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Dritter Jahrgang.

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o r n i s i c.

M" 21.

Kassel, Freitag den 25. Januar

1850.

Das Interim und die konstitutionelle Partei.

wird unsern Lesern noch erinnerlich sein, mit welcher Genug­thuung die konstitutionelle Partei der neuen Schöpfung des Absolutis­mus, dem Interim, entgegenschmunzelte. Die gutmüthigen Seelen streichelten das zarte Fell deS diplomatischen Kätzchens, dem in der Eschenheimer Gasse zu Frankfurt das Lager bereitet war, sie versicher­ten, eS sei ein liebes, unschuldiges Thierchen, das sich höchstens damit befassen werde, die Mäuse in den Bundeöfestungen wegzufangen, end­lich bewiesen sie sogar, daß ohne besagtes Kätzchen der Erfurter Reichs- adler die Eierschaale nicht abstreifen werde.

Was unS betrifft, so wissen unsere Leser weiter, daß wir gleich Anfangs den bescheidenen Zweifel hegten, ob ein diplomatisches Kätz­chen nach Oeffnung der Augen nicht daö Gefühl einer ordinären Katze und einen deutlichen Begriff von der Zweckmäßigkeit seiner Tatzen er­halten würde. Wir waren der Meinung, daß diesesliebe, unschul­dige" Thierchen sich weniger mit den Mäusen, als mit den Pergament- rollen befassen möchte, die im Verlauf der 48ger Revolution als sogenannteFreiheitsbriefe" auögefertigt wurden.

Der Erfolg hat unsere Meinung bestätigt. Zum größten Erstaunen derbesten Männer und bewährten Charaktere" erhebt das Frankfurter Kätzchen plötzlich ein ganz vernehmliches und sehr unbehagliches Knurren. Das liebenswürdige Thierchen streckt seine Pfoten bereits in dieinne­ren Angelegenheiten" Würtembergs, LauenburgS, Mecklenburgs. Unter ceni Beifall des preußischen AdlerS zerreißt es in Würtemberg die Aufhebungsurkunde deö Tarisschen Postregals, in Mecklenburg zu Gunsten der Ritter die vereinbarte Verfassung, in Lauenburg allezur Ausführung des Grundgesetzes berechneten Gesetzentwürfe". Dazu er­heben sich^ immer von Neuem und Neuem die Gerüchte, nächstens werde sich das frankfurter Thierchen um die deutsche Presse, die deutschen Vereine , um das Versammlungsrecht und dergleichen revolutionäre Errungenschaften" bekümmern und seine eigenen Auffassungen von der Sache zur Geltung bringen.

Ein konstitutioneller Tölpel ist die possirlichste Figur von der Welt. Statt nunmehr, nachdem die Bestie in der Eschenheimer Gasse sich wirklich als Bestie herausgestellt hat, setzt, wo es noch Zeit ist, die Knittel hervorzuholen und ihr einige wohlgezielte Schläge auf die Tatzen beizubringen, setzt sich die konstitutionelle Partei in Positur und stellt eine gründliche Untersuchung darüber au, ob eine Katze knurren und kratzen dürfe oder nicht. Es ist himmlisch f Die besten Männer" beweisen setzt in ellenlangen Artikeln, auS der Geschichte und dem corpus Juris der Revolution, alle Revolutio- lien sind nur zur Erweiterung deö corpus Juris da! daß die frankfurter Katze weder rechtlich noch moralisch berufen sei, sich.alö Katze geltend zu machen. Diebewährten Charaktere" deducircn mit ihrer bekannten Gelehrsamkeit, daß das knurrende Thier sich lediglich auf völkerrechtlicher Basis zu halten habe, für sedcn weiteren Tatzen- schlag verlangen sie Zustimmung der Reichs- oder Landeskammcrn. Es ist zu betrübend, nicht einmal auf gesetzlichem Wege zerzaust und auögesogen zu werden.

Die bewährten Männer verlangen von der Katze Gerechtigkeit und Mäßigung. Wo nicht, so so nun, im schlimm- sten Falle verweigern die bewährten Männer ihr daö Fressen. Sie wollen die Bestie eirishrrngern. Bravo!'

Wir unsererseits haben genügende naturwissenschaftliche Kenntnisse, um zu^ wissen, daß eine Katze eine Katze, eine Tatze eine Tatze ist und . ^aßeli mit der Zeit größer zu werden pflegen. In Anbetracht desten erlauben wir uns die Bemerkung, daß sich die Eschenhcimcr- Gasscn-Bcstie sehr wenig um daö Erstaunen der konstitutionellen Tölpel hinsichtlich ihres Knurrcnâ bekümmern werde, noch weniger aber um Avchstdcro Auöhungerungvtaktik. Eine Katze kommt des Fressens wegen

so leicht nicht in Verlegenheit. Eher wäre möglich, daß sie eines schönen TageS sich überfrißt und am Platzen krepirt.

Hr. von Radowitz befindet sich in Berlin!

Deutschland.

Kassel, 24. Jan. Aus Hanau erfahren wir, daß von 4G7 mittelbesteuerten Wählern 115 gewählt haben, also ^. In Rinteln hat die dritte Wählerklasse nur zu 10 Prozent gewählt (nach der Lesart der Kass. Allg., was ohngefähr so viel heißt alS gar nicht). Die zweite Klasse wurde oktroyirt und die Hochbe­steuerten dito. Diese Männlein kennt man Alle persönlich, die müs­sen herbei, sonst fliegen der Herr Verwaltungsbeamte ihnen aller- höchstungnädig auf den Kopf. In Rinteln wählten von 155 Höchst- bcstcucrten 115. Uebrigens soll das Rundschreiben Försters in Rin­teln nach der Kass. Allg. wohl (Pinhasisches Zeitungsdeutsch für Hof­fentlich) in allen Kreisen das Gefühl (nur das Gefühl!) der leb­haftesten Entrüstung hervorgerufen haben. Diese Kreise sind lediglich die Schwingungen deö Gesichtskreises von Herrn Pinhas Wohl- geboren! Ueber die Personen, welche man hier und anderwärts zu Wahlmännern gemacht hat, braucht nur im Allgemeinen bemerkt zu werden, daß es sämmtlich abhängige Individuen sind, entweder geistig oder materiell, Beamte, Domänenpächter, wirkliche Hof-Hof-Gc- werbtreibende, Pfaffs und dcrgl. Für ihre gleichgültigen Namen ist kein Raum hier. Für die Wahl deS hiesigen obern Verwaltungs­bezirks nach Erfurt in die Kasematten hat der Bezirksdircktor durch Circular vom 22. Januar die Wahlmännlein auf den 31. Januar in den hiesigen Stadtbausaal cingcladcn. Wcnm nur nicht bis dahin Erfurt oder Jrrfurt sich in Schweinfurt oder Ochöfurt oder Klagenfurt verwandelt, wie der Hannöver'sche Volksbote witzelt.

Kassel, 24. Jan. Gestern haben von den Mittelbesteuerten deö Landgerichtswahlbezirks Kassel, links der Fulda, 19 Stimmen Schmoll von Wehlheiden zum Wahlmann gewählt. Volksver­treter von 19 Mann. Glückauf zum großen Werke!

AuS dem Bezirk Hofgeismar, 23. Jan. Und nun heißt es: wir mißbrauchten das Volk! Wer sich die Zeiten der Wahlumtriebe der Hunger- und Verwaltungs - Kommission- und ihres Anhangs mit denen bei den Wahlen nach Erfurt vergleicht,*) wird zugeben müssen, daß Fortschritte gemacht sind. Im hiesigen Bezirk haben sogar zum größten Theile dieselben Persönlichkeiten wie damals ihren Einfluß geltend gemacht. Pfaffen, Büroaukraten und von ihnen bearbeitete Bürgermeister, welche letztere das Volk ein- schüchtern mußten, haben ihr Möglichstes aufgeboten , um eine große Anzahl Wähler auf die Beine zu bringen. Sie wurden bei Geld­strafen und bei Strafe des Verlustes sämmtlicher poli­tisch e n R c ch t e z nr W a h l geladen. Sluch Hat man ihnen fr e i e Fahrt versprochen, wenn sie sich an die Wahlorte verfügen würden. In den meisten Orten hat man es sogar verschwiegen / wohin und wozu gewählt werden sollte. Man hat den Leuten nur gesagt, daß gewählt werden sollte, und daß sie, wenn sic zur Wahl mcht erschie­nen, zur Strafe in Hofgeismar, Kassel oder Rinteln wählen ntu^ ten. An einigen Orten, wo die Drohungen dennoch ihr Ziel ver­fehlten, hat man ohne Weiteres einige Tage später noch ein­mal wählen lassen, z. B. auch in Gottsbüren. **J UebrigenS paten die zweite und dritte Klasse der Wähler in Grebenstein, Hof­geismar und Karlshafen, in welchen Orten man eS nicht wagte, zu solchen Mitteln seine Zuflucht zu nehnen, kaum zu h gewählt. Die Wähler waren meistens Steucraufscher, Genöd.'armen, Feldhüter u. dgl. m. ES ist mir auch bekannt, daß die Wahlmänner den Ur-,

*) Scheffer. * ) Dem gesegneten Orte der Neuhessischem.