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Der CoristitutionaliSmus hat gute Gründe für seinen Lug und Trug. Indem er daS Privileg, das Monopol, daS Vorrecht dem Namen nach bestehe» läßt, rechtfertigt er seine eigenen Privilegien, Monopole, den Anspruch, den er selbst auf die Ausbeutung der Menschen gemacht. Da- durch rechtfertigt er den Unterschied der Klassen, der Kasten und Stände die Verwerfung des allgemeinen Wahlrechts, die freie Concurrenz, den Absolutismus, den Wucher und Schacher. Der Constitutionalismus ist eS, der mitten zwischen den beiden Parteien daS Feldgeschrei: „der Staat bin ich", und daS: „der Staat sind wir" in ein einziges Drittes verwandelt, welches heißt, der Staat List weder du, noch seid es ihr, sondern der Staat sind wir, wir allein, wir die Besitzenden, die Bevorrechteten, wir die Höchst - oder Mittelbesteuerten. Indem der Constitutionalismus den Anschein hat, als wolle er den Absolutismus mit der Demokratie versöhnen, plündert er beide Parteien zu seinem Vortheil , in seinem Nutzen. Der Constitutionalismus ist kein Prinzip, keine Idee, er ist die pure interessirte Gemeinheit.
Wa" kein Prinzip hat, hat auch kein Leben, keine Zukunft. Der Constitutionalismus lebt nur von dem Herzblute der auf Leben und Tod kämpfenden prinzipiellen Feinde, er stirbt , wenn einer der beiden Gegner geschlagen, verblutet ist. Die Zukunft gehört der Demokratie, dem christlichen Menschenthum, der Freiheit und Wahrheit, der allgemeinen Gleichheit, der allgemeinen Brüderlichkeit. Es gibt keine Gewißheit, die gewisser wäre als diese. Das Prinzip der Demokratie lebt und wirkt bereits im Staate, die konstitutionelle Partei hat es in ihrer Angst und in ihrem Interesse der einen Seite nach zum Gesetz erhoben; wer hätte die Macht, zu Gunsten dcö Alters, der Greise, des absterbenden Geschlechts, daö neue Geschlecht, die Jugend zu vertilgen?
„Der Staat sind wir, daS Volk!" Immer wilder und lauter wird dieser Ruf erschallen; vor diesem Rufe werden alle Schranken und Verhaue des StaatölebenS, alle Bande der lebendigen Gesellschaft fallen. „Der Staat sind wir!" Mit diesem Feldgeschrei ist jedes Recht, jeder Anspruch, und wäre er Jahrtausende, wäre er uralt, verworfen, jeder Anspruch, dem Gesammtwillen deS Volkes die Faust eines besondern Willens entgcgenzusctzen. „ Der Staat sind wir",— mit diesem Fußstampfen des entrüsteten Volks ist aller Hochmuth und Uebermuth gebrochen, ist die politische und soziale Revolution verkündet, ihr Ausgang zweifellos gemacht, die gesellschaftliche Verfassung von Erund^auS reformirt! „Der Staat sind wrr!"
Deutschland.
Kassel, 6. Januar. — Die erste Heldeuthat des PreßvereinS ist vollbracht. Eine Bei>age der Neuhessischen Zeitung, „des Organs der konstitutionellen Partei" (welche Firma beinahe durch die Reklamationen der absolutistischen Leser als noch zu freisinnig wieder vertilgt wäre), trägt sie in liebender Umarmung durch das Land. Der stets bereite Waffereimer Henkels mußte herhalten. Wie Hr. Oetker einstmals in den ersten Märztagcn schrieb: „weil ich noch kein Blatt habe (d. h. keine Neuhessische), so schreibe ich ein Blättchen", so kann Henkel von sich nun auörufen: „weil ich kein Blatt mehr habe, so schreibe ich nun wieder ein Blättchen". — So sehr neigt sich die Konstitution der Konstitutionellen zur Schwindsucht, daß sie end'ich zur Partei zusammengeschrumpft sind, und daß Henkel sche Trivialitäten ihre Medizin werden. — Diese Henkel'sche^rpektoration führt den Titel: „vom deutschen Reich", und übertrifft Alles, was dieser Herr bis jetzt geleistet, an Nichtigkeit. Es charakterisirt sich am besten durch den aus Göthe's Faust angeführten Spruch: „Mir wird von all' dem Zeug so dumm, als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum". Wie alle Henk elf chen Machwerke ist auch auch dieses in einem wahrhaften „Bummel"-Stiel abgefaßt, in einer Weise, die populär sein soll, aber kraftlos und salopp ist. Wie denn überhaupt alle diese Henkels und Hcnkelsgcnvfsen von jeher die Popularität mit Trivialität und Schlottrigkeit verwechselt haben. Und gerade daö Volk will eine gesunde, derbe Soft, und nicht diese aufgewärmte Wassersuppe. — Henkel beleuchtet sein deutsches Reich nach 4 Punkten: ]j wie war
2) wie muß cs sein, um besser zu werden, 3) was ist zu diesen Zwecken versucht, 4) was ist zu thun möglich M, wenn eNvaö ander Sache werden soll? - Zu 1 fängt Hrnkel, wie gewöhnlich bei der Herrlichkeit des alten Kaiserreichs an, um bei 2 einen solchen Kaiser auch für die Jetztzeit höchst wünschenswerth zu finden und in 3 folgende köstliche Aufschlusse zu geben, die über Alles gehen, waö der geehrte Gothaer bis jetzt an Inkonsequenz und Rückschrittsgelüstcn von sieb gespien. Es heißt wörtlich: y »Fragen wir drittens: was ist bisher zur Gründung einer solchen Verfassung geschehen? so ergibt sich Folgendes: Die Bundesversammlung berief eine Versammlung von Volks
vertretern nach Frankfurt, um zwischen dem Volke und den Regierungen eine neue Verfassung für Deutschland zu Stande zu bringen."
So verdrehen sich im Kopfe eines Mannes selbst die geschichtlichen Thatsachen, der früher der neuen Zeit daS Banner tragen wollte, um, auf Scheingründe gestützt, dieses Banner schmählich zu verlassen. Also die Bund e.S Versammlung berief die Vertreter deö deutschen Volkes? Einen Fünfziger-Ausschuß gab eS wohl nie? und die paar Revolutionen, die vorhergegangen, hat Hr. Henkel wohl schon längst vergessen? — Das angegebene Pröbchen genügt. Sonst wird unter Nr. 4 die alte Leier gesungen, d. h. die neueste alte Leier von Gotha, die aber glücklicherweise nicht so zaubergewaltig klingt, wie die der Fee Loreley, und der man ohne Gefahr für Leib und Seele lauschen kann, wenn man's vor Langeweile auohält. — Henkel bittet schließlich daS Volk, „in GotteS Namen nach Erfurt zu wählen und von den Abgeordnete» zu erwarten, daß sie dort die angebotene recht gutes???) Verfassung ohne Umstände annehmen." ES ist gräßlich und traurig mit diesem Manne zu Ende gegangen. Ohne Umstände soll man die preußischen Knutcnhiebe annehmen, die eine recht gute Verfas» fung sein sollen. Himmel, hab' Mitleid!
H Staffel, am 4. Jan. — Gestern hielt der hiesige demokratisch-soziale Verein, der jetzt nahe an 3000 Mitglieder zählt, eine zahlreich besuchte Versammlung. Einmüthig wurde beschlossen, sich nicht an der Wahl nach Erfurt zu betheiligen, und diesen Beschluß der Demokratie KurhessenS zu eröffnen. Die weiteren Verhandlungen betrafen innere VereinSangelegenheiten, die Errichtung einer Fortbildungsschule, einer Volköbrblivthek und eines Gesangvereins, die in Kürze ins Leben treten werden, und die Ablage der JahreSrechnung. Abgeordneter Bayrhoffer, welcher der Sitzung beiwohnte, fetzte unter allgemeinem Beifall auseinander, von welchem Standpunkt die Linke der Ständeversammlung bei dieser Frage auögegangen.
Kassel, 7. Jan. — Höchst spassig ist der Hochmuth und der Abscheu, mit welchem der Herr A. (Karl Bernhardi?) die Demokratie, welcher er den Trtel Hornissenpartei vktroyirt, in der edlen deutschen Zeitung „mit Gott, für.Gotha und Bassermann" abzufertigen sucht. Verzweiflungsvoü ruft er aus: wann werden wir von dieser politischen Krätze entledigt werden, von einem Blatt, das schmähsüchtige Buben zusammenschmieren? Neulich habe ihm ein guter Freund wieder ein solches Blatt vorgehalten „voller Schmähungen auf unsere achtungsvollsten Männer ", mit dem schmerzlichen Ruf, wann wird daS aufhören? Er habe entgegnet, „wenn wir (nämlich A. und sein 8.) das Zeug nicht mehr lesen." Wie der Vogel Strauß! Den Kopf in das Gebüsch gesteckt, dann ist weder ein Jäger, noch ein Geschoß für ihn vorhanden, bis er die Kugel im Rücken fühlt. — Die Schwäche dieser Armen wird täglich sichtbarer; während die demokratische Partei im Bewußtsesn ihrer Macht mit der größten Ruhe und mit mitleidigem Lächeln ihren Bockssprüngen zusieht, haben s i e in der Angst ihres Herzens nichts mehr als Schimpfworte und Verwünschungen gegen unö. Während sie ihren Kopf voll hochmüthiger Verachtung wegwenden, verrathen sich in ihren Preßvereinen ihre TodeSzuckungen. — Auf ebenso hochmüthige Weise benehmen sie sich gegen ihre Feinde von der Rechten, gegen die Kreuzzeitung, Vilmar u dgl.; sie halten eS nicht für nöthig, „ihre Abgeschmacktheiten" einer ernsthaften Widerlegung zu würdigen. — Das würde auch zu viel Anstrengungen kosten, deren diese Menschen nicht fähig sind. Wenn schon längst kein Atom mehr von ihnen in der Welt zu finden ist, wird noch zwischen jenen beiden Parteien, die sie jetzt gleichmäsig verrachten, der erbitterte Kamps aus Leben und Tod fortdauern.
* Fulda, 3. Jan. — Hier sucht man durch Bälle und Concerte die arbeitenden Classen zu unterstützen; — eS ist wenigstens etwa-, obgleich die Armen lieber das Geld ohne die Abzüge für Lokal und Erleuchtung einnehmen würden. Hoffentlich wird man auch noch dahin gelangen. — Der Stadtrath hat einen großen Entschluß gefaßt und die Oeffentlichkeil seiner Sitzungen beschlossen, die vielleicht nirgends so wünsa,enöwerth ist, da die Bürgerschaft seit Jahr und Tag schon gegen den städliichen Haushalt begründete Beschwerden erhoben hat. — An eine Wahl nach Erfurt denkt auch hier Niemand.
D Spangenberg, 5. Jan. — Ich muß Ihnen doch mittheilen, wie eS in Kurhesseu noch mit der christlichen Duldung und mit der Huldigung der Religionsfreiheit aussieht. Hören Sie. Hier besteht schon seit einiger Zeit eine Baptisten-Gemeinde, deren Mitgliedern man nur das Löblichste nachsagen kann. Der hochwohlweise Stadtrath aber wollte diese „Ketzer" nicht auf seinem Kirchhofe begraben haben; wenn er sie auch im Leben dulden muß, so wollte er doch wenigstens im Grabe nicht in ihrer Nähe verfaulen. — Kürzlich hat er nun die Weisung vom Ministerium erhalten, sofort bei Strafe einen besondern