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Das Schullehretseminar zu Homberg.

11.

(Fortsetzung.)

Aber kaum haben sich die Wogen des empörten Meeres gelegt, als sofort die Diener der Finsterniß geschäftig sind, ein neues Un­wetter, einen neuen Sturm heraufzubeschwören. Man hätte sie vielleicht vergessen; wenigstens für den Augenblick vergessen, wenn sie nicht in der Todesangst ihres HerzenS mit ihrer allbekannten gött­lichen Frechheit den Kampf provozirten, wenn sie nicht zum Kreuz, zug predigten gegen sich selbst und ihrer eigenen Vernichtung cnt- gegen eilten, gleich ihren gestürzten Herren und Meistern.

Kaum hatte die gesetzliche Thätigkeit im Staat begonnen, um nicht die Kirche, sondern das Pfaffenthum in seine gehörigen Schran­ken zu weisen, und die Schule und das Leben von ihrer Oberherrschaft zu befreien, als auch diese Diener Baals und Asteroths dem lebendi­gen Gotte der Freiheit den erzwungenen Gehorsam kündeten. Ihre Wühlereien unter dem Landvolk und bei den Landgeistlichen und Schul­lehrern gegen das Gesetz der Civilehe sind bekannt. Eine viel größere Wuth jedoch entfalteten sie, als die Volksschule sich vom Schooß der Kirche zu befreien drohte. Die Volksschullehrer Kur- Hessens zeigten in ihrer überwiegenden Mehrheit, daß sie sich von den Hornberger Blindlehrcn befreit hatten; die Schüler erklärten ihren Lehrern den Krieg. Jeder Kreis bildete seine Lehrersynode, diese zusammen die Landessynode, an deren Spitze Gräfe in Kassel trat. Wutentbrannt über die erhaltenen und drohenden Niederlagen in die­sen Versammlungen, über die Angriffe in dem von der Landessyuode gegründeten Kurhessischen Volköschulblatt, voll Furcht vor dem Einfluß und dem Ansehn Gräfe's und vor der Aufklärung, welche durch jene Lehrerversammlungen sich zu verbreiten drohte, griffen die Männer des alten Systems nach jedem Rettungsmittel, das ihnen im Weg lag. Denunziationen nach Oben in einer Adresse an den Fürsten, worin Gräfe als Wühler und Verderber der Schule dargestellt wird, wechselten mit Verläumdungen, Schimpfereien und Lügen für die Menge in dem Organ derPharisäer vonHomberg und in den Lebrerstimmen. Ueber diese und ihre anderweitigen schriftstellerischen Versuche sprechen wir in einem besondern Artikel.

Wer sind denn diese Männer, die sich die Kraft zutrauen zum sieg- reichen Streit gegen die Vernunft und die Freiheit, die sich mächtig genug dünken, die Volksschule fest zu bannen im Joch der Dummheit, in ihre m Joche, das längst zerbrochen ist, wie Jedermann erkennt, nur sie nicht.

An ihrer Spitze steht der Herr Direktor Baumann, an dem Nichts an den großen Pestalozzi erinnert als seine langen Haare. Seine Geistes besiiwmung ist schwer zu bestimmen, denn er hat keine. Seine Worte und seine Handlungen heben sich auf. Vor den Semi­naristen ist er der Erzengel der Kirche, der sie mit feurigem Schwerte zu ihrem Dienste treibt er füllt ganze Stunden mit den Ermah­nungen der Unterthänigkeit der Lehrer gegen die Geistlichkeit. Sein religiöser Unterricht ist so orthodox wie möglich. Und da er häufig von der Berufung durch den heiligen Geist redet, so könnte man wirk­lich in die Verlegenheit kommen, ihn für einen Heiligen zu halten.

Aber seine Thaten verhindern glücklicherweise den Irrthum. Jeder Seminarist mag vor ihm treiben, was er will wenn er unbedingte Annahme der vorgeschriebenen Religionssätze verheißt und die tiefste Demuth vor dem hohen Direktor bekundet. Er selbst nimmt sich die­selbe Freiheit. Nach seinen Lehren ist der Tanz eine Heidenkunst. Nichtsdestoweniger schwenkt sich der Herr Erzengel mit den Töchtern

der Menschen im höllischen Neigen, und läßt seine Kinder in derselben \ Teufelölust unterweisen. Im Seminar ist der Genuß eines Schoppen Biers ein Verbrechen außerhalb aber huldigt er dem katholischen Grundsatz: ich trinke für euch Alle! Er erklärte es für eine Pflichtverletzung, wenn ein Lehrer in der Schule sich eines Buches be­dient, und kann selbst, ohne ein Buch vor sich zu haben, keine Minute unterrichten. Er spricht von der Pünktlichkeit einer Secunde, und kommt nie zur richtigen Zeit in seine Lehrstunden oder schließt sie zu früh. Er vergißt sehr häusig, daß er zn unterrichten hat, wenn er mit den Freuden des Lebens beschäftigt ist. kommt vor, daß er in einem Semester die Hälfte seiner Lehrstunden versäumt. Seine Schüler steckt er ein in den Lehrsaal, damit seine Kollegen diese Sachen nickt bemerken.

Seine schriftstellerische Thätigkeit beschränkt sich auf die Herausgabe eines ABC-Büchleins; seine ganze Gelehrsamkeit auf eine Schnupf­tabaksdose.

(Fortsetzung folgt.)

Cours-Zettel.

Frankfurt a. M», den 2. Januar 18 >9. Gesterrcich: Bankaktien 1258 P. 1253 G. Metall. 5 pSt 857, P. 857« G. Dgl. 47, pCt. 757, P- 75 G. Dgl. 4 pCt. 68 7, P. <>7 7, G. Dgl. 3 pCt 507, P. 50 G Dgl 2 7, pCt. 457, P. 45 G. 250 Fl. Hoose bei Rothschild 9l^ P. 947, G 500 Fl dgl. dgl. 1597, P. 1587, G. Bethmännische Obligationen 47z pCt 80 G Preußen : Staats- schuldsckeine 3'/- pCt. 887, P- 987, G. Prämienscheine 1017, G. Spanien : In­nere Schuld neue Oblig. 3 pCt. 29/z P 297, © Holland : Integrale 27z pCt. 557» P. 5.>7s G. Holländische 4 pCt. 857s © 847s P. Syndikats 37z p^t. 817a G. Hayern ; Obligationen 37z pCt. 837z P- 83 G. Wörtern erg : Obli­gationen bei Rothschild 37z PCt. 827s P- 817s G. Neue dgl 47z pGt. 05'/, P. 947s © Sardinien : 36 Frks. Loose bei Bethmann 33'/, P. 337s © Polen: Fl. 300 Lotterie-Loos Rth 116 G. Obligationen von 500 Fl. 4 pCt. 8M/s P- 81 G. Kurf. Helsen: Friedrich-Wilhelms-Nordbahn 457, P. 45 G 40 Thlr. Loose 33 P. 327s S, Großh. Hessen : Obligationen 37z pCt. 837« P- 827« G. Dgl. 4 pGt. 897s P. 887s G. Dgl 5 pCt. 102 P. 1017, G. 50 Fl Loose 737» P. 727s G. 25 Fl. Loose 297, P. 297, G. Haden : Obligationen von 1842 37, pCt 7^7, P. 79 G. Dgl. von 1848 5 pCt. 997» P. 997, ®- 50 Fl. Loose von 1840 547, P. 54 G. 35 Fl Loose von 1845 327» P. 32 7, G. Nassau : Ob­ligationen bei Rothschild 37, pCt. 847, P. 84 G. Dgl. 5 pCt. 1027, P. 1017, G. 25 Fl. Loose 267, ^. 267, G. Frankfurt : Obligationen 3 pEt. 79 P. 787, ®> Dgl. von 1839 37z p<3t 937, P. 927, G. Dgl. von 1846 37, pCt 887, P- 88 G. Taunusbahn - Aktien 301 P. 999 G. Belgien : Obligationen in Frs. a 28 kr. 4 7z pSt. 90 7, P. 90 ®. n» ßland : in R. Fl. 2. b. Grun. u. Comp. 4 pCt. 857, G. Dgl b. Stieglitz u, Comp. 4 pCt. 837, ®-

Fr n ch t p r e i se.

Kassel. Vom 2. Januar.

Thlr. Sgr. Hlr. Thlr. Sgr. Hlr.

Walzen baß Viertel von 5 bis

Noggen ,/ 3 5

Gerste Haser "

U £ r t r ti ii L i dj c Sitzung des

-emokratis eh sozialen Vereins.

Sonnabend, den 5. Januar, Abends 8 Uhr.

(Das Lokal wird durch öffentlichen Anschlag bekannt gemacht werden.)

Tagesordnung:

Besprechung von Vereinsangelegenheiten.

Kassel, am 4. Januar 1850.

Im Namen des Komitëö: Dr. Kellner, Vorsitzender.

(17) So eben ist erschienen und in allen Buch­handlungen zu haben, in Kassel bei W. Appel, Bvhnè, Krieger u. Luckhardt: Der persönliche Schutz. XIad) dem englischen Originale bearbeitet von Dr. CurtiuS.

Preis 10 Sgr.

Eine weitere Anpreisung dicsis Werkes, welches fnu hcr nur zu einem ungemein hohen Preise verkauft wurde, dürfte überflüssig sein, da der Werth und die Eidiegenheit desselben bereits allgemein anerkannt sind.

08)DU.e Kasecnenstra'e lSchäfcrgaffe) Nr. 916

e k a n n t m a ch u n g e ii.

eine geräuminc Wohnung für Feuerarbeiter ic., sowie gleicher Erde eine Wohnung zu jedem Geschäft passend.

(19) Bei W. Appel, Bohne, Krieger und Luck Hardt in Kassel ist zu haben: SympalheUscher Hanskalender für das Jahr isso.

Ein Kunst- und Wunderblich,

entgaltcnb die wichtigsten, aus den seltenen Schriften .k ^Bus Parazellus, All>ertug Magnus N m b^ogcnen sympathetischen und mag - gegen die schwersten Krankheiten ^brechen, sowie wundersame Geheimnisse

zum Nutzen und Vergnügen für Jedermann, besonders für jede Haushaltung.

Preis mir 6 Sgr.

Von diesem merkwürdigen Calender sind bereits 20,009 Ex. abgesetzt worden.

Theater-Repertoire.

Sonnabend, den 5. Januar: Dskar , oder: Wie schwer ist re doch , feine Flau zu betrügen I Lustsp. in 3 A., nach Seribe und Duveyrier von Lheod. Hell. Hierauf, zum ersten Male: Lin bengalischer Tiger. Posse in I A, nach dem Französischen von B. A. Herr­mann.

Sonntag, den 6. Januar: Votiert der Teufel. Grosse Oper mit Tanz in 5 A , nach Scribe. Musik von Meyerbeer. Alice: Fräulein Meyer.

Kassel. Verantwortliche Herausgeber: H. Heise u. 0r. Kellner. Druck der Estiennt'schen Buchdruckern.