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Dritter Jahrgang.

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Ms*. 8. Kassel', Donnerstag den 10. Januar 1830.

Die Enthüllungen.

Wir haben schon mehrmals auf die leitenden Artikel deö großen Diplomaten der Oberpostamtözeitung hingewiescn. Die Artikel wan- Lern durch alle Zeitungen, durch die Blätter aller Parteien, und können das als Beweis für sich in Anspruch nehmen. hilft nichts, wenn die deutsche Zeitung, daö Blatt der Gagern und Mathh's :c., mit den Zähnen knirscht, wenn es den Aerger über seine Demüthi­gungen, seine Fußtritte, den Aerger über die Nichtbeachtung. LerNet­ter der Throne" durch ein erhabenes Schweigen zu verbeißen sucht; der große Diplomat der Oberpostamtszeitung beruft sich auf seine größere Treue zu den Fürsten", die größere Wahrheit seiner Principien, er beruft sich darauf, daß man 2 Jahre nach der glorreichen Erhebung der deutschen Schulmeister, -2 Jahre, in denen ihnen gestattet war, alle Register aufzuziehen, den ganzen Vorrath ihrer Kenntnisse zu ent­falten, in denen ihnen die Fürsten zugelächelt, die Großen der Krone Segen erfleht, schon wieder zu den soliden Grundsätzen der deutschen Diplomaten zurückgekehrt sei. Hr. v. Blitterödorf hat ein Recht dazu. Er hat mindestens das Recht, Len Konstitutionellen dasselbe zuzurufen, waö diese jetzt Tag und Nacht den Demokraten vorwerfen: daß sie Schwärmer, Phantasten, Idealisten seien, unfähig, eine dauernde Form zu schaffen.

Die letzte Offenbarung der Oberpostamtszeitung beschäftigt sich mit der Mediatisirungöfrage. Hr. von Blitterödorf erklärt, das In­terim müsse nicht gerade mediatisiren, indessen könnten sich die Für­sten nicht beschweren, wenn sie mediatisirt würden. Die Macht deö Interims sei kein bloßer Schein, das Interim sei gesetzt, auf daß es Gewalt habe über die Erde, daß seine Kräfte nach den Umstän­den gebrauche. Es sei mehr als Ler alte Bundestag, es habe sich nicht mit Inkompetenz zu entschuldigen, sei gegeben, auf daß es kompetent sei.

Der große Diplomat ist abermals deutlich. Die Mediatisirung der demokratischen Staaten wird nicht im Augenblick, sie wird aber den Umständen nach" , sie wird in demselben Moment vvrgenommen werden, wo alle andern Mittel nicht mehr auöreichen, den demokra­tischen Geist gründlich auszurotten. Sie wird vorgenommen werden, nachdem auch der Erfurter Reichstag, gegen dessen Berufung jetzt auch Oesterreich nichts einzuwenden hat, sich als unfähig gegen die Demo­kratie erwiesen hat.

Oesterreich und Preußen sind einig. Das sagt die österreichische Note, welche die Ueberzeugung auöspricht, daß sich die österreichisch ' preußischen Differenzen imLeben", bei LerEntwicklung der Dinge" von selbst auogleichcn würden, das sagt das herzliche Einvernehmen deö Prinzen von Preußen mit der Jnterimskommlssivn in Frankfurt, daö sagt endlich der große Diplomat. sind tret verschiedene Apo- stel deö einen Erlösers, Ler zu Gunsten der Fürsten wieder aufcrstan- den ist.

Daö Interim sowohl, alö der Erfurter Reichstag sollen die Thei­lung Deutschlands in 2 Theile vollenden. Nachdem sich die beiden Großmächte darüber verständigt haben, überlassen sie beide Institute dem Leben", derEntwicklung der Dinge". Es wird sich zeigen, welches der beiden Institute, der Reichstag oder daö Interim, sich am besten bewährt, welches der Gewalt, dem Absolutismus, dee gründlichen Vertilgung der revolutionären Ideen die beste Handhabe bietet. Wenn der romantische König von Preußen sich in seinem Er­furter Plane verrechnet hat, so wird er vor der höheren Weisheit Oesterreichs zu Kreuze kriechen und Buße thun. Das Interim wird nachen, daß durch die verspätete Einsicht Preußens kein Schaden geschieht.

Der große Diplomat offenbart weiter, daß zunächst nur von

einer Mediatisirung der kleinen Staaten die Rede sein könne, die größeren würden von der Wucht und den Donnerkeilen des Interims weniger betroffen" werden, vorausgesetzt, daß siein sich hinreichende Consistenz" d. h. hinlänglich guten Willen besäßen, gegen die libera­len und demokratischen Ideen auf eigene Faust die Hetze anzustellen. Die größeren Staaten können also wieder aufathmen. Die Rache deS Interims geht zunächst gegen die kleinen Staaten, diein sich keine gehörige Consistenz" besitzen. Gott schütze unö!

Der große Diplomat sagt für uns nichts Neues. Durch den Erfurter Reichstag sollen wir des preußischen, durch das Interim des österreichischen Absolutismus theilhaftig werden. Norddeutschland wird durch zwei wiederspenstige Glieder, (Sachsen und Hannover), Süddeutschland ebenfalls durch zwei, nämlich Baiern und Würtemberg, gespalten, Rußland regiert! Wenn die Zeit gekommen ist, wird man für den Norden und den Südendie in sich hinreichende Consistenz" vermissen und weiter mediatisiren, und weiter russistciren.

ES lebe Nikolai Pawlowitsch!

Deutschland.

Ka^el, am 9. Jan. Der Bezirksausschuß dahier, die lei­tende Behörde für den Wahlkreis Kassel, hat die Zahl der Wahl­männer desselben durch Beschluß vom 3. auf 90 bestimmt. Jede Klasse der Urwähler soll 30 wählen. Für die Wahl der dritten Klasse sind 25 Bezirke gebildet; tu Kassel 5 (Deren jeder 2 Wahlmänner wählen soll), für den Landgerichtsbezirk Kassel 10 Bezirke, für Wolf­hagen , Volkmarsen und Zierenberg je 2, für Grebenstein 4 (alle diese sollen 1 Wahlmann wählen). Was wird da heraus kom­men ! Der Wahltermin zur Wahl der Wahlmänncr ist auf Mitt­woch, den 16. Jan., angesetzt. Wir wünschen viel Vergnügen!

A Kassel, am 9. Jan. In Weimar wundert man sich, daß Kassel nichts zum Herderdenkmal beigesteuert hat. Wahrlich, den Weimeranern muß sehr gut gehn, Laß sie überall den schönsten Ucberfluß vermuthen, sie sind mit ihrem Zehrenvom Ruhm ver­gangener Zeiten" ziemlich übel berathen wir haben mehr zu spenden, als für steinerne Schminke, womit eine kleine Residenz ihre vergelbten Wangen aufzufrischen gedenkt. Bruder und Freunde sitzen darbend in der Schweiz, in Baden, in Amerika, der Armuth an Ort und Stelle nicht zu gedenken. Täglich kommen Flüchtlinge aus Rastatt zurück. Dafür, Bürger Kassels, spendet eure Hülfe! Zwei von den Kurhessen aus Rastatt sind nach Hanau zur Untersuchungshaft abge- fuhrt worden, einer von ihnen, Ler Schriftsetzer Franz auö Kassel, ehemals Mitglied des VolkökomitèS, ist nach Kassel in das hiesige Gesangenhans eskortirt worden. Hier, Bürger Kassels, spendet eure Hülse!

Staffel, 9 ^an. Die heutige » Neuhessische« bringt denn endlich in ihrer Abendausgabe den längst erwarteten Aufruf zur Wahl nach Erfurt, der Vorschlag über die zu wählenden Herren wird wohl schleunigst nachfolgen; man kann sie schon im Voraus vereint linier denen suchen, die bieten Aufruf unterzeichneten der alle die verdreh­ten Ansichten, alle Windungen und Wendungen gegen Wahrheit, Ehr­lichkeit und Biederkeit enthält, die vorauseschn waren. Unterzeichnet sind 21 Abgeordnete des Landtags (darunter Nebclthau, Rentel und Ehren-Lieberknecht im schönsten Verein, es fehlen namentlich Eis- sengarthen, Lederer swundekbaklI, Pfeiffer und Westphal, Schwarzen­berg, Hildebrand und Wolf). Acht Gemeibireibende, zwölf Ange­stellte, (bäumtet der gewesene Erminister Schenk und ein Kriegskom- missar) ein Advokat (Hr. Alsberg) und Adam Pfaff. Vom Aufruf selbst sprechen wir noch.