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Beilage zu Nummer 12 der „Hornisse."

Italien.

Neapel, 28. Dec. Ich beeile mich, Sie zu benachrichtigen, daß in Folge der in Palermo wieder ausgebrochenen Revolution der dortige königl. Statthalter und Generalcommandant Filangieri, der mit den dortigen Truppen des Aufstandes nicht Meister wurve, um eilige Hülfe hier angespiochen hat. In Folge dessen wurden noch diesen Abend cl- ligst Truppen auf 4 Dampffregatten eingeschifft, allein der Sturm, der heute auf dem Meere wüthet und die Abfahrt des heutigen Dampfbools nach Marseille verhinderte, wird auch diesen Schiffen schwerlich gestatten, diesen Abend abzufahren, und somit dürfte jener Aufstand eine kostbare Zeit gewinnen, um sich zu entfalten. Man war nämlich dieser Ver­schwörung in Catania auf die Spur gekommen und Filangieri glaubte al- zweiter Haynau dieselbe durch Ereculionen zu dämpfen, erreichte aber daö Gegentheil, denn das Volk, durch diese Ereculionen und durch die neuen ausgeschriebenen Steuern, worunter auch Fenster- und Balcon­steuern, aufgebracht, griff zu den Waffen, die es aller Decrete und Nach­suchungen ungeachtet sich zu erhalten gewußt hatte, und steht nun wieder in offenem und verzweifeltem Kampfe den Truppen der Negierung ge­genüber. Der Ausgang ist schwer vorauszusehen , denn wenn einerseits die Regierung Alles aufbieten wird, um den Aufstand zu dämpfen, so stößt sie andererseits auf ein erbittertes Volk, daß sich in allen ihm ge­machten Versprechungen zur Dämpfung der letzten Revolution getäuscht sieht und von den alle» Klassen der Bevölkerung angehörigen Gefange­nen, Erilirten und außer Land geflüchteten Opfern der Reaction zur Rache aufgcfordcrt wird — Am 12. Januar sind es 2 Jahre, seitdem die erste Revolution in Palermo stattgefunden, welche so ereignißvolle Folgen für Neapel und ganz Italien, ja indirect auf fganz Europa ge­habt hat. Kann die hiesige Regierung sie nicht schnell dämpfen (und England wird wieder sehr geschäftig sein, um das Feuer zu schüren und seine längst gehegten, aufgeschobenen, aber nicht aufgehobenen Pläne auf Cicilien zu verwirklichen), so wird sich diese Revolution schnell wieder über Calabrien und das ganze Königreich, ja vielleicht wieder über ganz Italien verbreiten, und diesmal würde der Kampf mit einer Erbitterung geführt werden, wovon der letztjâhrigc nichts kannte, die aber eine na­türliche Folge der willkührlichen Reaction wäre, die sowohl die neapoli­tanische, als die österreichische und römische Regierung ausübt. Daß die Regierung Alles möglichst geheim hält und alle Berichte aufzuhal- ten strebt, versteht sich von selbst, allein durch Militär und Beamte der Ministerien wird die Sache doch ruchbar, und durch Verheimlichung zeigt die Regierung nur ihre Furcht und Schwäche. C. Z.

Mailand. — Unser Zustand ist vollständig, wie im Anfänge deS Jahres 1848 : — dieselbe verbissene Wuth gegen die Oestreicher, dieselbe Gewitterschwüle, dieselben stillen, aber bedeutungsvollen Demostrationen, leere Theater, Cigarren- „Unfug", Reibereien zwischen Militär und Civil ic. Italien eristirt für Oestreich nichi mehr, trotz Fürst Schwar­zenberg und seinen landesväterlichen Versprechungen.

Rom - Pius IX wird endlich wieder in die Stadt seiner „un- gezogenen Kinder " und „ schmutzigen Dirnen " einziehen. Seine Leib­garde wird aus 5000 Spaniern bestehen. Franzosen hofft er nickt mehr sehen zu müssen. Die große Nation wird sich unter Bücklingen ins Verborgene zurückziehen.

Floren; — Die Stockstreiche finden immer mehr Anklang. Am 25. Dec. sind 3 sardiniiche Matrosen wegen „ Hochlebenlassen der Re­publik" â Person mit 50 Streichen begnadigt.

Das Schullehrerseminar zu Homberg.

v.

(Schluß.)

Zu diesem Zwecke reichten sie beim Ministerium eine Petition ein, in der sie auf Entfernung Dr. Gräfc'S aus der Cchulkommission antru­gen. Bei demselben Ministerium, das von Anfang Gegenstand ihres tiefsten Hasses gewesen und dessen Sturz ihr sehnlichster Wunsch war, das sie doch zur Erreichung ihrer unlautern Absichten ohne Weiteres zu benutzen gedachten. Natürlick ohne Erfolg!

Da reichten Herr Ecminarlehrer Schilde und Bang eine Petition an den Kurfürsten ein. Hierin hieß Dr. Gräfe ein Wühler, der Verder­ber der Schule, der die Lehrer in den Kreis der Politik ziehe. Kurz »I war eine auSbündige Heulerei und Schmähschrift.

Wir können uns nicht versagen, einige Stellen daraus anzuführen.

Sie zeichnen diese Menschen zu treffend. Es heißt darin:

»Wir fegen alle diese betrübenden Ausschweifungen der Lehrer weniger auf Rechnung der Volkssü'ullchrer des Vaterlandes überhaupt, als auf Rechnung derer, die sich zu ihren Führern aufgeworfen. Unterwiesen ragt aber » o r alle« Dr. Gräfe, Rektor der Realschule zu Kap el hervor; denn er nahm sehr bald die anfänglich nur vereinzelt auftretenden Bewegungen ix die Hand und gab ihnen eine förmliche Organisation. (Furchtbar!)

Die Bewegung unter den vaterländischen Lehrern würde sich durchaus nicht bis zu dem Grade entwickelt, durchaus de» beklagenSwcrthen Cha­rakter nicht angenommen haben, wie dies geschehen ist, wenn ihr nicht durch Dr. Gräfe Ziel und Richtung gcgcbe», und sie durch fortwährende Agitation, die in ihm ihren Ausgangs- und Mittelpunkt hatte, beständig genährt worden wäre. —

Er ließ eine E-inladung a» sämmtliche Lehrer des Va­terlandes ergehen, sich am 28. April ». I. in Kasl el zu versammeln. Wo bl an 200 Lehrer waren d cr Einladung gefolgt und pflogen unter Dr. Wrä fe'S Leitung Bera­thung. (Gräßlich!)

Dr. Gräfe überschritt dabei die Grenzen der Mäßigung und Wahrheit in einem solchen Grade, daß sich daraus die bedauerlichen Ausschreitungen einzelner Lehrer und Lehrerversammlungen, welche in der Folge in un­serm Vatcrlande vorkamen, vollkommen erklären lassen. Die Beschuldi­gungen, welche Dr. Gräfe gegen da« an cien reghne, gegen Institutionen, die von Männern, denen bis dahin die Leitung des »aterläudischen Schul­wesens anvertraut gewesen, zum Zweck der Fortbildung der Lehrer ins Leben gerufen und erhalten worden waren, aussprach , die Aussichten, welche er den Lehrern rücksichtlich der Verbesserung ihrer Lage eröffnete, mußten die Gemüther erfüllen mit Haß und Erbitterung gegen die Re­gierungen nnd Schulrcfcrenten, gegen die Prediger, gegen die bisherigen Conferenzen einerseits und andererseits mit den angemessensten Hoffnun­gen auf die Zukunft, die sich natürlich an die Person deS Dr. Gräfe knüpften.

ES ist ganz natürlich, daß dadurch die angeregte Unzufriedenheit immer neue Nahrung erhielt, daß sie von Tag zu Tage wachsen, »nd endlich den Lehrern ihren Beruf gänzlich verleiden mußten und da« um so mehr, je weniger die wahre «Sachlage der Dinge, die man zu erkennen allmäUg wieder fähig wird, Grund gibt, daß die überschwenglichen Hoffnungen, die Dr. Gräfe in den Lehrern angeregt, auch nur zum kleinste» Theile erfüllt werden können.

Dr. Gräfe hat eine politische Parthei ergriffen. Schon darin liegt, ganz abgesehen von dem Zweck, welchen die Parthei zu erstreben sich vor- gesetzt, 'eine Verkennung des Lehrerberufs. (Furchtbarer Unsinn!)

An Dr. Gräfe hat sich dies bereits insofern bewährt, als nach einem Bericht in Nummer 264 u. 265 der Neuen Hessischen Zeitung der große BürgerauSschuß der Stadt Kassel daS jetzige politische Treiben ihres ' NcatschulrectorS nicht nur mißbilligt, sondern auch den bedauerlichen Straßknunfug, welchen die Schuljugend der Residenz wiederholt verübt, damit in ursachlichenZusammeuhang bringt." (Erbärmliche Derläumdung!) Aber auch mündlich suchten sie diesen ihren Feind zu verdächtigen und das Vertrauen der Lehrer zu ihm zu erschüttern. Je nachdem eS ihnen vortheilhaft schien, gaben sie denselben einmal für einen rothen Republikaner, dann wieder für einen Mann aus, der die Lehrer nur zu seinen eigennützigen Absichten benutzen wolle, ihre Forderungen aber für höchst unverschämt halte und an eine Erlösung der Schule auS den Hän­den der Geistlichen nicht denke.

Zum größten Vorwurf aber machten sie demselben sein politisches Wirken Und dennoch ist jede ihrer eigenen Handlungen politischer Na­tur. Over ist das feine Politik, wenn sie zu den Schulkindern sagen: „dein Vater ist ein Demokrat, dir will ich ihn aber aus dem Kopfe bringen," oder wenn sie Demokraten als den leibhaftigen Gott-sci- bei-Uns bezeichnen?

Sie bilven jetzt den Mittelpunkt der Reaktionspartei in Niederhessen, für welche ihre Lehrerstimmen schimpfen, verläumden und verdächtigen. Wühler, Schandbuben und dgl. Dilmar'sche Eipektvrationc» bilden den Hauptinhalt. —

So viel haben allerdings die Herren Ecminarlehrer und ihr Schweif Ungesehen, daß sie nicht alle Forderungen der Lchrer abweisen dürfen, wenn sie nicht noch die wenigen, die sie zu ihrer Parthei zählen dürfen, verlieren wollen. Und so meinen sie denn, daß die finanzielle Lage der Lehrer allerdings einer Verbesserung bedürfe. Ob's damit Ernst ist? Ehedem meinte das Direktorium, 100 Thaler seien noch zu viel für einen Schullehrer; eS würde ihnen nur 75 Thaler im Anfänge verwilligen. Hunger macht zahm. Von einer Verbesserung der Seminare, der Haupt­forderung der Lehrer, ist natürlich keine Rede. Wie sollten sie auch ihre Unfähigkeit selbst eingestehen, die Vollkommenen, — und Würdigern ihre Stelle einräumend Dagegen Lobhudeleien ihrer Verbildungsanstalt, selbst fabrizirt, oder von ihren ergebensten Speichelleckern, finden Raum in ihrem Blättlein.

Der Gedanke an Erlösung der Schule von der Beaufsichtigung der Geistlichen, die zum großen Theil gänzlich unfähig zu diesem Amt find, — was sie Trennung der Schule von der Kirche oder auch gänzliche Verbannung der Religion auS der Schule zu nennen belieben — ist nach ihnen Gotteslästerung.