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neuen Termin, den 18. Januar 1830, hinausgeschleppt werden soll: so würde von jener früheren Nachgiebigkeit der Borwurf des Seivft lismus nur durch die Energie und Festiqkcir der dann sofort eintre- tcndcn Op p o si t i o n abgewendet werden können. Heute geht der gesetzlich bewilligte Etat zu Ende: vergesse das Mini­st er:u m nicht, daß es für d i e ei gen m ächti g e n A u s g a b e n, die es von morgen a b m a ch t, d cr n a ch tr ä' gl i ch en Indem­nität durch die Kammern b e d a r f."

Wir gestehen, daß wir auf diesofort" eintretende Opposition der sich selbst »überwindenden« und zu jedem fürstlichen Standrechts­streiche »hingehenden« Vaterlandsretter sehr begierig sind, glauben aber, daß der »Unmuth der Kommittenten« noch oft Gelegenheit haben wird, sich über die »Sichselbstüberwinder« Luft zu machen. Was, die Ausgaben anlangt, so ist das eine Bagatelle. Man macht sie aber und octroyirt sich indessen eine Kammer, die in diesen Schritt einen kühnen Griff" oder eine rettende That " findet. Es giebt noch bessere Kammern, als die jetzigen, nur Geduld!

Berlin, 3. Jan. (D. Z.) In der gestrigen Sitzung des GesammtausschusseS der Berliner Volkspartei stattete Berends Be­richt ab über die Antworten, welche in Bezug auf die Beschickung des Kongresses zur Berathung der Wahl zum Erfurter ReichSverein eingelaufen sind. Es waren Briefe da aus sämmtlichen preußischen Provinzen, aus Kurhessen, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklen­burg, Braunschweig, München und Würzburg, und alle sprechen sich gegen die Wahl aus. Ferner 36 waren gegen den Kongreß und nur 4 für denselben. Nach Anhörung dieses Berichtes nahm der Kongreß seinen früheren Beschluß zür Berufung eines Kongresses zurück. Hieran? stellte Hr. Lippschütz den An­trag: Der Gesammt-Auöschuß möge erklären, daß der Reichsverweser nicht berechtigt gewesen, sein Amt in die Hände Preußens und Oester­reichs niederzulegen, weil er nicht von diesen, sondern von der Nationalversammlung erhalten. Ein AenderungSvorschlag des Hrn. Linck wies ferner darauf hin, daß der Reichsverweser gar nicht mehr berechtigt gewesen, sein Amt auszuüben, weil er desselben von der Nationalversammlung für verlustig erklärt sei, die Versammlung fand eS jedoch nicht für zweckmäßig, darauf einzugehn. Sämmtliche Redner, welche darüber sprachen, namentlich die HH. Berends und Streckfuß, wiesen darauf hin, daß die Volkspartei Besseres zu thun habe, als sich in so unfruchtbare Rechtsstreitigkeit einzulassen. Man solle, riefen sie der Partei zu, die Dinge nehmen, wie sie sind, und dafür Sorge tragen, daß sie besser werden, nicht aber sich mit ihnen, wenn sie ab­gethan , herumstreiten. Beide Anträge wuiden fast einstimmig abge- lehnt. Hierauf ging die Versammlung zur Berathung ihrer Ge­schäftsordnung über, die sie in möglichst kurzer Zeit beendete.

München, 1. Jan. Der Streit über den preußischen Lied­lohn für die Dienste deSherrlichen Kriegsheers" in der Pfalz ist noch immer nicht beendet. Die bayersche Regierung behauptet, Preu­ßen habe nur seine eigenen Geschäfte besorgt und nicht negotia für den Max gerirt. Die preußische Regierung denkt freilich im Stillen, daß sie allerdings die Absicht gehegt habe, für'ü eigene HauS zu ma­chen, und nur in ihren Hoffnungen schnöde betrogen sei, erklärt aber laut, die bayersche Regierung lüge, Preußen habe aus freundnachbar­licher Bundespflicht gehandelt. Es sei also in seinem Recht, 300,000 Thlr. vom Antheil Bayerns an den Zollintraden im Sack zu behalten. Die bayersche Regierung replicirt dagegen, daS sei contra jus in thesi darum Da auf duplicirt die preußische:Brauch oder nicht, daS gibt sich auch ! " Abgemacht!

LdZien, den 3t. Dez. Die Hoffnung auf die mit dem Neu­jahr erwartete Amnestie schwindet immer mehr. Dagegen verkündet ein landeöväterlichcr Armeebefehl, daß die Armee, nachdem der Welt Frieden und Ruhe wieder gegeben seien, auf den Friedensfuß gesetzt werden solle. Das ist keineswegs wörtlich zu nehmen. Derjugend­liche " Kaiser will damit vermuthlich nur sagen, daß er in jeder Weise versuchen werde, daS Deficit von 91,125,787 Gulden nicht zu einer Höhe anwachsen zu lassen, wo sich nicht mehr regieren läßt. Der Finanzminister wird zu diesem Versuch allerdings Grund haben. Ein Belagerungszustand und die renommistischen Truppenwanderungen nach Böhmen, die ihren ungestörten Fortgang nehmen, erhöhen jedenfalls nicht die Einnahme, ohne Zweifel aber die Ausgabe, und Papiergeld sowohl als Anleihen haben selbst in einemgeordneten" Staate ihre Grenzcu.

Ungarn.

Vom k. k. Kriegsgericht in TemeSwar sind verurtheilt: Die katho' lischen Pfarrer Joh. Stwrtezky und Joseph Pfeiffer und der griechisch- nichtunirte Pfarrer Georg Pitko wegen Vorschubleistung zum bewaffneten Aufruhr, die beiden e ftcu zu Sjährigem, der letztere zu 4jäy»igem Fcstungsarrcst in Eisen; Leopold Roth und Michael Birosch we^en

Majestätsbeleidigung zu Ijâhriger Schanzarbeit in Eisen; ferner Sigis­mund v. Ormoö, Oberstuhlrichter in Buzias, Wilhelm Zsizmondi, Mark­scheider in den königlichen Eisenbergwerken zu Reschitza, und Joseph Slany, Sekretär beim ungarischen Finanzministerium, wegen Vorschub­leistung zum bewaffneten Aufstande zu vier-, fünf- und sechsjährigem Festungsarrest in Eisen, endlich Stephan Major, ein mit Geleitschein auS Komorn entlassener Honvedlieutenant, welcher auf seinem Wagen einen scharf geladenenen Militärstutzen und am Leib, tm Stiefel, eine scharf geladene doppelläusige Pistole verborgen hatte, zu »chtmonaklichem StockhauSarrest in Eisen.

Das Schullehrerfemlnar zu Homberg.

IV.

(Fortsetzung.)

2) Unterricht. Didaktik, Methodik, Religion, deutsche Sprache, Seelenlehre, Geographie, Geschichte, Rechnen, Na­turgeschichte sind die Unterrichts g e g e n st ä n d e. Die beiden erster» erfreuen sich der ausschließlichen Behandlung deS Herrn Direktors und bei seiner musterhaften Nachlässigkeit läßt sich denken, was geleistet wird. Ein zum größten Theil von Denzel abgeschriebenes Heftchen, dessen Entstehungszeit unbekannt ist und daS von Klasse zu Klasse fort­erbt, wird wörtlich auswendig gelernt. Er selbst ist der Einzige, der eS noch immer nicht so weit gebracht hat, trotz der langen Reihe von Jahren, die er daran studirt; oder ist es so lange, daß er Alles wieder vergessen? Ohne dies Heft wär er ruinirt, der dümmste Seminarist wär klüger als er ohne Heft. Wehe dem Schüler, der diesem Evangelium untreu wird, der es vielleicht wagt zu verstehen, oder selbstständig zu formen er gilt als Dummkopf und als ab­schreckendes Krempel für seine Mitschüler. Zuweilen, wenn Hr. Baumann zn sehr mit Verdauen beschäftigt ist, um sich mit Fragen zu molestiren, wird ein Kapitel deS Heftes vom Obersten biS zum Untersten der Klasse Satz für Satz selbstständig abgeleiert. Von einer Vergleichung der verschiedenen Schriftsteller neuerer Zeit im Gebiete der Didaktik und Methodik ist keine Rede.

DaS ist die Methode im Unterricht der Methodik, dem wichtig­sten UnterrichtSgegenstande für angehende Volksschullehrer. Zuweilen wird die Stunde durch ein fröhliches Intermezzo anziehend. So pas- sirl's wohl, daß der Herr Direktor im Herrn entschläft und erst durch das allgemeine Gelächter seiner Schüler erwacht. Bemerkenâwerth ist namentlich die Methode in dem biblischen Geschichtsunterricht für die Unterklassen. Eine biblische Geschichte soll nämlich so lange vorge­sprochen werden, bis die Kinder sie alle können auswendig gelernt haben. Soll da nicht dem Kinde schon in frühester Jugend der Wider­willen gegen alle Religion eingeflößt werden? Und dabei bilden sich diese BaalSpricster noch ein, Beförderer der Religion zu sein. Der Religionsunterricht wird vom gesammten Kleeblatt betrieben; in biblische Geschichte, Christenlehre, Kirchenlehre und Bibelerklärung eingetherlt, erfreut er sich ganz besonderer Pflege, er nimmt den größern Theil aller Lehrstunden und die VorbereilungSzeit in Anspruch. Es werden Hefte nach- oder abgeschrieben und auswendig gelernt. Je unverständlicher und länger die Begriffe, desto besser. Wo die Bibel nicht als Beweis ausreicht, da müssen Jakob Böhme und der­artige Heiligen herhalten. Die Lehre von der Person des Teufels ist natürlich die Lieblingölehre, alte Verwandtschaft und Bekanntschaft!

Ganz eigenthümlich ist ihnen die Manier, alle Beweise bei Adam anzufangen und in der Jetztzeit aufzuhören. Der alte Adam ist immer nach in ihnen. Wenn Einseitigkeit Gründlichkeit wäre, so könnte eS keinen tiefern Unterricht geben. Wenn einmal eine andere Ansicht dargestellt wird, so geschieht es auf die lächerlichste Weise, nur um die eigne (?) auS schönste Licht zu setzen. Wer es wagen sollte, zu widersprechen, und wenn daS Vorgetragene der kompleteste Unsinn ist und noch jo klar das Gegentheil hervorleuchtet, gilt für einen Gottes­leugner und sehr gefährlichen Menschen, der sofort auâ der Schaaf- Heeroe der Gläubigen auSgestoßen werden muß. Durch ein solches Verfahren glauben diese Menschen die Seminaristen und zukünftigen Lehrer für ihre Parthie zu gewinnen, während sie bei jedem einiger­maßen Nachdenkenden durch ihre Gewaltsbekehrung nur das Gegentheil bewirken. Die Seelen lehre hat das Glück, vom Hr. Pfarrer Bang traklirt zu werden. Zum Unglück für die Seminaristen hat dieser Mann Benikeuö System durch Hörensagen oder aus Wursts ersten zwei Schuljahren kennen gelernt und sucht nun den Seminariste» daâ, was er weiß oder wissen will, durch das Beispiel vonSauer­kraut und Schweinefleisch" deutlich zu machen.^ Evo unsinnig klingt, so wahrist doch, daßSauerkraut und Schweinefleisch" fein stereotypes, ja fast sein einziges Beispiel ist. DeS guten Mannes