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Dritter Jahrgang.

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Kassel, Mittwoch den 16. Januar

1S5O.

Unsinn, dein Name ist DreikönigsbündnLß!

Der Gipfelpunkt übergipfelt den Gipfel.

(Neuhessische Kogenannic)

Ein DreikönigSbündniß mit einem König! Ein Reichstag ohne Reich! ein Messer ohne Klinge, an dem der Stiel fehlt: solche Dinge, die den unvcrsöhnbarcn Widerspruch in sich selbst tragen, pflegt man sonst allgemein mit dem Ausdruckblühender Unsinn" zu bezeichnen. Jetzt aber im gewaltigen Sturm, im Chaos neuer Entwickelungen ist einem Theil des deutschen Volkes der letzte Rest der Ueberlegung, die letzte Spur des menschlichen Verstandes abhan­den gekommen. Es sind dies jene armseligen Stubenhocker, die die Welt von Hörensagen kennen, die hinter den Akten die Leidenschaften des Herzens ergründen, und mit der Feder in der Hand, den Gang der Geschichte zu regeln gedenken; eS sind das jene armen, dem Leben deS Volks entfremdeten Klaffen, denen die schwielige Hand des Ar­beiters Entsetzen einflößt, ein ungewaschenes Hemd Schwindel und ein zerfetzter Rock eine Ohnmacht; eS sind dies jene hochmüthigen, lieb­losen Genossen, die den Werth eines Menschen nach seinem Rock, nach feinen Beinkleidern, seinen eleganten Stieseln abschätzcn, und mit den Worten: Hefe, gemeines Pack, Pöbel, Gesindel! ihre armen gedruckten Mitmenschen zu tituliren pflegen. Diese bemitleidenS- werthen, kraftlosen Klassen, die es gewagt in ihrem Egoismus zur Zeit der Märzerhebung sich auf den lauten Markt des Lebens zu stür­zen, hat die hochgeheude Zeit mit ihrem Wogendonncr so überfluthct, daß sie vor der furchtbaren Gewalt der kämpfenden Mächte offen ihre Schwäche bekennen, offen den über sie gekommenen Blödsinn einge­stehen müssen. Die Konstitutionellen, die Büreaukraten und deut­schen Professoren, denen daö Volk im Spott den Namenbeste Männer" gewährt, den sie sich im Eigendünkel selbst beigelegt, diese Männer gestehen offen, daß sie die Zeit nicht mehr begrei­fen, weder die Bewegungen der Demokratie, noch die des Despotis­mus. Krampfhaft klammern sie sich an den sinkenden Anker, an den brechenden Bau konstitutioneller Lügen. Im bangen Fiebertraum blickt ihr zerrütteter Geist auf einen einzigen leuchtenden Punkt der Vergan­genheit , der immer kleiner und kleiner in die Feine verschwindet, auf das königliche Wort Friedrich Wilhelm IV., auf daS fürstliche Versprechen:die Konstitution soll eine Wahrheit sein!"

Von'Tag zu Tag hoffen sie, daß der Stern Betlehems aus die- sein Punkt hervorstrahlen und über der Wiege des konstitutionellen Heilands leuchten werde. Ein konstitutioneller Heiland ! Ein Heiland der Reichen, der Hochmüthigen, der Pharisäer und Schriftgelehrten!

Ein Verächter des Volks, der Armuth und der Unwissenheit. Ein allerliebster, ein heiliger Heiland!

Nein, für sie gibt cs nur einen Heiland. Und der ist die Knute! Diese allein kann sie vielleicht einst heilen, wenn das Volk sie nicht zu Verstand bringt, oder unschädlich macht.

Hoch und beutegierig schwebt jetzt der preußische Adler über den kleinen, ohnmächtigen Zwetschenländern; die wenigen einigermaßen Besonnenen der konstitutionellen Partei (f. Weserzeitung vom 12. Jan.) sehen mit Bangen den Erfurter Vcreinötag herannahen, scheu mit geheimem Grausen den Augenblick kommen, wo die Gefahr für die kleinen Staaten zum Ausbruch kommen wird. Hannover, Sachsen, Würtemberg, Baiern sehen mit gleichgültigem Blick jene kleinen Raub­staaten die Höhle deS Löwen beschreiten und verschwinden. Oester­reich wird Preußen in diesim Verschlingungsgeschäft kein Hinderniß in den Weg legen, berichtet der Lloyd. Die Demokratie, hat daS vorher verkündet. Sie hat pvrophczcit, daß Hannover und Sachsen nur durch Zwang am Bunde fcstgchalten werden können. Sie wie­derholt, daß Oesterreich sie vor diesem Zwang schützen wird. DaS

Volk kann dieser Entwickelung ruhig zusehen, in jedem Staat, überall bleibt es daS Volk, ihm, der Demokratie gehört die Zukunft!

/'Aber diese armen Blödsinnigen, diese Konstitutionellen, sie dürfen nichts sehen von dem nahenden Verderben, der Unsinn ist ihrer mächtig geworden und hält sie fest in seinen Krallen. Ihnen bleibt Preußen Deutschland, der König von Preußen ist der Drei- königSbund, Erfurt ist Frankfurt und Manteuffel Gagern, daö Volk ist Schund, und sie sind die AuSerwählten des Herrn. Es lebe der Blödsinn! Aber Fluch dem Hochmuth dieses Blödsinns!

JesuS sagt: Was ihr der Geringsten Einem gethan habt, das habt ihr mir 'gethan! Verachtet das Volk, und ihr verachtet die Humanität und die Sitte. Ihr seid nicht blos blödsinnig, ihr seid verworfen.

Deutschland.

D Berlin, 10. Jan.(Verspätet.) DieAllerhöchsten" Vorlagen sind gestern den Kammern mitgetheilt. In ihrer Hauptsache entspre­chen sie dem früher Berichteten. Eigenmächtig ist von den Re­gierungen nach rechts hin revidirt worden ; daß die Kammern ein­willigen werden, ist keine Frage. Die Minister wissen, wen sie vor sich haben, Gut ist es, daß es so kam. Der letzte Rest des Kon­stitutionalismus ist vernichtet, der letzte Rest der Schwankenden ist aus dem Schlafe geschreckt. Jeder, in dem noch ein Funke Begei­sterung für die Freiheit glimmt, wendet sich ab von diesem feilen, eklen Markten, durch welches die feige List das Volk in die gottbe­gnadete Kerkcruacht zurückzuführen sucht, um den offenen Kampf zu vermeiden. Unseren Haß dem Absolutismus, der Knechtschaft und der Barbarei, aber unseren Hohn, unseren Spott diesen elenden Mitteln seiner Wiederherstellung! Mögen nun dieEigentlichen", die Konstitutionellen, die Hände ringen, mögen sie heulen und weh­klagen ; mag dieKölnische" die Zähne fletschen und dieKonstitu- tionelle" den flehenden Blick zum Himmel wenden, eS geschieht ihnen recht dafür, daß sie und betrogen haben! Sie sind die Geschlagenen, nicht wir! Wir stehen da in unserer alten Kraft, geläutert durch den blutigen Kampf! Wir halten die Hand am Schwert, und werden die Schlacht schlagen, sobald man sie uns an- bictet. DaS Gewinsel der Kammer kümmert und nicht, unser Kampf gilt höheren Gütern, als einem todten VerfassungSparagraphen, als einem mühsam erfeilschten Amendement. Wir sehen mit kaltem Blute, wie man einen Fetzen nach dem andern von der Toga der Freiheit reißt; wir ertragen eS ruhig, daß man den Bogen spannt, um mit dem letzten, giftigen Pfeil ins Herz der Freiheit zu zielen; wis­sen wir doch, daß sie unsterblich ist. Der erste Schlag, den man durch die Regierungsvorlagen gegen den Rest der VolkS- frciheitcn zu führen gedenkt, ist der gegen die Presse. Nicht nur der Verfasser soll bestraft werden, sondern auch der Herausgeber, der Drucker, der Kommissionär. Eiuschüchtcrndeö System! ES^ sol­len gar keinebv ö g e si n n t e" Schriften mehr gedruckt werden.' Im Hintergrund zeigt man noch das SchreckenSgespenst des Bundes­staates,. oder vielmehr des Interims, daS die Sache noch besser an- zufangen wissen wird. Die Bürgerwehr ist ebenfalls ver­nichtet. Es wird den Gemeinden anheimgestellt, so ein ähnliches Ding zu schaffen, das man dannG e m c i u d e s ch u tz w e h r " nennt, und welches die hohe Aufgabe hat, Polizeischergendienste zu thun. Der Landsturm aber bleibt, Hurrah! der gloriose Landsturm, der und 1813 dieFreiheit" errungen hat, und den Wrangel nun auch in Braunschweig und Mecklenburg organisiren wird! Die Minister sind fernerverantwortlich", und hören Sie, wem! dem Kö­nige daö versteht sich von selbst und demLande" ! Hahaha! DaS muß komisch fein, wenn daSLand" die Minister zur Berans