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Dritter Jahrgang.

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W^ ^Ä. Kassel, Freitag den 18. Januar 18ZO.

Wie die Führer der Demokratie in Kurhessen das Volk auf die Barrikaden gehetzt.

In der ersten Nummer dieses Jahrgangs haben wir ohne Scheu zu Nutz und Frommen unserer eigenen Partei das Bekenntniß unserer Irrthümer und Fehler abgelegt. Die stete Selbstkritik und damit das Selbstbewußtsein seiner Mängel und Fähigkeiten ist die Zierde des Mannes, ist, auSgeübt von einer ganzen Partei über ihre Gefammt- richtung, wie über daS Leben, die Meinungen und die Thaten der Einzelnen, der schlagende Beweis ihrer blühenden Lebenskraft, ihres rastlosen Fortbildungsprozesses, ihres unablässigen Strebens nach dem heiligen Ziele, daS die göttliche Offenbarung der Idee ihr vorgezcich- net. Die erste Aufgabe aller Organe der Demokratie muß darauf gerichtet sein, die Partei nicht blos mit Muth, mit Stolz und mit unendlicher Ausdauer im Kampf zu erfüllen, sie haben zugleich den noch höheren Beruf, die Partei über sich selbst aufzuklären, sie haben den Beruf, unnachsichtig alle Wunden, welche die Demoralisation der Zeit allen Parteien schlägt, bei der ihrigen mit der scharfen Vvnde deS Prinzips, der Tugend, der Wahrheit und der Gerechtigkeit zu untersuchen, rücksichtslos die Quelle dcü Uebels aufzudecken und die Verirrungen, die Vergehen ihrer eigenen Parteigenossen vor aller Augen bloszustellen und zu brandmarken. Mögen die Feinde jubeln über solche Zeichen der Selbstprüfung uud Selbstheiligung, als über die Zersplitterung, die Schwäche, die Selbstvernichtung der Demokratie! Als ob sich ein Prinzip, ewig wie sein Inhalt, die Wahrheit selbst, jemals vernichten könnte! Sie legen an und den eigenen erbärmlichen Maßstab ihrer kleinlichen Seelen, die, den Blick a» die Scholle ge­fesselt, nicht vom heiligen Geist der Wahrheit erfüllt, sich zusamm n- gefunden haben unter dem zerfetzten Banner deS Zufalls, deS Wuchers, des Egoismus, der Feigheit und des JndiffereutiSmuS. Wer die volle, die ganze makellose Wahrheit will, will sie an sich zuerst. Die De­mokratie wird an sich und für sich selbst den Beweis ihrer Lauterkeit und Wahrhaftigkeit führen. Für ihre Feinde thut si ^Nichts! Ihnen wird sie nicht durch Worte, sondern durch die That lhreS Sieges früher oder später diesen Beweis oktroyiren. Sie braucht weder mit Schmähungen noch mit Auseinandersetzungen auf die ver­zweifelten Angriffe der konstitutionellen Strohköpfe uns Heuler zu antworten. Sie braucht nicht für jene der Geschichte und dem Standpunkt dieser Partei den Spiegel der Wahrheit entgegen zu hal­ten. Sie prüft allen Schimpf, alle Verläumdungeu, welche ihre Feiäde auf sie zu schleudern suchen, mit dem ruhigen Selbstbewußtsein der eignen Kraft, sse prüft sie um der Sache willen, für sich selbst, nicht auS verletztem Ehrgefühl oder kleinlicher Eitelkeit Sie wird sich selbst zur eignen Belehrung bekennen, ob ihre Feinde die Wahrheit sagen, oder ob sie falsch Zeugniß ablcgcn in ihrer jammervollen, angst- bebenden HerzcnSthorheit. Haben wir in dem Aufsatz (die Demo­kratie im Jahr 1849) ohne Hehl und die Irrthümer unserer Partei ringestanden, so wollen wir diesmal und darüber klar werden, wie wir in Kurhessen insbesondere mehr oder weniger diesen Fehlern anheim gefallen sind. J n Kurhessen wie überall war die Organisa­tion der Partei mangelhaft, waS hier namentlich seinen Grund in dem Umstand hatte, daß in Kurhessen zwei Centralpuukte der Bewegung waren, Kassel und Hanau, daß in der Residenz die Entwickelung der Demokratie nach Norden zeigte, in Hanau nach Süden, daß man hier sich mit der Ausbildung eines radikalen Systems trug, während dort der nahe Sturm Süddeutschlands unmittelbar zu Thaten des unbe­stimmten Gefühls drängte. Wie Kurhessen überhaupt der Staat der Mitte ist, der bei jeder Staatenkrisis zufolge der verschiedenen Pro- vinzial-Sympathien halb nach Norddeutschland, halb nach Süddeutsch­land fallen wird, so ging auch durch daS Organisationöbestrcben der

kurhessischen Demokratie augenfällig dieser Riß. Er wurde erweitert dadurch, daß die Führer der Demokratie Niederhessens bei ihrem ersten Auftreten fast gänzlich unbekannte Männer waren, die sehr bald von ihrer Gegenpartei mit jener plumpen Sorte von Schmähungen überschüttet wur­den, daß ihnen nicht bloß die geistige Fähigkeit, sondern auch jede morali­sche Tugend abgesprochen wurde. Manche unlautere Elemente, die sich ihrem Verein a-ufdrängtcn, manche Excesse von diesen, oder von den Umtrieben der Absolutisten erregt, die ihnen zur Last sielen, mußten ihnen in dem Zutrauen ihrer Partei im Lande um so mehr schaden, alS es ihnen erß im Laufe der Zeit gestattet war, ihre lautere Gesinnung durch dir That zu erproben. Und als man ihnen in der Anerkennung ihres Strebens endlich die Leitung der demokratischen Partei Kurhessens übertragen, waren sie durch den fortwährenden Kampf im Zentrum der k u r h e s si s ch e n R e a k t i o n, in der Residenz selbst, so anhaltend beschäftigt, daß sie nicht so viel geleistet haben in der Vereinigung der Partei, als man zum Wohl derselben wünschen und erwarten mußte. Allein dieser Zustände sind sie sich stets bewußt gewesen, dasselbe gilt von allen demokrati­schen Führern Kurhessens. Alle insgesammt haben es ihre erste Pflicht sein lassen, die Leidenschaften deS Volks im Zügel zu halten. Da sie die Gesinnung Norddeutschlands alö vorwaltend monarchisch be- griffen, sagten sie dem badischen Aufstand sofort seinen Untergang voraus. Im demokratisch-sozialen Verein zu Kassel hat daö Konnte diese seine Ansicht offen ausgesprochen, und deshalb jeden Vorschlag zur Betheiligung des Vereins als solchen für einen Verrath an der Wohlfahrt und dem Glück der seiner Führung anvertrauten Männer erklärt.^ Es hat selbst den einzelnen Mitgliedern von jeder Betheili­gung abgerathen; um aber zu zeigen, daß dies nicht auS feiger Angst geschah, hat es drei seiner Komitemitglieder erwählt, um an Ort und Stelle die Erfahrungen einer verfehlten Revolution mit durchzumachen.

Auf dem demokratischen Kongreß zu Marburg, der während der badischen Erhebung stattfand, hat man ganz dieselben Ansichten aus­gesprochen; so daß die süddeutsche Demokratie der kurhessischen den Vorwurf der Mäßigung unv der allzugroßen Vorsicht, ja sogar der Feigheit gemacht hat. llnd dieses Benehmen nennen unsere Feinde die Hetzerei des Volkes zu den Barrikaden! llnd jener bekannte Henkel scheute sich nicht, zu denunziiren, daß Bayrhoffer nicht ganz unschuldig am Tode LichnowSky'S und Aueröwald'S und der Stürmung des Parlaments sein dürfte. Zufällig befand sich Bayrhoffer während dieser Vorfälle in Frankenberg als Candidat für die kurhcff. Stände- kammer. Und nun gar ein Sturm auf das Parlament, dessen Beab- sichtigung niemals bewiesen ist! Von der Stellung der kurh. De­mokratie gegenüber der Frankfurter Nationalversammlung ein andermal!

Deutschland.

Kassel, 17. Januar.

Resultate der Wahlen 3 nm Festung-parlament.

Landgericktsbezirk Kassel. - Fünfter Bezirk. - Leitende Bezirks - Wahl - Kommission : Ob ervellmar.

Anzahl der Wahler.

Niedervellmar: Niemand.

Frommershausen: Niemand.

Obervellmar: Einer. (Viccbürgermstr. Rudolvb das.)

Heckershausen: Siebenundzwanzig. (Bürgermeister Rudolph das.)

Weimar: Niemand.

Mönchehof: Einundzwanzig. (Bürgermstr.Borkeiszu Weimar.)

Totalsumme der Wählenden: Neu,n>ndvicrziq!

Die Bevölkerung der sechs Dörfer beträgt: Niedervellmar 642 Seelen, Fr ommershausen 205, Obervellmar 524, Hcckeis- hansen 444, Weimar 828, Mönchehof 289, Summa: