Dritter Jahrgang.
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Das Ministerium Eberhard und die Demokraten.
Hr. Eberhard ItqutbtrL Der Hanauer Meister spreizt - such vor seinem endlichen Fall, der so circa gegen den Heumonat hin erfolgen wird, noch einmal auf seinem Stuhle und erläßt ein Manifest â Ja Napoleon, ä la Carlier, a Ja Nikolas an die Gläubigen der Katte», zunächst an deren Bezirksdirektoren, gegen die Heiden, die Demokraten, die Wühler, Verleumder, Verdächtiger, Einflüsterer, rc. rc. rc. Der Meister steigt vom Stuhle zn den andern Menschenkindern herab und l^t die Lanze für seine Politik ein, für das preußische Geschäft, den preußischen Reichstag, für die Vernichtung unserer Selbstständigkeit zu Gunsten der preußischen Knute, der Berliner „ Würgschlachten ".
Folgen wir dem Hanauer Ritter auf seinen stilistischen Irrfahrten. DaS donnernde Manifest beginnt mit einem wahren Ludwig - von- BaiernlandS - Deutsch! „Das Heraunahen deS Termines für die Wahlen zum Volkshause des nächsten Reichstages" — das ist der Anfang des Manifestes und der Eberhard'schen Liquidation. Also den Erfurter Faseltag erklärt der „volksthümlichste" Minister in Deutschland für den nächsten Reichstag, d. h. für die Fortsetzung deS Frankfurter Parlamentes? Wenn das keine Dummheit ist, so ist cS böser Wille. Während der Erfurter Reichstag auf preußisches Kommando durch ein paar gutmüthige LappenstaatSminister beschickt wird, während er nichts anderes ist, als ein abermaliger Strick für das Frankfurter Parlament, alö Lug und Trug, preußischer, protestantischer JesuitismuS, verkündet der Meister vom Stuhle seinen Katten, der Frankfurter Reichstag sei der erste, der Erfurter der nächste Reichstag. Gott vergeb' eö ihm.
Der hessische Napoleon donnert fort: „ DaS Herannahen des Termins rc. hat eine Agitation hervorgerufen, welche unrichtige Ansichten über die Bestimmung und Bedeutung jener Wahlen, Besorgnisse und Vorurtheile über die Folgen der damit bezweckten endlichen Herstellung eines deutschen BundeöstaateS verbreitet, die Gemüther von Neuem zum Parteistreite erregt und der besonnen vorschreitenden Entwickelung einer deutschen einheitlichen Verfassung neue Hindernisse zu bereiten sucht." DaS ist die Fortsetzung der Eberhardschen Liquidation.. Die Demokraten haben keine unrichtigen Ansichten über die Bedeutung und Bestimmung jener Wahlen verbreitet, sondern im Gegentheil die einzig richtigen. Sie haben nämlich anögesprengt, die Wahlen nach Erfurt bedeuteten, daß unser Ministerium blindlings in die preußischen Pläne hineintölpele, sie hätten die Bestimmung, über unser Vaterland die Berliner Kroaten als Zuchtmeister zu setzen. Die Demokraten haben ferner keine Besorgnisse und Vorurtheile über die Folgen der bezweckten Herstellung eines deutschen BundeöstaateS verbreitet, — die Demokra- ten müßten sonst blödsinnig sein. Waâ sie aber verbreitet haben, ist die Ansicht, daß aus dem Erfurter Faseltag all' sein Lebtag kein deutscher Bundesstaat hervorgehe, so wenig ein Tiger jemals ein Füllen zur Welt bringt, daß also von den Folgen dieses Bundesstaats nur in den Schlafzimmern unserer Märzminister die Rede sein könne.
Der „beste Mann" in Kurhesscn liquidirt noch weiter. „ Eö darf vorausgesetzt werden " — schreibt Herr Eberhard an seine Paschas — „ daß die kurhessische Begeisterung noch nicht so weit erloschen ist, um mit Parteien Hand in Hand zu gehen, welche, obwohl nach entgegengesetzten Endzielen strebend und von entgegengesetzten Ansichten ausgehend, sich doch vorübergehend verbündet haben, um den einzig noch sich darbictenden Versuch zu einer Einigung Deutschlands mit allen Mitteln zu bekämpfen." Diese Phrasen hat Hr. Eberhard nicht auS sich selbst, sondern auâ der Ncuhcssischen. Sie sollen den Bund der Katholiken und Demokraten bedeute». AuS Höflichkeit be
antworten wir den geborgten Lanzenstoß ebenfalls mit geborgten Worten. Wir bemerken nämlich mit Herrn Malkmus, daß Herr von Radowitz, der Vater des Erfurter Faseltages, einer der eingeweihtesten Ultramontanen ist, und daß Hr. Eberhard ganz gemüthlich in trautem Verein mit ihm und seinen protestantischen Geschwisterkindern der preußischen Kram den Jungfernkranz windet.
/ Der beste Mann ist noch immer nicht fertig. „Gegenüber den Verdächtigungen und Einflüsterungen", — schreibt er in seinem Briefe 4— „ welche das engere Vaterland, dessen Verfassung :c. als bedroht darstellen rc., wird das Vertraue»» des Landes zu seiner konstitutionellen Regierung und seinen selbstgewählten Vertretern ein mächtiges Gewicht sein." Diese Wendung ist Originalartikel des Meisters von Hanau. Für unsere Verfassung bietet er keine andere Garantien, als das Vertrauen zu ihm. Hr. Eberhard ist ein Mensch. Wenn er Knrhessen, seine Verfassung, seine Freiheit in Erfurt zu den Tatzen deS preußischen Löwen gelegt hat, so werden die Tatzen weit genug reichen, um auch Hrn. Eberhard ein wenig abzuhäuten. Vertrauen? Als ob Hr. Eberhard an die Grenzen unseres Landes marschiren würde, wenn der „besonnene Fortschritt" der preußischen „ Entwickelung " bis zur Aufhebung unserer Verfassung fortgeschritten ist? Vertrauen? Vertrauen? — DaS Volk wird hoffentlich diese Phrase für Sklaven und Kammerdiener, diese Sottise und Anmaßung zu würdigen wissen.
Nach dieser Liquidation sollte man glauben, der Meister von Hanau sei am Schlüsse. Behüte Gott! Nachdem er die Hoffnung ausgesprochen hat, daß die kurhessischen Schaafe „mit eigener Ueberzeugung der leithammelnden Regierung auf dem Wege ihrer Politik folgen würden", fügt der Sultanus für den Fall, daß er in dieser Hoffnung getäuscht werden sollte, mit den üblichen Sultansblicken hinzu : „ Die hohe Wichtigkeit der bevorstehenden Wahlen erheischt eS, daß ich Sie, Herr Bezirks-Direktor, auf jene Umtriebe gleich Anfangs, wie solche zu meiner Kenntniß gelangt sind, aufmerksam mache, und sie auffordcre, nicht blos, wie sich von selbst versteht, die Freiheit der Wahl überall auf'S Strengste aufrecht zu erhalten, sondern auch, wo eS erforderlich scheinen sollte, durch Belehrung und Verständigung etwaigen T ä u sch u n ge n und Mißverständnissen zu begegnen, und dahin zu wirken, daß richtige Erkenntniß der hohen Bedeutung der bevorstehenden Wahlen für unser Gesammt Vaterland alle Wähler zur Betheiligung an dem Wahlakt, und zur gewissenhaften Erfüllung ihrer gesetzlichen Wahlpflicht bestimme."
Die Liquidation ist vollendet. „Wenn — ruft der grimmige Meister vom Stuhle — wenn daS kurhessische Volk nicht so viel Einsicht hat, um aus eigener Ueberzeugung zu wählen, so seid Ihr, meine HH. Direktoren, angewiesen, die Ueberzeugung den Leuten beizubringen und dahin zu wirken, daß alle Wähler ihrer W a k lp f l i ch t nachkommen ; laßt sie mit Ruthen auf daS Rathhaus Hetzen."
Der Ritrer von Hanau hat schon waS gelernt. Die Tage der Oktroyirungcn sind nahe herbeigekommen, unser Ministerium sucht uns auf daS Sterben vorzubereiten.
Also alle Wähler sollen ihrer Wahlpflicht Nachkommen? Weiß der Lowe von Hanau nicht, daß daS Ministerium durch sein Stillschweigen, wo
Pfllcht war, erklärt hat, die Wahlen sollten über den Anschluß oder Nicht-Anschluß entscheiden? Weiß Hr. Eberhard nicht, daß daS Alles
,n bcn stenographischen Berichten der Landstände steht? Eberhard den Tag zur Nacht machen, soll daS Volk durch List und Überlist mit Gewalt auf den Weg der ministeriellen Politik gebracht U e.den ? Herr Minister,Herr Minister! „Das Wort Sie sollen lassen stahn!"
Von einer Wahlpflicht kann keine Rede sein. Eine Wahl pft ich t annehmen, heißt die Behauptung aufstellen, der Anschluß an Preußen fei unwiderruflich geschehen, daS Volk müsse ihn heilig sprechen, man werbe nöhigenfalls Gewalt gegen eS brauchen. „Der Staat bin ich, der Meister auS Hanau."