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Gelegenheit genommen werden). — Förster: Er schlage gleich ein kurzes Gesetz vor: §. 1. Die Prinzen re. rc. müssen dienen (oder ähnlich). — Pfeiffer 1L: Er sei gegen den Antrag, wolle aber dafür stimmen (der Grundrechte wegen). — Der Antrag von PeterS wird angenommen. Die Prinzen haben nur 4 Ritter für sich, die Herren Lieberknecht, Nebelthau, MannS und Oetker.
3) Bericht deS Rechtspflege- Ausschusses über ein Gesuch der Stadt Bockenheim wegen verschiedener zur Staatskasse zu zahlender Abgaben. —
Der Ausschuß trägt auf Tagesordnung an.
Förster: Die Abgaben (Beede, Atzgeld und OelschlagSgeld) beruhten auf dem alten Schutzverhältniß , sie seien also nach den Grundrechten ausgehoben. Er trage daraus an, daß die Regierung eine Untersuchung über die Natur der Abgabe anstelle und dann grundrechtlich verfahre. (Ertheilt dem Ausschuß einen Rüffel, daß er die Sache nicht nach den Grundrechten geprüft hätte.) — Hr. Landtagscommissar: Es sei Alleö im Zuge. Eö gehe aber langsam, weil manche solcher Abgaben bis inö 14te Jahrhundert hinauf reichten. Die systematischen (allmächtiger Gott!) Steuern seien mit den Römermonaten angegangen. Daö sei alles historisch. — Hr. Theobald für den Antrag Förster'S.— Hr. Oetker: Er verwahre den Ausschuß gegen den Rüffel. Der Ausschuß hätte die Sache am Ende wohl auch nach dem Rekrutirungögesetz prüfen sollen? Daâ sei ferne von ihm. (Jeder Mensch wird bemerken, daß Herr Oetker einen Witz gemacht hat.) — Hr. Förster: Die Ausführung deS Hrn. LandtagScommissarö sei nicht historisch. Manche Abgaben reichten biö ins 12te Jahrhundert. — Hr. Rauh: Für den Antrag Förster'S. Bemerkt, daß die Fürsten immer toller gewirthschaftet und gebrandschatzt hätten. — Hr. Cöster erklärt sich für den Ausschuß, für die Tagesordnung. Die Stadt Bockenheim könne den RechtS- gang betreten. Die Stände könnten die Natur der Abgaben nicht prüfen. — Hr. Nebelthau: So fei es recht, die Sache gehöre vor die Gerichte. Eö sei wahrhaft krankhaft, immer bei den Ständen und der Regierung wegen der Grundrechte anzuklopfen. — Hr. Oet- ke r: Der Staat hätte seine Abgaben nöthig. — Hr. Henkel: Die Bockenheimer wären ganz gesichert. — Sie hätten die actio negatoria.
Man beschließt zur Tagesordnung überzugehen. Die Stadt Bockenheim mag die actio negatoria anstellen.
4) Berathung des Anwaltgesetzes. — Hr. Cöster: Das Gesetz wolle den Auwaltstand sittlicher und freier machen. Das Gesetz werde aber seinen Zweck verfehlen. Die neue Einrichtung werde in der Luft stehen. Bor allen Dingen sei eö nöthig, durch ein anderes Gebuhrengesetz den Anwalt in die Lage zu versetzen, sich von allen Schlechtigkeiten, von Geldwucher rc. fern halten zu können. Man möge sonst organisiren, so viel man wolle. Ein Mensch, der am Hungertuch nage, könne nicht frei und unabhängig sein. (Merkt'S euch, Proletarier!) Er trage darauf an, den Gesetzentwurf so lange zurückzulegen, bis die Regierung das schon seit 12 Jahren verheißene Gebührengesetz vorlege. — Hr. Minister v. Baumbach: Daö sei im Werke. Man solle nur keine Versicherungen fordern und hübsch berathen. — Hr. Schneider: Er wünsche vor allen Dingen eine Civilprozeßord- nung. — Hr. Pfeiffer II.: Hr. Cöster habe Recht, er sei aber dafür, das Gesetz zu berathen. Nachher komme man denn an die Ge» bührenordnung. — Die Sitzung wird immer langweiliger. Da erhebt sich Demosthenes Hahndorf, die Intelligenz von Kassel, in sittlicher Entrüstung; der zornglühende Vulkan der Ständekammer, Hr. Hahndorf, spricht: Wehe Dir, Cöster, wehe Dir, Scheusal, daß Du haft gesprochen von Moneten und hast Dir selbst den Schandfleck angehangen, daß Du nicht willst sittlich und rein werden, biö Du hast gefüllt Deinen Geldsack. Schande über Dich, Fluch über Dich, daß Du ein Zeichen bist von der Verdorbenheit der Welt, daß Du brandmarkst Deine Kolkgen, daß Du willst Geld haben, ehe Du ein Vertheidiger deS Rechtes sein willst, daß Du selbst bist — — —. Der glühende Vulkan hämmert immer lauter, und würde die ganze Tafelrunde vernichtet ha- den, wenn ihn Zeus Kronion, der Hr. Präsident nämlich, nicht plötzlich aus dem Himmel geschleudert hätte. — Hr. Schwarzenberg antwortete nämlich auf die sittliche Entrüstung deö Vulkans Hahndorf: Das sei ja ein triviales Geschwätz. Hr. Hahndorf habe vermuthlich gar nicht verstanden, waö Hr. Cöster gesagt habe. (Vulkan wird verlegen.) Hr. Cöster: Hr. Hahndorf möge schwätzen, waü er wolle. (Vul- kan wird sehr verlegen.) Waö aber den Hrn. Minister anlange, so müsse er erklären, daß er auf die Versprechungen der Minister gar nichts gebe. — Der aus dem Himmel gestoßene Vulkan erklärt, daß er zu viel parlamentarischen Takt habe, um waö zu sprechen, der Hr. Präsi- deut hätte einen Bock geschossen. — Hr. Oetker: Allerdings! — Hr. Hildebrand: Der Hr. Präsident habe die mildeste Form eines Ordnungsrufes gewählt. (Vulkanuö Hahndorf hat also einen Ver- WkiS bekommen. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt.)
Hr. Henkel für Cöster, d. h. nicht ganz, aber beinahe. — Hr. Theobald: Er sei für Eingehen auf das Gesetz. Man könne es ja rasi- ren. — Hr. Bayrhoffer desgleichen. — Das Eingehen auf das Gesetz wird beschlossen. Die Berathung geht also los. — Nach fünf Minuten merkt Hr. Henkel, daß eS 2 Uhr ist. Er macht also seinen Collegen den prächtigen Vorschlag, anS Diner zu denken. Der Vorschlag wird einstimmig angenommen.
Das Schullehrerseminar zu Homberg.
V.
4) Schriftstellerische Thätigkeit der Homberger. — Blos aus väterlicher Fürsorge und Barmherzigkeit, freilich ohne allen andern Beruf, als der Vater Melden in Wien, fühlen sich die heiligen Dreikönige von Homberg bestimmt, die Volksschullehrer am väterlichen Gängelband durch ihren Lebensweg zu geleiten, damit sie niemals aus dem angewiesenen Pfuhl sich herauszuarbeiten unterfangen.
Zu diesem Zwecke erschien in Homberg bereits 1846 ein Schul- Wurstblättchen: „Kurhessische Schulblätter", ein Sammelsurium von Gebeten, Verleumdungen, Verdächtigungen, förmliche Polizeiregister, Lobhudelein zur eignen Empfehlung, Beschreibungen von der „allergnädigsten" Geburtstagsfeier Seiner königlichen Hoheit, diesem hochwichtigen, welthistorischen Ereigniß, zusammengeflickten Sätzchen aus Leihbibliotheken, Wehklagen über geringe Abonneutenzahl und deshalbige Verurtheilung der Lehrer, und kurze Recensionen, — Alleö lieblich durcheinander. Nur eine Räubergeschichte aus diesem Unkenreiche. In Nr. 36 des ersten Jahrgangs dieses BlättleinS denunciirt ein Lehrer (Seminarlehrer Sch.?), einige Kollegen hätten sich unterwegs so betrunken, daß man sie hätte nach Hause fahren müssen. Die Regierung stellte Untersuchungen an, nachdem der Angeber die Namen genannt, und siehe da, der Erweckte in Christo hatte geflunkert, der Denunciant kam um seine Gebühren. Der Redakteur, W. Bang, hält jedoch diese Lüge für eine der edelsten Thaten deS Jahrhunderts. — Die besondere Ausgabe dieser kurhessischen Schulblätter *) bestand darin, die biblische Geschichte und den kurhessischen Kinderfreund, — beides Erzeugnisse des Redakteurs, — an den Mann zu bringen. Die erstere ist eine balhornische Verbesserung der Hübner'schen und der Bibel! Denn selbst die Bibel scheint diesen Menschen nicht gläubig genug. So heißt'S in der Erzählung vom Sündenfall: „Zu dieser Sünde verführte sie der Teufel, welcher sich in eine Schlange versteckt hatte", wovon bekanntlich die Bibel noch nichts weiß. So fälschen sie den Teufel in die Bibel, um ihn gleich von Anfang der Welt bei der Hand zu haben.
DaS Lesebuch ist einer etwas genauern Betrachtung werth, wegen seiner klassischen Schlechtigkeit. Gleich in der Einleitung sagt der Verfasser: „ E l n sch mci ch c l n will ich mich nicht". Das glaubt ihm Jeder. Wer durch die Gewalt, durch die Gesetze der Behörden eingeführt wird, kann diese Mittel entbehren.
Gespenstergeschichten, wie schon erwähnt, wahrscheinlich zur Befestigung des christlichen Glaubens ausgenommen, nehmen unter den Erzählungen den ersten Rang ein. So Jß 46, 47, 48, 50, 71 ; weiter ist sehr schön zu lesen, wie der höchstselige Kurfürst Wilhelm I. mit Moses Rothschild Geschäftchen gemacht hat und wie Amschel R. reich ward von dem Geld, das die blinden Hessen haben schwitzen müssen. Daran sollen die Kinder einen Abscheu gegen die Gelüste und den Mammon der Welt fassen! Höllisch schlau. Sollen etwa daran die Kinder lernen, wie man Banquier wird und Betrügen und Stehlen lernt? Das ganze Buch legt offen Zeugniß ab, wie dec Verfasser unablässig bemüht ist, sich bei dem Fürsten und dessen Partei bemerklich zu machen, zu zeigen, welch' nützlich Werkzeug er ist und wozu man ihn gebrauchen kann, — zu zeigen, wie man schon der kindlichen Jugend den hündischen Unterthanen rinn oktroyiren und das Selbstbewußtsein ersticken und das Gefühl für Recht und Wahrheit verdunkeln tan. Daß selbst die Geschichte dabei geohrfeigt wird ohne Weiteres, versteht sich von selbst, too heißt'S am Schluß der Erzählung von der hessischen Revolution in 1830:
„Kurzum, da die neuen Einrichtungen Geld kosteten, so meinten Manche, daâ Uepe ftd) auch wohlfeiler machen; und das kam vor den Landeâverrn. Da sprach er: „meinet lyr einen guten Rath zu wissen, so soltS geschehen. Wir wollen dem Lande eine Bnfassung geben, daß das Bock Landstande wäyle, die vor Uns kommen (bibllicher Styl aus den Büchern der Könige!) und alle Bitten und Wünsche des Landes vortragen; den getreuen (!!) Landstauden soll denn auch gewiesen werden, wie wir den ganzen StaarohauLhalt ordnen, daß Jedermann unsere väterliche Sorgfalt erkennen soll. — Dabei haben sich aber auch die Regierunasgeschafle aller Orten so gemehrt, daß jetzt dem Landesvater taufens Sorgen i in Gemüthe legen, wovon man sonst nichts wußte. — Der Landesherr ist der Landesvater (versteht sich! wie in Waldeck, wo alle teure Waldeck heißens und demnach der
*) Im März 1648 starben dieselben an der galoppirenden Schwindsucht,