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Deutschland.

Kassel, am 3. Jan. — Morgen, Freitag, wird die Stände­versammlung ihre Sitzungen wieder beginnen. Wir werden Gelegenheit finden, an die einzelnen Verhandlungen unsere Betrachtungen über die Mittel und Wege anzuknüpfen, wie Hr. Wippermann sich unbeschadet derCivilliste und der zur „Beförderung des Luruö" so nothwendigen Capitalisten re. das erforderliche Geld zu verschaffen gedenkt. Im Elate find mehr denn eine halbe Million Thlr. in Einnahme gestellt, die unzweifelhaft nicht eingehen werden. Und doch im Etat? Was nicht eingeht, nimmt man im Drange der Umstände daher, woher man will, Jet einer ungünstigen Bilance im Etat könnten die Landstände auf die verwegene Idee kommen, die Geldquelle anzudeuten. So etwas ist aber nicht „ konstitutionell " !

Um der größeren Gleichheit in der Besteuerung willen wird den Ständen auch ein neues Grundsteuergesetz vorgelegt werden. Die Vor­lage hat offenbar an sich schon ihr Gutes, sie beruht auf verfassungs­mäßigen Ansprüchen, — nebenbei hat sie aber auch deu kleinen Neben- Vortheil, der Staatskasse wieder so eine 100,000 Thälerchen zuzuwenden. Es ist Pflicht der Volksvertreter, gegen jedes Steuergesetz zu stimmen, so lange ein solches auf dem Boden unserer verrotteten, plusmachenden, sinn- und verstandlosen Finanzwissenschaft ruht, selbst auf die entsetzliche Gefahr hin, für „Feinde der Gleichheit" zu gelten.

Kassel, am 2. Jan. — Zum Schluffe des JahreS haben sich etliche Kommandojäger, deren Staatsdienst wesentlich darin besteht, die Forsten deS Hrn. Kurfürsten zu bewachen, daS Amüsement bereitet, eine Probe aus den Grad der wieder wachsenden Schaafögeduld deâ Volks zu machen. Bei dem Dorfe Ihringshausen haben zwei dieser „Männer des Gesetzes", deren Recht, bewaffnet in den Feldern und Wäldern nach Bürgern zu stöbern, so ziemlich zu bezweiseln ist, — zu­mal an Orten, wo die gewöhnliche Civilbehörde vollkommen auSreicht, und zu Zeiten, wo das Militär noch einen besonderen Gerichtsstand und einen eigenthümlichen Begriff vou Civilisten hat, — zwei dieser Männer haben es also nicht für einen Raub gehalten, Besitzer von Privatjagden im Bereiche derselben anzufallen, natürlich aus den Titel deS fehlenden Jagdscheins hin, ihnen die schmucken Doppelflinten ab­zufordern und nach Verweigerung derselben weidlich zuzuschlagen, mit Fäusten und Hirschfängern, so daß einerseits bedeutende, andererseits lebensgefährliche Verwundungen vorgefallen sind. — Der Vorfall ist dem StaatSprocurator berichtet, der hoffentlich weniger geneigt sein wird, das Wild der Eigenthümer vor diesen selbst zu schützen, als unser Ministerium durch sein bekanntes „ Gesetz zur Verhütung von Jagd­freveln ". Was liegt freilich an ein paar von Kommandojägern mal- traitirten Jagdbesitzern? Die Jagd muß wieder an ihre Herren zurück­gegeben werden,--daS ist die Moral der Geschichte. — Ver­muthlich um ein Gewohnheitsrecht zu begründen, haben zwei andere dieser militärischen Hasen- und Sauritter zur selben Zeit bei dem Dorfe Rothenditmold dito ein paar Bürger, die sich im Bereiche ihrer fre­velhaften Märzerrungenschaft befanden, zwar nicht gehauen und geschlagen, aber schlankweg mit Kugeln tractirt. Die Kugeln gingen freilich fehl, es waren aber doch Kugeln. — So rentiren sich die übriggeblie­benen Errungenschaften! Fort damit!!!

Weimar. — Die Märzvereine haben erklärt, daß sie es nicht gerathen hielten, in die Zwingburg Erfurt Deputirte zu senden.

* Braunschweig , den 2. Jan. — Hr. Liebe war hier und Hr. Liebe ist Mitglied des Vergewaltigungsraths in Berlin. Hr. Liebe besuchte eine Versammlung „achtbarer Bürger" und hörte mit Auf­merksamkeit daS Programm annehmen, das ihnen Hr. Gagern als „Richt- schnür" überwacht hatte. Am Schluffe große Pause! Da erhebt sich der große Vergewaltiger und spricht: daö Alles sei schön und gut, das Erfurter Parlament sei ein unvergleichliches Institut. Man müsse aber ein Interim haben. (Allgemeines Schütteln des Kopfes.) Er meine nicht noch ein Interim ä la Frankfurt. DaS genüge vorläufig. Aber er meine ein Interim in der Erfurter Reichöverfassung. Die ReichSversassung sei zwar ebenfalls schön und gut, aber sie komme zu frühe. Die Deut­schen mußten sich erst daran gewöhnen, sie seien noch nicht reif dazu. Der ReichSverweser habe auf seinem Posten bleiben müssen, biS sich Oe­sterreich und Preußen verständigt gehabt, der Vergewaltigungörath müsse auf iemem Posten bleiben, biS Sachsen, Hannover re. sich verständigt hatten. Manche Paragraphen der Reichöverfassung seien ohne Sachsen gar nicht zu gemeßen. Die Hauptsache sei aber die - und hier er b sich der Vergewaltigungsrath und sprach mit staatsmännischem Pathos also •

" 2)16 ^A^ngkert ist, daß sogar die Ansicht laut geworden ist, man müsse sich vorläufig darauf beschränken, die Dreckönigsv^ sassnng Dem Grundsätze nach festzuhalten, und die Aus- derselben auf ßünfti^ere Zeiten verschieben!" Sprachs und — schwieg! Die ehrbaren Bürger aber sahen in

daö Programm deS „Züchtigers" Gagern, und — schwiegen ebenfalls. Die Ausführung der Reichöverfassung muß aus günstigere Zeiten ver­schoben werden. „Wenn das nicht gut für die Wanzen ist re." Der „über die Grenzen seines Landes hinaus bekannte" Hr. Vieweg muß sich noch eine Weile mit der Annahme der Reichöverfassung en bloc bescheiden.

Würtemberg. — Damit Niemand in Zweifel bleibe, waS unter Wahlfreiheit zu verstehen sei, wird jetzt die Frage ventilirt, „ ob es nicht einen sehr guten Eindruck auf die Landtagswahlen ma­chen werde, wenn sofort die österreichischen Truppen inS Land gelegt würden." Wir meinen das allerdings! Entweder muß ein neueS Wahlgesetz octroyirt oder dem Volke das Bajonett auf die Brust ge­setzt werden. Auf diese Art kernt man den „wahren Willen des Vol­kes" heraus.

München. — Hr. v. d. Pfordten ist Ministerpräsident gewor­den. Die „besten Männer" begreifen gar nicht, wie man gegen ihre ausdrücklichen Wünsche und Befehle so brutal unfolgsam sein kann. .

Berlin, 31. Dez. — Eine Denkschrift, eine Denkschrift! Der Kaiser von Rußland will den alten Bund nicht so oberflächlich und schüchtern, wie das Interim sich benimmt, restaurirt haben, sondern frisch und fröhlich, in seiner ganzen früheren Ausdehnung nach Länge, Breite, Höhe und Tiefe. Hr. v. Linde wird seine Beschäftigung sinken. Die kaiserlich-russische Majestät, Hr. Nikolaus, soll sich an seine beiden deutschen Majore gewendet und verlangt haben, die Heiden endlich zur Ruhe zu bringen und das gründlich. Mit dem bloßen Hängen und Köpfen sei'ö nicht gethan, mit Octroyirungen und Belagerungszustän­den käme man nicht weit, das Uebel müsse da gesucht werden, wo es der selige Kotzebue gefunden habe, in d^n Köpfen, in den Geistern, in der Philosophie, im Geist überhaupt. Der Geist müsse gestandrechtet werden, nicht in effigie, sondern grau leibhaftig. Wozu die Preß- freiheit? Wozu die lächerlichen Zeitungen, deren „Auswüchse" unver­meidlich und Folgen der Zeitungen überhaupt wären? Wozu die Ver­fassungen? Wozu Glaubens- und Gewissensfreiheit? Kaiser Nikolaus sei über solche Kindereien hinaus. Allerdings könne man einen ge­wissen Glauben und ein gewisses Gewissen nicht entbehren, eine gewisse Verfassung sei so ziemlich nothwendig, eine gewisse Presse sei nicht zu vermeiden, im Gegentheil! — aber alles das könne nur in preußisch­österreichisch-russischem Sinne geduldet werden, als der offizielle Essig der offiziellen Knute, als die sämige Brühe an dem russischen Esels- kinnbacken. Eine Mediatisierung der kleinen Fürsten sei nothwendig, („die Constitulivnellers , diese Jungen, sin mich doch sehr nützlich!") nicht im Augenblick, aber in der Kürze. Preußen bekäme den Norden, Oesterreich den Süden Deutschlands. Der Petersburger Schwager würde dann zwar zweispännig fahren, aber sicher! — • —

Wir halten diese russische Denkschrift für gar nicht so unwahr­scheinlich , sie ist lediglich das Heidenmanifest für das Frühjahr 1850 bearbeitet Der Juchtenkaiser hat sich überzeugt, daß es mit dem ruhigen Zusehen, zu dem er anno 48 sich aus gutmüthiger Sorglo­sigkeit herabließ, nicht mehr geht, daß es auch mit den k. preußischen und k. österreichischen Beschwörungsversuchen nicht geht, daß es mit Deutschland überhaupt nicht mehr geht. Der Kaiser Nikolas erklärt also ganz simpel: Deutschland hat aufgehört zu sein. „Ein Oesterreich, ein Preußen, ein einiges, starkes Rußland!" Hr. v. Ralowitz weiß, was er thut. Die koustitutionellen Tölpel lachen über die Denkschrift und erklären sie natürlich für Blödsinn. In der Kürze stehen sie viel­leicht Angesichts der „ Enthüllungen ", die ihnen gewisse Minister „um mehrerer Forcht willen " über russische Schreckenspläne machen werden, wie vor den brandenburg- manteuffelschen Enthüllungen: „ Es geht nicht anders, â bas la Constitution!"

Erfurt, 3l. Dez. — „Das Gute lebt ewig!" Daß das Gesetz zum Schutze der Frankfurter Reichsversammlung ein quted war, un­terliegt keinem Zweifel. Der König von Preußen âdoptirt also dieS Gesetz, und verspricht seiner Spriughasenversammlung den Schutz von ein paar Armeekorps. Die Springhasen werden im „Schat­ten der Lanzen fechten", und Seine Majestät werden vom hohen Bal­köne diesem Löwenkampf zuschauen. Die Erfurter Festungsbürger sind außer sich vor Freude. Sie vfferiren ihre Wohnungen unentgeltlich.

Aus der preußischen Provinz Sachsen werden die Demokraten den „Reichstag" nicht beschicken.

Wien, den 27. Dec. — Welches Maas von Freiheit die Ein­führung der vom jugendlichen Kaiser in Angriff genommenen „Muster­verfassung", nach deren Vorbild alle seine Lande mit Verfassungen ver­sorgt werden sollen, gewähren wird, erhellt einfach daraus, daß vor Kurzem ein Student von einer Schildwache kurzer Hand erschossen wurde, weil er rauchte. Einer mehr oder weniger. Man kann ja wieder Prämien auf starke Zeugungökräfte setzen.