einer neuen Ministerkrisiö verbreitet, aus den einsylbigen Worten der Minister konnte man nur so viel vernehmen, daß cs ihnen unmöglich gewesen sei, die Krone zur Vermittlung zu stimmen. Hr. v. Raabe, derselbe, der die 21 Millionen braucht, soll versichert haben, sein Reich würde wohl nur noch 4 Tage dauern. Radowitz ist berufen, um Frieden zu stiften, oder vielmehr, um die Kammern mit Anstand zur Ruhe zu bringen, auch der Prinz von Preußen soll zurückkehren. — Durchschauen »sie daS grobe Netz der höfischen Intrigue? Nun, eS gehört nicht viel Scharfsinn dazu, wenn auch vielleicht ein Körnlein mehr, als unsere besten Konstitutionellen besitzen. Und was hülfe es ihnen, wenn sie ie Absicht merkten? Verstimmt würden sie sein, aber andern könn en sie keinen Deut. Der Vernichtungsproceß der Konstitutionellen wie ihn Gerlach und Stahl in ihren finstern fabeln ausgebrutet haben, ist einfach folgender. Am 9. Januar rug Se. Excellenz der Herr Ministerpräsident, Graf von Branten- burg d, Allerhöchste Botschaft den „bestgesinnten" Kammern vor. Darob entsetzliche Angst, durch die „Deutsche Reform", die in ruhiaer Todesverachtung den Kammern die gräßliche Alternative des An nehme ns oder Ablehvenö hinwarf, noch vergrößert. Einen lang bebten Himmel und Erde, die Konstitutionellen waren in Verzweiflung, daß ihnen ihr lieber Minister so etwas hatte zumnthen können. Die unglückselige Provinzialprcsse kam hinzu, sie verlangte
*, Staatsdicncr und Hüttenarbeiter.
*) etc. Die Red.