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schaft über oen Unterricht zu geben". — So haben wir denn hier denselben Kampf zwischen dem Jesuitismus und der Lehrfreiheit, wie in Norddeutschlaud zwischen dem protestantischen Muckerthum und der nach Freiheit ringenden Schule.
Die Gesetzvorlage am 14. Jan. von Falloux-Parneu, welche die von der prov. Regierung begonnene Emanzipation der Schule beseitigen soll, verlangt einen hohen Erziehungörath vorzüglich auS Bischöfen und höher» Geistlichen; in jedem Departement einen aka- demischen Nath, die Hälfte auö Geistlichen. — Also die Schule in den Klauen der Geistlichkeit, d. h. in Frankreich in denen der Je» fuitcn. — Für diese Proposition sprach der Bischof von Langres, Mon- stgneur Parisis. Er erklärte die unschuldige Pariser Universität für eine Teufelsschule, für eine Tochter Dantons, RobespicrreS re. So wird selbst der magere Nationalismus und fade Liberalismus in den Augen deS Jcsuiliömus zum Werk deö Satans. Auf Zeiten der Universität focht einer der „besten" Männer, ein französischer Pro- fessor, ein doktrinärer Pedant, — er erklärte seine Hochachtung vor der Religion, aber er verlangt etwas Freiheit für die Schule, nur etwas — er ist so bescheiden, nicht die volle, o bewahre — er will nur das alte Universitätsmonopol, b. h. die Freiheit der höhern Schu- len erhalten! — Was Volk! — Wahrhaft erquickend war nach diesen dürren Expektorationen die Erscheinung Viktor Hugo's, der ohne Weiteres zu den heftigsten Angriffen auf daS Pfaffenthum schritt, und mit Guizots Worten auörief: „in Sachen deS Unterrichts muß der Staat rein weltlich sein!" — aber freilich, der Eklektiker hält diese Freiheit «och für ein Ideal. Dennoch war seine Rede von gewaltigem Eindruck, als er sprach: „Ich will den Unterricht der Kirche, aber ich will nicht den Unterricht einer Coterie; ich will einen religiösen, nicht einen heuchlerischen Unterricht. (Beifall links.) Ich will die Freiheit für alle, aber auch für alle die Aussicht deS Staates. Darum will ich den Gesetzentwurf nicht; ich fühle überall den priesterlichen Geist hindurch. Es ist eine ConsiSkation unter dem Titel „Freiheit". DaS ist eure Gewohnheit: so oft ihr eine Kette schmiedet, sagt ihr: „Seht ihr, eine neue Freiheit"; wenn ihr ächtet, nennt ihr eS Amnestie. Ich verwechsele nicht die Jesuiten mit der Kirche, so wenig wie die Mistel mit der Eichel. Ihr seid die Schmarotzer der Kirche; ihr nennt sie eure Mutter und macht sie zu eurer Magd. (Bravo links.) Lasset die Kirche, sage ich euch. Ihre Majestät ist die Demuth und die Selbstverleugnung. Der wahre Religionsunterricht, das ist die barmherzige Schwester am Pfühle des Kranken, daS ist St. Vincent mit dem Findlinge, das ist der Bischof von Marseille inmitten der Pestkranken, das ist der Erzbischof von Paris, welcher seines Lebens nicht achtend das Crucifix über den Barrikaden erhebt. Die Priesterpartei dagegen ist cS, welche Campanella siebenmal auf die Folter spannte, welche Galilei einkerkerte, welche Columbus in die Gefängnisse der Inquisition warf. Eurem Unterricht Jett man Völker anvertrauen? Geht eure Zöglinge, eure Produkte! (Gelächter.) Ihr fordert Unter- richtsfreiheit, d. h. Freiheit nicht zu unterrichten. Dank euch kann Italien, von dem Europa lesen lernte, nicht mehr lesen. Dank euch hat in Spanien die Inquisition 5 Mill. Menschen verbrannt. (Heftiger Widerspruch rechts.) Heute versucht man indirekt die Herstellung der Inquisition. — Herr de Barcy (heftig): Das ist unwürdig! — Präsident Dupin: Sie dürfen niemanden solche Grillen zuschreiben. — Herr V. Hugo: Noch heut am Tage hält die Inquisition Ga- lilei'S Schriften unter Schloß und Riegel. — Stimme links: Das hindert die Erde nicht sich umzudrehen. (Gutachter.) — Hr. V. Hugo: Lie Priesterpartei, nachdem sie Italien und SpaiNrw vcinichtel hat, will sich jetzt an Frankreich machen. Sic nehme sich in Acht! es ist verlockend, aber es ist nicht so leicht. Ihr wollt daS Licht meines Vaterlandes auslöschen; es soll Nacht werden im Schatten der Prie- sterröcke. (Laut.r Lärm rechts.) — Hr. d e Laborde: Sie insulti- ren den katholischen Klerus. Hnt ab, wenn man von den Priesterröcken redet! — Hr. V. Hugo: Ihr bildet euch ein, Frankreich sei gerettet, wenn ihr überall wo noch kein Geuod'arm steht, einen Jesuiten hingestellt habt. (Lärm.) Ich rathe euch, diesen Plan auszugeben. Ihr setzt euch den furchtbarsten Folgen aus. Ihr vertreibt die Religion aus Sakristei und Beichtstuhl. (Lärm.) — RechtS: Zur Ordnung! Zur Ordnung! Sie insultiren den katholischen Kultus! — Der Prasl dcnt: Ich ersuche den Redner, die dem Cultus geheiligten Bezeichnungen zu vermeiden. (Furchtbarer Lärm; die Präsidenlen- gtocke verhallt »»gehört; viele Mitglieder der Rechten verlassen zornig den Saal.) Hr. V. Hugo: Die Priesterpartei wird überall Revolutionen erzeugen. (Lärm.) Bin ich Ihnen vielleicht verdächtig? (Ja! ja!) Ich bin Ihnen verdächtig, und weshalb? Etwa weil ich am ttg. Juni mit Ihnen gegen die Barrikaden marschirte? Gestützt auf meine Vergangenheit, sage ich Ihnen: was Frankreich bedarf, daS ist Ordnung. Die wahre Ordnung, nicht in der Versumpfungs sondern die der Ausstrahlung der Ideen. Was? Ihr Gesetzgeber, wollt Frank
reich zum Stillstände, zur Versteinerung zwingen. Den Wahnsinnigen, welche ausrufen: „die Menschheit soll nicht weiter schreiten!" wird die Geschichte mit dem Donner der Wclterschütterung antworten!"
Unter allgemeinem Tumult wird die Sitzung aufgehoben.
Ständesitzung.
(Vom 22. Januar.)
Verlesung deS Protokolls und der Eingaben. — Elender Antrag von 16 Mann gegen Herrn Förster gemünzt, der in einer Privaterklärung die Handlungsweise der Majorität (in Betreff der Jagdberechtigung namentlich) niederträchtig genannt. Er lautet:
„ In Erwägung, daß nach öffentlichen Blättern ein Mitglied der gegenwärtigen Ständeversammlung ein mit gröblichen Schmähungen gegen diese angefülltes Sendschreiben erlassen und verbreitet hat,
daß die Gesetze keine geeigneten Mittel zur Ahndung eines solchen Verfahrens darbieten, insbesondere die landständische Geschäftsordnung, bei deren Erlaß ein Vorgang der fraglichen Art undenkbar erscheinen mußte, der Ständeversammlung selbst die Befugniß nicht einräumt, gegen eine solche die Würde der Volksvertretung gefährdende Handlungsweise ihrer Mitglieder in entsprechender Weise vorzuschreiten,
daß mithin die gemachte Erfahrung für die Zukunft Veranlassung gibt, auf eine Vervollständigung der Gesetzgebung, nach Maßgabe deS in andern konstitutionellen Ländern bestehenden Gebrauchs Bedacht zu nehmen, und hierbei namentlich zu erwägen, ob und unter welchen Voraussetzungen der Ständeversammlung die Befugniß zur Ausschließung von Mitgliedern beizulegen sei,
tragen die Unterzeichneten darauf an:
Den VrrfaffungsauSschuß mit einer gutachtlichen Aeußerung dar- über zu beauftragen, ob und in welcher Weise ein Zusatz zu der landständischen Geschäftsordnung oder eine sonstige Gesetzesvorlage in der oben hervorgehobenen Richtung angemessen erscheine. Cassel, den 22. Jan. 1850.
Reinicke, Schneider I., Hahndorf, Bar, Henkel, Röding, R e b e l t h a u, Müller, Lieberknecht, Pfeiffer 1L, Beuther, Manns, Hartmann, Hooß, Westphal, H c ym e l."
Diesen die Versammlung schändenden Antrag haben die Herren direkt aus Paris von den Jesuiten. Die Maßregeln bestehen dort in Roten, Gehaltsentziehung, Arrest und Ausstoßung. Was wird Hr. Henkel fliegen, wenn diese Bestimmungen eintreten.
Hr. C ö ster: So lange es noch gesetzliche Mittel gebe, Beleidigungen gegen die Kammer oder einzelne Mitglieder zu bestrafen, bedürfe es keines so weitgehenden Antrags. Es sei ein gefährlicher Schritt. Die Nationalversammlung habe sich durch ihre UvwerletzlichkeitSerklärung mehr heruntergebracht als gehoben; es höre damit alles parlamentarische Leben auf (ist von nun an in Erfurt — nicht in Kassel!), wenn man der Majorität die Befugniß einräume, ein Mitglied, welches sich gegen sie vergangen habe, a u S zu fch l i e ß e n. Er nehme Hcn. Förster nicht in Schutz (gehört nicht hierher, Hr. Cöster von der Linken!). WaS dieser gethan haben solle, hätte man den Gerichten (bell Gerichten ! und das will ein Parteimann sein! Und die Gemeinheiten Henkels und die Beleidigungen P fe i ffe p s gegen die Linke!) oder der öffentlichen Meinung übergeben müssen. Dieser Weg sei wirksamer als der, durch welchen die Majorität die Minorität terrorisire» könne (und wolle!).
—tue— iSjL a-fjLldilft&t ^) diescw'Altftty^—io^^le Versammlung habe gar nicht das Recht, einen Vertreter, n> e l ct; ervbir-p^«»_2i^^ lern hierhergeschickt sei, auszuschließen.
Hr. Wolf und Hr. Weinzierl sind derselben Ansicht, zumal der Vorfall außerhalb der Versammlung stattgefunden habe.
Hr. Cöster: Gegen die Erwägung dieses Antrags; schon das bloße Eingehen für die Sache sei gefährlich. Der Antrag wolle die Mittel erfinden, ein Mitglied auszuschließen. Hiergegen sei er im Interesse der freien Berathung und der öffentlichen Moral.
Hr. Rauh: Obgleich er zu der Majorität (bei der schlechten Jagdgeschichte nämlich) gehöre, stimme er doch gegen die Erwägung, weil im entgegengesetzten Falle die Versammlung in eigner Sache handeln würde, zugleich als Richterin und Gesetzgeberin. Jedenfalls müsse der Antrag zuvor gedruckt werden.
Hr. Bcrlit erklärt die ganze Geschichte für eine kolossale Dummheit. (Ordnungsruf!)
Hr. Re bei thau: Es zeige sich immer mehr, daß die Bestimmungen der Geschäftsordnung nicht mehr auSreichte».
Hr. Oetker: Jetzt trete er dem Anträge auch bei (wartete blos auf die passende Gelegenheit!). , f
Hr. Gräfe: Es sei der Versammlung unwürdig, einen solchen Antrag in die Geschäftsordnung aufzunehmen; wenn sich eine Fractron