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Kassel, Sonntag den 6. Januar

Aufruf an die Volkspartei Kurheffens.

Mitbürger!

Die Entscheidung über die Zukunft unseres Vaterlandes liegt abermals in unsern Händen. Die kurhessische Regierung wendet sich an uns mit der Frage: ob wir gesonnen wären, den Anschluß an den preußischen Sonderbund gutzuheißen oder nicht. Wenn sich die Mehrzahl des hessischen Volks an der Wahl zum sogenannten Parlament, das der König von Preußen in seine Festung nach Erfurt berufen will, nicht betheiligt, so ist die Frage unserer Regierung verneint, die Wahl der Minderheit hat dann keine Bedeutung, für jedes längere Verharren unserer Regierung im preußischen Sonderbunde gibt es dann keine Ent­schuldigung, keine Beschönigung.

Mitbürger! Die linke Seite unserer Ständeversammlung, die Freunde des Volks, haben in einem ausführlichen Berichte die Gründe auseinandergesetzt, weshalb sie gegen die Beschickung'des Erfurter Parlaments von Seiten Kurhessens, gegen das Eingehen auf die geheimen Pläne der preußischen Krone Einsprache gethan haben. Sie haben sich gegen den preußischen Sonder­bund verwahrt im Namen unserer Verfassung, unserer konstitutionellen Freiheit, im Namen unserer Selbstständigkeit, unserer sitt­lichen und materiellen Wohlfahrt, im Namen der von Kurhessen anerkannten Reichsverfassung. Die linke Seite unserer Kammer hat das Ihrige gethan; thun wir das Unjrige!

Mitbürger! Eine Betheiligung an der Wahl zum preußischen Festungsparlament ist gegen die Ehre des freien Mannes, denn: der König von Preußen war es, der das Parlament des Volkes, die Frankfurt Nationalversammlung, den Eckstein unserer Volkssouveränetät, zuerst zertrümmert hat,

der König von Preußen war es, der, trotzend auf seine Machtvollkommenheit, die Verfassung unserer Volksvertreter in Frankfurt verworfen und seine Kanonen gegen ihre Vertheidiger gesendet Hqt,

der König von Preußen war es, der die Kaiserkrone, die ihm das Volk anbot, dem Volke ins Gesicht schleuderte, --- und derselbe König von Preußen ist es,

der jetzt seinem Spott über unsere Revolution, seinem Jubel über unsere abermalige Verknechtung durch 2snorbmmg eines neuen Parlaments die Siegestrone aufsetzen will,

der uns jetzt eine neue Verfassung aufzwingen und unsere Deputirten benutzen will, der Gewaltthat und dem Treu­bruch den Stempel der Berechtigung aufzubrücken,

der sich jetzt die Kaiserkrone selbst auf das Haupt setzen will, und die Vertreter des verspotteten Volkes nach Er­furt entbietet, um diesem Krönungsakt in Demuth ^beizuwohnen.

Mitbürger! Haltet Eure Hände rein von hündischem Sklavendienste. Die Beschickung des Erfurter Parlaments würde uns in die Lügen und Netze der neuen Politik, der neuen Diplomaten werfen, sie würde unsere Demüthigung so weit treiben, daß wir keinen Anspruch mehr auf Freiheit, kein Recht mehr auf Achtung, keinen Muth mehr zu einer neuen Ov urg hätten. Sie würde den Anariffen der Gewaltigen auf unsere Freiheit den Selbstmord hinzufügen. Sie wäre die Genehmigung unserer Schmach, unse­rer Sklaverei, die feile Verleugnung unserer Manneswurde.

Mitbürger! Mit der Beschickung des Erfurter Parlaments wären die Pläne der Tyrannen erfüllt. Unsere Selbstständigkeit,, unsere Verfassung wäre vernichtet, für das Gaukelspiel einer halben Einheit hätten wir die ganze Freiheit geopfert. Unter- preußischem Joche würden die Rechte der kleinen Staaten, die Früchte jahrelanger Kämpfe verloren gehen, der Absolutismus, die Herrschaft der Gewaltthaten wäre heilig gesprochen. .

Mitbürger! Oesterreich und die deutschen Königreiche haben sich g^gen das Parlament erklärt. Die ganze Demokratie Deutschlands erhebt ihre Stimme gegen die gänzliche Vernichtung der deutschen Volkssouveränetät, gegen die neue Anmaßung der alten Tyrannen Der König von Preußen hat keine andere Hoffnung für das Gelingen seiner Pläne, als das uns aufgezwungene Wahlaeseb welches das Volk in Höchst-, Mittel- und Gering-Besteuerte zersplittert, welches die Armen aus " -'f- -Uèstcht >°clch-è eine indirekt- Wahl °»°td»-t welche- von dèm Mm des 8MW in Frankfurt neue Überlistung, ein neuer Fallstrick, -in- mue B-rhahnung

Mitbürger! Im Namen der Ehre, der a---a -, der Oiudjngteir, der ^iudeilichkeit r

Wählet it i d) t ! ! !

der Reihe der Menschen

gebrandmarkt, als eine

Ein zweites Parlament soll wieder eine That des Volkes, nicht seiner Zwingherren sein. Mögen Freiheit, mögen die immer willfährigen Diener der Stimmen wählen, der freie Mann wähle nicht!

Es lebe die Freiheit!!!.

die ewigen Feinde der

Kassel, am 4. Januar 1850

Bayrhoffer. Verlit. Förster. «Heise. Kellners- Loth. G. Theobalds Weinzierls