Dritter Jahrgang.
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M^ ^^. Kassel, Donnerstag den 17. Januar 1S5O,
En bloc!
Niemals wird eS der Feigheit und Gewissenlosigkeit der Bizder-, Basser- und Dahlmänner au einem patriotischen Vorwande ihrer Handlungsweise fehlen. Für den längst abgekarteten „kühnen Griff", dessen Ausführung sie ihrem Jupiter tonans, Gagern, überlassen, für ihren armseligen Johann von Oesterreich und seine Unverantwort- lichkeit hatten sie jene komische Wendung als Entschuldigung, daß man ihn wolle nicht weil, sondern obgleich er ein Fürst sei. Mit diesem hochverräterischen „obgleich" beugten sie vor dem deutschen Wolke und vor seiner Revolution die Knie, während sie mit der Wahl des Fürsten anbeteten vor den Thronen. Diese Wahl war eine Huldigung und eine Drohung zugleich. Aber man hat seitdem gelernt, was die Drohungen bester Männer zu bedeuten haben! — Von jenem ersten Verrath an der Hoheit deutscher Nation bis zur Flucht von Frankfurt, zum Fußfall in Gotha, zur Annahme des Dreikö- nigSbundeö in den klcindcutschcn Siändekammcrn und zur Wahl nach Erfurt hat sich das Schauspiel ohnmächtiger Drohungen hundert- mal wiederholt, stets mit demselben Resultate, daß sie schließlich die Ruthe geküßt, gegen die sie noch so eben gezetert. Wer erinnert sich nicht mehr jenes drohenden Geschreis: „wenn der König von Preußen die Kaiserkrone nicht annimmt, dann ist er der Feind des Vaterlands, .dann stehn und fallen wir gegen ihn!" — ein Geschrei, daö in den Reihen dieser Feiglinge gehört wurde, so lange man noch auf eine friedliche Lösung hoffen durfte, so lange noch kein Ernst auS diesem Stehn und Fallen wurde,— und daö sofort verstummte, als von Berlin die niederschmetternde Kunde dcö Ablehnens erfolgte. Von diesem Tage an konnte man jene furchtbaren Helden zu jeder Stunde von ihrer „ sch m crz l iche n R e si gn a t io n " reden hören, von ihrer „Mäßigung", von der „Sittlichkeit und Rechtlichkeit" dieser Entsagung. Niemals, in der Geschichte keines Volkes der Erde, ist der ehrlose Verrath am Vaterlande mit solchen hochtrabenden Worten, mit solchen patriotischen Lügen beschönigt worden, wie daö unsere deutschen Doktrinäre, unsere hochgclahrten Professoren, unsere liberalen oder konstitutionellen „ besten Männer" verstanden haben. Eingedenk deö biblischen Sittenspruchö: so dich Einer auf deine rechte Wange schlägt, so reiche ihm deine linke auch dar — beugen sie ihren krummen Bcdicntennaekcn unter daö Joch des Despotismus mit Thränen der selbstvrrgötterndkn Rührung, mit Lvbgcsängeu über ihre eigene Mäßigung, Friedensliebe und Entsagung, ohne einen Gedanken daran, daß sie Rechte verschenken, die ihnen nicht gehören, daß sie einer Gewalt entsagen, über die sie nicht zu verfügen haben.
Sie betrachten sich in ihrem dummstolzen Dünkel, in ihrer ächt- deutschen Selbstüberschätzung als die Eigenthümer, als die Proprietäre der unveräußerlichen Nationalgüter, der Freiheit, der Ehre und der Hoheit deutscher Nation. Sie disponiren darüber, wie ein leichtfertiges Weib über seine Liebe, wie ein lüdcrlicher Erbe über seine väterlichen Reichthümer. Aber eben weil das Volk stets ron Neuem gegen ihre niederträchtige Eigcnmacht protestirt, weil die Nation stets von Neuem ihre Hoheit für unveräußerlich, ihre Freiheit für unverschachcr- bar erklärt — eben dadurch werden alle Handlungen dieser zudringlichen ehrlosen Vormünder schon vor ihrer Vollendung gcbrantmarkt als unbefugter, seiger Verrath, als selbstsüchtige Anmaßung. So stehn sie immer verlassener, immer einsamer außer der Bewegung der Massen im Bündniß mit den Todfeinden des Vaterlands; so schließen sie immer fester und fester den unauflöslichen Pakt mit dem Bösen. — Ergreifend dabei ist ihr blödsinniges Zurückcrinnern an ihre ehemalige Ehre, ihr stumpfes Gelächter über den Hohn, über den Fluch, den ein ganzes Volk auf ihre Herzen gewälzt; — jammervoll ist ihr Fic- bertraum vom Umkehrcu auf dem betretenen Lasterpfad, vom Entrinnen
ans den Ketten deâ TigerS, aus den Umschlingungen der Riesenschlange — Im Augenblick bereiten sie sich zu einer neuen Herabwürdigung vor, zu einer neuen „patriotischen, schmerzlichen Entsagung", um einen abermaligen vergeblichen Versuch zu machen, den Despotismus zu terrorisiren. Deutsche Professoren als Terroristen! Es ist erhaben! Sie lassen bereits in ihren verschiedenen Heulerorganen den Gedanken laut werden, man müsse in Erfurt die oktroyirte Verfassung (n bloc annehmen. Damit gedenken sie der Despotie einen unüber- steiglichen Felsen in den Weg zu schleudern, diese Pygmäen! Sie opfern von Neuem „mit Freuden", was ihnen nicht gehört, die Rechte der Nation! Fremde Rechte zu opfern ist so leicht! Durch diese rührende Aufopferung muß doch endlich, endlich jenes undankbare Haus Hohenzollern zur Erkenntlichkeit gebracht und bekehrt werden zur Trcne, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit! — Mit diesem neuen Hirngespinnst suchen sie ihr lauteâ Herzklopfen vor den Folgen jenes Erfurter Nationalunglücks zu beruhigen, während in Berlin so eben der König durch seinen Befehl zur Verfassungsabänderung die letzte Maske des Scheinkonstitutionalismus abgeworfen, während mit dürren Worten verkündet wird, daß man in der oktroyirten Dreikönigsverfassung viel zu viel Freiheiten gewährt habe. — Kläglich klingt die Drohung, die sie der Ankündigung dieses neuen Opfers hinzufügen, die diesem Opfer den Charakter der moralischen Nöthigung, der fon. stitutionellen Ehrlichkeit vor den Blicken der ®?<>ü u*^-*-?wnr VÖtT^ölfëüpTrenrmr^^ DlM^Dröchüng lautet (f. JV? 10 der deutschen Zeitung): „Die Anerkennung der Frankfurter ReichS- verfassung und daö eventuelles!) Festhalten deö Rechts daraus ist völlig vereinbar mit dem Beitritt zum Versuch ihrer friedlichen (!) Verwirklichung durch den T>rcikönigSbund!" — Wie friedlich , wie eventuell und doch wie drohend! Sollte man nicht denke», daß nach diesem friedlichen Versuch die Revolution im Hinterhalt stände! Aber in ein und demselben Athemzug wird unS zugleich verkündet, daß dieser Vorbehalt durchaus nicht die Revolution provozire, „so wenig alö daS dreißig Jahre lang von der Nation Vorbehalten!! Recht auf die Zusage von Kalisch." — Also eine Drohung, die keine ist, wie immer! — Auf alle diese klägliche Wind- und Wortmacherei werden neue und immer derbere Beschämungen folgen; alle jene raschen, entschlossenen tölpelhaften Opfer werden mit neuen königl. Fußtritten durch jene berüchtigte „königl. G ew i ssen h a ftig ke i t" belohnt werden, der Annahme en bloc wird die Schmach en bloc folgen und der Bankerott der Erfurter Blokisten; damit aber zugleich die allgemeine Verachtung dieser Verräther und damit die Möglichkeit zur Rettung des Vaterlandes durch die That eh bloc.
Deutschland.
Kaffe!, 16. Januar.
Bericht der „Neuhessischen".
„Gestern Abend haben sich etliche Mitglieder der Linken tu unserer Ständeversammluvg von den Herren Heise, Kellner, Espe und deren s. g. social demokratisch-republikanische Verein einen Fackelzug mit passenden Gesängen und Reden vor das Gasthaus zur tiroue bringen laßen. Die Anzahl der Neugierigen, welche sich eingefundcn hatte, nar, wohl in Folge der großen Kälte, verhältnismäßig sehr gering und cri eichte bei weitem nicht den bei öffentlichen Schauspielen anderer Art sonst wohl stattsindenden Andrang, obwohl von Seiten der Unter* neunter des Interessanten und Aufregenden viel geboten wurde. Unter den auftetenden Rednern hob Hr. Bayrhoffer hervor, wie die demokratische Partei in unserer „Volkskammer" bisher so Manches erstrebt und in der That auch Vieles errungen habe, namentlich die Verwerfung