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Dritter Jahrgang.

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ic Hornisse.

I'- 16.

Kassel, Sonnabend den 19. Januar

1850*

Das Kukuksei von Kalisch, ein neues Grund­recht des deutschen Volkes!

Der österreichische Lloyd nennt unsere liberalen Doktrinärs und Professoren die Kukukspeter der deutschen Partei, wahrscheinlich weil sie uns mit Teufels Gewalt das Kukuksei eines deutschen Kaisers in unser bürgerliches Nest legen wollen, vielleicht auch, weil sie wie jener eitle Vogel unermüdlich denselben Ruf über sich selbst ertönen lassen, von welchem.fte ihren gloriosen Namen haben, nämlich den der besten Männer. Da aber ein Kukuksei, aus welchem ein deutscher Kaiser gebrütet werden soll, mit dem Schleppmantel und der Krone Caroli Magni nicht so leicht einzuschmuggeln ist vor den Falkenaugen der Dynasten und vor dem Widerwillen des Volkes, so bemühen sich die bewußten Herren, historisch diese Eilegung einzuleiten, indem sie der Geschichte Deutschlands einige vorbereitende falsche Eier in den Schooß legen, um vom praktischen RechtSboden aus, gestützt auf die Analogien der Vergangenheit, das Haupt-Ei unvermerkt der Gegen­wart aufzudringen. Mit andern Worten, fte fälschen die Geschichte. DaS wird ihnen nämlich ungeheuer leicht. Gothaische genealogische Handkalender waren von jeher die Blüthe ihrer Geschichtsstudien, alte Hübnersche genealogische Tabellen ihre Fundgrube und ihr histori­sches Evangelium. Die dumpfe Luft der unzähligen kleinen deutschen Höfe, der Gestank und der Staub von einer schönen Anzahl fürst­licher Archive, alte Erbverträge, Schenkungen, Erlasse, Edikte und prinzliche Freß- und Saufregister sind die Quellen ihrer Weltanschau­ung. Vor dem frischen freien Luft- und Lichtstrom des Lebens, vor der blitzenden Fackel der Volkögeschichte, vor dem leuchtenden Bild deS geistigen und des materiellen Ringens und Wachsthums der Nationen fliehen diese bepuderten, bezopften und besternten Herren Hof- und Geheimräthe, und ihre geistlosen, mattherzigen Anbeter mit Angstgestöhn unter ihren alten Actenstaub, um durch aufgewühlte Staubwolken alter Pergamente daS Licht der Wahrheit zu verfinstern und dem Volke Dreck in die offenen Augen zu werfen.

Diesmal haben sie sich'S etwas bequem gemacht. Sie haben blos in die Gefächer der fürstlichen Archive von 1813 gegriffen, und die Proklamation von Kalisch hcrauögezogen, um damit kurzer Hand zu fälschen, wie'ö eben geht. Tempus urget (die Zeit drängt). Sie sagen in ihrem Hauptorgan: d i e d e u t sch e Z e i t u n g ", zu wel­cher die Neuhessische sich verhält wie ein roher Bauerntölpel zu einem alten Hofrath, etwa einem Gvttschedt mit der Allongeperrücke, bei dem er sein erstes Kolleg hört, in diesem Allongcnpcrrückenorgane sagen sie, wäre äußerst nöthig und Vortheilhaft, wenn man sich an eine frühere Zeit erinnere, an die Zeit von 1813, die eine überra- schcnde Aehnlichkeit mit der jetzigen habe. Sie sind nämlich immer bei der Hand mit ihrem Geschichtokalender, bei jeder neuen Geschichte suchen sie nach einer ähnlichen alten, jedesmal sind sie überrascht von dieser Aehnlichkeit, und jedesmal wissen sie nicht schulmeisterlich genug mit hochwohlweisem Schütteln des Kopses der Dummheit des deut­schen I o b s e ö einen übergelahrten sermonem atque tractatum de anno Domini primo (Rede und Abhandlung vom ersten Jahre deS Herrn) zu halten. Die Zeit von 1813 soll deswegen überraschend ähnlich mit 1850 sein, weil damals die Fürsten Versprechen gaben, die sie niemals halten wollten, noch gehalten haben, und weil sieS vor einigen Monaten ebenso gemacht haben. DaS Ueberra» Ich ende dabei ist eigentlich nur, wenn an diesen Allongenperrücken non Haupt noch irgend eine blinde Tölpelei überraschen kann, daß diese Hochgelahrten den Erklärungen der Fürsten einen Sinn unterschieben, ^t^ kr einem Kukuüpeter willkommen sein muß, der das deutsche Kai- scr-(.l legen will, wie ihn aber jene hohen fürsichtigen Herren niemals verstanden. Wenn die KukukSpcter einmal verstanden, wie Fürsten

verstanden sein müßten, dann würden sie ihnen nicht die Worte im gottbegnadeten Maule, mit Erlaubniß zu sagen, herumdrehen. Die Allongeperrücken gerathen förmlich in Verzückung über dieberühm­ten Worte", welche damals der Kaiser Nikolaus und der arme, angstzitternde König von Preußen auszusprechen geruhten in der Pro- klvmation von Kalisch, als sie endlich mit Ruhe auf ihren Thronen verdauen wollten, ohne Schenkeln- und Gliederzittern vordem wilden Korsen; jene berühmten Worte, welche also lauteten:Indem Rußlands siegreiche Krieger (allen Respekt vor diesenKommuni­sten"!), begleitet von Seiner Majestät des Königs von Preußen, Ihres Bundesgenossen, in Deutschland auftreten, kündigen Seine Ma­jestät der Kaiser von Rußland und Se Maj. der König von Preußen den Fürsten! und Völkern Deutschlands die Rückkehr der Freiheit und Unabhängigkeit an."

Die Rückkehr zur Freiheit!!! Hahaha! Die Rückkehr zur gezwungenen Freiheit, sich von ihren eignen Fürsten schinden zu lassen, anstatt von fremden! Und nun gar die Unabhängigkeit, und den Fürsten und Völkern auf einem Theebrett servirt. Diese kaiserlich-königlich sibirisch-kosakische Kalischer Freiheit hat uns danach blaue Flecken genug gemacht. Es geschah und ganz recht! Wir waren bei Gott allesammt damals schaafig genug, diese Lügen für baare Münze zu nehmen, undfürstliche" Worte nach unserm be­schränkten Unterthanenverstand auSlegen zu wollen. Doch heut zu Tag werden wir unS schönstens hüten. Die Herren Kukukspeter aber haben noch immer nicht ihren alten Unterthanen-Adam, ihren SchaafS-Adam ausgezogen.Was, jammern sie, haben uns diese allerdurchlauchtig, sten Potentaten nicht versprochen:die Wiedergeburt eines ehrwür­digen Reiches", haben sie nicht geschworen:unsere Losung ist Ehre und Freiheit!", wollte nicht der großmächtigste Selbstherrscher aller Reußen, Nikolausseine schützende Hand" überdem wiedergeborenen Deutschland" halten? Und Nichts wurde aus der Geschichte! " __ Aber triumphirend setzen sie hinzu:Die Völker haben also that­sächlich jene Verheißungen acceptirt und dadurch ein Recht erwor­ben auf die Wiederkehr deS ehrwürdigen deutschen Reichs in zeitge­mäßer Gestaltung! " Also die Proklamation von Kalisch als Grund­recht deS deutschen Volks!

Kukuksstreiche und kein Ende! DaS deutsche Volk hat Nichts acceptirt, als seine eigne Dummheit, alö es dieschützende Hand" eines Kosacken und Reichs.Ko mmu niste n" für sauber und rein hielt und den Gestank von Knute und Zuchten nicht eher bemerkte, bis es denselben thatsächlich auf einen gewissen empfindsamen Körpertheil acceptiren mußte. Da hatte eS die Freiheit, sich für diese Ehre gehorsamst bedanken zu dürfen, unter Aufsicht der Zensur natürlich. __ Und nundie Wiedergeburt des deutschen ehrwürdigen Reichs" in zeitgemäßer Gestaltung!!

Zeitgemäße Gestaltung nach Kosakenbegriffen! Ei: wahres Wunder, daß nichts Schlimmeres auf diese Knutenepistcl von Kalisch erfolgte, als nur ein deutscher Bundestag, mit russischen Spionen. Konnte nicht ebensogut ein russischer daraus werden mit deutichen Spionen? Und auf diese Russenverheißung stützten die KukukSpcter ihr Anrecht auf ein Kaiserreich und die Zu­kunft von ihrem Kaiser-Ei.

Schön, meine Herren von der Allongeperrücke! die Sie Ihren alten zerfetzten Kaisersack mit fürstlichen Lappen zu flicken und mit reiflichem Winde zu spicken pflegen, ihre Wiedergeburt und Miß­geburt wird verflucht windig ausfallcn!

Und dieses Gefühl theilen sie selbst, trotz ihrer langenZöpfe> die ihnen als Blitzableiter für unangenehme Empfindungen dienen muffen» Sie jammern bereits, daß die königl. preußische Botschaft hingchalten sei mit Absicht bis kur; vor dem Erfurter Käsekasino, verderblich für daS konstitutionelle System Preußens, voll zerstörender Wirkung,