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Me demokratisch-soziale Republik. — Der Kampf wird auch mit dem Schwerte deS Wortes geführt, nicht blos mit dem der That. — Aber auch dem Schlachtcndienst für die Erlösung der Menschheit, für den neuen heiligen Glauben opfern sie sich mit Freuden! Das aber ist ihr Ruhm! —
Deutschland.
Q Berlin, 2. Jan. — Der Hätzelsche Prozeß ist am der- gangeren Montag früh vertagt worden, weil — — sich der Gerichtshof nicht vollständig eingcfundcn hatte. Ein sehr triftiger Grund! Auf solche Weise kann man die Prozesse ad graecas calendas vertage»! Der Beweggrund ist aber wohl tiefer zu suchen. ES sollen auch bei diesem Prozesse ganz neue und unerwartete Dinge zum Vorschein gekommen sein, am Montag soll Gödsche ein sechsstündiges Verhör bestanden haben und die Thatsache ermittelt worden sein, daß auch bei dieser Affaire ein gut Theil Ohm' scher Zu- thaten vorhanden ist. So viel scheint feftzustehen, daß Hätzel nicht verurtheilt werden wird, denn was wollen Statuten eines Bundes besagen, der nie bestanden hat? Uebrigenö hat die Nachricht davon lange vor dem Einziehen Hätzel'S im Zuschauer der Neuen Preußischen Ztg. gestanden, Grund genug, einen innigen Zusammenhang zwischen dem Waldeck'schen und dem Hätzel'schen Prozeß zu vermuthen. Wir können also auch jetzt wieder den schönsten Enthüllungen entgegensehen. — Während die Reaktion ihren letzten Trumpf ausspielt, und in tollem SiegeSjubel über die Jnstallirung des Interims und die Herstellung der „gesetzmäßigen" Bundesbehörde auSbricht, beginnt hier eine ganz neue Entwickelung deS demokratischen Lebens: das Landvolk neigt sich entschieden dem demokratischen Elemente zu. Und das geschieht nicht etwa in dem unterwühlten Schlesien oder in der Rhein- provinz, sondern in der unmittelbarsten Nähe von Berlin, unter den Augen der ungeschwächten Krone und ihrer Schildknappen. Schon vor einiger Zeit hatten wir daS Vergnügen, einer Adresse des Teltower Bauernvereins zu begegnen, die in ganz volköthümlichem Sinne gehalten war und eine Spaltung in jenem Verein zur Folge hatte; wenige Wochen daraus entstand in Charlottenburg ein demokratischer Verein, nachdem der Waldcck'sche Prozeß den Leuten die Augen geöffnet hatte, — jetzt ist das ganze Havelland in demokratischer Gährung, das Havel- land, daâ einen BiSmark-Schönhausen in die zweite Kammer schickte! Den Anstoß zu dieser Bewegung hat ebenfalls der Waldcck'sche Prozeß gegeben; sie zu verstärken aber und zu konsolidiren, mußten die jämmerlichen Gesetze über die Grundsteucrbefreiung und die Unentschiedenheit in Allem, was die bäuerlichen Verhältnisse anbetras, kommen. Wie stark der Wunsch unserer Bauern nach schleuniger Abstellung der hundertjährigen Mißbräuche war, konnte man schon daraus ersehen, daß Osterroth und selbst Harkort in unserer Minoritätskammer deu Antrag auf baldige Regulirung der Agrargesetzgebung stellten. Sie waren von ihren Wählern dazu gezwungen worden. Jetzt, da diese „gesetz- liche" Agitation nichts geholfen hat, sehen die Bauern ihren Mißgriff ein, und schließen sich derjenigen Partei an, welche die Abänderung und Verbesserung der Verhältnisse aller unterdrückten Klassen fordert. Es ist dieser neue Zuwachs ein unberechenbarer Gewinn für die Demokratie, gerade zu jetziger Zeit. Man müßte mehr als thöricht sein, wenn man nicht bemerkte, daß der Absolutismus zu einem letzten Ent- scheidungSkampfe hindrängt. Wenn aber der biedere Landniauu vom Herrn abfällt, so ist daâ Heer, das herrliche Kriegsherr, diese einzige Stütze des Absolutismus, für die Reaction verloren; die bäuerlichen Rekruten werden, verbunden mit den aufgeklärteren Städtern, in dem Geschrci der Feldwebel und Gardelieutenants: „Mit Gott für König und Boitzenburg" gerade keine unbedingte Marschordre mehr erblicken. Daß die Nachricht von der angedeuretcn Bewegung im Havelland kein Mährchen ist, dafür bürgen die Vereine, die sich dort gebildet haben; außerdem weiß ich aus dem Munde des Betreffenden selbst, daß sich eine Reputation von vierzehn Ortschaften zu einem demokratische» Pfarrer m dortiger Gegend begeben hat, um ihn zu bitten, die Bil- düng ihrer Organisation zu regeln. Auch wird in Brandenburg eine ftne Gemeinde entstehen. - Linden-Müller befindet sich jetzt für neun £ 9 auf freiem gu^; u^ ist seine Ehrenhaft bald abgelausen.
interessante Tata auS seinem Gcfängnißlebcn. Eines TaaeS T-S“?^’« ^" sieben hohen Herren besucht auch Mullers, des Cr - Präsidenten , Gefängniß. Unter den Revisoren fintet sich Hinckeldey, der aber fingirt, alö kenne er Müller nicht und ihn nach seinen Namen fragt. Dieser, in grauer Jacke und grauen Posen, antwortet ,hm: „Ich bin, was Sie künftig sein werden'" _ Edler Hinckeldey!
,. ^^V^'J' ^TT" 7" $*“ p^ßischtn Fin-nzmininister fehlt für das laufende Jahr die Lumperei von circa 20,000,000 Thalcrn.
Nach dem Vorschläge paßt aber Alles a la Wippermann. Man wird die 20,000,000 und noch einige andere Millionen, die sich „Herausstellen" werden, durch Kassenscheine, Beamtenkautionen re. rc. zu decken wissen.
„ Die Redlichkeit, die kennt man schon, „ Sie heißet Contribution.
„Ihr Alle seid auf gleichem Fuß, „ Gib her! — DaS ist der Handwerksgruß."
Würtemberg. — Hr. v. Schleyer, der nach den Nachrichten der „erprobten Charaktere" weder bei den Demokraten noch bei den Constitutionellen in Gunst steht, und durch die „moralische" Kraft des Volks schon längst hätte beseitigt werden müssen, der aber von den erprobten Charakteren gelernt hat, der Existenz wegen der moralischen Kraft doch die Physische vorzuziehen, — Hr. von Schleyer, der trotz der Ungunst deoVolkes sich in einer eben so günstigen Lage befindet, wie der ehemalige Professor Jordan mit seinen 5000 Thlrn., weiß den ehr- liehen Schwaben zu zeigen, waS ein „fähiger" Minister heißt. Der „unmögliche" Minister protestirt durch eine energische Handlung gegen das Jubelgeschrei der kleindeutschen Springhasen, als ob in Würtemberg die kleindeutsche Partei im besten Aufb'ühen stände, er protestirt nämlich gegen die Berufung des Erfurter Faseltages, indem er sich gegen die Folgen dieser zweiten März-Schwindelei förmlich und energisch verwahrt. Die Kleindeutschen, die bereits über die Frechheit deS Römer'schen Erben überhaupt, Minister zu sein, erstaunt waren, sind über die Höhe dieser Frechheit so verwundert, daß ihnen Hören und Sehen vergeht. So etwas geht über den Horizont der Springhasen. Aber Horizont oder nicht, der „fähige" Minister hat nun einmal den „unfähigen Männern" diesen Tort angethan. In der Freude über die denselben en passant gegebenen Ohrfeigen läßt Hr. v. Schleyer auf seinen „Herrn" den Ueberfluß seines HeldenglanzeS abflicßen. Wilhelm, König von Würtemberg, hat sich unter dem Regiment seines Ministers wieder den Titel „von Gottes Gnaden" zugelegt. Der Herr strahlt in dem Glanze seines Knechtes! Eine Hand wäscht die andere.
So energisch, wie der „Mann der rettenden Thaten" gegen Erfurt auftritt, eben so demüthig winselt er zu den Füßen des Interims. Das Interim verdient seine volle Achtung. Es unterlag daher keinem Zweifel, daß der Unwille des neuen Bundestages über die Verletzung des Turn- und Taxisschen EigenthumörechtS zu Gunsten Würtembergs wahrhaft kreuzritterliche Ohren am Hrn. Minister finden würde. DaS kaiserliche Regal ist gerettet. Die fortgesagte Kammer kann natürlich keine Einsprache thun.
Unter solchen Auspicien wird selbst Hrn. Römer bange, der sich bekanntlich feine Sporen an der Nationalversammlung und an Baden verdient hat, und später nach Gebühr bei Seite geworfen wurde. Hr. Römer läßt in seinem Organe verkünden:
„ Statt deö ehemaligen definitiven Bundestags haben wir jetzt daS Interim, an dessen Spitze Hr. v. Nadowitz steht, von dem man sagt, er habe in den 1830er Jahren den Vorschlag gemacht, alle namhaften Mitglieder der verschiedenen deutschen Oppositionen in Mainz einzusperrcn. Die Dreikönigoverfassung wird nicht zu Stande kommen, weil sich Oesterreich und Preußen entweder verständigen, oder weil Oesterreich daS preußische Kabinet dahin zu bringen weiß, daß es von Frankfurt aus an auffallend volksfeindlichen Schritten gegen die Einzelstaaten Theil nimmt, wie Suspension der verfassungsrevidi- renden Versammlungen u. f. w., wodurch Preußen bei den deutschen Volksstämmen allen moralischen Kredit verlieren muß und sich selbst die einzige Möglichkeit entzieht, eine Großmacht zu sein, und daS Ende vom Lied ist — der alte Bundestag, welchen Oesterreich, das kluge, von Anfang an im Herzen getragen hat, nur mit dem Unterschiede, daß, außer Oesterreich und Preußen, die übrigen deutschen Staaten, sage Fürsten, nichts mehr gelten werden. Diese wird man dadurch trösten, daß man ihnen b eg u cm e Verfassungen cinrichtet und sie im engeren Kreise gewähren läßt. Aber dieser Plan wird scheitern am — Mangel an Geld, an unserer Armuth. ThcurungSjahre, Eisenbahnen, militärische Rüstungen haben uns, im Verein mit einer Übeln Finanzwirthschaft von früherhin in Schulden gestürzt. AblösungS- gesctze haben daS Domanialvermögen wesentlich vermindert, und der Staatöauswand muß noch größtenlheilö derrch Steuern gedeckt werden! Wo diese nehmen? Von den weniger Wohlhabenden? Unmöglich! Also sparen. Aber an waS? An der Civilliste? Nein! Am Militär? Kann nicht sein! Man bedarf dessen nach Außen und vorzüglich nach Jnnnn. An den Siaatseinrichtungcn? Gleichfalls Nein. Man braucht sie zur Befriedigung der gesteigerten Ansprüche der Staatsgenossen. Also — haare Unmöglichkeit, fortan selbstständig zu bestehen, und somit — Anschluß an Preußen oder Oesterreich. DeS einzigen Rct- tungsmittelS wird man sich nicht bedienen wollen, des Fest- Haltenö an wahrhaft freisinnigen Einrichtungen. Nur