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des neuen Branntweinsteuergesetzes (beifällige Bewegung unten) und die Gleichstellung der Prinzen deö Kurhauses mit den übrigen StaatS- Lürgern hinsichtlich der Wehrpflicht. Anderes sei nicht erreicht worden, so leider die Vereitlung des engeren Bundes. Die Partei, welche jetzt herrsche und diesen Bund kurchgesetzt habe, werde es einst noch bereuen u. s. w. Hieran knüpfte der Redner dann seine Betrachtungen über die Parteien re.

Auch Hr. Theobald hielt natürlich eine Rede, konnte jedoch bte allgemeine Aufmerksamkeit nicht in demselben Maße erlangen, wie die übrigen Redner. Theils mochte dieß an seiner äußeren Erscheinung, theils an dem Inhalte seiner Rede liegen. Nur am Schlüsse, wo der Redner mit Aufbietung aller Lungenkräfte in die Worte ausbrach: wir sind gefesselt, wir sind geknechtet, es lebe die Freiheit! wurde ihm allgemeiner Beifall gezollt. Doch konnte sich selbst von dem fackeltragenden Publikum mancher junge Bürger" ei- nee Lächelns nicht erwehren, bei dem Gedanken, sich mitten in der unbeschränktesten Freiheit, im Angesichte eines ganz ungestörten Hum- Lugs für geknechtet zu erklären. Hr. Heise legte im Namen GotteS, â Namen des Evangeliums und im Namen des StraßenproletariatS" Protest ein gegen die Neue Hessische Zeitung, Protest gegen den Bun- deSstaat, Protest gegen die kurh. Regierung. Er protestirte gegen die jetzige Gesellschaft und verlangte eine andere, namentlich eine solche, welche die demokratisch - sociale Republik einführe. In einem etwaS dunkel gehaltenen dithyrambischen Fluge brachte endlich derselbe Redner im Namen der Gassenjungen" der demokratisch-socialen Republik unter lautem Beifalle ein Hoch, worauf der Zug sich ohne irgend eine Ruhestörung verlief.

Bericht derKasielschen Allge­meinen".

Der angekündigte Fackelzug zu Ehren der Mitglieder der linken Seite unserer Ständeversammlung hatte gestern Abend zwischen 8 und 9 Uhr statt. Der Zug bildete sich hinter den Arkaden der Elisabether­straße und ging unter dem Spiel und Gesang der Marseillaise zum Gasthof zur Krone; ungeachtet der Kälte waren die Straßen in der Gegend des genannten Gasthofs mit beträchtlicher Volksmenge erfüllt. Die Ständemitglieder, denen die Huldigung galt, standen auf dem -L^rk,^, rt,. Gesner leitete das ihnen gebrachte Hoch mit einer Pro- tcstation gegen dieKnute-- ent, wcwu op^« ^ ««fu<.uiungen nter* den soll". Hr. Bayrhosser erwiederte das Hoch, sprach von der Thä­tigkeit und den Bestrebungen der Linken, und wie sie in vielem unter­legen, in manchem durchgedrungen, z. B. in der Verwerfung deS Brannt- weingesetzes, in dem Anträge auf Aufhebung der Befreiungen von der Wehrpflicht. Schließlich sprach er die Hoffnung auf den endlichen Sieg der Demokratie aus und brachte ein Hoch dem braven deutschen Volke, welches Musik und Gesang begleiteten. Dann sprach Hr. Theobald von schlimmen Zeiten, verhieß einen neuen Völker-Frühling und brachte der Freiheit ein Hoch. Hr. Heise protestirte vor Gott und' unter sei­nem freien Himmel im Namendes Gesindels und der Gasscnjugend", auf deren Rechnung diese Feierlichkeit zu stellen man nicht verfehlen werde, gegen alles jetzt Bestehende, und ließ die demokratisch-soziale Republik hoch leben. Er wurde mehrmals durch Beifallsrufe unter­brochen. Nachher zog die Schaar unter dem Gesang der Marseillaise friedlich ab."

Bericht derHornisse".

Kassel, 17. Jan. Die Neuhessische hat leider falsch prophe­zeit. Schon vor dem oben abgedruckten Berichte hatte sie ihre Ueber­zeugung ausgesprochen, daß dieFackelmusik"kladrig" ausfallen werde, da die Gassenjungen übersättigt seien und die jungen Bürger keine Lust haben würden, bei 8 0 Katte ein paar Stunden lange Reden an- zuyorcn rc. rc. Wir bedauern, daß die Neuhessen getäuscht sind und atio die oben abgedruckte Neiirade blasen mußten

Der unserer Linken veranstaltete Fackelzug hatte mehrere Tausende von Menschen versammelt, so daß es in den engen Straßen kaum möglich war, die Ordnung zu erhalten. Doctor Kellner begrüßte die Abgeordneten rm Namen des Kasseler Volkes, als Vorkämpfer in der Ständckammer, als wackere Vertheidiger unseres Rechtes, unserer Freiheit. Sie möchten sich auch ferner gegen die Despotie wehren die von Osten herkomme, und auch uns unter der Form des Drci^ königöbundes bescheert werden solle. Hr. Bayrhosser dankte in sei­nem und seiner Kollegen Namen. Sie glaubten, ihre Schuldigkeit gethan zu haben. Viel sei nicht erreicht, aber die Demokratie habe doch schon Boden gewonnen. Sie werde ihr Reich immer weiter

auödehnen, bis sie die ganze Welt erfülle. Er bringe der Zukunft der Demokratie ein Hoch. Nachdem einige- Lieder gesungen waren, sprach Hr. Theobald. Er schilderte ebenfalls die Aussichten der De­mokratie. Es ist Winter jetzt" rief er mit begeisterter Stimme! aber das EiS wird brechen, ein neuer März wird neue Blätter und Blüthen treiben und diese Blätter und Blüthen gehören unS, der Demokratie!"

Zum Schluffe protestirte Heise im Namendes Gesindels, der Gassenbuben re." so nennt die Neuhessische die Demokraten gegen einen Staat, der eine so ungeheure Menschenzahl, wie da ver­sammelt sei, auS den Reihen der Menschen ausstoße, die Neuhessi- sche hatte nämlich prophezeit, würden sich an dem Zuge nur Men­schen betheillgen, die kein Wahlrecht hätten; er protestirte gegen e n Ministerium, das solche MassenGesindels" in seinem Staate duldcf gegen die Neuhessische, die über die AuSgestoßenen noh jubele und hohnlache, gegen die Gesellschaft, in deren Schooße sich immer mehr und mehrGesindel" anhäufe. Er protestirte im Namen deöGesindels" gegen das reiche Lumpenpack, und verlangte einen Staat der Brüderlichkeit und Gerechtigkeit, damit es eben kein Gesin­del mehr gebe, nämlich die demokratisch-sociale Republik. Ihr bringe er ein Hoch! Alle Reden wurden mit donnerndem Beifalls­rufe begleitet. Nach der Feier wurden ohne die mindeste Ruhestörung, welche die Neuhessische sehnlichst herbeigewünscht hatte, um, wie sie sich auSdrückle, ihrer Partei zu zeigen, wie leicht dasGesindel" zu massa- kriren sei, die Fackeln gelöscht und sich getrennt. Die hohe Polizei wird keinen Grund zur Klage haben.

Uebrigens war den Festordnern verboten worden, vor dem PalaiS Seiner königlichen Hoheit vorüberzuziehen, Allerhöchstdieselben seien krank (im Theater!!!).

Kassel, 16. Jan. Die Wahlen der Mindestbesteuerten zum Vereinstag in Erfurt sollen sehr dünn ausgefallen sein. Secondlieu-- tcnantè sollen die meisten Stimmen abgegeben jhaben. Wir werden genauern Brricht erhalten und dadurch die Lügen, welche die Neuhes- siscpe ausgesprengt hat und noch verbreiten wird, widerlegen.

Fulda, 16. Jan. Die Neuhessische" hat nicht blos den Verstand woran selbst ein großer Theil ihrer Abonnenten nicht mehr zweifelt dieNeuhessische" hat auch ihr Gedächtniß verloren. Als Hochdieselbe im vorigen Jahre das Vergnügen hatte, sich die Ge­schichte des trojanischen Pferdes erzählen zu lassen und in Folge der- sktben lins den Abgeordneten MalkmuS gar gewaltig erzürnt war- damals tröstete sie sich mit dem Gedanken, daß die Gesinnungen der Fuldaer mit denen jenesUltramontanen" doch nicht so ganz übercin- stimmen müßten, und klaschte freudig in die sauberen Händchen, als sie gelesen hatte, daß die Ultramontanen, die PiuSvereinler selbst in einem Fuldaer Blatte tüchtig gehechelt wurden. Die FuldaerHornissenpar- tei" und ihrOrgan", derWacht auf!" sah sich damals in die trau­rige Nothwendigkeit versetzt, ein Lob derNcuhessischen" förmlich des- avouiren zu müssen. Oder sollte daS dieNeuhessische" nicht ver­gessen haben und heute nur denjugendlichen Republikanern", die den Wacht auf!" schreiben und, beiläufig gesagt, Commilitonen deS be­sonnenen, tüchtigen, erfahrenen und rühmlichst bekannten neuhessischen Herrn A. Pfaff gewesen sind, Gerechtigkeit widerfahren lassen wollen? Sei dem übrigens, wie ihm wolle; den Fuldaern hat ihreZeitungS- schau" jedenfalls Vergnügen gemacht. Um so mehr bedauern wir, der Neuhchsischen" einen Spaß verderben und ihr sagen zu müssen, daß nur sie in dem süßen Wahne befangen ist, dasHünfelder Wunder­kind" sei Herr MalkmuS. Aber die Neuhessische träumt oder redet im Fieber. Darum weiß sie heute auch keinen Unterschied zu machen zwischen Pfaffenstreichen und Religion. Atheismus und Communismns sind die Gespenster, von denen sie ewig verfolgt wird. Kein Wunder also, wenn zuletzt auch ihreZeitungSschau" eine Gespensterschau ge­worden ist.

Italien.

Rom, 2. Jan. (A. A. Z.) DaS neue Jahr hat in unserm politischen Zustand hier nichlö NeueS bescheert, sondern bloS den alten Wirrwarr, dessen Ende man nahe geglaubt, von vorn angefangen. Die schon als abgeschlossen proklamirte Anleihe ist wegen der wirklich unglaublichen Prätensionen deS römischen KabinetS nicht zu Stande gekommen, da die HH. Bankiers so wenig christlich gesinnt sind, ihr Geld nicht auf die Garantie der Nebel der Tiber hergeben zu wollen, und man obendrein versichert, sie wollten sich auf keinen Abschluß der Anleihe entlassen, bis Se. Heiligkeit in ihre Hauptstadt zurückgekehrt sei, und ihnen die geistlichen Bücher als Hypothek zugestanden würden. Nun scheint eS andererseits, der Papst wolle nicht eher nach Nom zurück, als bis die Anleihe abgeschlossen sei, und das heilige Kollegium wolle sich durchaus zu keiner Verpfändung dieser Art verstehen. Wie sich