Dritter Jahrgang.
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Kassel, Dienstag den 22. Januar
1850,
Die königlich preußische Botschaft
an die oktroyirten preußischen Minoritätskammern.
(Vergleiche den Artikel: „Der König wirft die Maske ab!" in Nr. 12 d. Bl.)
1.
Für die Bekehrung der Zweifler und Ungläubigen ist es sehr bequem, wenn auf einmal an einem Punkte, an einem Flecken die ganze konstitutionelle Lüge und Gesinnungslosigkeit, die ganze Feigheit und Strohrennommage der konstitutionellen Partei in die Blüthe schießt. Ein solch kostbarer Punkt zu politischen Belehrungen ist die Stellung der preußischen Kammern zu der königlichen Botschaft vom 17. Jan., zu den 15 Verbesserungsvorschlägen Seiner Majestät zu seiner eigenen Verfassung.
„So muß es sein!" — riefen einst die konstitutionellen Falstaffs.— „ Die widrigen Elemente, welche die 48ger Revolution aus ihrem Schooße geworfen, die Demokraten, Republikaner, Socialisten und Kommunisten, diese Elemente, deren Dasein ihr Verbrechen ist, deren Strafe nur ihre Vernichtung sein kann, müssen vertilgt, zu Gunsten der Ruhe und Ordnung, zu Gunsten des konstitutionellen Prinzips auf ewig auögerottet werden! " Im Vertrauen darauf, daß bei diesem, königlichen Ohren so wohlgefälligen Kriegsgeschrei , kein Fürst so undankbar sein könne, um nicht auf das konstitutionelle Prinzip das Abendmahl zu nehmen, rebellirte die konstitutionelle Partei im Schooße aller souveränen Parlamente, lvälzte sie alle executive Gewalt von ihren Schultern wieder auf die der Dynasten, decretirte sie die Vermehrung der fürstlichen Söldlinge, setzte sie einen Erzherzog Johann ein, genehmigte sie den Malmöer Waffenstillstand, belobte sie die Auflösung der konstituirenden Versammlungen in Berlin, Wien, schließlich sogar in Frankfurt.
Der eine Theil des konstitutionellen Prinzips war auf dem Wege der Contrerevolution, der offenen Gewaltthat, der Brutalität festgestellt. Die executive Gewalt, stand da in ihrer vollen Glorie, lag-da in den Händen erblicher Regenten, hatte ihren Antheil an der Gesetzgebung auf eclatante Weise wieder hergestellt. Es kam nun darauf an, den zweiten Theil jenes Princips ins practische Leben zu rufen, die konstitutionelle Macht der Volksvertreter
Für das konstitutionelle Recht der Dynasten hatten die Schulmeister und Professoren die Revolution nicht gefürchtet, hatten sie Tausende von Menschen schlachten, vandalische Grcuelthaten auâüben lassen — man hätte denken sollen, für ihr eigenes Recht, für das Recht, dessen Erringung ihrer Meinung nach die ganze Bedeutung der 48ger Revolution gewesen, würden sie nundestenö mit derselben Energie, derselben wilden Bravour in die Schranken treten.
Die konstitutionelle Partei wußte dieser Probe auf ihre eigene Courage auâzuwcichen. Ihrer Meinung nach gab câ ja keinen Fürsten mehr, der nicht konstitutionell wäre. „Der König von Preußen meint's ehrlich! " — riefen die steifleinenen Falstaffs, — „ seht da die oktroyirten Verfassungen von Preußen und Deutschland!"
„Der König von Preußen meint's ehrlich!" Hinter dieser Phrase versteckte sich die Feigheit der deutschen Professoren, lehnten sie die Ehrensache der Revolution zu Gunsten ihres eigenen Prinzips ab. Die konstitutionelle Partei hörte nicht auf den Ruf der geschlagenen Demokraten, daß die Generäle Seiner preußischen Majestät nicht etwa gegen die Demokraten, sondern gegen die ganze Revolution, zu Felde gezogen seien, daß es ein strategischer und tactischer Fehler gewesen war, durch das offene Fpldgeschxei deö Absolutismus, dexungeschwächten Krone, das ganze Volk wieder im Allarm zu setzen, daß daâ ein ganz gewöhnliches contrerevolutionäreS Manöver sei, Schritt vor Schritt zu avanciren, nach jedem Sieg ein anderes Banner aufzustelleu, bis endlich die Fahne der dunkelrothen Monarchie cntfaltetwcrdcn könne,--
die konstitutionelle Partei schrie in ihrer Anmaßung, Eitelkeit und Verblendung aber-und abermals: „derKönig meint's ehrlich!", und setzte den wetterleuchtenden Zeichen des Absolutismus keine andere Waffe, als die deS Vertrauens, des Vertrauens und noch einmal des Vertrauens entgegen.
An die Stelle der vom Volke dictirten Verfassungen waren die oktroyirten Verfassungen getreten. „Sie sind gut!" — sagten die konstitutionellen Feiglinge — „sie enthalten alle Garantien deö konstitutionellen Staatslebens!" „Nein!" — antworteten die Dynasten — „diese unsere Verfassungen sind nicht gut, sie enthalten keine Garantien für das konstitutionelle Staatsleben, sie sind noch immer keine Bollwerke gegen die Demokratie, sie waren nur auS Noth, der Umstände wegen, nur deswegen gegeben, weil ein derberer Schlag in die Revolution ein contrerevolutionärer Fehler gewesen wäre!"
Die konstitutionellen Falstaffs horchten auf und stutzten über diese Anmaßung der Erbweisheit. Als aber der König von Preußen sich dahin erklärte, daß vor allen Dingen das allgemeine Wahlrecht, das Palladium, der Liebling der revolutionären Partei, das Zugeständniß der Konstitutionellen an die Demokraten, vernichtet werden müßte, beugten sie vor der Erbweisheit Sr. Majestät ihre Häupter und sagten abermals „Amen !"
Seine Majestät oktroyirte ein Wahlgesetz, das ein Hohn, ein Schimpf für die 48ger Revolution war, das aber hinlängliche Garantien dafür bot, daß fortan nur daS konstitrttiouelle Vollblut in den Kammern tagen, mit den Dynasten sich vereinbaren würde.
Die Demokraten wählten nicht. Das konstitutionelle Vollblut saß allein in Berlin und handelte, verhandelte, spielte und hazardirte mit dem König, Auf solchem Boden, hätte man denken sollen, würde nichts anderes erwachsen, als das wahre, wahrhaftige konstitutionelle Princip, der wahre und wahrhaftige Staat dec konstitutionellen Ruhe und Ordnung.
Die von dem konstitutionellen Vollblut revidirte Verfassung war fertig, eine Verfassung, so königlich, so dynastisch, daß die Vater deö konstitutionellen Princips ihr eigenes Kind nicht wieder erkannt hätten, so geschändet, zerschlagen, so geknebelt an Händen und Füßen war cS.
„Die Verfassung ist gut!" — riefen die Falstaffs des Konstilu- tionaliSmuö abermals. „Es fehlt Dieses und Jenes, diese und jene. Säule unseres Priucips, aber im Allgemeinen ist diese Verfassung. gut!"
Das Vertrauen auf den ehrlichen König, hatte seine Früchte ge*.. tragen. „ I m Allgemeinen!" Mit diesen zwei Worten der Resignation, ohne eine Hand zu rühren, ohne das Schwert auch nur zu, schütteln, retirirte daS konstitutionelle Vollblut abermals vor der Erbweisheit deS ehrlichen Königs aus seinen Positionen, ließ es.Wall. und Gräben seines eignen Princips übersteigen, ließ es in die. letzten. Ringmauern seiner Burg Bresche schießen.
Das konstitutionelle Vollblut sah diese Bresche nicht,, es durfte, cs wollte sie nicht sehen. ES wollte nicht sehen, daß schon jetzt an: die Stelle deS konstitutionellen Princips die ErbweiSheit. der Könige, der Absolutismus, getreten war. An die Stelle des Vertrauens zum ehrlichen König hätte sonst die Revolution der Rache, des verrathenen Glaubens, der getäuschten Hingebung treten müssen. Die Schulmeister und Professoren Mugeltcu und drangsalten so lange an ihrem, konstitutionellem Verstände, bis er demüthig und ehrfürchtig, gestund, die revidirte Verfassung, sei nicht bloß im Allgemeinen, sie sei überhaupt gut., vortrefflich, u.n v e r b. e. s s e r li ch. Princip, hm, Princip her, — die Hh. Welcker und Lonsorten reinigten auf königliches Geheiß ihr System. Von seinen demokratischen Schlacken und gaben nach, daß eS so erst das reine, vollendete System^er.
Und das ist der Muth, die eiserne Festigkeit dieser gelehrten: Herren, daS ist die Zuversicht zu ihren „ewig wahren" Principien,,