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sehr mißliche Stimmung an der Börse hervorgerufen. Mit Zittern und Zagen dachte man an einen Aufstand des französischen Niesen, daS böse Gewissen fing gewaltig an zu pochen. — Heute Abend erscheint in der „Demokratischen Zeitung" eine Erklärung deS Vorstandes des zweiten hiesigen VolksvereinS, worin dieser sich wegen seiner Selbst- suspendirung rechtfertigt. Man kann gegen diesen Schritt nichts einwenden. Allerdings ist eS wünschenöwerth, den Kampf gegen die brutale Polizeigewalt bis zu Ende zu führen, aber wenn man so ganz rechtlos dasteht, wie die meisten unserer Volkövereine dem Heros der Auflöser, dem Wachtmeister Kaiser, gegenüber, dann ist alles Auflehncn vergehens, und man muß befürchten, daß der Bürger gleichgültig gegen die Maßregeln deS gottbegnadeten Constablerthums werde, wenn er immer und immer wieder ohne jedes Recht aus seinen Vercinölokalen vertrieben wird. Besser, eine Zeitlang zu pausiren, als daS Gefühl für rohe Unterdrückung abzustumpfen. Man muß die Wuth gegen die Hinckeldey- schen Gewaltgründe immer frisch erhalten; nichts schlimmer, als wenn man daS Volk an dergleichen Uebergriffe sich gewöhnen läßt.
Leipzig, 17. Jan. — Gestern ist eine Petition „an die sächsische Volksvertretung" eingegangen, worin das unterthänige Volk um Verwendung für eine Märzerrungenschaft bittet, nämlich für Einführung der Schwurgerichte. Die guten Sachsen sind mit dieser vorübergehenden Wohlthat nur bei Preßvergehen und Verbrechen in „öffentlichen Versammlungen" begnadet worden. Für daS Uebrige sind sie seit den Märztagen wieder „unreif" geworden.
Köthen, 15. Jan. — Heute hat der vereinigte Landtag beschlossen, den Gesetzentwurf, betreffend die Wahl eines Deputirten gen Erfurt, in Bausch und Bogen anzunehmen. 11 Dcputirte, A. Behr, Philipps»», Degener, Fiedler, Meißner, Schütze, Stein, Wolter, Habicht II., Päßler und Schwabe geben folgenden Protest zu Protokoll: „In Erwägung, daß 1) die Regierung durch den unbedingten Anschluß an daS preußische Bündiß ihre Befugnisse überschritten hat, und ein solcher Anschluß für daS Volk nicht bindend sein kann, daß ihnen 2) jenes Bündniß überhaupt als gefahrbringend für die Unabhängig- keitö Anhalts, als schädlich der zu hoffenden Einigung Deutschlands erscheint. 3) daß sie ferner nur die ungesetzlich aufgelöste deutsche Nationalversammlung, resp, deren gesetzmäßige Nachfolgerin als Organ Deutschlands anerkennen, erklären sie hiermit, daß sie ein Verbleiben bei einem solchen Bündniß für nachtheilig und unpatriotisch halten und folglich bei einer Wahl zum sogenannten Volköhause sich nicht betheiligen können."
— Die Civilehe ist nunmehr gesetzlich eingeführt. Der Bestand der Kirche ist aber zu ihrer größten SatiSfaction vollkommen gewahrt. Ihre Beglaubigung, daß der Bund der Ehre geschlossen sei, ersetzt die gerichtliche Beglaubigung. Die Kirche ist todt, es lebe die Kirche! Die betreffende Verordnung lautet: „Wir, Leopold Friedrich re., verordnen hierdurch, sowohl für Unser Herzogthum, als auch für Uns und Unseres Herren Vettern, des regierenden Herzogs zu Anhalt-Bernburg, Herrn Allerander Carl, Liebden, für das Herzogthum Anhalt-Köthen auf Antrag Unseres GesammtstaatSministeriumS und unter Zustimmung des vereinigten Landtags, was folgt: § 1. Für diejenigen Staatsangehörigen, welche die Ehe nicht durch den Ci- vilakt, sondern lediglich durch die kirchliche Trauung zu schließen wünschen, werden die von dem dritten Abschnitt deS Gesetzes vom 24. Septbr. 1849 enthaltenen Bestimmungen über die Civilehe bis zur verfassungsmäßigen Trennung der Kirche vom Staate suSpendirt. § 2. Die Geistlichen sind verpflichtet, jede von ihnen ohne vorhergegangenen Civilakt vollzogene Trauung binnen 48 Stunden bei 25 Thlr. Strafe dem betreffenden CivilstandSbeamten schriftlich anzuzeigen. Urkundlich unter Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedruckten herzoglichen Jnsiegel. Dessau, 14. Jan. 1850. Leopold Friedrich, Herzog zu Anhalt. (L. S.) Goßler. Plötz. ViertHaler."
Kehl, 15 Jan. (N. D. Z.) Als ein Pröbchen der preußischen Beglückung in Baden, theile ich Ihnen einfach mit, was ich so eben bei einem Besuche am hiesigen Orte auö sicherem Munde berichten höre: „Vor einigen Tagen ist hier ein Mann, der öffentlich seinen Abscheu vor den Denunziationen aussprach, zu 25 Stockprügeln verurteilt worden und hat beim sechzehnten Schlage den Geist auf- gegeben. Er hinterläßt eine Frau und sechs Kinder." — (Die Aussichten unserer Professoren werden immer glänzender!)
Schleswig Holstein, 12. Jan. (O. P. A. Z.) Wer noch jüngst des Glaubens gewesen, daß es Dänemark um eine versöhnliche Ausgleichung der obwaltenden Streitfrage ernst sei, ter muß nachge- rate durch die Haltung und politische Anschauungsweise der dänischen Blätter in Bezug auf die Sachlage, wie wiederum im gehässigen unn boshafte» Tone die diesseitigen Verhältnisse besprochen werden, gründlich enttäuscht werden. Die „Berlingsche", das Organ der Regierung, weiß nur vom „Aufruhr" und vom „dominirenden Terrorismuö" zu reden, und hat für die mehrerwähnte AuösöhuungSangelegcnheit durch
gegenseitige Vertrauensmänner kein entgegenkommendes und besonnenes Wort, so daß man, wie eS scheint, jenseits der Belte die beiderseitige Annäherung so gut wie aufgegeben und wohl im Ganzen nur als eine Art Vorwand nach einer gewissen Seite hin benutzt und aufge- faßt zu haben scheint. So viel ist jetzt sicher, daß unsere Vertrauensmänner an ihre Mission gar nicht mehr denken, und nach Kopenhagen, wie die Sachen jetzt liegen, wohl gar nicht mehr abgehen bürsten j denn das dänische Kabinet will vorerst die Willensmeinung des Kopenhagener Reichstags über die schleöwig-holsteinische Angelenheit hören, und, was alö bestimmt anzunehmen ist, hiernach seine Schritte und Intentionen bemessen. Wenn auch im dänischen Reichstag die Friedens- oder Bauernpartei stark vertreten ist, so läßt sich dennoch bei genauer Prüfung aller Elemente der Repräsentation nicht viel für die Sache einer gegenseitigen friedlichen Einignng im deutschen Interesse erwarten, da dort der Wunsch nach Frieden mit den hartnäckigsten und überspanntesten Forderungen Hand in Hand geht. Die Herzogthümer gehen neuen schweren und harten Prüfungen entgegen; denn nach der gegenwärtigen Situation auf weiter zu schließen, kann man die diesseitigen Aussichten nicht rosenfarben nennen. Die Bevölkerung ist guten Muthö und vertraut auf den Gottt der Gerechtigkeit, auf Deutschland, daâ dem bedrängten Bruderstamm durch Rath und That seine Sympathien dargelegt.
Oesterreich.
Padua. — Die deutschen Professoren mögen sich freuen. Drei ihrer hiesigen Collegen sind neulich mit Stockprügeln bedroht worden. Die Auffassung des Volkes alö einer „Heerde Säue" greift immer mehr um sich.
Wien, 14. Jan. — Es sind abermals ein paar Blätter verboten. Ein Posterpedient des Städtchens Gföhl soll ein Exemplar der „Presse" mit der Bemerkung zurückgeschickt haben: „Das Gföhler Postamt nehme keine Bestellung mehr an, indem dieses Blatt aufrührerische Reden führe, und das Postamt sich der Gefahr aussetzen würde, in eine Untersuchung zu kommen!" — Das Muster aller Postämter scheint bereits die königlich preußische Botschaft gelesen zu haben.
Ungarn. — Wieder 44 Opfer der Standrechtsgerechtigkeit. Sie betreffen größtcntheilö ehemalige k. k. Offiziere, welche sich der Jnsurgentensache angeschloffen hatten. Bei 23 besonders Gravirten wurde auf den Tod durch den Strang erkannt, jedoch daâ Urtheil in 16jährige FestungSstrafe in Eisen gemildert. Vermögenskonfiskationen sind an alle Verurtheilungen geknüpft, dagegen wurde sie bei zwei in Pesth zum Tode verurteilten Bürgern nachgesehen und die Todesstrafe in vierjährige F.ftungSstrafe verwandelt.
Pesth, 9.'Jan. — Vom «stadtkommando ist an den Direktor deS ungarischen Nationaltheatcrs der Befehl ergangen, die Darstellung von Opern und Schauspielen zu vermeiden, welche zu Demonstrationen gegen die Religion, die Geistlichkeit und kaiserliche Beamte Anlaß geben können. (Die Censur ist aufgehoben. Sie darf nie wieder eingeführt werden!)
Italien.
Turin, 9. Jan. (N. D. Z.) Nach einer lebhaften Debatte hat heute die Deputirtenkammer mit 111 gegen 17 Summen die Ratifikation deö FriedenövertragS mit Oesterreich beschlossen. Mehrere De- putirte der Linken haben sich der Abstimmung enthalten.
Rom. — Seine Heiligkeit der Papst Pius IX. sind trotz der Bemühungen Baraguay d'Hillierâ am 8. Januar nicht in Rom eingetroffen. Die „schmutzigen Dirnen", bezieyungöweffe eine Note deö gesalbten KnutenschwingerS in Petersburg sollen die^e mädchenhafte Zurückhaltung verschuldet haben. Der französische General rief bei der Kunde vom „zurückgebliebenen" Papst: „Lieber Beduinen als Kardinäle! "
T a g c S - <O v & n n u g für die öffentliche Sitzung der Stâ'ndcvcrsammlung, Mittwoch den 9. Januar 1850, Vormittags 10 Uhr.
1) Fortgesetzte Berathung des Gesetzentwurfs, die öffentlichen Verhältnisse der Anwälte betr. — 2) Bericht deS Budget-Ausschusses über die Proposition der hohen Staatöregierung, die Vermehrung deö Kassen- Personals der Landeskreditkaffe betr. — 3) Bericht des Abg. Lederer, Namens des Budget-Auöschuffeö über den Antrag deS Abg. Nöding, die Wirksamkeit der Landeskreditkasse betr. — 4) Bericht des. RechtSaus- schusseö über eine Eingabe der praktischen Aerzte zu Fulda, wegen Abänderung deS $ 235, Abs. 5 des SlrafproceßgesctzeS vom Zt.Okr. 1318.— 5) Bericht deö Ausschusses über den Antrag des Abg. Nebelthau, die Ve- setzuug deö Gerichts bei den schwurgerichllichen Verhandlungen betr.