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einstweilen noch ein wenig an den einmal eingewurzelten Grundsätzen festesten und eS abwarteten , bis eine der sonst widerstreitenden und setzt so schön harmonirenden Parteien ihre bescheidenen Zweifel darüber lösen möchte, auf welcher Seite Sittlichkeit und Wahrheit, welche wir bisher zwischen den Uebertreibungen der Extreme gesucht haben, zu ftn* den sei?" (sittlich gesprochen — tn der That! — aber in der Mitte sitzt die Schlaffheit und Bequemlichkeit, nicht die Sittlichkeit, oder nur die bockslederne des Philisters).

Kassel, 8. Jan. — Hr. Pin Has meint in der heutigen Num­mer der Kaff. Zeitung, des „Organs der Partei Pinhas", die große Mehrzahl deS Volkes in Kurhessen werde wählen. Hr. Pin- Has scheint von Hanau nichts zu wissen, nichts von Fulda und von Marburg, waS nicht zu verwundern, da er selbst von Kassel Nichts zu wissen pflegt, als Ernennungen und Todesfälle; da eS niemals einen Zeitungsschreiber gegeben hat, der so wie Herr Pinhas die Zustände seiner Heimath ignorirt und nichts kennt, während er in London, Wien, Berlin re. nach Berichten über jedes fürstliche Wochen­bett und jede fürstliche Lumpigkeit auölugt.

AuS dem Fuldaische».— Im Auftrag des kurhessischen Treu» bundeS, auch neuhessischer UnterstützungS - und Preßverein genannt, sind vou dem Deputaten Hrn. v. Schenk hierher an mehrere Rotabeln Bettelbriefe um Unterstützung für die „ Neuhessische Zeitung" ange­langt. Hr. v. Schenk wird aber für diesmal vergeblich dieselbe Töl- pelhaftigkett in Anspruch nehmen, mit welcher man in ihm den letzten „ Ritter" in unsere Ständeverfammlung gesendet hat *), und wird in seinen Briefen umsonst das „Bedauern" auögedrückt haben, daß in Ermangelung einer andern Zeitung nur gerade die „ Neuhessische" als Organ deS Preßvercius habe gewählt werden muffen. Wie gut fuldisch ! Man darf jedoch annehmen , daß den Leuten, denen diese Bet­telbriefe zugeschickt wurden, schon das ihnen damit bewiesene Zutrauen sehr unangenehm ist, und darf umsomehr überzeugt sein, daß sich Hier­orts Niemand dazu hergibt, einer Zeitung unter die Arme zu greifen, welche, abgesehen von ihren bei uns alleS Bodens mangelnden Ten­denzen , stets den erbittertsten Haß in Prosa und Reimen gegen Fulda an den Tag gelegt hat. Die alten „ Salon"-Genossen, deren meh­rere unter uns gewandelt oder noch wandeln, die in der Neuhessischen Zeitung ihr Wesen treiben, sind unS stets zuwider gewesen; wenn nicht einige althessische Büreaukraten für ihr Organ etwaS thun wollen, so werden von hieraus wenig Silberlinge in den Almoscnkastcn der Neu­hessischen Zeitung geworfen werden.

Kassel, 7. Jan. — Abermals kommt unS eine Kunde von den Gesctzesüherschreitungen der Commandojäger? Einer der achtbarsten Bürger aus Obervellmar, der Wirth Klapp, geht mit Waffen und Jagdschein versehen auf die Jagd; an der Gränze der Gemarkung eilen zwei Contmandojäger auf ihn zu und verlangen sein Gewehr. Vergebens zeigt er seinen Schein, der eine zieht blank, haut auf ihn los und mit Gewalt wird ihm seine Büchse genommen. Wann wird diesem Unfug gesteuert werden. Wenn man denn einmalö durchaus bei der Behauptung, Jäger zum Forstschutz verwenden zu müssen, stehen bleibt, so bedenke man, daß dieser ganze Zustand ein Nothzustand ist, und erleichtere ihn für die Staatsbürger dadurch, daß man diese Jäger nicht zu Jagdpolizeidienern macht, und daß man sie unter dem Militärkommando wegnimmt, und sie lediglich unter die Forftbeamten und unter die Civiljustiz stellt. Es wird einen wohlthätigen Einfluß auf sie auSüben und zum Schutze der Bürger gereichen.

O Berlin, 6. Januar. — Man sagt, die Ministerkrisis sei vorüber, und es scheint wirklich, als sei daS Gewitter, daS über dem Ministerium Manteuffel schwebte, glücklich vorübergezogen. Wenn nicht alle Anzeigen trügen, so ist die Partei der ArnimS und Ger­lachs für dies Mal noch aus dem Felde geschlagen worden. Jeden­falls sind bedeutende Entschlüsse in den Kreisen der Gewalthaber ge­faßt worden, und der konstitutionelle S ch e i n l i b e r a l i s m u â Manteuffels hat gesiegt, gesiegt wegen der persönlichen Vor­liebe des Königs zu den Leuten, die ihn im November gerettet haben. Sollte das Unglaubliche sich wirklich in allen seinen Konsequenzen be­wahrheiten , so wäre damit für die ganze zukünftige Politik Preußens eine feste (?) Norm gegeben; Preußen würde den Weg eines Cvusiitutio- nalismus gehen, wie er bisher eigentlich in keinem Staate existirt hat. Alte aufrechterhaltene Formen in sonderbarer Verquickung mit einigen Ideen den Neuzeit. Beide durchdrungen von einem spezifijch Mantcuffel)chen BüreaukratiSmuS, würden von jetzt an für Preußen als Gesetz gelten. Jedenfalls ist die Wendung eine höchst eigenthüm­liche. Die Revision der Verfassung ist beendet, und die Minister for-

— ^ d"6 zu erkläre», daß die Hochbesteuerten des Bezirks Fulda zwei

* politischer Richtung gewählt haben? Wenn Hr. v. Schenk

h b >1 , stimmt Hr. Malkmus „ 9t ein " und umgekehrt. Da sich diese bei-

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derten, daß der König sie beschwöre. Er weigerte sich, weil ihm die Beschlüsse über die Fideikommisse, über die Zusammensetzung der ersten Kammer (die er ganz oder theilweise als Pairie wünscht) nicht zusagten. Ueber diesen Punkt ward Donnerstag, am 3. Januar, ein Ministerrath in Bellevue gehalten, und Folgendes scheint daS Ergebniß dieser merkwürdigen Sitzung zu sein. Der König wird die Verfassung beschwören, vorher jedoch noch andere Vorlagen machen, die angenommen werden müssen. Die Beschlüsse über die Fideikom­misse , über die Zusammensetzung der ersten Kammer nnd theilweise über die Agrargesetzgebung werden geändert werden; dagegen wird vielleicht den Kammern das volle, unumschränkte Recht der Steuer­bewilligung gewährt. Letzterer Punkt ist jedoch noch sehr zweifelhaft. Viel wichtiger aber noch sind die Conseqnenzen dieses letzten Ereig­nisses in Bezug auf die deutsche Frage; bleibt die Lage der Dinge so, wie sie sich jetzt gewendet hat, so tritt auch der Erfurter Reichstag zusammen. Erlauben Sie, daß ich Ihnen folgende Worte aus der „ Deutsche« Reform " anführe , die sie nach einer hef­tigen Polemik gegen die Neue Preußische Zeitung ausspricht, und die als Programm der künftigen Politik Manteuffels angenommen werden können: „So mag denn immerhin die N. Pr. Ztg. den Eid auf die Verfassung verwerfen, weil daraus eine Einigung der in der Verfas­sung ausgesprochenen Doktrinen und Meinungen gefolgert werden könnte, wir sind überzeugt, unser König hält, waS er versprochen, denn er weiß, daß nur daS eigene Beispiel der Treue Treue erzeugt; sie trete nur mit dem angedrohten furchtbaren Proteste dagegen hervor, er wird spurlos verhallen; sie bezeichne die Wahlen zum Erfurter Reichstage als ein Unglück, die Edelsten der deutschen Nation werden dennoch unter dem Schutze deS preußischen BannerS tagen; sie klage über die schnöde Verkennung der 33jährigen Seg­nungen des Bundestags — Fürsten und Völker haben ihn verworfen; sie betrachte den Zwiespalt zwischen Oesterreich und Preußen als beider Untergang, die Politik Friedrichs des Ein­zigen geht ihre sichere Bahnen!"

In diesem Ausspruch liegt die eigentliche Charakteristik Manteuffels. Der scheinkonstitutionelle Minister ist klug genug, seinen Liberalismus auf Friedrich den Einzigen, auf den Stern Preußens, zu stützen. Die Politik bleibt und ist gerade deshalb ein mildeS Oktoyiren, ein libe­raler scheinkonstitutioneller Despotismus. Aber dieser falsche Schein braucht blos einige Jahre zu dauern, so wird auch er wenigstens die Frucht tragen, daß das Volk die vorgespiegeltcn Freiheiten wirklich haben will, und die Form zerbricht, die ihm die Wahrheit vorenthielt. — Die Stellung Preußens Kleindeutschland gegenüber bleibt deshalb ganz dieselbe, und wenn eS etwa von einem siebenjährigen Krieg gegen Oesterreich renommirt, so ist das nur zum Lachen. In Sachsen wird man sich brüderlich vereinen, früher oder später.

L e st e r r e i ch.

Wien, 3l. Dez. — Wenn hier keine Ministerkrise wär, wo sollte dann eine sein. Berlin und Wien, eS ist eine und dieselbe Ent­wickelung, an ihrer Spitze St. Radowitz in Frankfurt. In Berlin muß man ein Ministerium haben, was mit Metternichs Schule eine Seele ist, und in Wien muß man diese selbst haben. Was soll man mit einem Bach, der trotz aller Willfährigkeit seinen revolutionären Ursprung nicht verrathen kann und sich unterfängt, der alten Beamten­welt an ihrem unendlichen Zopf zu kürzen. — Die hohen Personen, welche sich mit solchen Plänen beschäftigen, sind, wie man allgemein glaubt, ein Kavalier der nächsten Umgebung des Kaisers und der junge Kaiser selbst; dieselbe Geschichte, wie in Paris vonZNapoleon und seinem getreuen Fialen de Persigny. Geüchte von Suspension der Verfassung sind nichts Neues, sie sind die nothwendige Zugabe zu de­nen über bin Ministerwechsel. •— Aber was gewiß ist, schwarz auf weiß, in der Wiener Zeitung zu lesen, ist der Finanz-Ausweis vom dritten Vierteljahr vergangenen Jahres. Die gesammten Einnah­men des unglücklichen StaatenconglommeratS in diesem Zeitraum be­tragen 104,445,952 Gulden, und das Heer allein kostete fast die ganze Summe, nämlich 103,816,950 Gulden. Das Defizit beträgt in diesem einzigen Vierteljahr 91,125,787 Gulden. Selbst dem schwarz- gelbsten Wiener steigen bei solchen Dingen die Haare zu Berge. Und der Finanzminister Kraus? — macht Papier, Papier, Papier! — Im Unterrichtsministerium herrscht große Thätigkeit; wunderbar genug findet der naive Schwarzgelbe die Neuerungen desselben, die am besten den neuen GeistOcsterrcichs bekunden ohne alle Gefahr, und doch hat man den ehemali- gen NeichSjustizminister, N o b e r t M o h l, von der Wiener Universität be­rufen, und, waS mehr sagen will, selbst einem Wühler, wie Fallcreier, den Antrag einer Professur gemacht, einen Schuleath gebildet für das ganze Reich u. dgl. Dinge mehr, die keineswegs im Sinne _uuD Geiste deS Heiligen Radowitz sind. — Als ganz gewiß wird versichert, daß d.r Ministerrath ein TruppenkorpS von .24,000 Mann in Sachsen einrucken